Jahresrückblick 2022

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Hier ein paar Worte, Gedanken, Empfehlungen zum Filmjahr 2022. Ohne Objektivität, ohne Gewähr, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit Überzeugung. ;)

„Back to the 80s, Back to Pandora, Back to Stardom“ oder „Mit Überschall aus dem Pandemie-Sumpf“ - Das Filmjahr 2022

Die wichtigste Nachricht zuerst: Das Kinojahr 2022 konnte endlich mal wieder als ein solches bezeichnet werden. Und damit ist nicht einmal die außerordentliche Qualität in der Breite gemeint, sondern schlicht die Tatsache, dass nach zwei Jahren pandemischen Verwüstungen endlich wieder vermehrt der Weg in die Leinwandoasen gesucht und gefunden wurde. Natürlich konnte sich bei weitem nicht jeder dazu aufraffen, aus seiner schönen neuenStreaming-Welt auf-oder gar auszubrechen um neue Filmabenteuer dort zu entdecken, wo sie ursprünglich herkamen. Aber der Weckruf war nicht zu überhören, schließlich kam er mit Mach 10 daher.

Dass ausgerechnet das Sequel zu einem der zeitgeistigsten Superhits der Filmgeschichte die Branche so richtig durchrütteln würde, war kaum zu erwarten gewesen und gehört zur besonderen Magie des Mediums. Gut, wenn einer die personifizierte Kinoleidenschaft verkörpert, dann Tom Cruise. Der Mann stieg nicht nur mit fast 60 in einen Kampfjet, sondern motivierte auch noch seinen gesamten Cocast es ihm gleich zu tun, schließlich sollte der Zuschauer echten Schweiß, echtes Adrenalin und echtes Draufgängertum hautnah spüren.

Die geballte Superheldengilde bestehend aus Ritter, Adam, Panther, Zauberer und Donnergott sah dagegen steinalt aus, mit ihrer vornehmlich aus dem Computer stammenden Comic-Akrobatik beziehungsweise ihren offenkundigen Greenscreen-Turnereien. Vor allem weil sie ein anderer Kinomagier aus den nach wie vor omnipräsenten 80er Jahren auf ihrem ureigenen Feld ebenfalls mit Vollspeed abhängte. Zwar brauchte James Cameron nicht 36 Jahre für sein spätes Sequel, aber auch derer 13 sind in der Welt der bewegten Bilder eine Ewigkeit. Um so verblüffender - und für die Konkurrenz peinlicher - dann das Ergebnis. Effekte, Optik und Kameratechnik lassen die unmittelbar vorher gestarteten Rivalen von Marvel und DC wie Rohfassungen eines Atari-Spiels aussehen.

Natürlich kamen nicht alle Fortsetzungen auf der Überholspur daher. Vornamen sind für gewöhnlich knackiger als Nachnamen, das hätte man eigentlich wissen sollen. Auch der Gedanke die beste Agatha Christie-Verfilmung mit nebenbei auch noch dem besten Poirot-Darsteller toppen zu können, war doch sehr ambitioniert. Gleiches gilt für das Ansinnen den Charismatiker Chadwick Boseman durch ein eher blasses Nebenfiguren-Ensemble ersetzen zu können, wenn auch die tragischen Umstände wenig Anderes zuließen. Diese Ausrede können die Macher um die genmanipulierten und Vergnügungspark-süchtigen Dinosaurier nicht vorbringen, zumindest hat uns das Wiedersehen mit sämtlichen Urechsen-Dompteuren der Filmreihe ein wenig mit dem schwarzen Loch versöhnt, in dem Plot, Dramaturgie und Spannung verloren gegangen waren.

Und schließlich gab es da noch das Ende eines gewissen Michael Myers, längst überfällig sagen die einen, völlig unnötig die anderen, zufrieden war dann dennoch keiner so richtig. Im Horrorgenre ist man ja an ständige Wiederauferstehung gewöhnt und keiner hat das so schön zelebriert und meta-phrasiert wie Wes Craven. Dass der fünfte Schrei aus dutzenden jugendlichen Kehlen erneut durch Mark und Bein ging, ist da fast schon konsequent und hätte dem verstorbenen Meister ganz sicher ein wohliges Lächeln entlockt. Die Symbiose aus Horror und Humor spielt auch im noch jungen Oeuvre Jordan Peels eine nicht unwesentliche Rolle, wenn auch auf subtilere und doppelbödigere Art. Vor allem aber unterläuft er mit diebischer Freude gängige Erwartungshaltungen und ist ganz nebenbei auch noch ein versierter Kenner der Filmgeschichte.

Diese war auch immer eine ihrer Stars. In den letzten 20 Jahren ist diese Gesetzmäßigkeit deutlich ins Trudeln geraten und musste sich immer heftigeren Frontalangriffen ganzer Franchise-Armeen erwehren. Aber auch wenn die beherzten Vorstöße einer Handvoll (früherer) Leinwandikonen- u.a. Tom im Cockpit, Sandra und Brad zuerst im Dschungel und dann im Zug sowie Nicolas im Talent-Olymp - wie die Nadelstiche von ein paar Rebellen gegen eine imperiale Übermacht daher kommen, so wissen wir doch alle, wer im Finale zu John Williams Fanfaren feiert. In diesem Sinne: cinema lives.

P.S.: Für Freunde der Listen das Kino (und Filmjahr) in Noten und Tempi von Bruchlandung bis Höhenflug.

Die Flop 7
Bummelzug (5/10)
6. Jurassic World (Familientreffen ohne Spannung(en) = belanglos)
5. Black Panther: Wakanda Forever (Familientreffen ohne Oberhaupt = konturlos)
4. The Northman ((Familien-)Rituale im Arthouse-Sumpf = freudlos)
Schlafwagen (4/10)
3. Black Adam (Plothumbug und Pixel-Nabelschau = hanebüchen)
2. Im Westen nichts Neues (Kunst(fehl)kniffe und Holzhammer = ärgerlich)
1. Doctor Strange (Universumswirrwar und Pixelnabelschau die Zweite = lärmig)

Die Top 20
Reisegeschwindigkeit 6/10)
20. Tod auf dem Nil (besser als befürchtet)
19. Halloween Ends (besser als behauptet)
18. Der Nachname (besser als besprochen)
17. Uncharted (besser als erwartet)
16. Minions - Auf der Suche nach dem Miniboss (immer noch besser als die Konkurrenz)
Flott (7/10)
15. The Gray Man (laut, lauter. am lautesten, Ryan als Krawumm-King)
14. The lost city (abenteuerlich, altmodisch, sympathisch, Sandra als Indiana-Queen)
13. Glass Onion (grell, stylish, komisch, Daniel als Ermittler-King)
12. Thor - Love and Thunder (grell, bunt, rotzig, Chris als Superhelden-King)
11. The Batman (düster, rockig, Robert als Fledermaus-King)
10. Violent Night (Santa goes Die hard, David als Christmas-King)
9. Massive talent (launig, meta, gaga, Nic als Cage-King)
Überschall (8/10)
8. Elvis (fetzig, rockig, bunt, Austin als Der King)
7. Scream (5) (meta, selbstreferentiell, punktgenau = Melissa als Scream-Queen)
6. Nope (abgründig, ehrfürchtig, sonderbar, Jordan als Wundertüten-King)
5. Bullet Train (witzig, brutal, Gaspedal, Brad als Schienen-King)
4. Prey (archaisch, packend, rigoros, Amber als Predator-Queen)

3. Avatar: The Way of Water (Kinomagie die Zweite, James als Spektakel-King)

Mach 9 (9,5/10)
2. Die Klapperschlange (Wiederaufführung, aber was für eine, John Carpenter als Minimalismus-King)

Mach 10 (10/10)
1. Top Gun Maverick (Kinomagie, Adrenalinkick, Wow-Dauerfeuer, Tom als Kino-King)
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http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Jahresrückblick 2022

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Gefühlsmäßig war mein filmisches Kalenderjahr 2022 (wie immer auch mit einigen nachgeholten Filmen des Vorjahres) nicht so doll, was auch vom mit 6,13 sehr durchschnittlichen Notenschnitt gestützt wird. Die Kehrseite von viel Mittelmaß und einigen echten Stinkern sind aber auch einige richtig starke Filme. Vier Film mit 9 Punkten sind schon eine ganze Menge, dazu noch der spassig-unterhaltsame Top Gun: Maverick gleich dahinter - das wiegt viel von der filmischen Tristesse wieder auf. Dennoch ist nicht zu leugnen, dass mir das Blockbuster-Kino moderner Prägung keinen großen Spass mehr bereitet und ich hier vor allem wiedergekäutes Bereitsdagewesenes wahrnehme. Aber genug der Worte, hier mein Leistungsnachweis im Detail:


Cry Macho (Clint Eastwood)
Melancholisches Road Movie vom Altmeister, das sicherlich weit davon weg ist in irgendeiner Form spektakulär zu sein, aber dank ruhigem Fluss und grossartigem Spiel der Darsteller einfach Spass macht.
7,5 / 10


Dune (Denis Villeneuve)
Villeneuves Neuinterpretation des Wüsten-Stoffs ist leider schwerfällig, langweilig und erzählerisch uninspiriert geraten. Bleischweres, seelenloses Grosskino mit farblosen Figuren und lahmem Storytelling.
3 / 10


House Of Gucci (Ridley Scott)
So la la Mode-Epos von Old Ridley. Zwar trotz über 2,5 Stunden Lauflänge nie langweilig, aber wirklich packend halt auch überhaupt nicht, was hauptsächlich der unspektakulären Inszenierung sowie dem weitgehend Höhepunktlosen Drehbuch anzulasten ist.
6 / 10


Nobody (Ilya Naishuller)
Knüppelharter Actioner aus der John Wick-Schmiede, der erfrischend schwungvoll startet, bei dem sich aber spätestens ab der Hälfte die reptitative Action mehr und mehr totläuft, dank dem überzeugenden Bob Odenkirk aber zumindest halbwegs unterhaltsam ins Ziel kommt.
6,5 / 10


The North Sea (John Andreas Andersen)
Netter Neo-Katastrophenfilm aus Norwegen, der Genre-typische Destruktionsaction mit ein wenig Anspruch verbindet und sich auch tricktechnisch problemlos mit seinen US-Pendants messen kann. Einzig deutlich mehr Fahrt hätte man dem Film dann aber schon gewünscht.
6,5 / 10


Dreizehn Leben (Ron Howard)
Howard gelingt mit der Rekonstruktion einer Rettungsmission ein 1A-Comeback.
Dramatische Komponenten, Spannungs- und Actionelemente wie auch die figürliche Ausarbeitung bewegen sich auf höchstem Niveau, ebenso die stark agierenden Hauptdarsteller.
9 / 10


Moonfall (Roland Emmerich)
Leidlich überzeugendes Emmerich-Best-Of, welches trotz guter Ansätze und sympathischer Hauptdarsteller durch die Vielzahl von wiederverwerteten Ideen und die oft sehr schlechten digitalen Effekte eine zu schwere Bürde trägt, um wirklich richtig Spass zu machen.
5,5 / 10


King Richard (Reinaldo Marcus Green)
Stark hollywoodisiertes Drama über den Aufstieg der Williams-Tenniswunderkinder und die Rolle ihres dominanten Vaters, extrem auf Hauptdarsteller Will Smith zugeschnitten. Routinierter Hollywood-Kitsch mit weitgehend blass bleibenden Figuren und vorhersehbarer Geschichte.
6 / 10


Top Gun: Maverick (Joseph Kosinski)
Der neue Top Gun ist oft mehr Remake denn späte Fortsetzung des Originals, spielt seine bekannten Karten aber dennoch souverän genug aus, als dass die vielfachen Deja-vus sich wirklich negativ bemerkbar machen würden. Das finale Drittel zündet dann einen gewaltigen Nachbrenner und begeistert mit stark inszenierter Action.
8,5 / 10


Gipfel der Götter (Patrick Imbert)
Klassisches Bergabenteuer im Animationsstil, welches vor allem durch eine enorme atmosphärische Dichte zu punkten weiss. So sehen die gezeichneten Himalaya-Szenen oft authentischer aus als reale Dokumentationen. Ein wenig mehr Schwung und Tempo und hier wäre noch deutlich mehr drin gewesen.
7 / 10


Maniac Driver (Kurando Mitsutake)
Krude Mischung aus Giallo und Taxi Driver, bei der man zwar jederzeit das enorme handwerkliche Talent seines Regisseurs wahrnehmen kann, die sich jedoch dramaturgisch und figürlich sträflich unterversorgt lediglich in stilisisierter Gewalt suhlt und trotz ultrakurzer Laufzeit höhepunktlos dem Ende entgegenzuckelt.
3,5 / 10


Tiefe Wasser (Adrian Lyne)
Biederer Stangenthriller von Provokations-Altmeister Adrian Lyne, der auch schon bessere Karriere-Tage gesehen hat. Der Film strengt eher an, als dass er unterhält und selbst die nahmhafte Besetzung agiert weitgehend auf Dienst-nach-Vorschrift-Niveau.
5,5 / 10


