Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Tja, das finde ich überhaupt nicht.
Beide Filme haben aber tatsächlich (aus heutiger Sicht, aber nicht damals als ich ihn das 1. Mal sah) einen für Bond Filme vergleichsweise nüchternen Look. Das sehe ich aber eher begründet im typischen Stil der 70ger dem diese beiden Filme verpflichtet sind, und hat wenig mit dem Budget zu tun. Das glaube ich für beide auch deutlich höher war als für die Vorgänger.

Viele Reißer von damals wirken, wenn man sie heute im Anbetracht des modernen Actionfilms wiedersieht, fast schon dokumentarisch in ihrem Blick auf die Welt. Das ist mir gerade bei LALD beim letztmaligen Wiedersehen deutlich aufgefallen.
(Womit ich jetzt nicht sagen will das LALD auch nur im entferntesten ein realistischer Film wäre. Er spielt wie alle Bond Filme in einer Fantasiewelt).

Was die Budget Angaben betrifft gibt es für TSWLM ja 2 extrem unterschiedliche zahlen. einmal 14 Mio, und damit nur etwas teurer als die Vorgänger, und einmal 28 Mio. Ich halte den 1. Wert für realistischer. Das Budget ist dann wahrscheinlich erst bei dem Weltraumfilm Moonraker explodiert. Da hatte man ja auch mit TSWLM wieder einen richtig großen Erfolg in der Rückhand.

Als ich LALD jedenfalls 1979 zum ersten Mal sah war das einfach nur ein unglaublicher Actionfilm, der genau wie TSWLM die älteren Bondfilme ganz schön alt aussehen ließ. Und damals sah er überhaupt nicht nüchtern aus.
Das war damals für uns einfach nur ganz großes Actionkino. Und sieht finde ich als Ganzes immer noch deutlich besser aus als die 3 ersten Bonds (die aus einer anderen Zeit stammen), und auch als YOLT.

TSWLM mag bombastischer daherkommen, aber insgesamt sind die Ähnlichkeiten stärker als die Abweichungen.
Was für alle Moore Bonds gilt.


PS. Flatscope? Das habe ich ja noch nie gehört. Wo kommt der Begriff denn her?

Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Maibaum hat geschrieben:Tja, das finde ich überhaupt nicht.
Beide Filme haben aber tatsächlich (aus heutiger Sicht, aber nicht damals als ich ihn das 1. Mal sah) einen für Bond Filme vergleichsweise nüchternen Look. Das sehe ich aber eher begründet im typischen Stil der 70ger dem diese beiden Filme verpflichtet sind, und hat wenig mit dem Budget zu tun. Das glaube ich für beide auch deutlich höher war als für die Vorgänger.

Viele Reißer von damals wirken, wenn man sie heute im Anbetracht des modernen Actionfilms wiedersieht, fast schon dokumentarisch in ihrem Blick auf die Welt. Das ist mir gerade bei LALD beim letztmaligen Wiedersehen deutlich aufgefallen.
(Womit ich jetzt nicht sagen will das LALD auch nur im entferntesten ein realistischer Film wäre. Er spielt wie alle Bond Filme in einer Fantasiewelt).

