Re: Zuletzt gesehener Film

2510
The Special Relationship (2010) - Richard Loncraine

Der Name Peter Morgan bürgt mittlerweile mit fast traumwandlerischer Sicherheit für exzellente Drehbücher mit hohem Anspruch - und hier ist auch der von ihm verfasste "The Special Relationship" keine Ausnahme. Der Film handelt von der im wahrsten Sinne des Wortes besonderen Beziehung zwischen dem britischen Premier Tony Blair und dem US-amerikanischen Präsidenten Bill Clinton. Die Beziehung, die gleichzeitig auch als Spiegelbild für die Beziehung der beiden Nationen dient, ist wunderbar herausgearbeitet und superb in die Weltpolitischen Ereignisse wie Nordirland-Konflikt, Jugoslawien-Krieg oder Monicagate eingebunden.

Die Besetzung ist großartig, Dennis Quaid hätte ich mir auf dem Papier nicht unbedingt als Clinton vorstellen können, im fertigen Film gibt er aber eine sehr überzeugende Darstellung ab. Michael Sheen - hier zum mittlerweile dritten mal als Blair - ist eine absolute Sensation. Er hat die Rolle perfektioniert und spielt als gäbe es kein Morgen mehr! Besonders erwähnenswert ist der Wandel den die Figuren und ihre Beziehung zueinander im Laufe des Films durchmachen und wie er von den Schauspielern dargestellt wird. Im ersten Filmdrittel erlebt man den überdominanten Clinton und einen fast schon demütig eingeschüchterten Blair während im weiteren Verlauf die Figuren immer mehr auf Augenhöhe agieren und im Schlussdrittel Blair bzw Sheen immer mehr das Kommando übernimmt. Großartige Unterstützung erfahren die beiden Hauptdarsteller durch ihre "First Ladys", dargestellt von den sehr gut besetzten und spielenden Hope Davis und Helen McCrory. Das Verhalten innerhalb ihrer jeweiligen Ehen charakterisiert die beiden Staatsmänner dann auch in nicht unerheblichem Maße.

Fazit: The Special Relationship ist ein anspruchsvoller und zugleich unterhaltsamer Film mit einer toll spielenden Besetzung und einem wunderbaren Drehbuch. Ein Fest für alle, die auf politische Thriller/Dramen stehen.
Wertung: 8 / 10
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

2512
7 Psychos
ich stehe auf durchgeknallte filme mit witzigen ideen, die gerne auch brutal und blutig sein können und die dazu passende portion abgefahrenen humor bieten, zB. "Brügge..." oder "Kiss Kiss Bang Bang" in den letzten jahren. deshalb habe ich mich auch sehr auf die 7 Psychos gefreut.
leider wurde ich aber doch enttäuscht. es gibt einige coole ideen, aber so richtig wollte der funke nicht überspringen, zu durchsichtig war die story für mich und auch die gags zündeten nicht wirklich, bis auf ein paar schmunzler. schade.
6/10

Anna Karenina
ich bin unvoreingenommen in den film gegangen, da ich joe wrights "stolz und vorurteil" und vor allem "abbitte" sehr gelungen fand, habe ich aber schon auch wieder einen zumindest guten film erwartet. aber auch die gute Anna hat mich leider enttäuscht. obwohl die idee den film als theaterstück ablaufen zu lassen ja irgendwie etwas besonderes hat, funktioniert diese umsetzung wrights trotzdem oder gerade deswegen überhaupt nicht und wirkt teilweise leider sehr albern und verfehlt seine wirkung komplett. anfangs ist man komplett verwirrt, dann denkt man sich OK, irgendwie ist es ja cool und ab der hälfte nervt es einfach nur mehr. auch wenn ich mir schon vorstellen kann, was wright damit bezwecken wollte, hat er es einfach übertrieben bzw. funktioniert es so einfach nicht. kostüme sind schön, darsteller ok aber leider mehr auch nicht. besser die 10 euro in einen anderen film investieren.
5/10
Bond... JamesBond.de

Re: Zuletzt gesehener Film

2513
Gernot hat geschrieben:7 Psychos
ich stehe auf durchgeknallte filme mit witzigen ideen, die gerne auch brutal und blutig sein können und die dazu passende portion abgefahrenen humor bieten, zB. "Brügge..." oder "Kiss Kiss Bang Bang" in den letzten jahren. deshalb habe ich mich auch sehr auf die 7 Psychos gefreut.
leider wurde ich aber doch enttäuscht. es gibt einige coole ideen, aber so richtig wollte der funke nicht überspringen, zu durchsichtig war die story für mich und auch die gags zündeten nicht wirklich, bis auf ein paar schmunzler. schade.
6/10
8/10
We'll always have Marburg

Let the sheep out, kid.

Re: Zuletzt gesehener Film

2514
Ui, voll verpeilt zu posten. Habe zuletzt auch noch folgendes gesehen:

Chuck Season 5

Super Serie, leider hatte sie es nicht immer leicht. Tolle Schauspieler, super Charaktere und 5 tolle Staffeln. Ein Ende das zum heulen ist. Vielleicht auch, weil es jetzt vorbei ist. :(

Highlander BD - 10/10

Klassiker. Ein toller, gigantischer Soundtrack von Queen, tolle Darsteller. (Neben Lambert vorallem Clancy Brown und Sean Connery) Großartig. Ich liebe diesen Film. Leider sind mit Highlander II und The Source 2 absolute Nieten entstanden, dennoch bleibt die Zuneigung zum erstling unverändert. :)

The amazing Spider-Man BD - 9/10

Gefiel mir eine ganze Ecke besser als im Kino. Toller neuer Hauptdarsteller der Parker spielt wie er sein muss. Der Wandel vom normalen Highshool Burschen, hin zum Helden ist toll. Stacy und Connors werden auch super verkörpert. Vorallem liegen die Stärken des Films in den Darstellern. Von Garfield hin zu Stone bis zu Sheen - alles großartige Darsteller. Mein Lieblings-spidey. Auch wenn ich die alten* 3 Filme immer noch toll finde. Der neue passt einfach besser zu der Avengers-Schiene.

Und ja, Silent Hill 2 halt. (Vorseite)

/e:

KKBB und Brügge sind absolut genial :)

Re: Zuletzt gesehener Film

2516
Color of Night (1994) – Richard Rush

Color of Night ist einer der Filme, aus denen ich auch fast 18 Jahre nach Erstsichtung nicht wirklich schlau werde. Der Film ist in vielen Dingen so überdreht, dass er ohne weiteres auch als Satire auf das Anfang bis Mitte der 90er boomende Erotikthrillergenre angesehen werden könnte. Dem gegenüber steht jedoch die handlungstechnische Verwurstung so ernsthafter Themen wie Kindesmissbrauch, Schizophrenie oder auch Schuldkomplexe, die so gar nicht zu einem bewussten satirischen Ansatz passen will. Die merkwürdige Mixtur wird komplettiert durch ein wildes Sammelsurium an Darstellerleistungen von höchst unterschiedlicher Qualität, die von völligem Chargieren bis hin zu brillanten Performances reichen. Kurz: der Film wird keinem dieser Ansätze wirklich gerecht, weder dem des ernsthaften Thrillers noch dem der trashigen Parodie - was sich letztlich in der schwankenden Qualität des Films äussert.

Color of Night entstand 1994 im Fahrwasser der von Verhoevens Basic Instinct losgetretenen Erotikthrillerwelle und sorgte bereits in seiner Entstehungsphase durch die Verpflichtung von Regisseur Richard Rush für Aufsehen. Rush hatte sich in den späten 60ern und 70ern ein guten Ruf erarbeitet und verschwand auf dem Karriere-Höhepunkt nach seinem Film „The Stuntman“, für den er sowohl für seine Regieleistung als auch für sein Drehbuch für den Oscar nominiert war, für fast 15 Jahre aus dem Rampenlicht. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an Color of Night, zumal mit Bruce Willis zwar nicht unbedingt ein Garant für Kassenerfolge (zu unterschiedlich waren seine Boxoffice-Ergebnisse außerhalb seiner Die Hard-Reihe), aber in jedem Fall ein großer Name verpflichtet wurde. Schaut man sich Color of Night im Abstand von fast 2 Dekaden an, dann fällt vor allem auf, dass der Film aufgrund des gemächlichen Erzählflusses und Tempos sowie seiner fast schon epischen Ausrichtung eher mit Filmen der 70er Jahre vergleichbar ist denn mit den in dieser Hinsicht tendenziell eher reduzierten Filmen aus den 90ern. Diesen durchaus positiven Aspekt würde ich Rush und seiner fast 15 Jährigen Auszeit zuschreiben wollen. Rush arbeitet in Color of Night sehr viel mit Signalfarben und reflektiert damit die zeitweilige Farbenblindheit des Hauptcharakters. Besonders gelungen ist dies in einer Szene, in der man Willis zunächst in einer graulichen, nichtdefinierbaren Flüssigkeit stehen sieht und der Zuschauer erst nachdem das Grau in ein Rot überwechselt erkennt, dass der Willis-Charakter in einer riesigen Blutlache steht.