Blood Red Sky (Peter Thorwarth)
Deutschlands Kultregisseur wagt sich mit einem knallharten Horroractioner auf neues Terrain und scheitert leider letztlich trotz erneut durchgängig erkennbaren handwerklichen Könnens. Denn die Vampir-meets-Air Force One-Variante kann weder inhaltlich noch figürlich jemals wirklich fesseln und bietet nur eine lose Grundlage für die zunehmend ermüdende Daueraction.
5 / 10


Broad Peak (Leszek Dawid)
Die Geschichte um den Jahrzehnte überspannenden Versuch einer 8000er-Besteigung überzeugt mit starken Bergszenen, verliert aber durch oberflächliche Figuren und mittelmäßige Inszenierung.
5,5 / 10


München – Im Angesicht des Krieges (Christian Schwochow)
Absolut überzeugende Mischung aus Spionagethrill und Geschichtsdrama rund um die Münchner Konferenz im Jahre 1938. Tempo, Spannung und Figurentiefe bleiben dabei durchgängig auf sehr hohem Niveau, ebenso die stark agierenden Darsteller.
9 / 10


Against the Ice (Peter Flinth)
Routiniertes, aber nie wirklich packendes Grönland-Abenteuer, welches zwischen epischen Weiten und Kammerspielcharakter hin und herwechselt. Echte Höhepunkte sind leider rar gesäht, sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch, wodurch das Mittelmaß nie durchbrochen wird.
5,5 / 10


Downton Abbey – A New Era (Simon Curtis)
Der zweite filmische Ausflug der Abbey toppt ihren ersten nochmals mühelos und tänzelt im Walzerschritt und federleicht durch die ersten drei Viertel, bevor im letzten Viertel beim Schwenk ins Dramatische gekonnt Sentiment und Humor verbunden werden. Da gibt es eigentlich nichts wirklich zu bemängeln, so gekonnt ist der Film geschrieben, inszeniert und gespielt.
9 / 10


Benedetta (Paul Verhoeven)
Fabelhafter Ausflug ins finstere Mittelalter mit enormem Unterhaltungswert trotz des nicht gerade einfachen Stoffes. Stark bebildert, tolle Musik, hervorragend agierende Darsteller und viele typisch Verhoevensche Trademarks, gleichwohl der Film im Oeuvre von Uns Paul durchaus ganz neue Akzente und Facetten zu setzen weiss. Kurz: das Werk eine Meisters auf der Höhe seiner Kunst.
9 / 10


Klammer – Chasing The Line (Andreas Schmied)
Die Verfilmung der Sternstunde von Österreichs Nationalheiligtum Franz Klammer ist ein kompetent gemachter Ausflug tief in die 70er Jahre und schildert mit viel Gespür für die damalige Zeit den Druck und die Nöte des Ausnahmesportlers im Vorfeld zum Olympischen Abfahrtslauf 1976. Zugegeben etwas viel Pathos und Zuckerguss, aber Spass macht das Biopic dennoch.
7 / 10


The Power Of The Dog (Jane Campion)
Problem-Drama im Western-Ambiente, welches zwar immer wieder mit bildgewaltigen Natureinstellung zu punkten weiss und auch darstellerisch durchaus ordentliche bis starke Leistungen bietet, figürlich aber dennoch etwas überladen wirkt bei all den Problemen, welche die Charaktere mit sich rumschleppen. A propos Schleppen: die Inszenierung könnte auch einen ordentlichen Tritt vetragen.
6 / 10


The Batman (Matt Reeves)
Der gefühlt 37. Batman-Reboot bietet ausser anderen Gesichtern und Kostümen wenig neues und variiert die bekannten inhaltlichen und figürlichen Versatzstücke ohne echte Neuerungen. Der Film setzt dabei ganz auf eine durchgängige Düsteratmo – leider auch auf Kosten von vernünftigen Charakteren und einer halbwegs spannenden Story. Am Ende ist The Batman dann nicht nur viel zu lang, sondern oft schlicht auch einfach langweilig.
5 / 10


Im Westen nicht Neues (Edward Berger)
Die Remarque-Neuinterpretation ist keine klassische Adaption und nutzt den Stoff eher als lose Motivvorlage. Auch deshalb geht viel von der Essenz der Vorlage verloren, da der Film dadurch figürlich und dramaturgisch unterversorgt bleibt. Stattdessen orientiert man sich an Filmen wie Dunkirk und 1917 mit gimmickhaften, betont künstlerischen Elementen und besonders viel Sendungsbewusstsein. Hier wird viel gewollt, aber wenig passt wirklich zusammen.
3,5 / 10