Was die Budget Angaben betrifft gibt es für TSWLM ja 2 extrem unterschiedliche zahlen. einmal 14 Mio, und damit nur etwas teurer als die Vorgänger, und einmal 28 Mio. Ich halte den 1. Wert für realistischer. Das Budget ist dann wahrscheinlich erst bei dem Weltraumfilm Moonraker explodiert. Da hatte man ja auch mit TSWLM wieder einen richtig großen Erfolg in der Rückhand.
Das Problem mit den Budgetangaben ist, dass bei den Zahlen zu den einzelnen Filmen nur selten wirklich die gleichen Kostenfaktoren berücksichtigt sind. Gerade die nicht unerheblichen Werbe- und Distributionskosten werden mal dazugerechnet, mal wieder nicht. Selten genug geben die Angaben auch wirklich Aufschluss darüber, was darin enthalten ist. Darüberhinaus kommt dann auch noch die generelle Kostenentwicklung innerhalb der Filmbranche mit ins Spiel, waren beispielsweise die 30+ Millionen bei MR noch absolut astronomisch, so war das Mitte der 80er ein Standardbudget. Die unterschiedlichen Zahlen zu TSWLM kenne ich auch, ich habe auch noch irgendwo mal was von 17 Millionen gelesen. Sicherlich hat MR noch mal einen deutlichen Kostensprung hingelegt, zum einen wegen der aufwendigen Effekte, zum anderen wegen der größeren Anzahl an Sets, Stunts und Locations. Auch war der Dreh in Paris ja weit weniger günstig als man sich das zunächst erhofft hatte. Aber trotzdem glaube ich nicht, dass es zwischen TSWLM und MR einen Kostensprung von 15-20 Millionen gegeben hat, ich halte daher ein Budget bei TSWLM von 17-20 Mio eher für wahrscheinlich. Zumal bei FYEO die Kostenentwicklung ja nur leicht rückläufig war und dann die nächsten Filme recht konstant blieb. Sei´s drum, unabhängig von der Kostenentwicklung wirken TSWLM und MR auf mich deutlich edler und aufwendiger als die beiden Vorgänger.
Maibaum hat geschrieben:Als ich LALD jedenfalls 1979 zum ersten Mal sah war das einfach nur ein unglaublicher Actionfilm, der genau wie TSWLM die älteren Bondfilme ganz schön alt aussehen ließ. Und damals sah er überhaupt nicht nüchtern aus.
Das war damals für uns einfach nur ganz großes Actionkino. Und sieht finde ich als Ganzes immer noch deutlich besser aus als die 3 ersten Bonds (die aus einer anderen Zeit stammen), und auch als YOLT.
So vergleiche ich das aber auch nicht, sondern eher setze ich den Maßstab an, wie wirken die Filme gegenüber anderen Großproduktionen ihrer Zeit. Und da habe ich gerade bei YOLT gar nix auszusetzen, da der Film entsprechend seiner Enstehungszeit absolut state-of-the-art wirkt. DN macht trotz des Mini-Budgets einen sehr aufwendigen Eindruck (was viel Adams großartiger Arbeit zu verdanken ist), FRWL wirkt dann endgültig wie Große-Welt-Kino, wenn ich den Film optisch mit Filmen wie North by Northwest oder Der Preis vergleiche schneidet er nicht schlechter ab. Aber du hast schon recht damit, dass in den Filmen der frühen 70ern deutlich weniger Wert auf Opulenz und edle Optik gelegt wurde wie in den 60ern oder dann auch wieder beginnend ab den späten 70ern. Hier bilden LALD und TMWTGG keine wirkliche Ausnahme (obwohl natürlich kein Bondfilme jemals wirklich "nüchtern" dahergekommen ist).
Maibaum hat geschrieben:PS. Flatscope? Das habe ich ja noch nie gehört. Wo kommt der Begriff denn her?
Vollständig heisst es Academy Flatscope, siehe hier: http://www.thedigitalbits.com/articles/ ... orama.html . Ist eigentlich ein recht gebräuchlicher Ausdruck für das „kleinere“ Scope-Format 1.85:1 im Gegensatz zum "richtigen" Cinemascope 2.35:1 und größer. Ich meine Flat bezieht sich dabei auf die Kameralinse.
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Wie stark ein Film edel wirkt, hängt von verschiedenen Dingen ab:
- der tatsächlichen Arbeit des Kameramanns (Beleuchtung, Linsen, Winkel, Filter...)
- dem Format (Widescreen wirkt einfach per se pompöser als das Format von bspe. LALD)
- die Drehorte

Was letzteres angeht, so habe ich bei LALD im Vergleich zu TSWLM und MR das Gefühl, dass man bewusst mehr an normalen Drehorten gedreht hat, die nicht unbedingt edel wirken (Harlem HInterhöfe, die Krokodilfarm, dieses Geisterdorf auf der Insel...). In Kombination mit ein paar mittelmäßigen Kulissen (die Vodoo Stätte) und dem Format wirkt LALD dann wirklich (zumindest heute) etwas einfacher. Aber in gewisser Weise auch in Tradition von DN.

Es ist für mich nur komisch, dass man sozusagen zwischen den opulenten cinescope Filmen TB/YOLT und dann wieder TSWLM/MR das andere Format geschoben hat. War das zu der Zeit üblich?
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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danielcc hat geschrieben:Es ist für mich nur komisch, dass man sozusagen zwischen den opulenten cinescope Filmen TB/YOLT und dann wieder TSWLM/MR das andere Format geschoben hat. War das zu der Zeit üblich?
Genau die Frage stelle ich mir auch schon lange. Konkrete Aussagen dazu habe ich nie finden können, allerdings haben Broccoli und Saltzman Ende der 60er/Anfang der 70er darüber nachgedacht, die Serie zumindest mittelfristig vom Kino aufs TV zu verlegen. Was heute völlig absurd klingt war es damals aber gar nicht mal so sehr: niemand konnte davon ausgehen, dass eine Kinoserie endlos erfolgreich laufen würde, die Einspielergebnisse waren ja auch eher rückläufig und zudem wurden die TV-Produktionen damals immer aufwendiger. Auch wenn diese Überlegungen nie in die Tat umgesetzt wurden, so könnte ich mir durchaus vorstellen dass sie einen Einfluss auf die weniger aufwendige Umsetzung der ersten beiden Moorefilme gehabt haben, möglicherweise war auch das der Knackpunkt dass man auf das aufwendigere Cinemascope verzichtet hat. Wirklich aus der Mode war das Anfang der 70er zwar auch nicht gekommen, aber wie Maibaum schon schrieb wurden damals, gerade im Zuge des aufkommenden New American Cinema viele Filme eher nüchtern, fast schon doku-ähnlich gedreht und dabei auch nicht selten ohne das klassische Cinemascope-Format. Ob man auch bei den Bondfilmen diesem Trend entsprechen wollte glaube ich zwar weniger, aber zumindest wird es Überlegungen gegeben haben nach dem Motto:"wenn das Publikum den Aufwand nicht mehr gewohnt ist und ihn auch nicht mehr zwingend erwartet, warum sollen wir ihn dann betreiben?".

Die Parallele zwischen DN und LALD in Punkto Stil und Optik empfinde ich übrigens genauso! Würde mich interessieren, ob dies Zufall war oder aufgrund der Ähnlichkeiten der literarischen Vorlagen so gewollt war.
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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AnatolGogol hat geschrieben: Die Parallele zwischen DN und LALD in Punkto Stil und Optik empfinde ich übrigens genauso! Würde mich interessieren, ob dies Zufall war oder aufgrund der Ähnlichkeiten der literarischen Vorlagen so gewollt war.
Ich hab auch beim Lesen von LALD immer an DN gedacht (oder umgekehrt). Beim Film ist ja deutlich, dass man wieder ein wenig dahin zurückkehren wollte: Einzelne Szenen wie die mit der Schlange (vgl. Spinne in DN), Quarral Jr., die Karibik Location usw. Hatte damals bei LALD geschrieben, dass es nicht einfach der Übergang zu den heiter-übertriebenen Moore Filmen ist, sondern zunächst mal der Versuch einer Rückkehr zum ernsteren Ton der ersten beiden Filme.

Um ein wenig zum Topic zurückzukommen. Ich finde auf jeden Fall, dass Connery in den "kleineren, TV ähnlicheren" Filmen noch weniger gewirkt hätte. Er ist in gewisser weise noch "larger than life" als es Moore ist. Ein Film wie FYEO mit Connery? Ich weiß nicht... Aus dem Macho-Bond der Connery Zeit wurde unter Moore ja eindeutig eher der Gentleman-Bond (viele erwarten dann heute immer, dass Bond alles ugleich ist...obwohl sich einige der Elemente erst nach und nach separat durchgesett haben).
Jetzt ist die Frage: War diese Entwicklung der Zeit und der Gesellschaftsentwicklung geschuldet, dann hätte Connery dazu nicht mehr gepasst. Oder hat sich die Rolle nur so entwickelt, weil es besser zu Moore passte? Ich kann mir aber Filme wie YOLT, die nur so vor Sexismus und Machismus (?) stroten in den späten 70ern nicht vorstellen. Daher glaube ich, dass Connery entweder zu sehr gestutzt worden wäre, oder aber wie ein Relikt gewirkt hätte.

