Re: Zuletzt gesehener Film

8401
Na ja, der Film ist ein Plädoyer für Andersartigkeit, Individualität und zeigt Barnum als toleranten, liberalen Familienmensch. Das kann man schon extrem kritisieren, weil es totaler Kokolores ist, gemessen an der Realität (Barnum war jemand, den man nach heutigen Moralvorstellungen - völlig zurecht! - extrem verurteilen müsste). Aber damit verkennt man dann auch etwas den Film, wenn man alles ignoriert, was er aussagt, worauf er hinaus will und warum er so ist, wie er ist. Wie gesagt: Das nie "Based on a true story" eingeblendet wird, ist elementar und sehr sehr wichtig im Kontext.

Aber so oder so, bei Greatest Showman zählt das Erlebnis, der visuelle Rausch. Der macht aus einem interessanten Musical ein sinnliches Erlebnis, das tief berührt.
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Re: Zuletzt gesehener Film

8403
Casino Hille hat geschrieben:Na ja, der Film ist ein Plädoyer für Andersartigkeit, Individualität
Möglich, aber das ist dann doch sehr flach und vor allem vorhersehbar umgesetzt und immer relativ plakativ über die bärtige Dame ausgedrückt.

Übrigens:

Killing of a Sacred Deer - Yorgos Lanthimos

Ich war mit zwei Freunden im Kino und der einzige der Gruppe, der Lanthimos berühmten letzten Film The Lobster nicht gesehen hatte. Der neue wird zwar vielerorts als Horrorfilm gelabelt, und das mag auf dem Papier auch stimmen. In der Inszenierung ist es aber vielmehr eine groteske Komödie, die ihren humoristischen Reiz aus der totalen Skurrilität bezieht, einem vor lauter Bösartigkeit aber oft auch das Lachen im Hals stecken lässt. Ich war auch überrascht, wie gradlinig die Erzählung operiert, bei Lanthimos Ruf hatte ich vielmehr etwas Abstraktes, Surreales in der Art eines Lynch oder Buñuel erwartet. Die Skurrilität kommt mehr aus den bewusst künstlichen Dialogen und linkischen Handlungen der Akteure, die jede banale Situation zu einer Bizarro-Veranstaltung machen. Insgesamt ein vergnüglicher Film, der seine eigenen Wege geht. Und Nici K war mal wieder schön erotisch. 7,5 / 10
We'll always have Marburg

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Re: Zuletzt gesehener Film

8404
GoldenProjectile hat geschrieben:
Casino Hille hat geschrieben:Na ja, der Film ist ein Plädoyer für Andersartigkeit, Individualität
Möglich, aber das ist dann doch sehr flach und vor allem vorhersehbar umgesetzt
Ne, nicht wirklich. Vorhersehbar vielleicht (aber das muss nichts schlechtes sein), flach ist das aber überhaupt nicht. Dafür ist der Film zu clever arrangiert.
Vor allem, weil diese Message durch die Musik und die Bilder transportiert werden, die dem Show-Gedanken des Films auch mal entgegen laufen.
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Re: Zuletzt gesehener Film

8405
Casino Hille hat geschrieben:
vodkamartini hat geschrieben:Im Kino: The Commuter (2018)

http://vodkasreviews.de/?p=218
Schön geschrieben, sehr erheiternd! :) Da ich ja - wie mehrfach erwähnt - den Collet-Serra in Paarung mit Herrn Neeson sehr gerne sehe, bin ich nächste Woche Dienstag ebenfalls drin. Freue mich drauf, zumal der Film konzeptionell "Non-stop" (meiner Lieblingsarbeit der beiden) sehr nahe kommt.
Danke. :wink: Hat richtig Spaß gemacht, obwohl natürlich kein Super-Dooper-Megafilm. Aber für einen gemütlichen Mittwochabend genau das Richtige und auch ich mag die Collet-Serra-Neeson-Fusion sehr gerne. Ich glaube, zumindest einen wollen sie noch stemmen.
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Zuletzt gesehener Film

8406
Auch wenn ich den Commuter ja wie erwähnt erst am Dienstag goutiere, meinetwegen können da gerne noch 1-2 Zusammenarbeiten folgen. Neeson taugt mir immer und der Collet-Serra weiß den Supporting Cast auch stets mit bekannten Gesichtern aufzufüllen (unter anderem im Commuter mischen wohl Sam Neill und Jonathan Banks mit).
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Re: Zuletzt gesehener Film

