Re: Euer persönlicher filmische Jahresrückblick 2016

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So, dann möchte ich auch mal einen kleinen Abriss über mein persönliches Filmjahr 2016 geben. Da ich einige Filme, deren nominelle deutsche Veröffentlichung eigentlich dem Jahr 2015 zuzurechnen sind erst im jüngst abgelaufenen Kalenderjahr gesichtet habe, nehme ich diese unverschämterweise einfach auch mal mit dazu (es geht ja schliesslich um „mein“ Filmjahr 2016). Qualitativ war es für mich kein sonderlich gutes Filmjahr, viele Mainstreamproduktionen interessierten mich schon von vorneherein nicht wie auch viele hochgelobte Filme meinen Geschmack nicht zu treffen vermochten. Aber seht selbst.


Survivor 2,5 / 10
Brosnan versinkt Hals über Kopf im C-Movie-Dreck. Handwerklich billiger Schund, schludrig runtergekurbelt mit abgehalfterten Stars im Paycheck-Modus und einem Brosnan als Terminator-Version mit Schmerbauch.


Independence Day Resurgence 3 / 10
Seelenloses, langatmiges CGI-Dauerfeuer ohne den Charme und die interessanten Figuren des Erstlings. Emmerich beschränkt sich auf reine Schauwertdarbietung, dumm dass ihm dabei auch noch der Unterhaltungswert abhanden gekommen ist.


Sicario 5 / 10
Lahmender Politthriller ohne Schwung und gute Ideen. Schade um die wie immer schön anzuschauende Emiliy Blunt.


Steve Jobs 5 / 10
Episodenhafte Heiligenverehrung ohne echten Tiefgang und mit äusserst beschränktem Unterhaltungswert.


Im Herzen der See 5 / 10
Mäßig unterhaltsame Moby Dick-Neuinterpretation, die dem eigentlichen Stoff kaum etwas nennenswertes hinzufügt. Zudem grässlich verfiltert, wodurch das Schauen zur ästhetischen Qual wird.


Stonewall 5 / 10
Emmerich zum zweiten Mal auf etwas ambitionierteren Pfaden, leider geriet seine Schwulenrechte-Chronik sehr zäh und ist zudem blass besetzt.


Bauernopfer 5 / 10
Hochinteressanter Stoff, von Zwick leider auf eine spekulative und wenig berauschende A Beautiful Mind-Variation reduziert. McGuire als Bobby Fischer zudem grandios fehlbesetzt.


Der Moment der Wahrheit 5 / 10
Hollywoods linkes Gewissen schlägt wieder zu in Form eines die Fakten äusserst freizügig auslegenden Politthrillers. Gute Darsteller versinken in einer Zeigefinger schwingenden moralinsauren Inszenierung der uninspirierteren Art.


Black or white 5,5 / 10
Moralisch hochkorrekter und gerade deshalb auch vorhersehbarer Kitschbrei mit einem stark aufspielenden Costner, der daher aber umso verschenkter wirkt.


Black Mass 5,5 / 10
Depp in Topform, was sich von dem eher behäbigen und in Summe enttäuschenden Thriller irgendwo in der Schnittmenge zwischen Good Fellas und Prince of the City leider nicht sagen lässt.


Jane got a gun 5,5 / 10
Unspektakulärer Western im Oldschool-Gewand, der weder schwungvoll, noch sonderlich spannend und schon gar nicht überraschend oder innovativ ist.


Spotlight 5,5 / 10
Zähe und sperrige Mischung aus Drama und Thriller ohne echte Höhepunkte.


Legend 5,5 / 10
Hardy zwischen starker Darbietung und Overacting. Seine beiden interessanten Figuren ragen in einer zunehmend schwächer werdenden Geschichte heraus.


Wild Horses 5,5 / 10
Familiendrama von und mit Bob Duvall. Gut besetzt und ordentlich gespielt, aber auch ohne echten Schwung.


Winnetou – Das Geheimnis des Silbersees 5,5 / 10
Zeitweilig merkwürdige Mixtur aus sich ernstnehmendem Indianerwestern und überdrehter Genreparodie. Gute Einzelszenen, aber belanglose Haupthandlung und ideenlose Action- und Spannungs-Inszenierung.