Nicht umsonst wirkt sein 83er NSNA ja auch ein wenig anachronistisch
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Zum Format:

Der Begriff scheint dann aber Academy Flat zu sein, nicht Flatscope. Das Wort Scope wird eigentlich nur in Zusammenhang mit den richtig breiten Formaten genannt. Meist 2,35:1 mit 70 mm oder (fast immer) mit anamorphem 35 mm.
Wird aber meist einfach als Widescreen bezeichnet.

Ein 2,35:1 Film ist aber nicht teurer oder aufwendiger als ein 1,85:1 Film. Das benutzte Filmmaterial ist dasselbe, nämlich normaler 35 mm Film, dessen tatsächliches Seitenverhältniss 1,37:1 beträgt, dann aber mittels anamorphischer Linsen oder Maskierung auch für die Breitwandformate taugt, für die man eigentlich 70 mm nehmen müsste.
Mit 70 mm hätte man dann eine viel bessere Bildqualiät, dann aber tatsächlich auch erhebliche Mehrkosten. Und deswegen ist 70 mm auch nur für einige wenige Prestigeproduktionen verwendet worden, und hat sich ansonsten nicht durchgesetzt.

Warum diese beiden Filme nun nicht in 2,35:1 gedreht wurden ist für mich genauso geheimnisvoll wie warum schon die frühen Bonds nicht so gedreht wurden. Normalerweise wurden damals wie heute alle spektakulären Filme in 2,35:1 gedreht.
Aber es gab auch Regisseure wie Howard Hawks, der lediglich Land of the Pharaoes in 2,35:1 drehte, ansonsten aber alle seien späteren Filme für 1,85:1 konzipierte. anscheinend mochte er das Scope Format nicht.

Ich habe gerade mal ein paar andere Filme die Hamilton inszenierte gecheckt, und er hatte ansonsten anscheinend keinerlei Berührungsängste mit Scope Filmen.

In den 80gern ist man wegen des zunehmend an Bedeutung gewinnenden Heimvideomarktes teilweise auf 1,85:1 zurückgegangen, da dieses sich besser für das damals übliche 4:3 TV eignete.

Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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danielcc hat geschrieben:Um ein wenig zum Topic zurückzukommen. Ich finde auf jeden Fall, dass Connery in den "kleineren, TV ähnlicheren" Filmen noch weniger gewirkt hätte. Er ist in gewisser weise noch "larger than life" als es Moore ist. Ein Film wie FYEO mit Connery? Ich weiß nicht... Aus dem Macho-Bond der Connery Zeit wurde unter Moore ja eindeutig eher der Gentleman-Bond (viele erwarten dann heute immer, dass Bond alles ugleich ist...obwohl sich einige der Elemente erst nach und nach separat durchgesett haben).
Jetzt ist die Frage: War diese Entwicklung der Zeit und der Gesellschaftsentwicklung geschuldet, dann hätte Connery dazu nicht mehr gepasst. Oder hat sich die Rolle nur so entwickelt, weil es besser zu Moore passte? Ich kann mir aber Filme wie YOLT, die nur so vor Sexismus und Machismus (?) stroten in den späten 70ern nicht vorstellen. Daher glaube ich, dass Connery entweder zu sehr gestutzt worden wäre, oder aber wie ein Relikt gewirkt hätte.