8408
Casino Hille hat geschrieben:Auch wenn ich den Commuter ja wie erwähnt erst am Dienstag goutiere, meinetwegen können da gerne noch 1-2 Zusammenarbeiten folgen. Neeson taugt mir immer und der Collet-Serra weiß den Supporting Cast auch stets mit bekannten Gesichtern aufzufüllen (unter anderem im Commuter mischen wohl Sam Neill und Jonathan Banks mit).
Sam Neill ist hier auf jeden Fall total verschenkt. Schade drum. :?
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"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Zuletzt gesehener Film

8409
iHaveCNit: Your Name. (2018)

Einer meiner Lieblingsfilmkritiker aus den USA, Chris Stuckmann hat gegen Ende 2016 eine Review zu „Your Name.“ veröffentlicht, die ich mir natürlich angesehen habe. Seit damals habe ich mir den Film auf meine Liste gesetzt, um auf die Veröffentlichung in Deutschland zu warten. Mittlerweile hat dieser Film seit seiner Erstveröffentlichung in Japan einen Großteil der Kritiker und auch einen Großteil seiner Zuschauer so stark überzeugt, dass auch der finanzielle Erfolg des Films ihn zum erfolgreichsten Anime aller Zeiten machen wird. Von meiner Seite verdient der Film das auch, denn die Geschichte, die Makoto Shinkai hier auf der Leinwand entfaltet, ist absolut großartig.

Mitsuha lebt auf dem Land und ist von der Einöde gelangweilt und wünscht sich nichts sehnlicher, als Junge in Tokyo zu leben. Taki ist so ein Junge in Tokyo, der einem geregelten Leben nachgeht. Eines Tages wachen beide im Körper des jeweils anderen auf und durchleben im täglichen Wechsel den Alltag des anderen durch deren Körper. So sehr, dass sie mit der Zeit nicht nur das Leben untereinander beeinflussen, sondern auch ineinander verlieben.

Romanzen, Körpertausch, Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen, dass sind alles filmische Elemente eines Teigs, der auf der Leinwand oft genug ausgerollt worden ist. Das was den Teig hier so besonders macht ist seine Mischung und die Art, wie er ausgerollt wird. Zunächst handwerklich zeigt der Film, dass man mit handgezeichneten Bildern immer noch eine unglaublich tolle Geschichte auf die Leinwand zaubern kann. Die Bilder sind einfach großartig. Die Geschichte jedoch ist das, was den Film noch weiter aufwertet. Eine so feine, natürliche und nicht aufgesetzte Liebesgeschichte durch Bodyswapping habe ich bisher noch nie gesehen. Mit Humor und Dramatik sowie durch einen feinen kosmischen, mythologischen und symbolischen Einschlag bekommt der Film genau noch die richtige Portion Fantasy, die den Film noch besonders macht. Auch, wie er die japanische Kultur behandelt ist mit soviel Feingefühl gespickt. Ich weiß gerade ehrlich gesagt nicht, was ich noch weiter hier besprechen möchte, denn sonst würde ich mich in Lobesarien verlieren, bei einem Film, andem ich absolut nichts auszusetzen habe.

„Your Name.“ - My First Look – 10/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

8410
Gestern John Wick, Chapter 2, auf Blu gesehen. Im Kino fand ich ihn ja noch relativ enttäuschend, gemessen an dem Vorgänger. Wer weiß, vielleicht hatte ich meine Tage oder ein sonstiges geistiges Unwohlsein. Also gestern war ich in besser Stimmung, ich fand ihn klasse und mitreißend, echt schön inszeniert und fotografiert und musikalisch passend untermalt. Besonders gelungen fand ich die Szenen in Rom. Ein schönes Action-Brett. 7-8 Punkte.
#Marburg2025

Früher war mehr Atombombe

Re: Zuletzt gesehener Film

8412
In letzter Zeit kommt es öfters vor, dass ich Filme bei der Zweitsichtung stärker einschätze. Früher war es umgekehrt. Liegt vielleicht daran, dass ich bei der Erstsichtung mich mehr auf die Story konzentriere und weniger auf Regie, Musik etc. Bei der Zweitsichtung, wenn die "Spannung" weg ist, achte ich mehr auf Details und kann den Film besser genießen.
#Marburg2025

