Ich würde sagen, über weite Strecken hat mich " The Odyssey" gut unterhalten können, was vor allem an recht starken Einzelepisoden liegt. Die Trojasequenz (also die Einnahme durch das Pferdchen) fand ich vom Spannungsaufbau her sehr gelungen, dazu auch vor allem die CIrce-Sequenz in einer gänzlich ungewöhnlichen und recht fiesen Interpretation. Auch die Totensequenz und den Zyklopen mochte ich im Grunde, wie ich generell die etwas düsteren, teils ins Horrartige übergehenden Interpretationen der Sagenstoffe mochte. Das Schauspielerensemble ist okay, es ragt aber auch niemand wirklich heraus, was letztlich - und da würde ich vielen von euch zustimmen - an einer nicht sonderlich memorablen Charakterzeichnung liegt. Gerade Pattionsons Antinoos hat mich da enttäuscht, die Figur ist in ihrer Klischeehaftigkeit einfach zu uninteressant als Gegenspieler.
Wo der Film mich etwas verliert, sind Teile des letzten Drittels, wo Nolan alles, was er über die mykenische Zeit recherchiert hat, unterzubringen versucht und so bedeutungsschwanger das temporäre zivilisatorische Ende der Menschheit beschwört (was die Gewaltdarstellungen irgendwie nicht einhalten können). Zudem ersäuft mir das Ende ein bisschen zu sehr im amerikanischen Kitsch.
Daneben stört mich eine gewisse Biederkeit der Odysseus-Figur. Jegliche Schalkhaftigkeit, Arroganz und generell Charisma, was in den Sagen um diese Figur ständig zum Vorschein kommt, ist der Geschichte komplett abhanden gekommen. Alles, was bleibt, ist ein traumatisierter Trauerkloß, auch noch ohne wirkliche moralische Ambivalenz. Wo sind die Lügengeschichten, wo ist der trickster? Klar, das mag alles zu einer Art Heldendekonstruktion gehören, die Nolan da versucht, es nimmt der FIgur aber auch viele ihrer schillernden Charakteristika. Gerade das Auslassen jeglichen sexuellen Inhalts ist da ein deutlicher Hinweis (denn ein moderner Mann, der zu seiner Frau zurück möchte, hat keine sexuellen Abenteuer mit schönen Zauberinnen oder Nymphen).
danielcc hat geschrieben: Ich finde nicht, dass der Rachefeldzug am Ende irgendwie gerechtfertigt ist. Der Typ war 20 Jahre weg und dennoch hat niemand ihm selbst oder selbst seiner Frau etwas angetan. Das ist doch komisch wenn man mal darüber nachdenkt oder ?
Das erklärt sich natürlich auch eher aus der antiken Sichtweise. Die nisten sich jahrelang bei ihm ein und essen Ithaka quasi die gesamte Nahrung weg. Die Angst vor Parasitentum war in der archaischen griechischen Gesellschaft sehr groß. Dazu spielen sie sich wie die Herren im Haus auf, obwohl der Herr ja nicht tot ist - was die nicht wissen können, klar, aber nach dem Brauch hat Odysseus durchaus das Recht, die alle umzubringen. Im Epos bringt er ja auch alle untreuen Mägde noch um, das haben sie im Film noch ausgelassen.
Casino Hille hat geschrieben:
Grauenhafte Szene, bei der ich leider - es tut mir leid für die, die im Kino hinter mir saßen - ziemlich laut lachen musste.
Ging mir auch so, ich konnte diese Inszenierung um Agamemnon rum leider auch nicht ernst nehmen und hatte bei jedem seiner Auftritte, ausgenommen als er tatsächlich mal etwas sagt, einen unwillkürlichen Lachreflex.
Casino Hille hat geschrieben:"ICH WILL ODYSSEUS"
Das fand ich fast ein bisschen witzig, weil sie vorher eine selbstbestimmte Rede hält, wie sie 20 Jahre lang ohne männliche Hilfe Ithaka regiert hat und wegen ihres Frauseins nicht ernst genommen wird, nur um dann laut nach ihrem Ehemann zu schreien

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