Re: Zuletzt gesehener Film

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HCN007 hat geschrieben:Brad Pitt spielt den Frankokanadischen Geheimdienstoffizier Max Vatan
Frankokanadier soll er also sein, und ich habe mich jedes Mal wenn der Trailer im Kino kam gefragt ob Old Brad sich da an einem britischen Akzent versucht.

Ob es mit dem Film an sich bei mir klappt weiss ich noch nicht.
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Re: Zuletzt gesehener Film

7218
Aus Komplettierungsgründen: Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere

Ein paar visuell beeindruckende Szenen, aber in seiner Prequel-Trilogie und Literatur-Adaption "Der Hobbit" beweist Peter Jackson, dass er - was sich bei seinen "Der Herr der Ringe"-Filme schon angedeutet hat, aber noch hinnehmbar war - ein maß- und stilloser Regisseur ist.

6/10 Punkte

Dagegen: "Zwei glorreiche Halunken"

Audiovisuell brillant, gewitzt, toll durchkomponierte Szenen, alles "larger than life", aber eben mit dem richtigen Gespür für die Gesamtwirkung. Dabei gleichermaßen lang und kurzweilig. Meisterleistung. (Man weiß sofort, warum Tarantino diesen Film so kultisch verehrt.)

9.5/10 Punkte
"Nelly, I'm about to get neck-ed back here. So: No peekin'! ... I said: No peekin'!"
(Joe Bang)

Re: Zuletzt gesehener Film

7220
Nocturnal Animals (2016, Tom Ford)

It's fun to kill People. You should try it some time.

Die Nacht ist dunkel, die Nacht ist grausam. Und sie ist allgegenwärtig, in dieser kargen Savanne im Westen von Texas. Die Weite scheint endlos, und dennoch kann das Grauen deiner fürchterlichsten Albträume jederzeit nur wenige Meter von dir aus dem finsteren Nebel treten. Sollten doch mal die Scheinwerfer eines Autos das Schwarz durchbrechen, dann nur aus einem einzigen Grund: Sie suchen dich. Und du bist allein.

Modeschöpfer Tom Ford versucht sich nach A Single Man erneut an der Kamera und adaptiert einen Roman von Austin Wright für das Kino. Amy Adams spielt die Kunstexpertin Susan, deren Welt scheinbar makellos ist. Sie lebt auf einem modernen Anwesen in Los Angeles, umgeben von grotesken, marmorglatten Skulpturen, von Ford in fast schon widersinnig perfektionierten, kühl kalkulierten Bildern festgehalten. Jake Gyllenhaal spielt Tony, und seine Welt ist dunkel, hässlich und stinkend. Im klaustrophobischen Klammergriff der alles erdrückenden Nacht kämpft er sich einem Highway im texanischen Niemandsland entlang. Gedemütigt, allein und dem Bösen, das in der Finsternis lauert, schutzlos ausgeliefert. Aber Tony ist fiktiv. Eine Erfindung von Susans Ex-Ehemann Edward Sheffield, der sich zum wiederholten Male als Schriftsteller versucht. Oder doch nicht?

Ford erzählt seinen Neo Noir Thriller auf drei verschiedenen Zeit- und Realitätsebenen, wobei Susans Rahmengeschichte die Brücke schlägt zwischen Tonys Albtraum und ihrer eigenen Vergangenheit mit Edward, und Ford koordiniert diese Ebenen stimmig, geschickt und mit einer Leichtigkeit, dass es eine wahre Freude ist. Susans Welt ist von einer geradezu widerlichen Perfektion, einer sterilen Kälte, die sich unnatürlich anfühlt. Kunstgalerien, unterwürfiges Haushaltspersonal und High-Society-Cocktailpartys bestimmen ihr Leben. Tonys Welt ist zynisch, erbarmungslos, morbide und bevölkert von dubiosen, kettenrauchenden Vigilanten in Polizeiuniform (saucool und geheimnisvoll: Michael Shannon) und psychopathischen Strassenrowdys (widerwärtig und preisverdächtig: Aaron Taylor-Johnson), die ihr Unwesen treiben. Beide Welten ergänzen, transzendieren und spiegeln sich auf einer faszinierenden Ebene der Abstraktion. Das Böse, das Abgründige zeigt seine hässliche Fratze immer in beiden Welten. Doch wo in Texas makabre Schurken dieses Unheil personifizieren müssen die Figuren es in Los Angeles nirgendwo anders suchen als in sich selbst. Denn die abscheuliche Gewalt und willkürliche Bosheit der einen Welt schlummert in der anderen genauso sehr, verborgen unter den Oberflächlichkeiten der abscheulichen Perfektion.