Nicht umsonst wirkt sein 83er NSNA ja auch ein wenig anachronistisch
Der sexistische Macho der 60er Jahre war in diesem Maße über dieses Jahrzehnt hinaus nicht mehr wirklich zeitgemäß, entsprechend reagierte man dann ja auch in den beiden Connery-Spätwerken DAF und NSNA, in denen sein Bond in der Beziehung deutlich "milder" dargestellt wird. Wenn ich zB an die herrische Überlegenheit denke, mit der er Miss Taro in DN in deren Haus "nimmt" oder auch wie er Helga Brandt und die asiatischen Girls in YOLT herablassend behandelt, solche Szenen fand man im Lauf der nächsten Jahrzehnte zwar immer mal wieder (zB Brosnan in GE gegenüber Onatopp), aber in den 60ern war das ja die Regel! Ich denke die Entwicklung davon weg war schon dem Zeitgeist geschuldet, wobei interessanterweise gerade in den beiden Moore-Erstlingen, in denen man ja bewusst versucht hat auf diverse Connery-typischen Elemente zu verzichten, dieser Sexismus wesentlich häufiger anzutreffen ist als in allen weiteren Moore-Abenteurn (sein verhalten Rosie & Ms Anders gegenüber). Daher finde ich LALD und TMWTGG in der Beziehung gar nicht so viel anders als die 60er Filme. Ab TSWLM war davon dann aber nicht mehr viel zu spüren, Moore ging dann wirklich voll in der Rolle des weichgespülten Vorzeigegentlemans auf, die ihm aber auch wesentlich mehr entsprach (aber die Rolle des James Bond auch deutlich weniger facettenreich machte). Interessant ist auch, dass wie bereits erwähnt DAF das Machogehabe von Connery viel ironischer darstellt als die in der Beziehung noch recht ernsten Filme der 60er, ganz anders als in den beiden Folgefilmen mit Moore.

Hätte also Connery in die Bondfilme der 70er gepasst? Sicherlich nicht in der Form, in der sie unter Moore entstanden sind. Ich glaube auch, dass eine Rückkehr zu den Wurzeln zB in LALD, wenn man ihn mit Connery im Stile von DN produziert hätte nicht automatisch funktioniert hätte. Man muss ganz klar sagen: der Connery der 70er war nicht mehr der Connery der 60er. Das lag ja nicht nur an seinem deutlich gealterten Äußeren sondern er entwickelte sich in den 70ern ja bewusst zu dem Schauspielertypus, als der er dann den Rest seiner Karriere wahrgenommen wurde: als reiferer, herber Charaktertyp und eben nicht mehr als smarter, draufgängerischer Actiondarsteller. Hätte er dies nicht gemacht (und der Abschied von den Bondfilmen war da ein absolut notwendiger Schritt), wäre er ewig in der Bond-Schublade steckengeblieben, wäre im Laufe der 70er zum Anachronismus verkommen und hätte vor allem auch in den 80ern und 90ern nicht mehr den Weltstarstatus gehabt wie "in echt". Auch wenn man in den Bondfilmen der 70er mit Connery Rücksicht auf seine persönliche Entwicklung genommen hätte, so wäre das enge Rollenkorsett wohl doch nie und nimmer ausreichend gewesen, um ihm die schauspielerische Weiterentwicklung zu erlauben, die er "in echt" genommen hat. Von daher kann man eigentlich nur von Glück sagen, dass Connery so konsequent blieb und Bond den Rücken kehrte, sowohl für ihn als auch für die Serie.
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Maibaum hat geschrieben:Zum Format:

Der Begriff scheint dann aber Academy Flat zu sein, nicht Flatscope. Das Wort Scope wird eigentlich nur in Zusammenhang mit den richtig breiten Formaten genannt. Meist 2,35:1 mit 70 mm oder (fast immer) mit anamorphem 35 mm.
Wird aber meist einfach als Widescreen bezeichnet.

Ein 2,35:1 Film ist aber nicht teurer oder aufwendiger als ein 1,85:1 Film. Das benutzte Filmmaterial ist dasselbe, nämlich normaler 35 mm Film, dessen tatsächliches Seitenverhältniss 1,37:1 beträgt, dann aber mittels anamorphischer Linsen oder Maskierung auch für die Breitwandformate taugt, für die man eigentlich 70 mm nehmen müsste.
Mit 70 mm hätte man dann eine viel bessere Bildqualiät, dann aber tatsächlich auch erhebliche Mehrkosten. Und deswegen ist 70 mm auch nur für einige wenige Prestigeproduktionen verwendet worden, und hat sich ansonsten nicht durchgesetzt.

Warum diese beiden Filme nun nicht in 2,35:1 gedreht wurden ist für mich genauso geheimnisvoll wie warum schon die frühen Bonds nicht so gedreht wurden. Normalerweise wurden damals wie heute alle spektakulären Filme in 2,35:1 gedreht.
Aber es gab auch Regisseure wie Howard Hawks, der lediglich Land of the Pharaoes in 2,35:1 drehte, ansonsten aber alle seien späteren Filme für 1,85:1 konzipierte. anscheinend mochte er das Scope Format nicht.