Das Budget von 40 Millionen Dollar, was seinerzeit zwar kein absolutes Superbudget war aber angesichts der Tatsache, dass der Film weitestgehend auf große Spezialeffekte verzichtet schon als Topproduktion angesehen werden kann, ist gut sichtbar auf der Leinwand. Ausstattung und Sets sind entsprechend opulent, optisch wirkt der Film dadurch auch heute noch sehr edel und hat durch die Verwendung von diversen postmodernen Locations auch immer noch einen surrealen, futuristischen Look. Color of Night hat vier größere Actionszenen, bei denen vor allem die Autoverfolgung positiv auffällt. Eine weitere Actionszene ist die Ermordung des Psychiaters, welche sich ein paar Anleihen bei Hitchcocks legendärer Duschszene aus Psycho erlaubt, aber natürlich erheblich plakativer und weit weniger subtil ist.

Die Story als unglaubwürdig zu bezeichnen wäre mehr als eine Untertreibung. Der achsogroße Twist am Ende des Films ist sowas von offensichtlich, dass er jedem Zuschauer bereits nach 10 Minuten klar ist. Deshalb verzichte ich hier auch auf Spoilertags: natürlich sind Richie und Rose eine Person, wem wollte man mit der lächerlichen Maskierung von Jane March denn allen Ernstes was vormachen? Das ist dann schon unfreiwillige Komik auf allerhöchstem Niveau, wenn während des ganzen Films über das große Geheimnis gehütet werden soll, gleichzeitig aber mit sämtlichen Zaunpfählen gewunken wird, damit auch dem Letzten die Zusammenhänge klar werden. Der Gipfel ist dann aber, als die Willis-Figur das Gesicht seiner Geliebten, die gleichzeitig auch noch seine komplette Patientenkartei beglückt, auf einem Gemälde nicht erkennt. Die Holzhammerpsychologie mit der am Ende die Story aufgelöst wird ist dann das finale Sahnehäubchen. Man könnte ob der grotesken Qualität des offensichtlich ernst gemeinten Scripts weinen, wenn es nicht gleichzeitig so lustig wäre. Denn eines muss man des Story zu Gute halten: sie unterhält ihr Publikum prächtig, wenn zumeist auch ungewollt.

Die Besetzung von Color of Night ist illuster und weist diverse Charakterdarsteller auf. So sind es auch vor allem Lance Henricksen und Brad Dourif, die in ihren Rollen zu überzeugen wissen. Henricksen spielt den von Gram geplagten Buck absolut fabelhaft und glaubwürdig, wirkt aber gerade aufgrund seiner ernsthaften Rolleninterpretation häufig fast wie ein Fremdkörper in dem Trashspektakel das Color of Night über weite Strecken ist. Dourifs Darstellung passt da deutlich besser rein, da er seinen Charakter oft auch ziemlich überzeichnet spielt. Gleichzeitig gelingt es ihm aber auch seinen Charakter erstaunlich nuanciert darzustellen, ganz im Gegensatz zB zu einer wild grimassierenden Lesley Ann Warren. Fraglich bleibt unterm Strich dennoch, ob die comichafte Darstellung der „Montagsgruppe“ beabsichtigt war oder eher zufällig und ungewollt zustande kam. Wollte Rush hier bewusst einen heiteren und skurrilen Kontrapunkt zu den blutigen Morden und den deprimierenden Psychoaspekten setzen? Möglich wäre es, allerdings bewegen sich die Szenen mit der Montagsgruppe derart hart an der Grenze zur Posse, dass ernst gemeinte Teile des Filmes als Konsequenz daraus auch nicht mehr für voll genommen werden.

Ruben Blades als ewig witzelnder zynischer Cop macht seine Sache gut und gehört definitiv zu den besseren Darstellern in dem Film, wenngleich man sich sein unermüdliches Geplapper in der letzten Szene des Films besser gespart hätte. Jane March ist natürlich optisch eine Bombe, schauspielerisch ist das aber allerhöchstens Laientheater. Noch ernüchternder fällt aber der Auftritt von Hauptdarsteller Bruce „Bruno“ Willis aus, der in Color of Night wohl die schlechteste schauspielerische Leistung seiner Karriere abliefert. Sobald etwas anderes von ihm gefordert wird als den coolen Testosteronbolzen zu mimen scheitert er kläglich. Wenn er die Gebrochenheit seines Charakters darstellen soll endet das regelmäßig damit, dass er die Augen groß aufreisst und eine Kunstträne vergisst. Na ja, ein guter Komödiant war Bruno ja schon immer und lustig ist er auch hier – wenn auch ungewollt. Gut, dass Willis daraus gelernt hat und bei der Rollenauswahl nach Color of Night seine Konsequenzen gezogen hat. Ein großer Schauspieler ist Willis nun mal nicht, muss er auch nicht sein da er ganz andere Stärken hat. Seine schauspielerisch vergleichsweise anspruchsvolle Rolle in Color of Night endete leider in einem völligen Fiasko.

Das wirklich überraschende an Color of Night ist, dass trotz der katastrophalen Story, diversen Längen und einiger gotterbärmlicher Darstellerleistungen der Film ein enormes Unterhaltungspotenzial hat. Das liegt zum einen natürlich an dem erstaunlich hohen Anteil an unfreiwilliger Komik. Es macht schon Spass dabei zuzuschauen, was in dem Film alles schiefgegangen ist und wie ernst der Film sich selbst in manchen Teilen nimmt (vor allem in den ultraschmierigen Sexszenen). Darüberhinaus hat der Film aber aufgrund der routinierten Inszenierung von Rush, der eleganten optischen Gestaltung und des manchmal eben auch gewollt ironischen Ansatzes auch einige „richtige“ Stärken, die den Filmgenuss erhöhen. Gleiches gilt auch für die durchaus gelungenen Actionszenen. Ich mag den Film trotz aller Schwächen oder eigentlich müsste ich sagen: gerade auch aufgrund der vielen Schwächen. Eine solch wilde Mischung aus Können und Dilettantismus bekommt man selten zu sehen, noch dazu derart unterhaltsam. Im Falle von Color of Night hilft es natürlich im Hinblick auf den Filmgenuss ungemein, den Film nicht allzu ernst zu nehmen.
Wertung: 7 / 10 – denn was mir Spass macht ist für mich letztlich dann halt auch gut!

Nachtrag: Nachdem ich den Film Anfang 1995 in schönstem Widescreen im Kino erleben durfte musste ich viele Jahre mit der Vollbild-VHS-Version vorlieb nehmen. Dadurch verlor der Film fast alles von seiner opulenten visuellen Wirkung und wirkte eher wie ein TV-Filmchen. Die seit einigen Jahren in Deutschland erhältliche DVD veröffentlichte den Film im Format 1.66:1, allerdings nicht anamorph. Laut imdb ist das beabsichtigte Originalformat des Films 1.85:1, was auch glaubhaft klingt angesichts seiner Entstehungsperiode. Da ich jetzt den Film endlich mal wieder möglichst originalgetreu sehen wollte, habe ich mir die französische DVD geholt, auf der der Film in 1.85:1 und anamorph enthalten ist. Ein Vergleich der deutschen und der französischen DVD zeigte dann, dass tatsächlich die deutsche DVD oben und unten mehr Bildausschnitt zeigt, während sie rechts und links identisch mit der französischen DVD ist. Ob dieses „mehr“ an Bildausschnitt aber auch wirklich beabsichtigt im Sinn von „intended ratio“ ist bleibt fraglich. Jedenfalls wirkt die 1:85:1 – Version korrekt und wieder genau wie damals im Kino (wo sie wohl auch genau so lief).
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

2517
Leider zur Zeit keine Zeit für ausführliche Kritik:

Der eiskalte Engel
Wunderbarer Film, der durch Detailveresessenheit, gekonnt reduziertes Spiel und wunderbare Inszenierung besticht.

9,5/10
"In a Bond film you aren't involved in cinema verite or avant-garde. One is involved in colossal fun."

Terence Young

Re: Zuletzt gesehener Film

2520
Agent 009 hat geschrieben:Der Hobbit - eine unerwartete Reise - 10/10


Großartig.
Würd mich mal interessieren, was daran konkret so "großartig" sein soll. Der Film erhält ja allerorten eher gemischte Kritiken. Mit solchen "ein Wort-Reviews" kan ich immer überhaupt nichts anfangen.
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/