Fords filmische Vorbilder (Hitchcock, Fincher und vor allem der cineastische Meister des Surrealismus, David Lynch) werden zu keiner Sekunde verleugnet. Und doch scheint dieser Film anders von ihnen. manchmal scheint er dezenter, manchmal trivialer und manchmal glaubt man, dass da unter all den doppelten Böden der Dramaturgie noch weitere Welten zu entdecken sind. Nocturnal Animals fasziniert, er zieht an und er stosst einen ab. Und er ist für mich der beste Film des Kinojahres.

Wertung: 10 / 10

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Re: Zuletzt gesehener Film

7222
vodkamartini hat geschrieben:Na, das klingt doch sehr vielversprechend und spannend.
Danke, aber eigentlich machen mir solche Aussagen immer Angst, dass derjenige dann enttäuscht sein wird. :)

Vom reinen Sehgenuss her wären die Nachtaktiven Viecher für mich vielleicht eher "nur" eine 9, aber der Film beschäftigt mich noch, ich glaube im Nachhinein, Neues darin zu entdecken und ich möchte ihn wiedersehen. Maibaum würde sagen er hat das "Potential (noch mehr) zu begeistern". Daher habe ich ihn fürs erste auf 10 gesetzt.
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Re: Zuletzt gesehener Film

7223
iHaveCNit: Nocturnal Animals (2016)

Mein Filmjahr 2016 neigt sich so langsam dem Ende zu und der vorletzte Film, den ich mir dieses Jahr im Kino angesehen habe, ist „Nocturnal Animals“. Bei meinen Wertungen bin ich mir eigentlich mittlerweile sehr sicher, was ich von einem Film erwarte / erwarten kann und kann das auch bereits vor Sichtung des Films punktemäßig vorhersagen. Bei meinen Top-Platzierungen in diesem Jahr gibt es klare gesetzte Kandidaten (Rogue One, Arrival, The Revenant, Jason Bourne) und Filme, die mich extrem positiv und nachhaltig überrascht haben (The Hateful Eight, Room).
Nocturnal Animals wird sich vermutlich auch in diese Liste einreihen und liegt zwischen klar gesetztem Top-Kandidaten und Überraschung.

Überraschung wird vermutlich auch die erfolgreiche Galeristin Susan Morrow empfunden haben, als sie Post von ihrem seit 19 Jahren nicht mehr gesehenen Ex-Mann Edward Sheffield erhält. Der Schriftsteller hat ein Buch namens „Nocturnal Animals“ geschrieben und es Susan gewidmet. Als sie die brutale Geschichte eines Mannes liest, der bei einem Roadtrip in Texas seine Frau und Tochter bei einem Überfall durch kriminelle Psychopathen verliert, kommen ihr die Erinnerungen hoch, welch Schreckliches sie ihm damals angetan hat.

