vodkamartini hat geschrieben: Gestern 22:44
Paul ist ein klassischer Antiheld.
Nein, das ist er nicht.
Das hat natürlich mit der Definition des Anti-Helden zu tun, aber der Anti-Held ist von der Idee her das Gegenteil des Helden. Also einer der z.B eher feige ist, der gar nicht über die Fähigkeiten des Helden verfügt. Und tatsächlich ist der Anti-Held auch ganz wesentlich durch Passivität geprägt. während der Held eben aktiv ist.
Die Aktionen des Helden bestimmen die Handlung der Erzählung, während die Aktionen des Anti-Helden durch die Handlung bestimmt werden, er reagiert eher statt zu agieren. Auch wenn der Held scheitert wird er nicht notwendigerweise dadurch zum Anti- Helden.
Ähnlich wie der McGuffin ist der Verwendung des Begriffs Anti-Held mittlerweile vollkommen aus dem Ruder gelaufen, und widerspricht meist der ursprünglichen Definition. Mittlerweile ist anscheinend jeder ein Anti-Held wenn er nicht so ein lupenreiner Gutmensch wie Winnetou ist, also ein paar Brüche oder Probleme hat. Dann wird auch der Craig Bond oder Nolans Batman zum Anti-Helden, aber dann ist auch so ziemlich jeder ein Anti-Held, und das führt genau wie beim Begriff McGuffin zu einer Entwertung des Begriffs, weil dann kaum noch Helden übrig bleiben.
Im Italowestern werden die Protagonisten auch von den Fans durchgehend zum A-H erklärt, um eine Abgrenzung zum US Western herzustellen, aber tatsächlich ist der Italowestern auch so gut wie nie ein Anti-Western und die Protagonisten folgen in jeder Hinsicht übliche Handlungsmustern, nur das alles etwas böser und dreckiger und zynischer abläuft. Was Eastwood betrifft, auch Dirty Harry ist kein Anti-Held.
Little Big Man etwa ist weitgehend einer der wenigen Anti-Western mit einem klassischen Anti-Helden. Oder was den Protagonisten betrifft noch extremer Dirty Little Billy, in dem der Hauptdarsteller ein hässlicher Feigling ist der gar nicht schießen kann.
In Dune 1 und 2 denke ich schon, wenn ich da nichts falsch erinnere, daß Paul durchgehend das tut was der Held halt so tut, und in Teil 1 auch von seiner "Heldwerdung" erzählt. Das Ende dekonstruiert das dann ein wenig, so daß das Happy End ausbleibt, und der Sieg mit Brüchen versehen ist. Kann sein daß Teil 3 das Ganze dann komplett ins Negative dreht, und dann müsste man auch die ersten beiden Teile neu bewerten, wenn die 3 Films als Einheit betrachtet werden sollen.
Ich meine Lynchs Film dagegen ist da schlichter und endet mit einem totalen Happy End.