Ich habe gerade mal ein paar andere Filme die Hamilton inszenierte gecheckt, und er hatte ansonsten anscheinend keinerlei Berührungsängste mit Scope Filmen.

In den 80gern ist man wegen des zunehmend an Bedeutung gewinnenden Heimvideomarktes teilweise auf 1,85:1 zurückgegangen, da dieses sich besser für das damals übliche 4:3 TV eignete.
Es gibt bzw gab gerade in den 50ern und 60ern ja schon die Tendenz, dass "kleinere" Produktionen deutlich seltener in Cinemscope gedreht wurden als große. Dazu passen die frühen Bondfilme gut zu dieser Tendenz, da ja erst mit GF der ganz große Superrummel losging. Dass DN nicht in Scope gedreht wurde ist eigentlich logisch, bei FRWL und GF und dem zu der Zeit bereits vorhandenen Erfolg hätte man aber bereits früher umsatteln können. Die Wallace-Filme der damaligen Zeit sind auch ein gutes Beispiel, mit dem ganz großen Erfolg wurden die Filme von 1963-1964 dann auch in Scope gedreht, vorher und nachher aber immer in Flat (mit Ausnahme der späten Giallos).

Werden für Cinemascope und Acadamy Flat (ich werde mich bemühen diesen Begriff ab jetzt in meinen Sprachgebrauch aufzunehmen statt des missverständlichen Flatscopes :wink: ) tatsächlich immer die gleichen Kameras benutzt? Ich erinnere mich an einen Audiokommentar mit Helge Schneider (man beachte welche Kompetenzen ich hier anführe!), in dem er sich ziemlich genervt äussert ob der Tatsache, dass man Texas in Scope mit deutlich schwereren Kameras gedreht hat gegenüber seinen restlichen Filmen in Flat. In jedem Fall muss man sich bei Scope ja deutlich mehr den Kopf über Bildkompositionen zerbrechen, ganz einfach da mehr Bild zu befüllen ist.

Die Rückkehr zum Flatformat in LALD bleibt aber ein Rätsel, mit Hamiltons Vorlieben kann es ja schon deswegen nicht wirklich was zu tun haben, da er ja DAF auch bereits in Scope gedreht hat. Für Klarheit könnte hier wohl nur ein Produktionsinsider sorgen.

Widescreen ist übrigens aber mindestens genauso irreführend wie Flatscope, wenn ich nur daran denke was auf DVD alles als Widescreen-Edition geführt wird :wink:
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Finde schon, dass es einen großen Unterschied zwischen Connery und Moores ersten beiden Filmen gibt. Connery ist Macho durch und durch und behandelt Frauen nur zum Spaß als Lustobjekte, man denke an
- Dink in GF
- die Hotel Zimmerdame in GF
- Pussy
- Miss Tarot in DN
- YOLT

Die angesprochenen Szenen von Moore in LALD und TMWTGG ergeben sich ja auch der Mission heraus. In TMWTGG entschuldigt er sich anschließend sofort bei Ms. Anders.

A propos: Ich weiß es ist total anachronistisch, aber ich würde mir grade deswegen einen politisch unkorrekten Bond wünsche, der Hut trägt, raucht und Macho ist.
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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danielcc hat geschrieben:Finde schon, dass es einen großen Unterschied zwischen Connery und Moores ersten beiden Filmen gibt. Connery ist Macho durch und durch und behandelt Frauen nur zum Spaß als Lustobjekte, man denke an
- Dink in GF
- die Hotel Zimmerdame in GF
- Pussy
- Miss Tarot in DN
- YOLT

Die angesprochenen Szenen von Moore in LALD und TMWTGG ergeben sich ja auch der Mission heraus. In TMWTGG entschuldigt er sich anschließend sofort bei Ms. Anders.
Na, ich weiss nicht so recht. Gerade wie Connery Miss Taro und Helga Brandt behandelt deckt sich schon ziemlich mit Moores Behandlung von Rosie Carver/Andrea Anders. Bond ist es doch scheissegal, dass Rosie eine Kollegin ist und genau so scheiss egal ist es ihm, dass sie womöglich eine Verräterin ist. Da wird mitgenommen, was mitzunehmen ist genau wie Sean mit Miss Taro in DN. Oder nimm Solitaire: das er ihr durch ihre Entjungferung ihre einmalige Gabe nimmt: who cares. Bei Miss Anders ist es ja auch sehr ähnlich, richtig Sympathie zeigt er gegenüber ihr nie (was dann damit gerechtfertigt wird, dass sie ihn ja auch nur benutzt für ihre Ziele; fast identisch wie Jahre später Lupe in LTK). Er fügt ihr Schmerzen zu damit sie redet, dann richtet er sie wieder auf damit sie nach seiner Pfeife tanzt und die Kugeln abgibt und schliesslich zieht er sie in die Kiste ohne Rücksicht auf Verluste. Ihr Tod berührt ihn ja nur deswegen, weil er befürchtet so das Solex nicht zu bekommen. In diesem Zusammenhang ist auch sein Verhalten gegenüber Goodnight interessant: 60s-Sexismus at its Best! Ja nix anbrennen lassen und sich die Kleine für alle Fälle warmhalten. Aber sobald es ihm nicht in den Kram passt ab mit ihr in den Schrank! Bitte nicht falsch verstehen: gerade diese zwanglose, völlig inkorrekte Verhaltensweise liebe ich so an Old Jim Bond.
danielcc hat geschrieben:A propos: Ich weiß es ist total anachronistisch, aber ich würde mir grade deswegen einen politisch unkorrekten Bond wünsche, der Hut trägt, raucht und Macho ist.
Ich auch! Fand es auch klasse, dass Dalton so unverblümt vor sich hingequalmt hat. Mehr political incorrectness wäre wirklich mal wieder fällig! Und vor allem der Hut sollte mal wieder reaktiviert werden!!
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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AnatolGogol hat geschrieben:
danielcc hat geschrieben:A propos: Ich weiß es ist total anachronistisch, aber ich würde mir grade deswegen einen politisch unkorrekten Bond wünsche, der Hut trägt, raucht und Macho ist.
Ich auch! Fand es auch klasse, dass Dalton so unverblümt vor sich hingequalmt hat. Mehr political incorrectness wäre wirklich mal wieder fällig! Und vor allem der Hut sollte mal wieder reaktiviert werden!!
Zumal Craig ja privat gut und gerne mal Hut trägt.
http://cdn.buzznet.com/media-cdn/jj1/he ... -omega.jpg

Es würde zumindest in eine Szene in einem englischen Männer Club à la Blades passen und wenn er dann rauskommt zurück ins Büro, schmeißt er in bei Moneypenny auf den Kleiderständer.

Übrigens gab es so einen Anflug von "back to politival incorrectness" schon mal vor kurzen: Die Szenen in Havanna in DAD. Da raucht Bond üble Zigarren, trinkt nen Cocktail, da wird hemmungslos voyeuristisch gefilmt wie Berry aus dem Wasser kommt und der anschließende Dialog mit ihr ist sowie der Hammer, in der Hinsicht.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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danielcc hat geschrieben:Zumal Craig ja privat gut und gerne mal Hut trägt.
http://cdn.buzznet.com/media-cdn/jj1/he ... -omega.jpg

Es würde zumindest in eine Szene in einem englischen Männer Club à la Blades passen und wenn er dann rauskommt zurück ins Büro, schmeißt er in bei Moneypenny auf den Kleiderständer.
Hahaha, herrliches Bild, vor allem die rote Shoppingtasche! Ich könnte mir das auch gut mit Craig vorstellen, aber angesichts der Weichenstellung der letzten beiden Filme halte ich es (leider) für sehr sehr unwahrscheinlich.
danielcc hat geschrieben:Übrigens gab es so einen Anflug von "back to politival incorrectness" schon mal vor kurzen: Die Szenen in Havanna in DAD. Da raucht Bond üble Zigarren, trinkt nen Cocktail, da wird hemmungslos voyeuristisch gefilmt wie Berry aus dem Wasser kommt und der anschließende Dialog mit ihr ist sowie der Hammer, in der Hinsicht.
Ja, das stimmt. Schöne Szene, diese lässige Art passte super zu Pierce. Gerade die Zigarrenqualmerei erinnert sehr an Old Rog, da gibt es aus LALD ein schönes Pressefoto, auf dem er sitzend mit Whiskey und fetter Havanna posiert und im Hintergrund die ganzen Mohnfelder in die Luft gehen. Genau in diesem Stil ist dann auch die DAD-Szene. Hab den Dialog mit Halle nicht mehr genau im Kopf, aber er war doch ziemlich platt unter der Gürtellinie, oder? Die Dialoge in DAD sind zwar politisch inkorrekt, aber auch ziemlich platt und zum fremdschämen peinlich (der Stosskraft-Diaolog zwischen Halle Berry und Rosamunde Pike oder die Diamantenrein- und rauszieherei am Schluß).
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Format Teil 3:

Ich lese auch viel in englíschsprachigen Foren, und der Begriff Academy Flat ist mir da noch nie begegnet. Scheint zumindest nicht allzu gebräuchlich zu sein.

2,35:1 Filme als Cinemascope zu bezeichnen ist üblich, aber eigentlich auch nicht richtig, da es nur eines von vielen gebräuchlichen Breitwandformaten ist (oder eher war). Es ist aber ähnlich wie Maggi für Suppenwürze ein Synonym für Breitwandfilme geworden. Das heute fast durchweg verwendete System ist Panavision.

Hier noch einmal ein Link der eine gute Grundübersicht gibt:

http://www.dvdlog.de/filmformate/filmformate.htm

Ob die Kameras dieselben sind weiß ich jetzt nicht. Wahrscheinlich nicht. Zumindest muß sie im Unterschied zum normalen Widescreen eine anamorphe Linse benutzen um das Bild von 2,35:1 auf das 1,37:1 Format des Negativs zu komprimieren.

Die Kameras sind wahrscheinlich andere, aber das benutzte Filmmaterial ist dasselbe. Nämlich 35 mm Film im Format 1,37:1. Das gleiche Material das auch schon vor der Breitbild Ära für das zuvor gebräuchliche 1,37:1 benutzt wurde.

Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Faustregel wäre eigentlich das alles was eher intimerer Natur ist in 1,85:1, und alles was eher protziger ist in 2,35:1 gedreht. natürlich gibt es massenhaft Abweichungen. Kubrick (der fast nie in 2,35:1 drehte) hat Barry Lyndon für 1,6:1 gedreht, und für die DVDS verfügt das seine späteren Filme in Vollbild veröffentlicht werden, woran sich Warner aber mittlerweile nicht mehr hält.

In den späten 50gern und und in den 60ger Jahren wurden die meisten Actionfilme in 2,35:1 gedreht. Der Sinn der Breitbildfilme war ja dem kleinen TV Schirm etwas grandioses entgegenzusetzen.
In den 60ger Jahren wurden auch Billigst Filme in 2,35:1 gedreht. Und DN war zwar nicht superteuer, aber auch kein wirklich billiger Film. Und das Format der frühen Bonds war ja nicht einmal 1,85:1 wie bei LALD sondern sogar nur das damals in Europa gebräuchliche 1,66:1.
Nee, DN schreit geradezu nach Breitwand. Aber es gibt noch viel mehr Filme wo man sich heute wundert das sie nicht in 2,35:1 gedreht wurden.

Ein anderer Punkt ist das mir die unterschiedlichen Formate damals im Kino gar nicht bewußt waren. Ich hätte behauptet da gibt es keine Unterschiede.
Und auch heute noch könnte ich nach dem Kino meist gar nicht sagen welches Format es genau war (außer wenn ich bewußt drauf achte), aber bei der DVD und generell im TV fällt es mir sofort auf.

Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Was Connery betrifft so finde ich es interessant das eigentlich kein einziger seiner Filme auch nur annähernd den Bond Filmen ähnelt. Er hat anscheinend alle Rollen vermieden die seinem Bond Image entsprachen.

In den Moore Bonds kann ich ihn mir tatsächlich nur schwierig vorstellen. Sein Macho Bond sah schon in YOLT seltsam aus. Im Prinzip war YOLT der erste Moore Bond, und für mich wäre Lazenby die bessere Wahl für DAF gewesen.