Licorice Pizza (Paul Thomas Anderson)
Warmherzige Dramödie über ein in vielerlei Hinischt unterschiedliches Pärchen. Herausragend sind dabei vor allem die beiden Hauptdarsteller, welche eine ganz außergewöhnliche Chemie entwickeln. Leider lässt die anfänglich so schwungvolle Geschichte vor allem in der zweiten Hälfte doch deutlich nach.
7 / 10


Die Spionin (Jens Jonsson)
Erfreulich altmodischer Thriller um eine norwegische Schauspielerin, die im zweiten Weltkrieg zwischen die Fronten des deutsche und schwedischen Geheimdienstes gerät. Das Rad wird hier nicht neu erfunden, aber zumindest handwerklich ist alles routiniert. Leider verliert der Film spätestens in der zweiten Hälfte viel der anfänglichen Spannung und bewegt sich am Ende eher auf biederem TV-Niveau.
6 / 10


Elvis (Baz Luhrmann)
Luhrmanns Elvis-Biopic überzeugt vor allem durch üppige und authentische Ausstattung und hat zudem mit dem gewohnt souveränen Tom Hanks und dem sehr gut agierenden Austin Butler in der Titelrolle zwei starke Hauptdarsteller an Bord. Es ist aber auch nicht zu übersehen, dass der Film deutlich zu lang ist und der altbekannten Geschichte nichts relevantes hinzuzufügen weiss. Der eigentlich interessante Amadeus/Salieri-Ansatz wird zudem praktisch gar nicht genutzt.
6 / 10


Dark Glasses (Dario Argento)
Argento liefert mit seinem Alterswerk seinen vielleicht schlechtesten Film ab, der zwar mit einem grossartigen Auftakt sowie ordentlicher Kameraarbeit und Musik zu punkten weiss, leider aber trotz der geringen Netto-Laufzeit inhaltlich extrem defizitär und auch in Bezug auf die Inszenierung häufig mangelhaft ist.
4 / 10


Ambulance (Michael Bay)
Gratulation an Michael Bay für den dümmsten Film des Jahres! Das ist umso bemerkenswerter, da Ambulance sich im ersten Drittel als effektiver Actionreisser präsentiert, der spätestens mit Beginn der krankenwäglichen Flucht aber zu einer inhaltlich idiotisch-lachhaften Krawall-Nummernrevue verkommt. Ähnlich maßlos-aufgekratzt wie Bays Inszenierung agiert auch Jake Gyllenhaal, der für den Begriff Overacting ganz neue Standards zu setzen weiss.
4,5 / 10


The Northman (Robert Eggers)
Die Hamletsage als derbes Wikingerabenteuer: The Northman beweist, dass auch ein Film mit einer Fülle von interessanten Ideen nicht zwingend ein tolles Werk ergibt, wenn der handwerkliche Aspekt allzu bieder und unsinspiriert ausfällt. So rutscht Northman zwar nie unter den Durchschnitt, weiss aber auch nie wirklich zu begeistern.
6,5 / 10


The Unbearable Weight of Massive Talent (Tom Gormican)
Schauspieler, die eine masslos überzeichnete Version ihrer selbst spielen sind ja nun beileibe nichts neues, aber Nick Cage macht das mit einem so großen Vergnügen sich selbst durch den Kakao zu ziehen, dass man ihn einfach dafür lieben muss. Leider ist der müde Räuberpistolen-Plot, der die One-Man-Show notdürftig zusammenhält, nur äusserst einfallslos und langatmig, wodurch alle guten Ansätze des Films weitgehend erstickt werden.
5,5 / 10


Uncharted (Ruben Fleischer)
Indiana Jones in der Marvel-Version: ja, der Film hat seinen Unterhaltungswert, ist halbwegs kurzweilig und hat mit Holland und Wahlberg ein prima harmonierendes Duo. Aber es ist kaum zu glauben, wie reissbrettartig und einfallslos aus bereits Dagewesenem zusammengeklaubt Uncharted ist. Das kombiniert mit dem schrecklich unechten CGI-Overkill egalisiert am Ende mühelos alle guten Elemente.
5,5 / 10


Ghostbusters – Afterlife (Jason Reitman)
Afterlife reiht sich in die mittlerweile recht lange Reihe an Pseudo-Remakes ein und leidet letztlich unter dem gleichen Problem wie all diese Filme: man verlässt sich inhaltlich weitgehend auf ein Wiederkäuen alter Ideen. Das ist schade, denn Afterlife weiss durchaus mit Charme und einem ganz eigenen Spin auf die alten Filme das Rad zumindest ein wenig neu zu erfinden, was aber leider durch die inhaltliche Einfallslosigkeit der zweiten Filmhälfte ziemlich torpediert wird.
6 / 10
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Jahresrückblick 2022

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Auch 2022 war mit wenigen Ausnahmen wieder ein sehr schwaches Kinojahr. Daher hab ich mich vor allem auf alte Filme aus den 30ern, 40ern, 50ern und 60ern konzentriert.

Hoffentlich wird 2023 in dieser Hinsicht wieder etwas besser.
"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Jahresrückblick 2022

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Wenn ich mir mal wie gewohnt nur meine Kinobesuche anschaue (wüsste gar nicht, dass ich daheim irgendwas nachgeholt hätte) dann ist dies das Jahr mit den wenigsten gesehenen Filmen seit ich 2012 angefangen habe, Logbuch zu führen. Ja, ich war noch weniger im Kino als in den beiden Pandemiejahren. Der Grund ist eine Mischung aus gefühlt weniger ansprechendem Output, weniger Interesse von meiner und vor allem von Kumpelseite aus, alles zu sehen, wodurch eben nicht mehr so viel geplant und umgesetzt wird sondern die Kinowelt oft wochenlang vergessen geht, und natürlich die ausgedünnte Kinoszene in der Stadt Bern zugunsten widerlicher Multiplexs irgendwo weit weg, was auch irgendwie Grund für die anderen Gründe ist.


Verdens Verste Menneske (Joachim Trier)
Was Gutes aus Norwegen Teil 1: Querschnitt durch das Leides- und Liebesleben einer 30-jährigen, das bewusst in Episoden zerfällt, dabei aber auch mit (fast) jeder Episode mit einer neuen Idee oder einem neuen figürlichen Kniff aufwartet. Geistreich und gekonnt.
8 / 10


Ninjababy (Yngvild Sve Flikke)
Was Gutes aus Norwegen Teil 2: Coming-of-Dramödie mit viel Witz und Herz um eine ungewollte Schwangerschaft (deren drohender Fötus sich als Cartoon manifestiert) und die Suche nach dem Vater. Ein Film so winzig, dass sich die Frau Regisseur sogar bei uns im 50-Seelen-Saal die Ehre gegeben hat, der einen aber umso vergnügter zurückgelassen hat.
8 / 10


The Batman (Matt Reeves)
Mal wieder eine Fledermaus, diesmal mit einem stärkeren Fokus auf Comic- meets Arkham-Style und auf den Krimiplot, sowie mit einer ungemein stylishen Atmo an der Schnittmenge zwischen Se7en und Cyberpunk - nie zuvor sah Gotham so sehr nach Gotham aus. Prima Darsteller und ein toller Score werten das Ganze weiter auf. Die etwas zu lange Laufzeit und ein schwächelndes Enddrittel verhindern einen noch grösseren Wurf.
8 / 10


Nope (Jordan Peele)
Hübscher und eigenwilliger Sci-Fi-Film, der in der ersten Hälfte vor allem mit unheilvoller Gruselatmosphäre und wirkungsvollem Mystery-Building punkten kann, während die zweite eher als Survival-Abenteuerfilm funktioniert. Ein charismatisches Figurenquartett (Daniel Kaluuya, Keke Palmer, Brandon Perea und Michael Wincott) und ein schmuckes Wildwest-Setting runden alles ab.
7,5 / 10


Peter K. Alleine gegen den Staat (Laurent Wyss)
Figürlich und inszenatorisch durchgehend stark herausgearbeiteter Thriller made in Kanton Bern, in dem laut wahrer Geschichte ein bewaffneter Wutrentner der Polizei den Quasi-Krieg erklärt. Funktioniert letzten Endes vor allem durch den ambivalenten Protagonisten und die gelungenen Bildwelten sehr gut, lediglich die Dialoge sind teils doch etwas hölzern.
7,5 / 10


Everything Everywhere All At Once ()Dan Kwan & Daniel Scheinert)
Längst nicht der vielzitierte Wunderfilm, aber ein schön anarchischer Parallele-Welten-Dimensionshüpfer-Spass, der neben einer charismatischen Michelle Yeoh und einem noch viel charismatischeren Ke Huy Quan auch immer wieder mit neuen aberwitzigen Einfällen punkten kann, etwa wenn plötzlich 2001 mit Würstchen parodiert wird oder sich die Protagonisten für zehn Minuten in stumme Steine verwandeln. Dazu gibt es aber auch deutliche Längen im Schlussdrittel.
7 / 10


