Auf dem Papier, aber nicht im Flm. Thor ist 90 Minuten ein Jammerlappen, dann sagt ihm seine Mutter genau das, was du schreibst und am Ende des Films wiederholt er ihre Worte. Das ist aber keine Entwicklung. Im Gegenteil: Als es deutlich nach der Szene mit der Mutter darum geht, wer den Handschuh tragen darf, ist er wieder der alte Anführer Thor, der sich als Stärkster Avenger sieht und daher natürlich als einziger die Macht und das Recht hat, den entscheidenden Schnipp zu vollziehen. Der Film entwickelt Thor nicht, sondern gibt ihm eine Dialogszene, in der ihm von außen eine neue Lebensidee zugetragen wird, der er am Ende schlicht adaptiert (denn Thor bei den Guardians lässt den Rubel im nächsten GotG-Film doppelt so schnell rollen). Show, don't tell ist die Devise. Der Film zeigt mir nicht, dass Thor sich ändert, er behauptet es in den letzten 5 Minuten bloß und stellt mich vor vollendete Tatsachen.vodkamartini hat geschrieben: 4. Mai 2019 16:02 Thor macht definitiv eine Entwicklung durch. Er hört auf krampfhaft die Führungsperson zu sein für die ihn alle halten, eine Rolle in die er quasi per Geburt hinein gezwungen wurde und mit der er sich nie so recht wohl gefühlt hatte. Der Schlüsselmoment in Endgame ist das Treffen mit seiner Mutter, die ihm nahe legt, der zu sein, der er sein möchte (und sein kann)
Dazu kommt, dass unabhängig ob man den versoffenen Thor nun lustig findet oder nicht, genau seine Handhabung nicht nur seinem Charakter, sondern auch dem der anderen Marvel-Helden widerspricht. Im MCU hat es bislang immer eine große Rolle gespielt, was die Helden erlebt haben und das sie Trauma erleiden, menscheln und schwächeln. In Iron Man 3 muss Tony Stark seine inneren Dämonen (ein Resultat aus Avengers) überkommen, und fällt in Age of Ultron in sein Rollenverhalten zurück. Captain America wird durch Winter Soldier geprägt und diese Prägung führt direkt zu den Ereignissen in Civil War und seinem Verhalten dort etc. In Endgame wird genau das mit Thor nicht mehr gemacht. Obwohl er sein Volk, seinen Bruder, seinen Vater, seine Schwester, seinen besten Freund etc. in kurzer Zeit verloren hat, wird seine daraus resultierende Depression für Lacher geopfert. Er ist kein echter Charakter mehr, sondern ein Pausenclown. Und das ist schade, gerade weil das serielle Erzählen des MCUs mehr hergeben würde als solche Tropen.
Bei Cap gilt für mich dasselbe, der hat sich in 10 Filmen nie entwickelt. Der startet als patriotisches, edles Stehaufmännchen, kriegt im ersten Film Muskeln und ist danach eigentlich immer derselbe geblieben (höchstens in Civil War machen die Russos mal kurz etwas interessantes mit ihm, als sie seine Loyalitäten gegeneinander abwägen, aber reißen das am Ende mit der Entschuldigung bei Iron Man direkt wieder ein). Seine seltsam eigensinnige Entscheidung in Endgame zum Schluss konnte ich null nachvollziehen, das kam für mich völlig aus dem Nichts. Hat mich aber noch am wenigsten gestört, da mir die Figur eh ziemlich egal ist.