Tom Ford ist nicht nur ein weltberühmter Modedesigner, sondern auch ein extrem visuell anspruchsvoller Regisseur. Ich habe sein Erstlingswerk „A Single Man“ mit Colin Firth noch nicht gesehen. Nach der Sichtung seines zweiten Films „Nocturnal Animals“ werde ich das definitiv nachholen müssen. Visuell anspruchsvoll und sehr metaphorisch geht es in „Nocturnal Animals“ zu – jede Einstellung kann visuell als Punktlandung betrachtet werden.Ähnlich wie es dieses Jahr ein Nicolas Winding Refn mit „The Neon Demon“ gemacht hat, der in Sachen Bildsprache, Ästhetik und metaphorischer Tiefe die oberflächliche und kannibalistische Modeszene von LA sehr voyeuristisch und stilgemäß sehr oberflächlich betrachtet hat. Was „The Neon Demon“ an genereller Tiefe und interessanten Rollen gefehlt hat, hat Tom Ford mit „Nocturnal Animals“ nun geliefert. Ich mag interessante Thriller mit einem intelligenten Aufbau der Narration. Nolans Werke, Finchers Filmografie oder auch z.B. Denis Villeneuves „Enemy“ kamen mir bei „Nocturnal Animals“ in den Sinn. Der Film liefert uns 3 Erzählstränge, die miteinander perfekt kombiniert werden. Uns wird Susan im Heute präsentiert und wie sie mit den Ereignissen aus dem Buch umgeht. Die Handlung des Buchs wird uns ebenfalls gezeigt, genau wie der Verlauf der Beziehung von Susan und Edward. Kontraste – ist optisch das Stichwort, wenn man sich anschaut, mit welcher Präzision Tom Ford die unterkühlte Stimmung in LA der rauen, hitzigen Weite Texas gegenüberstellt. Darstellerisch ist der Film natürlich bis in die Nebenrollen hinein perfekt besetzt. Amy Adams ist eine der besten Darstellerinnen unserer Zeit und natürlich auch des Jahres 2016, nachdem auch „Arrival“ perfekt bei mir angekommen ist. Bei Jake Gyllenhaal mache ich meiner Meinung nach nie etwas falsch. Er spielt hier nicht nur den Autoren Edward Sheffield, sondern auch die Hauptfigur Tony Hastings im Roman. Darüber hinaus bietet der Film auch noch einen richtig guten Michael Shannon als Sheriff und einen absolut psychopathischen und genialen Aaron Taylor-Johnson. Da der Film eine Romanverfilmung von Arthur Wrights „Tony and Susan“ ist, über eine Frau, die einen Roman liest, ist der Film quasi eine „Romanception“. Wie man die erzählte Geschichte des Romans mit der Haupthandlung im Jetzt verknüpfen kann, lässt viel Interpretationsspielraum zu und stellt die Fragen, aus welchem Unterbewusstsein heraus die ganze Story erzählt wird. Nachhaltigen Interpretationsspielraum bietet auch das sehr konsequente Ende, das die Frage aufwirft – ging es hier um Vergeltung oder Vergebung ?

„Nocturnal Animals“ - My First Look – 10/10 Punkte
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

7224
@Goldie
Keine Sorge, bei solch einem Film steigt die Erwartungshaltung nicht ins Unermeßliche. :wink: Für mich ist hier interessant, dass er nachwirkt und dich noch beschäftigt. Das klingt sehr vielversprechend, zumal vermutlich jeder etwas anderes darin sehen kann bzw. anderes heraus ziehen kann. Und ist doch schön, zum Jahresabschluss mal mit 10 Punkten "belohnt" zu werden.
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Zuletzt gesehener Film

7225
HCN007 hat geschrieben:Bei meinen Wertungen bin ich mir eigentlich mittlerweile sehr sicher, was ich von einem Film erwarte / erwarten kann und kann das auch bereits vor Sichtung des Films punktemäßig vorhersagen. Bei meinen Top-Platzierungen in diesem Jahr gibt es klare gesetzte Kandidaten (Rogue One, Arrival, The Revenant, Jason Bourne) und Filme, die mich extrem positiv und nachhaltig überrascht haben (The Hateful Eight, Room).
Das verstehe ich irgendwie noch nicht so ganz, du setzt deine Noten also schon im Voraus? Klar hat man immer im Vorfeld gewisse Erwartungen / Hoffnungen, und liegt damit manchmal auch goldrichtig, genauso gut kann es aber sein, das man gnadenlos enttäuscht wird oder die Erwartungen übertroffen werden. Einen Film bepunkten bevor man ihn gesehen hat? Nicht in meiner Welt.
HCN007 hat geschrieben:Nachhaltigen Interpretationsspielraum bietet auch das sehr konsequente Ende, das die Frage aufwirft – ging es hier um Vergeltung oder Vergebung ?
Dieser Satz hingegen ist absolut treffend und beschreit das fantastische Ende adäquat. Nocturnal ist einer dieser Filme, bei denen ich zuerst im Lauf der Schlussszene Angst hatte, dass der Regisseur das richtige Ende nicht findet, dann aber absolut belohnt wurde, denn Ford blendet im perfekten Augenblick ab. Vergebung und Vergeltung gab es in meinen Augen beides,
Spoiler
Vergeltung dadurch, dass Edward seine Ex-Frau die qualvolle Welt von Tony hautnah hat durchstehen lassen, abstrakt symbolisiert durch ihre Lektüre des Manuskripts, und ihr damit den Spiegel ihrer eigenen Fehler und Untaten vorgehalten hat (Tony verliert Frau und Kind genau wie Edward, transzendiert in eine grauenhafte Mordgeschichte, es gibt am Ende nur Verlierer wenn Tony, der Polizist und der Mörder alle sterben). Vergebung hingegen dadurch, dass seine "Rache" zugleich ein Schlussstrich ist, er verbannt Susan aus seinem Leben und symbolisiert dies indem er nicht zum Abendessen erscheint. Die Verbindung zwischen Susan und Edward ist vorbei.
vodkamartini hat geschrieben:Keine Sorge, bei solch einem Film steigt die Erwartungshaltung nicht ins Unermeßliche. :wink: Für mich ist hier interessant, dass er nachwirkt und dich noch beschäftigt. Das klingt sehr vielversprechend, zumal vermutlich jeder etwas anderes darin sehen kann bzw. anderes heraus ziehen kann.
Dann ist ja gut, ich bin auf jeden Fall schon gespannt, was du damit anzufangen weisst, sofern du ihn überhaupt schaust, was ich bei dir als Neo-Noir- und Thriller-Fan aber eigentlich voraussetze. :wink:
vodkamartini hat geschrieben:Und ist doch schön, zum Jahresabschluss mal mit 10 Punkten "belohnt" zu werden.
Inder tat, auch wenn es diesen Jahrgang ein paar sehr gute bis exzellente Filme gab (Arrival, Hell or High Water, Un + Une, The Revenant) hat mir doch immer der letzte kleine Sprung zur "Ekstase" gefehlt, Nocturnal hat das jetzt nachgeholt.
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Re: Zuletzt gesehener Film

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HCN007 hat geschrieben:Bei meinen Top-Platzierungen in diesem Jahr gibt es klare gesetzte Kandidaten (Rogue One, Arrival, The Revenant, Jason Bourne)
Das sehe ich doch sehr kritisch/skeptsch. Aber jedem das seine.
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

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Re: Zuletzt gesehener Film

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GoldenProjectile hat geschrieben:
HCN007 hat geschrieben:Bei meinen Wertungen bin ich mir eigentlich mittlerweile sehr sicher, was ich von einem Film erwarte / erwarten kann und kann das auch bereits vor Sichtung des Films punktemäßig vorhersagen. Bei meinen Top-Platzierungen in diesem Jahr gibt es klare gesetzte Kandidaten (Rogue One, Arrival, The Revenant, Jason Bourne) und Filme, die mich extrem positiv und nachhaltig überrascht haben (The Hateful Eight, Room).
Das verstehe ich irgendwie noch nicht so ganz, du setzt deine Noten also schon im Voraus? Klar hat man immer im Vorfeld gewisse Erwartungen / Hoffnungen, und liegt damit manchmal auch goldrichtig, genauso gut kann es aber sein, das man gnadenlos enttäuscht wird oder die Erwartungen übertroffen werden. Einen Film bepunkten bevor man ihn gesehen hat? Nicht in meiner Welt.
Vielleicht ist das ein wenig missverständlich gewesen. Ich bereite mich schon etwas auf die Filme vor und lese/schaue natürlich auf entsprechenden Seiten/Youtube-Kanälen meines Vertrauens spoilerfreie Reviews und kann bereits vor dem Film abschätzen und mit eigenen Wertungsmaßstäben vergleichen, wodurch ich punktemäßig einen Forecast treffe. Natürlich kann dieser Forecast auch vollkommen daneben sein, so dass ich vom Film ein wenig mehr enttäuscht oder auch überwältigt sein kann.
Filme vorab benoten oder bewerten ist jedoch nicht wirklich meine Intention. Wichtig ist doch, was bei mir am Ende der Review steht und dass ich in meiner Review intersubjektiv nachprüfbare Gründe liefere, auch wenn jeder bei Filmen nicht wirklich aufs gleiche Ergebnis rauskommt und damit auch Meinungen minimal oder auch stark auseinanderdriften können.
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Re: Zuletzt gesehener Film

7228
Casino Hille hat geschrieben:
HCN007 hat geschrieben:Bei meinen Top-Platzierungen in diesem Jahr gibt es klare gesetzte Kandidaten (Rogue One, Arrival, The Revenant, Jason Bourne)
Das sehe ich doch sehr kritisch/skeptsch. Aber jedem das seine.
Ja, genau.

Ich bin schon bei meinem vermutlich größten Filmjahresrückblick meines Lebens am dran werkeln.
Hier gehe ich nochmal kurz drauf ein, warum vor allem die wichtigsten Platzierungen dort stehen, wo sie stehen.

#Ichkönnteeinbuchschreibenundvermarkten
#Jederbrauchteinhobby
#wonimmtderkerlnurdasgeldunddiezeither?
#derkerlmussdochschondietoilettenimkinoauswendigkennen!
#nichtzuvergessendiesitzplätze!
#durchorganisierterkrankerfilmfreak
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

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iHaveCNit: Macbeth (2015)

William Shakespeares Werke sind fester Bestandteil der Literatur, die die Jahre überdauert haben und immer und immer wieder für die Bühne oder die Kinoleinwand adaptiert werden. Dabei gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. „Othello“ oder auch „Der Widerspenstigen Zähmung“ sind als Thriller bzw. Lovestory im High-Schoolfilmgenre angesiedelt worden durch „O“ und „10 Things i hate about you“. „Hamlet“ wurde unter anderem durch die Rockerserie „Sons of Anarchy“ auf eine moderne Art umgesetzt. Die Liebesgeschichte um Romeo und Julia wurde modern, interessant und gewagt von Baz Luhrmann inszeniert. Im Jahre 2015 hat sich nun der australische Regisseur Justin Kurzel wie schon viele andere vor ihm an die Tragödie über den Aufstieg und Fall von Macbeth gewagt.

Wir bewegen uns im Schottland des Mittelalters. Der machthungrige Heerführer Macbeth wird durch eine Prophezeiung und seiner ehrgeizigen Frau dazu angetrieben, sich Zugang zum Thron von Schottland zu beschaffen. Er ermordet König Duncan und führt das schottische Volk mit eiserner Tyrannei, doch ein Bündnis zwischen Macduff und dem Sohn von Duncan könnte Macbeth zum Verhängnis werden.

Kurzel wählt für die Tragödie um Macbeth einen extrem harten Ansatz. Ich habe hierzu auch ganz aktuell Nicolas Winding Refns „Walhalla Rising“ gesehen und muss sagen, dass der Stil beider Filme ähnlich und Kurzels Version von Macbeth sehr an die Game-Of-Thrones-Generation ausgerichtet ist und uns eine typische Story geliefert wird, die mit Verrat und Rache aufwartet. Die Bildkomposition ist atemberaubend, sehr interessant und teilweise auch vollkommen gegen den Strich gebürstet. Slowmotions, Nebel, unterschiedliche Farbgebungen sind hier typische Stilmittel des Films. Unterlegt wird das von einem absolut krass treibenden Score von Justin Kurzels Bruder Jed Kurzel. Darüberhinaus ist der Film in den Nebenrollen gut besetzt mit Leuten wie David Thewlis, Paddy Considine, Sean Harris, Elizabeth Debiecki, Jack Reynor. Doch die beiden größten Namen sind hier zweifelsohne Marion Cotillard als geheimnisvoll scharfzüngige und manipulative Lady Macbeth und Michael Fassbender als Macbeth persönlich. Die unterschiedlichen Facetten, Emotionen und Gefühle eines Macbeths werden von Fassbender meisterhaft verkörpert und auch die Motivation mit eingebundener posttraumatischer Belastungsstörung bedingt durch die Kriege und den Verlust der Kinder lässt die Tragödie sehr geerdet daherkommen. Die Dialoge selbst sind aus den Originaltexten von Shakespeares Schauspiel entnommen worden, das ist zum einen sehr respektvoll gegenüber der Vorlage, authentisch aber auch sehr befremdlich, wenn man solche Texte nicht gewohnt ist, die in der Regel sehr komplex geschrieben sind. Doch für mich ging das in Ordnung. Als einzige Schwachstelle des Films werte ich stellenweise auftretende Längen, da hätten wenige Minuten weniger definitiv mehr gebracht. Da ich aktuell auch „Assassins Creed“ sehen werde, der quasi mit dem gleichen Team aufwartet wie „Macbeth“ wollte ich mir den Film nochmal ansehen und bewerten. Und die Messlatte für „Assassins Creed“ liegt nach „Macbeth“ definitiv weit oben, so dass man sehen wird, ob der Film sich daran messen lassen kann.

„Macbeth“ - My Third Look – 9/10 Punkte.
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