Pleasure (Ninja Thyberg)
Roughe Biopic-Konfrontation mit der kalifornischen Pornoindustrie, die zwar ungeschönt authentisch, aber auch mit Unterhaltungswert daherkommt. Gut gespielt, figürlich ambivalent und gerne auch mal etwas fies, in Summe aber halt eben auch nichts weltbewegendes.
7 / 10


The Menu (Mark Mylod)
Noch ein schön anarchischer Spass, dieses Mal mit Ralph Fiennes als Sternekoch des Todes. Spannende, abgründige, teils wirklich überraschende Horrorsatire, die gut unterhält aber auch kurz nach dem Abspann schon wieder etwas von ihrem Glanz einzubüssen beginnt.
6,5 / 10


C'Mon, C'Mon (Mike Mills)
Ganz nettes Road-Drama um den alternden Eigenbrötler und das störrische Kind in hübschem Schwarzweiss. Gut gemacht und auch mit Herz, aber nix was nicht etwa Wim Wenders mit praktisch dem gleichen Rezept schon vor fünfzig Jahren besser gemacht hätte. Dazu kommt, dass ich mit Joaquin Phoenix irgendwie nicht so ganz was anfangen kann.
6,5 / 10


Nightmare Alley (Guillermo Del Toro)
Historischer Psychothriller, in dem der langweilige Bradley Coper mal wieder ran darf. Auf eine sehr atmosphärische und durchaus vielversprechende erste Hälfte folgt eine zunehmend wirre und schwächelnde zweite Hälfte mit hundert Twists und einem völlig lahmen, kilometerweit absehbaren Ende.
5,5 / 10


Black Adam (Jaume Collett-Serra)
Wilder Mischmasch aus Actionschrott, Spezialeffekten, Klischees und Dwayne Johnson, der, wenn man sich etwas für die DC-Comicwelt und für tumbe Blockbuster-Wegschmeissunterhaltung mit Freunden begeistern kann, aber noch einen halbwegs witzigen Abend abliefert. Wenigstens ist Pierce in Ehre ergraut und hat einen vergnüglichen Auftritt als wahrer Dr. Strange.
5 / 10


Annette (Leos Carax)
Ultraschräges Familiendrama-Musical voller künstlicher Kulissen und einem künstlichen Puppenkind, Vielfilmer Adam Driver ist auch mal wieder in Aktion. Massiv enttäuscht war ich von der Musik von Russell und Ron Mael, von den Sparks Brothers ist man sich deutlich Besseres gewohnt, und während ihr Stil in den Liedern zwar oft erkennbar ist, versandet er melodisch und auch lyrisch irgendwie in der erzählerischen Belanglosigkeit. Immerhin durch seine bizarre Atmo und einige starke Szenen noch halbwegs passabel.
5 / 10


Thor: Love and Thunder (Taika Waititi)
Enthält neben einer rudimentären Handlung (Christian Bale als Kinderschreck im Bettlaken will Bla Bla...) vor allem infantilen Schenkelklopfer-Humor und pseudodramatisches Geplapper um zweidimensionale Charaktere, die sich keine zwei Minuten lang den nächsten Schenkelklopfer-Witz verkneifen können. Bestätigt vor allem, das man dem Marvel-Kino nun wirklich nicht mehr folgen muss.
4 / 10


Fazit: Retrospektiv im Kino gesehen habe ich dieses Jahr 2001: A Space Odyssey (auf einer grösseren Leinwand als je zuvor), Die sieben Samurai, Seppuku, Taxi Driver und Plein Soleil, und würde ich diese dazuzählen, dann wären es meine Plätze eins bis fünf. Irgendwie müsste ich wieder mehr aktuelle Filme schauen, aber wie sich beim Beispiel Knives Out/Glass Onion zeigt fehlt da einfach der Antrieb für zu Hause, der Kinobesuch wäre einfach die bessere und gefühlt auch einfachere Lösung, aber die ausgedünnte Kinolandschaft in der Innenstadt erschwert das halt leider immer mehr...
We'll always have Marburg

Let the sheep out, kid.

Re: Jahresrückblick 2022

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Ich habe im Kino leider auch mehr verpasst als gesehen, aber ich glaube außer Top Gun war da keine Gurke bei, die Meisten haben mir sogar ziemlich bis sehr gut gefallen.

Auch im TV gab es wieder viele gute Sachen, und ein absoluter Höhepunkt war Die Wannseekonferenz von Matti Geschonneck. 10/10
Das ist eine faszinierende Studie über die Alltäglichkeit des Grauens, wie eine Gruppe Beamter und Soldaten die Organisation eines Massenmords bespricht. Alles, auch das Töten, muß seine Ordnung haben, und zwischendurch werden ein paar Häppchen gereicht. Sensationelle Schauspieler und eine erstklassige Inszenierung, und, um noch was gemeines nachzuschieben, viel spannender, viel unterhaltsamer als ... logisch Top Gun. Und natürlich, angesichts des Themas, im Angesicht eines weiteren brutalen (und überflüssigen, aber ist er wirklich überflüssig?) Krieges mit Völkermord-Tendenzen (wenn auch noch im viel kleineren Rahmen) auch auf eine positive Weise verstörend.
Vielleicht sogar der Film des Jahres, ich habe ihn 3 x geschaut.
Gibt es noch umsonst in der ZDF Mediathek:

https://www.zdf.de/filme/die-wannseekonferenz

Re: Jahresrückblick 2022

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vodkamartini hat geschrieben: 31. Dezember 2022 13:59 Es gibt dazu auch schon einen älteren, ebenfalls sehr guten Film, komme nur gerade nicht auf Titel
Die Wannseekonferenz vielleicht?

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wanns ... enz_(2001)

Es könnte aber natürlich auch Die Wannseekonferenz sein!

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wanns ... enz_(1984)

:mrgreen:
sorry, kleiner Scherz am Rande, konnte einfach nicht widerstehen :D

Aber mal abseits des Kalaus die Frage an Maibaum (sofern er eine der beiden Vorgänger-Verfilmungen kennt): in was unterscheidet sich die neue Fassung von den alten?
Zuletzt geändert von AnatolGogol am 31. Dezember 2022 14:08, insgesamt 1-mal geändert.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Jahresrückblick 2022

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Ich muss leider sagen, das war für mich ein ziemlich schwaches Filmjahr. Ich war auch nur einmal im Kino und zwar mit "The Batman" und der hat mich echt enttäuscht.
Ansonsten lief auch echt nichts interessantes für mich im Kino.
Der einzig gute Film, der mir lange im Gedächtnis geblieben ist war "The Good Nurse".
"Verstehen Sie mich nicht falsch es ist nichts persönliches, es ist was rein geschäftliches."

Re: Jahresrückblick 2022

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AnatolGogol hat geschrieben: 31. Dezember 2022 14:07
vodkamartini hat geschrieben: 31. Dezember 2022 13:59 Es gibt dazu auch schon einen älteren, ebenfalls sehr guten Film, komme nur gerade nicht auf Titel
Die Wannseekonferenz vielleicht?

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wanns ... enz_(2001)

Es könnte aber natürlich auch Die Wannseekonferenz sein!

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wanns ... enz_(1984)

:mrgreen:
sorry, kleiner Scherz am Rande, konnte einfach nicht widerstehen :D

Aber mal abseits des Kalaus die Frage an Maibaum (sofern er eine der beiden Vorgänger-Verfilmungen kennt): in was unterscheidet sich die neue Fassung von den alten?
Meinte die Version, sind nicht alle gut. ;)
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Jahresrückblick 2022

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AnatolGogol hat geschrieben: 31. Dezember 2022 14:07

Aber mal abseits des Kalaus die Frage an Maibaum (sofern er eine der beiden Vorgänger-Verfilmungen kennt): in was unterscheidet sich die neue Fassung von den alten?
Die US-Version kenne ich nicht, und die 84er fand ich damals auch sehr interessant, aber da habe ich natürlich keinerlei Detailwissen mehr zu. Aber es wäre schon reizvoll sich auch die anderen beiden Versionen mal im direkten Vergleich anzuschauen. Das ist ja ein heikles Thema, und da spielen noch viel mehr ästehtisch ethische Fragen mit rein als bei anderen Filmen zu "großen" Themen.

Aber die neue Version hatte halt einige faszinierende Dimensionen, hat bei mir einen Eindruck hinterlassen, den die 84er soweit ich mich erinnere nicht hatte. Vielleicht war das damals eher gutes TV mit wahrscheinlich ebenfalls großartigen Darstellern, jedenfalls hat der Neue Qualitäten die für mich weit über das hinausgehen, was solche Filme üblicherweise erreichen.