Früher war mehr Atombombe

Re: Zuletzt gesehener Film

8413
iHaveCNit: Downsizing (2018)

Für den nächsten großen Kinofilm in diesem Jahr habe ich mich mal ganz klein gemacht auf etwa die Größe eines Kinotickets um im Film von Alexander Payne den guten Matt Damon auf seiner Reise zu begleiten, bei der ich nach den Trailern und der interessanten Grundidee des Films überhaupt keine Ahnung hatte, wohin die Reise letztendlich geht. Bis sich der Film nun auf der Leinwand entfaltet hat. Die Reise hat mich ganz entspannt überrascht.

Norwegische Wissenschaftler haben nach langer Zeit des Experimentierens eine Methode entwickelt, den Menschen um das vielfache in seiner Körpergröße zu reduzieren. Ziel ist die Einschränkung der Überbevölkerung, eine Konditionierung knapper Ressourcen und Minderung der Umweltverschmutzung. Der durchschnittliche Paul Safranek führt mit seiner Frau ein graues, tristes Leben mit den klassischen finanziellen Problemen. Bei einem Klassentreffen trifft er auf einen alten Klassenkamerad, der sich bereits hat „downsizen“ lassen. Paul ist sofort Feuer und Flamme dafür und kann es bis zur letztendlichen Entscheidung nicht erwarten, am „Downsizing“ teilzunehmen. Doch das Abenteuer und seine Herausforderungen konnte auch er nicht kommen sehen.

Sagen wir es mal so, diese Idee des Schrumpfen lassen ist filmisch ja kein unbekanntes Feld durch „ich habe XY geschrumpft“-Filme. „Downsizing“ verknüpft nun dieses Thema mit dem so allmählich voranschreitendem Problem der Überbevölkerung, der Knappheit der Ressourcen und der Umweltverschmutzung. Das gibt ihm natürlich einen interessanten aktuellen und sehr gesellschaftskritischen Kontext. Die Grundprämisse des Films erfordert natürlich seine Zeit der Exposition im Film, die erst etwas später den frischen Fisch-aus-dem-Wasser-Charakter bekommt, auch wenn nicht immer alles unbedingt logisch ist (sein muss). Das macht den Film etwas entspannt und behäbig, so dass der Antrieb von anderer Seite kommen muss. Und dieser Antrieb liegt im Überraschungsmoment, tragisch wie auch unglaublich witzig zugleich. Das mag zwar nicht immer einen konsistenten Ton treffen, sorgt aber neben Aha-Momenten zum Staunen auch für extrem witzige und tragische Momente. Matt Damon ist hier als Hauptcharakter eine coole Identifikationsfigur, aber das was Christoph Waltz und Hong Chau hier abliefern ist Gold wert. Gerade ihre beiden Charaktere sind heimliche Szenendiebe und Waltz hat hier endlich mal die Möglichkeit, gegen sein knapp 10-jähriges filmisches Image als klassischer Waltz-Antagonist anzuspielen und das macht er großartig. Die Grundidee, coole Momente aus Witz und Tragik, tollen Darstellern sowie eine unberechenbare Story machen den sonst an manchen Stellen zu behäbigen und nicht immer logischen Film zu einem tollen Spaß.

„Downsizing“ - My First Look – 8/10 Punkte.


iHaveCNit: Warum ich „The Commuter“ nach reiflicher Überlegung doch noch einen Punkt gebe !?

Erstwertung: 6/10 – Aufwertung auf 7/10 Punkte


Was habe ich in meiner Review geschrieben ?


...Ob der Ire Liam Neeson als Actiondarsteller taugt, habe ich häufig genug in Frage gestellt, da er ja in frühen Jahren Boxer war, muss da doch etwas von eigenem Einsatz in den Actionszenen vorhanden sein, die jedoch so hektisch durch Kamera und Schnitte inszeniert sind, so dass man nur zu dem Eindruck kommen kann, dass Liam nichts drauf hat und das alles nur filmisches Blendwerk ist. In „The Commuter“ macht man eben trotz interessanter Actionszenen den Fehler, diese kaputt zu inszenieren. Trotz kaputter Actionszenen,...