Nice Guys 5,5 / 10
Nichts Neues von Shane Black, Nice Guys gleicht einem lieblos zusammengeklaubten Best-of seiner Vorgängerwerke. Ganz schwache Story, leidlich amüsante und unterhaltsame Hauptfiguren.


Verräter wie wir 5,5 / 10
Thriller von der Stange mit guter Besetzung, wenig Thrill und Spannung und Teal & Orange bis der Arzt kommt.


Blood Father 5,5 / 10
Mittelmäßige DTV-Kost mit einem formidablen Mel Gibson, aber auch einer einfallslosen Story und mediokrer Inszenierung.


Kill the Messenger 6 / 10
Nochmal Politthriller und wiederum ohne richtigen Schwung. Müssen eigentlich alle Filme mit „wichtigen Themen“ so dröge und wenig unterhaltsam daherkommen!?


The Railway Man 6 / 10
Gut besetztes und gespieltes Schuld-und-Sühne-Filmchen mit mittelmäßiger Inszenierung.


Knock Knock 6 / 10
Spekulativer Thrill von Genreexperte Roth mit starken Hauptdarstellern. Der Film wandelt nicht immer zielsicher auf dem schmalen Grat zwischen emotionaler Zuschauereinbindung und lachhafter Überdrehtheit.


Hail Caesar 6 / 10
Überladener FIlmhistorienspass von den Coens, der mit einer ganzen Reihe brillanter Einzelszenen zu punkten versteht, leider aber auch durch eine blanglose und schwach entwickelte Haupthandlung Federn lässt.


Trumbo 6 / 10
Kompetentes und weitgehend interessant erzähltes Biopic mit einem starken Cranston.


Fritz Lang 6 / 10
Interessantes Film-Experiment als Kombination aus Spielszenen und Originalaufnahmen aus Langs M, das die Entstehungsgesichte des Thrillermeilensteins und die Hintergründe über dessen Regisseur darzulegen versucht.


San Andreas 6,5 / 10

Der Katastrophenfilm der 70er im neuen CGI-Gewand. Macht über weite Strecken deutlich mehr richtig als falsch und punktet mit einem hochsympathischen Haupdarsteller. Erst das lahmende, überlange und pathosstrotzende Finale fällt dann leider ab.


Star Trek Beyond 6,5 / 10
Sympathische Figuren, nette Charaktermomente, Actionoverkill, dünne Geschichte. Beyond macht da weiter, wo die beiden Vorgänger aufgehört haben.


Codename: Uncle 6,5 / 10
Unterhaltsamer und amüsanter Agententhrill, der es durchaus gekonnt versteht „die alten Bondfilme“ fürs aktuelle Kinozeitalter zu adaptieren. Etwas mehr Schwung sowie eine besser herausgearbeitete Story hätte man sich dennoch gewünscht.


Bridge of Spies 6,5 / 10
Spannender, aber auch überlanger Thriller mit einem starken Tom Hanks. Darf man es Spielberg überhaupt negativ anrechnen, dass er knöcheltief im Pathos versinkt?


Die Vorsehung 6,5 / 10
Trotz offensichtlich beschränkter Mittel und merkwürdig steriler Optik weiss der DTV-Thriller über weite Strecken zu unterhalten, vor allem wegen eines souveränen Anthony Hopkins.


Bastille Day 6,5 / 10

Solider Oldschool Actioner mit einem charismatischen Idris Elba und ordentlichen Actionszenen.


Das Jerico-Projekt 6,5 / 10
Es ist wieder einmal vor allem der starke Costner, der diesen Actionthriller von der Stange über das reine Mittelmaß hinaus zu heben vermag. Die Story ist leider auch nur alter Wein in neuen Schläuchen, die Inszenierung vermag auch nur wenig interessantes daraus zu destillieren.


Winnetou – Eine neue Welt 6,5 / 10
Nette Neuinterpretation der Karl May-Welt mit tollen Hauptdarstellern und schönen Charaktermomenten, aber leider auch handwerklich nicht immer überzeugend und mit laschem, langgezogenen Finale.


Winnetou – Der letzte Kampf 6,5 / 10
In sich homogenster Teil der Trilogie mit gut herausgearbeiteten Figuren und ordentlich entwickelter Handlung, aber auch ohne jemals packend zu werden und mit wiederum uninspiriert inszenierten Actionszenen (mit Ausnahme des Häuptlingduells).


Ein Hologramm für den König 7 / 10
Netter Kulturclash-Film mit einem gewohnt souverän-knuffigen Tom Hanks. Tykwers Inszenierung ist zumeist leichtfüssig und humorvoll, so dass man dem Film die zuweilen etwas überkorrekte politische Haltung durchgehen lässt.


Picknick mit Bären 7 / 10
Die Oldtimer Redford und Nolte auf launiger Wanderschaft durch Amerikas mehr oder weniger unberührte Wildnis. Die Chemie zwischen den beiden beschwingt aufspielenden Altstars stimmt und trägt das sich vorhersehbar entwicklende Roadmovie mühelos. In Summe ein netter Spass mit großen Darstellern.


Das Erwachen der Macht 7 / 10
J.J. Abrams verfilmt den Sternenkrieg von 1977 praktisch neu. Das ist zwar wenig einfallsreich, aber durchaus kompetent und bietet zudem einige nette Variationen und Querverweise. Leider kann das letzte Drittel den vorangehenden Schwung nicht ganz halten wie auch die Schurkenfigur eher enttäuscht. Dennoch nett.


Eine erschütternde Wahrheit 7 / 10
Ordentlich inszenierte und gespielte Aufbereitung eines medizinischen Skandals im Profifootball. In seinen besten Momenten ist Eine erschütternde Wahrheit wahrhaft erschütternd und eindringlich, kann dieses hohe Niveau aber nicht durchgängig (vor allem zum Ende hin) halten.


London has fallen 7 / 10
Nochmals launige Oldschool-Action, die nie mehr als lärmendes Unterhaltungskino sein will. Ordentliches Tempo, knallige Action, gute Typen: das reicht 2016 schon aus, um einen Oldschool-Actionjünger froh zu machen.


13 Hours 7 / 10
Solide Kost aus dem Hause Bay. Überstilisierte und pathosschwangere Heldenmär, aber auch sehr ordentliche Action und Spannungsmomente. In Summe ein wirklich ordentlicher Kriegsfilm.


Auferstanden 7 / 10
Die Auferstehungsgeschichte aus dem Blickwinkel eines (zunächst) ungläubigen römischen Soldaten. Gut entwickelte Story und Figuren sowie sehr authentisch eingefangene Atmosphäre, leider gibt sich der Film zum Ende hin etwas zu sehr dem Bibelkitsch hin, was eine höhere Wertung verhindert.


The big Short 7 / 10
Ordentliche und unterhaltsame Aufbereitung der Ursprünge der Finanzkrise, die aber nie wirklich zu fesseln vermag.


Rogue One 7 / 10
Star Wars mal etwas anders. So punktet der Film vor allem in der ersten Hälfte, als er inhaltlich und stilistisch Neuland betritt, während die konventionellere zweite Hälfte dann leider genau das ist, eben konventioneller. Starke Einzelszenen und verblüffende Trickeffekte.


Mr. Holmes 7,5 / 10
Stark gespieltes Holmes-Variation mit netter und zuweilen sogar etwas spannender Geschichte.


The Walk 8 / 10
Sehr ansprechende Rekonstruierung eines einmaligen „Schelmenstücks“. Zemickis ordentliche Regie läuft beim zentralen Drahtseilakt zur Hochform auf und macht die Spannung für den Zuschauer regelrecht greifbar.


The Hateful 8 8 / 10
Toll fotografierter und entwickelter Western mit Trantino-üblich skurrilen Figuren und einigen grandiosen Momenten. Eine Spur zu lang und gerade im Anfangsteil dramaturgisch nicht immer ganz glücklich, dennoch ein starker Film des Meisters.


The Revenant 8,5 / 10
Eindrucksvoll bebildertes Abenteuerdrama mit starken Darstellerleistungen und hoher atmosphärischer Dichte.


Creed 9 / 10
Das Comeback des Jahres. Stallone liefert eine darstellerische Glanzleistung in der Rolle seines Lebens, Regisseur Coogler versteht es gekonnt die Geschichte des Originals sowohl inhaltlich als vor allem auch stilistisch zu variieren, ohne dabei den Bezug zum Ursprung zu beschädigen oder zu verlieren.
Zuletzt geändert von AnatolGogol am 2. Januar 2017 13:43, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Euer persönlicher filmische Jahresrückblick 2016

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AnatolGogol hat geschrieben:Da ich einige Filme, deren nominelle deutsche Veröffentlichung eigentlich dem Jahr 2015 zuzurechnen sind erst im jüngst abgelaufenen Kalenderjahr gesichtet habe, nehme ich diese unverschämterweise einfach auch mal mit dazu (es geht ja schliesslich um „mein“ Filmjahr 2016).
Das ist absolut legitim, mache ich ja auch so, obwohl mein Jahresrückblick jeweils ausschliesslich Kinobesuche umfasst (Ich kaufe kaum Neuerscheinungen im Heimkino-Bereich). Dennoch sind dann natürlich viele Filme dabei, die bei uns erst zum Jahresbeginn starten, eigentlich aber schon im Vorjahr erschienen sind.
AnatolGogol hat geschrieben:Sicario 5 / 10
Lahmender Politthriller ohne Schwung und gute Ideen. Schade um die wie immer schön anzuschauende Emiliy Blunt.
Ojemine, ich hätte ahnen sollen, dass so etwas passieren wird. Kurz: ich sehe das ganz anders, ein spannender und intensiver Thriller mit schier übermenschlich agierenden Blunt und Del Toro, viel Schwung, und das Thema des Drogenschmuggels wird hervorragend und fesselnd herausgearbeitet. Und da ich Prisoners und Arrival genauso gut fand muss ich unbedingt noch Incendies und Enemy sehen. Nur Villeneuves nächstem Projekt stehe ich skeptisch gegenüber, aber das ist ja auch der Blade-Runner-Nachklatsch, dessen Notwendigkeit bis heute ein Mysterium bleibt.

Und war Sicario überhaupt ein Politthriller? Ich habe den eher als "einfachen" Thriller empfunden.

Um nochmal auf das Thema der zwischen den Jahrgängen pendelnden Kinostarts zurückzukommen: Da er bei euch erst im Januar erscheint möchte ich dir mal vorsichtig Hell or High Water ans Herz legen. Hier habe ich einst meine Gedanken dazu niedergeschrieben:

viewtopic.php?f=44&t=2872&p=280778&hili ... ie#p280778

Und der Accountant würde sich für dich eventuell auch zum Nachholen im Heimkino empfehlen.

viewtopic.php?f=44&t=2872&p=279278&hilit=gavin#p279278
We'll always have Marburg

Let the sheep out, kid.

Re: Euer persönlicher filmische Jahresrückblick 2016

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GoldenProjectile hat geschrieben: Ojemine, ich hätte ahnen sollen, dass so etwas passieren wird.
45 Filme - und ich wusste doch genau, dass du bei diesem einhaken wirst. :D Ich konnte mit Sicario nichts anfangen, fand ihn ausgesprochen zäh und inhaltlich wenig spannend. Erinnerte mich stark an Soderberghs Traffic, ähnlich hochgelobt und der konnte auch keinen Eindruck bei mir hinterlassen.
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Re: Euer persönlicher filmische Jahresrückblick 2016

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Nachtrag (war klar, dass ich was vergessen hab):

Star Trek Beyond 6,5 / 10
Sympathische Figuren, nette Charaktermomente, Actionoverkill, dünne Geschichte. Beyond macht da weiter, wo die beiden Vorgänger aufgehört haben.


Ein Hologramm für den König 7 / 10
Netter Kulturclash-Film mit einem gewohnt souverän-knuffigen Tom Hanks. Tykwers Inszenierung ist zumeist leichtfüssig und humorvoll, so dass man dem Film die zuweilen etwas überkorrekte politische Haltung durchgehen lässt.
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Re: Euer persönlicher filmische Jahresrückblick 2016

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Sicario ist für mich einer der besten von Denis Villeneuve , direkt nach Arrival. Sicario lebt davon, dass die Handlung immer undurchsichtig bleibt und der Film quasi aus den Augen von Emily Blunt und der großartigen Kameraarbeit von Roger Deakins erlebt wird. Mit Johanssons Score untermalt baut sich vor allem am Anfang bis zur Brückenszene perfekte Spannung auf. Sicario bleibt danach inszenatorisch zwar weiterhin auf hohem Level ("Nightview"), kann aber das Tempo nicht so gut oben halten. Brolin und DelToro sind wie Blunt aber der absolute Wahnsinn - Mit 9 Punkten 2016 mein Top5 des Jahres !
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "