GoldenProjectile hat geschrieben: Heute 10:23
Danach folgt aber endlich der Hauptfilm, und ich muss sagen dass mir
Superman II insgesamt besser gefallen hat als der Erstling - was ich ein sogar ein kleines bisschen erwartet hatte, denn immerhin hat man den Regisseur von A Hard Day's Night und Three/Four Musketeers an Bord. Superman II ist weniger ausufernd und disparat als sein Vorgänger. Zwar erzählt der Film anfangs die drei selbstständigen Handlungsstränge der Kryptonier, Luthors Flucht und der Romanze von Lois & Clark weitgehend nebeneinander, das geht aber unterhaltsam und abwechslungsreich von statten und vereint sich dann auch irgendwann zu einer knackigen und kohärenten Geschichte.
Ich habe unlängst auch 2 Super 2 Man gesehen und ich hatte wieder meinen Spaß. Jeder heute gerne vorgebrachte Vorwurf, nachdem sich Superman als Symbolfigur eines retrograden Americana-Exzeptionalismus interpretieren lässt, wird in diesem Film sofort der Wind aus den Segeln genommen. Lester zeigt Superman als eine Figur, die wortwährend einen inneren Kampf ausführen muss, den zwischen seinem Verantwortungsbewusstsein und seinen eigenen Wünschen, seinem persönlichen Begehren. Sieht man vom letzten Drittel ab, ist Superman II weniger ein Action- oder Superheldenfilm im klassischen Sinne, sondern eher eine romantische Komödie mit einem nachdenklichen Kern. Schließen "Super" und "Man" sich gegenseitig aus? Darum geht's eigentlich und es war genau richtig, den größten Fokus auf Clark und Lois zu legen, alleine deshalb schon, da Christopher Reeve und Margot Kidder eine unfassbar liebenswerte Chemie miteinander haben, die alte Hollywood-Traumpaar-Vibes versprüht. Die Screwball-Dynamik aus dem Vorgänger ist zwar weitgehend verflogen und offensiver Turtelei gewichen, aber den beiden schaue ich so gerne zu, dass der Film ruhig noch mehr Zeit mit ihnen verbringen könnte.
GoldenProjectile hat geschrieben: Heute 10:23
Das schurkische Trio und ihr "Plan" ist schon arg eindimensional, und alle drei, inklusive Terrence Stamp, spielen das so stumpf und auf "halt-böse" reduziert, dass es jedes mal eine Wonne ist wenn Hackman zum Ausgleich seinen Luthor in den Mix mitbringt.
Gewissermaßen ist das der Clou des Films: Der Plot um die Bösewichte macht - zumindest mir - ebenso viel Spaß wie der Liebesgeschichte von Clark und Lois, weil man mit Terence Stamp und Gene Hackman zwei formidable Antagonisten auf der anderen Seite hat, die es beide sichtlich genießen, demonstrativ böse zu sein. Vor allem Stamp liefert eine im konventionellen Sinne sicher etwas alberne Performance ab, sein selbstgefälliges "Kneel Before Zod"-Gebrülle ist aber aus gutem Grund kultig: Er spielt das mit einer solchen Selbstüberschätzung (die im Fall seiner Figur ja witzigerweise angebracht ist), das es eine Freude ist. Hackman ist in diesem Sequel sogar noch besser als im Vorgänger, weil sein Lex Luthor, obwohl ohne Superkräfte jedweder Art, immer bemüht ist, im Umfeld von gottgleichen Aliens die Kontrolle zu erhalten. Hackmans Charisma in der Oval-Office-Szene ist nicht zu toppen. Die anderen beiden Handlanger von Zod bleiben eher blass, aber sie sind letztlich eh nur da, damit Zod in der ersten Hälfte des Films andere Figuren hat, mit denen er sich etwas austauschen kann.
GoldenProjectile hat geschrieben: Heute 10:23
Am schwächsten ist dann das grosse Finale: zu lange, zu langsam, zu sehr auf die nicht mehr taufrischen Effekte konzentriert
Ein paar Mal zu oft sieht man die Rollschuhe der Metropolis-Bewohner, aber ansonsten finde ich das Finale in Länge und Aufwand angemessen. Es ist ein recht hübsches altmodisches Spektakel und auch durch den Plot legitimiert: Wenn der Mann aus Stahl schon auf drei kräftemäßig ebenbürtige Gegner trifft, sollte das auch in der Action im angemessenen Rahmen demonstriert werden. Zumal wir von der Dauer-Materialschlacht eines Zack Snyders im konzeptionell zumindest ähnlichen "Man of Steel" ja noch sehr weit entfernt sind...

Was nicht ganz so gut für mich funktioniert, ist die Beliebigkeit der Superkräfte der Kryptonier. Irgendwie können die in fast jeder Szene nochmal neue Tricks und das fühlt sich dann schnell so an, als ob die Figuren sich mit "Du kommst aus dem Gefängnis frei"-Karten bewerfen. Im finalen Kräftemessen in der Festung der Einsamkeit ist es jedenfalls beinahe komödiantisch, wenn die sich plötzlich alle unsichtbar machen oder vervielfältigen und man sich irgendwann fragt, was die wohl noch alles aus dem Hut zaubern können. Der Trick, mit dem Superman sie dann letztlich besiegt, ist aber ein schöner kleiner Kniff und die Szene mit Hackman direkt davor und danach klasse.
GoldenProjectile hat geschrieben: Heute 10:23
Superman II ist ein ordentlicher Film, straffer und knackiger als der Vorgänger
Obwohl ich ihn auch mag - das tolle Opening am Eiffelturm haben wir noch gar nicht erwähnt, für mich die beste Szene in allen Reeves' Superman-Abenteuern -, ist er für mich dann doch weniger aus einem Guss wie noch der Vorgänger. Dafür ist zu auffällig, dass zwei Regisseure um die künstlerische Vision kämpfen. Die Epik von Donner ist noch in Teilen präsent, aber auch schon der ungezügelte Slapstick, den Lester eingebracht hat, manche Handlungswendungen gesehen äußerst hopplahopp (vor allem der Sinneswandel von Clark/Supes nach nur wenigen Minuten ist maximal unglücklich implementiert), und das einige Figuren einfach aus dem Film verschwinden, wirkt etwas merkwürdig und lässt den ansonsten vergnüglichen Spaß für mich ein wenig unrund wirken. Ich wäre mit 7/10 dabei und freue mich, dass du "Superman II" genossen hast - schließlich ist unklar, ob sich so ein Gefühl bis im Juli nochmal im Rahmen dieses Mini-Marathons einstellen wird.