Was ist daran falsch gewesen ?

Ich habe „The Commuter“ durch die Wackelkamera/Schnittgewitter-Augen der grottigen Actionszenen in „Taken 2“ gesehen. Wenn man zum Beispiel jemanden einen Schlag ausführen lässt, die Kamera dabei so wackelt oder in einem solchen Winkel das einfängt, dass man weder sieht, ob der Schlag ankommt noch welche Wirkung er erzielt. Da wird dann einfach schnell in der Ausführung geschnitten und in der Folgeinstellung greift sich der Gegner von Neeson an den Hals und fällt in sich zusammen. Ob der Schlag damit zu tun hat oder eine kürzlich aufgetretene Erdnussallergie, an der er gerade erstickt, keine Ahnung. Durch Kamera und Schnitt wird uns hier manipulativ der Glauben geschenkt, dass ordentlich der Punk abgeht, aber gezeigt wird nichts, das lässt auch an Liam Neesons Eignung als Actiondarsteller zweifeln, wenn durch die kaputte Inszenierung dem geneigten Actionfan ein Misstrauen gegenüber Liam Neeson stetig und stetig anwächst. So war es bei mir.
Aber beim Pendler ist die Action jetzt nicht unbedingt kaputt inszeniert, es gibt sogar eine Kampfszene, die fast wie ein One-Take rüber gekommen ist und sonst sind die restlichen Kämpfe solide mitanzusehen.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

8414
iHaveCNit: Die Dunkelste Stunde (2018)

Geniales Marketing – den ersten Trailer zum Churchill-Biopic habe ich direkt vor meiner Kinovorstellung von „Dunkirk“ aus dem letzten Jahr gesehen. In Joe Wrights Biopic sehen wir Teil 3 meiner inoffiziellen Dunkirk-Trilogie. Den Anfang machte Lorne Scherfigs „Ihre Beste Stunde“, in dem mithilfe von Propagandafilmen der britischen Bevölkerung Mut in der schweren Zeit gemacht worden ist, Kurz darauf nahm mich Christopher Nolan mit „Dunkirk“ an der Leinwand fest in seinen Bann, der die Ereignisse vom Strand, den Booten und aus der Luft aus geschildert hat. Nun sehen wir im 3. Teil den Mann, der in dieser dunkelsten Stunde aus dem Nichts eine schier unlösbare Herausforderung zu bewältigen hatte. „Die Dunkelste Stunde“ ist nicht nur kleiner Geschichtsunterricht, sondern eine der besten Charakterstudien, die ich in letzter Zeit sehen konnte. Und der Film sorgt dafür, dass ich nun „Ihre Beste Stunde“ und „Dunkirk“ noch mehr schätzen kann.

Anfang Mai 1940. Die Opposition drängt den britischen Premierminister Neville Chamberlain aus dem Amt. Der einzige denkbare Nachfolger, der auch oppositionell anerkannt werden könnte, ist Winston Churchill, der aus den eigenen Reihen nur wenig Rückendeckung bekommt. Er steht innerhalb weniger Wochen vor der größten Herausforderung seiner noch jungen Karriere. Die französischen und britischen Truppen werden an der Küste von Dünkirchen von den Deutschen eingekesselt und für das britische Volk scheint eine unvorstellbare und beispiellose Katastrophe im Anflug zu sein.

Der Film ist klassisches historisches Biopic und Politthriller, aber vielmehr eine Charakterstudie, die vollends auf seinen Hauptdarsteller Gary Oldman zugeschnitten ist. Irgendwie habe ich mich auch an Filme wie „The Kings Speech“ und „Steve Jobs“ erinnert gefühlt. Oldman wird damit wohl in diesem Jahr neben dem bereits verdienten Golden Globe auch den Oscar mit nach Hause nehmen können. Wie er sich vollständig in der Rolle des Winston Churchills verliert und darin aufgeht, in all der Ambivalenz zwischen Optimismus und Skepsis seines Charakters und wie er mit diesen schweren Situationen umgehen muss. Man kann es kaum in Worte fassen, wie gut Oldman hier ist. Da muss sich dann eben der Rest des Casts leider hinten anstellen und auch die triste Optik des Films ist eben sehr klassisch gehalten.

„Die Dunkelste Stunde“ - My First Look – 9/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "