Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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danielcc hat geschrieben: 11. Januar 2024 14:15 An den Bonds der 60er hben sicherlich auch Hunderte Menschen mitgewirkt, aber heute gibt es erstens ganz andere Bestimmungen, Sicherheitsvorschriften,... und zweitens muss heute jeder genannt werden. Beides hängt sicher auch sehr stark mit dem zusammen, was Gewerkschaften erreicht haben. Hille mag das für polemisch halten, aber es wird nun mal alles teurer dadurch.
Lies dir mal durch, wie schlampig bei Marvel, Lucasfilm, Disney etc. hinsichtlich Spezialeffekte gearbeitet wird. Was die CGI-Editoren teilweise für Horrorgeschichten erzählen, dass sie ständig Bestehendes umändern müssen, dass die Vorgaben sich dauernd ändern etc.
Dann weißt du auch, was bei diesen Filmen so teuer ist. Die Arbeit von Komparsen und Autoren (um die es bei den Streiks ging) ist es nicht, denn die verdienen selbst mit den neuen Regelungen wenn man ehrlich ist immer noch ziemlich beschissen.

Schlampiges Arbeiten, sehr schlechte Planung, und ständig dürften es die Pixelkünstler richten (mit zahlreichen Überstunden, nahe an der psychischen Folter) ––––> Da hast du die immensen Kosten von heute. Warum hat ein "The Creator" dieses Jahr keine 100 Millionen gekostet und sah besser als jeder Marvel-Film aus? Weil die Leute an dem Film sehr vernünftig gearbeitet haben! Nicht weil sie kleinere Teams hatten (der Abspann ist nicht weniger voll beladen als bei anderen Blockbustern). Es gibt Berichte darüber, dass der Film vor allem deshalb so günstig war, weil man so viele funktionierende Absprachen mit den VFX-Teams hatte – und weil man ironischerweise viel vor Ort on location in Thailand, Vietnam und Co. drehte, statt wie heute sonst oft üblich alles vor Greenscreen- und LED-Wänden.
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Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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photographer hat geschrieben: 11. Januar 2024 14:22 So erzählte die Darstellerin Brigitte Millar, die Frau Dr. Vogel in SPECTRE (2015) und in NO TIME TO DIE (2024) gab, bei einer Fragestunde, dass bei ersterem genannten Bond-Film bei ihrer Einkleidung für die Rolle Regisseur Sam Mendes ihre vorgesehen Schuhe aus dem Fundus als nicht passend ansah. Sie schlug dann vor, private eigene zu tagen, die Mendes aber auch nicht zusagten, so dass dann extra neue Schuhe für sie gekauft wurden.
Das mag man zwar belächeln. Aber es ist mir deutlich lieber als Situationen in Star Wars, wo nicht mal genügend Geld (oder / und Zeit) da war, um Peter Cushing ordentliche Stiefel zu besorgen und er deshalb seine Szenen in Pantoffeln drehen musste bzw. durfte.

Bei der Anekdote frag ich mich aber eher, was Jany Temime eigentlich macht. Denn die wäre ja für die Kostüme in SPECTRE verantwortlich gewesen.
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Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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Man muss dann aber mal wirklich in die Produktionsbudgets reinschauen um zu wissen was Geld kostet. Etwas besseres Catering? Bedrucktes Papier in Schubladen? Extra Schuhe?
Ich weiß es nicht. Am Ende arbeiten an so einer Produktion wahrscheinlich 1000-2000 Leute über 9 Monate. Jeder will sein gutes Geld lt Gewerkschaft verdienen und hat wahrscheinlich zig Rechte (Übernachtung, Essen, Flüge,...) auch gemäß Verträge.

Hier mal ein Beispiel von Spider Man 2 (2004):

Story rights: $20 million
Screenplay: $10 million
Producers: $15 million
Director (Sam Raimi): $10 million
Cast: $30 million
  • Tobey Maguire: $17 million
      Kirsten Dunst: $7 million
        Alfred Molina: $3 million
          Rest of cast: $3 million
        Production costs: $45 million
        Visual effects: $65 million
        Music: $5 million
          Composer (Danny Elfman): $2 million.
          Total: $202 million[11]

          Mal vereinfacht gesagt:
          - Von den 200 Mio gehen 110 Mio drauf um all die am FIlm beteiligten einfachen Leute und das Material zu bezahlen (Production Cost + Visual Effects)
          - 45 Mio gehend drauf für Story, Screenplay und Producer
          - 60 Mio gehen drauf für die "Stars" vor und hinter der Kamera

          In dem Zusammenhang sind auch die Budget-Kürzungs Versuche aus den SP Leaks interessant. Da wurde um jeden Dollar gefeilscht. So sollte etwa der Zug in dem gekämpft um mehrere Abteile gekürzt werden, die Haupt Unit sollte möglichst nicht nach Rom,...
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          Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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          Genau, Katastrophe! Und Cameron gilt sogar noch als einer der umgänglicheren Regisseure in Bezug auf die Zusammenarbeit mit VFX-Teams (ansonsten ist der ja nun eher das Gegenteil von umgänglich).

          Hier nochmal für alle, die die letzten Jahre nicht mitbekommen haben, wie katastrophal die Zustände vor allem bei Disney und bei Marvel sind:
          https://www.cnet.com/culture/entertainm ... aking-out/
          https://www.theguardian.com/film/2022/a ... -speak-out

          Da gehen horrende Summen drauf, weil man Regisseure ohne Big Budget Erfahrung diese riesigen Effektspektakel drehen lässt. "We fix it in post" ist Satz Nr. 1 an einem Marvel-Set. Da wird erstmal ohne Sinn und Verstand gedreht, dann schickt man alles an ein Dutzend Teams, die arbeiten und werkeln, und bekommen dann nach Wochen mitgeteilt, dass man dieses und jenes Design nochmal anders haben will oder bei Nachdrehs ohnehin der Plot nochmal geändert wird etc. Es ist ja längst ein offenes Branchen-Geheimnis, wie viel Inkompetenz da hinter der Kamera stattfindet. Macht man vernünftige Vorarbeit, dreht so viel wie möglich on location und hält sich an Absprachen, dann kann man einen Effekt-Blockbuster wie "The Creator" auch für 80 Millionen produzieren und seine Mitarbeiter ALLE trotzdem vernünftig bezahlen. :wink:

          Am Hollywood-Streik der WGA und SAG ist eigentlich nur bedauerlich, dass er nicht noch länger ging und den Entscheidungsträgern nicht noch viel mehr Schaden zugefügt hat. Das ganze System verdient es wirklich, mal zu implodieren. Vielleicht werden dann auch die Filme wieder besser.
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          Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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          vodkamartini hat geschrieben: 10. Januar 2024 15:13 M:I würde ich nicht einmal als Flop bewerten, schon gar nciht als Megaflop. Er wurde von Barbenheimer zermalmt, das passiert ganz sicher kein zweites Mal. Auch das durch die Pandemie ausufernde Budget war eine Ausnahmesituation.
          Dazu kommt noch der Faktor China. Hollywoodfilme tun sich in China derzeit ja generell schwer, bei MI:DR war das aber besonders gravierend. Ungefähr die Hälfte des im Vergleich zum Vorgänger fehlenden Box Office liegt an China. In vielen Ländern hat der Film besser abgeschnitten als Fallout oder zumindest ähnlich.
          Sehr richtig, ist ja völlig absurd wie hier M:I-7 als Flop bezeichnet wurde

          Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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          Casino Hille hat geschrieben: 12. Januar 2024 11:49 Da gehen horrende Summen drauf, weil man Regisseure ohne Big Budget Erfahrung diese riesigen Effektspektakel drehen lässt. "We fix it in post" ist Satz Nr. 1 an einem Marvel-Set. Da wird erstmal ohne Sinn und Verstand gedreht, dann schickt man alles an ein Dutzend Teams, die arbeiten und werkeln, und bekommen dann nach Wochen mitgeteilt, dass man dieses und jenes Design nochmal anders haben will oder bei Nachdrehs ohnehin der Plot nochmal geändert wird etc. Es ist ja längst ein offenes Branchen-Geheimnis, wie viel Inkompetenz da hinter der Kamera stattfindet. Macht man vernünftige Vorarbeit, dreht so viel wie möglich on location und hält sich an Absprachen, dann kann man einen Effekt-Blockbuster wie "The Creator" auch für 80 Millionen produzieren und seine Mitarbeiter ALLE trotzdem vernünftig bezahlen.
          Bei Marvel waren mir diese Zustände bekannt. Weißt du, wie es da bei anderen Studios aussieht? Denn es sind ja bei weitem nicht nur Marvel-Filme die floppen. Auch andere große Produktionen haben in den letzten Jahren diese Probleme. Hat da die "Produktionsweise Marvel" auf die anderen Studios abgefärbt, oder wie ist das zu erklären.
          Vor allem: Da wir es in den letzten Tagen ja von Kapitalismus hatten: Müsste sich nicht inzwischen gezeigt haben, dass diese Arbeitsweise ineffizient ist und regelmäßig zu Problemen führt und damit abgeändert werden? Oder gibt es diese Entwicklung noch nicht lange genug?
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          Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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          Casino Hille hat geschrieben: 12. Januar 2024 11:49 Hier nochmal für alle, die die letzten Jahre nicht mitbekommen haben, wie katastrophal die Zustände vor allem bei Disney und bei Marvel sind:
          https://www.cnet.com/culture/entertainm ... aking-out/
          https://www.theguardian.com/film/2022/a ... -speak-out

          Da gehen horrende Summen drauf, weil man Regisseure ohne Big Budget Erfahrung diese riesigen Effektspektakel drehen lässt.
          Genau so ist es. Hätte die die letzten 10 Filme vom Spielbergle aus Sindelfingen drehen lassen wären die nicht schlechter gewesen aber exorbitant billiger.
          http://www.vodkasreviews.de


          https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

          Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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          Ich finde es übrigens auch ziemlich verrückt, dass inzwischen eine Masse an Filme mit Starttermin angekündigt wird, ohne genau zu benennen, was sich dahinter verbirgt.

          Also z. B.

          Untitled Universal Event Film

          Untitled WB Event Film

          Untitled Disney Animation

          Untitled Marvel

          Untitled Blumhouse Event Film

          Untitled DC Event Film

          Untitled NL Horror Event Film

          Und das alles bis ins Jahr 2031.
          #London2025

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          Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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          dernamenlose hat geschrieben: 12. Januar 2024 13:17 Weißt du, wie es da bei anderen Studios aussieht? Denn es sind ja bei weitem nicht nur Marvel-Filme die floppen. Auch andere große Produktionen haben in den letzten Jahren diese Probleme. Hat da die "Produktionsweise Marvel" auf die anderen Studios abgefärbt, oder wie ist das zu erklären.
          Die anderen Studios kotzen teilweise im Strahl – bitte entschuldigt die Formulierung. Die massiven Probleme, die Disney in der gesamten VFX-Branche verursacht, wirken sich logischerweise auch sehr negativ auf andere Produktionen aus, da Marvel so arg im Voraus die Kapazitäten "bucht", dass es immer schwieriger wird, die qualitativ besonders herausstechenden Teams zu bekommen. Marvel und Disney sind halt finanziell der Big Player, und daher trotzdem Kunde Nr. 1, obwohl die Zusammenarbeit teilweise unter aller Sau ist.

          Zum Kapitalismus: Sicherlich ist das so und die Personalentscheidungen in jüngerer Vergangenheit bei Disney (und zahlreiche Verschiebungen: Marvel hat zum Beispiel bis auf "Echo" und "Deadpool 3" alles aus dem Jahr 2024 verschoben, einiges teils um mehrere Jahre) sind die ersten Früchte dieser sehr miesen Bilanz vergangener Jahre. Es ist schon in gewisser Weise beschämend, wenn ein Film wie "The Creator" (der trotz seines enttäuschenden Abschneidens am Box Office sehr wohl in Hollywood enorm wahrgenommen wurde) einstimmig für seine großartigen Effekte und Bilder gelobt wird, und einen Bruchteil dessen kostet, was Marvel in Superheldenfilme steckt, die mittlerweile auch beim Publikum auf Ablehnung stoßen. Man wird alles tun, um das so schnell wie möglich zu drehen. Bei Marvel wird das heißen: Keine Projekte mehr über Quatschfiguren wie "Echo" oder "Moon Knight" oder Agatha Harkness oder was für ein Dreck da alles angekündigt ist, sondern Fokus auf die Big Player. Auch das Streaminggeschäft läuft für Disney immer schlechter und auch da zeigen sich ja bereits die ersten Konsequenzen. Nachdem man nach dem riesigen Erfolg von "The Mandalorian" ins Auge gefasst hatte, "Star Wars" in der Zukunft vor allem bei Disney+ stattfinden zu lassen, statt auf der großen Leinwand (da "Solo" so enorm floppte), plant man jetzt wieder mehrere Filme und vor allem einen Kinofilm vom Mandalorian. Absolut bezeichnend, da dieser bisher eben das Aushängeschild No. 1 des Anbieters war.

          Also da ist schon mächtig Bewegung drin, aber man wird auch nicht alles wegwerfen wollen, in das man schon zu viele Millionen investiert hat. Daher dürften das spannende Jahre für den Konzern werden und natürlich auch für andere Produktionsstudios. Und man ist sich bei Disney tausendprozentig gewusst, dass die sehr miese Stimmung unter VFX-Artists und die dilettantischen Produktionsabläufe ein gewaltiges Problem sind, welches man besser heute als morgen löst.
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