Mir hat Tenet ja auch gut gefallen, der steht bei mir aktuell auf Platz 2 oder 3 aller Nolan Filme. Allerdings nicht so sehr wegen der von dir genannten Punkten, die sind für mich eher positive Nebeneffekte. Aber was meinst du mit "großen Gesellschaftsparabeln"? Oppenheimer? Die ist da sicherlich drin enthalten, aber für mich definitiv nicht der Hauptpunkt des Films.
craigistheman hat geschrieben: Gestern 16:05
Am Ende des Tages hat Nolan der Menschheit meist nichts wirklich substanzielles hinzuzufügen, zumal ich die meisten seiner „Ansichten“ ziemlich platt und mutlos finde.
Präsentiert er denn so viele Ansichten? Stellt er nicht eher Fragen? Ich wüsste beispielsweise nicht, welche klare Ansicht ich aus Oppenheimer ziehen sollte. Dafür aber eine ganze Menge Fragen, Gedankenanstöße und Ähnliches. Ich würde ebenfalls sagen, dass Nolan nicht wirklich viel Substanzielles hinzufügt, aber er regt den Zuschauer meiner ansicht nach regelmäßig an, dies selbst zu tun. Und das finde ich ehrlich gesagt interessanter. Er präsentiert Gedanken, aber selten Lösungen.
craigistheman hat geschrieben: Gestern 16:05
Dass gerade er aber behauptet, er habe sich stets den Safe Bets verweigert (Colbert Auftritt zu The Odyssey), entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Wieso? Welcher seiner letzten Filme war denn ein sogenannter Safe Bet? Gerade hier im Forum wurde immer wieder, insbesondere bei Dunkirk und Oppenheimer völlig zurecht gesagt, dass solche Stoffe ohne Nolan als Zugpferd niemals so performen würden. Das waren ganz definitiv keine Safe Bets. Tenet , Inception und Intestellar waren mit ihren Konzepten auch alles andere als Safe Bets und wären einem anderen Regisseur kaum genehmigt worden. Safe Bets in seiner Karriere waren eigentlich nur The Dark Knigh, The Dark Knight Rises und mit Abstrichen The Odyssey. Die Komik der Aussage sehe ich ehrlich gesagt nicht.
craigistheman hat geschrieben: Gestern 16:05
Nolan ist dann am besten, wenn er visuell und zeitlich verschachtelt erzählen darf. Aber selbst hier - eine vermeintlich große Idee auf dem Papier macht noch keinen großen Film.
Das ist zweifellos richtig. Der zweite Satz. Beim ersten weiß ich nicht sicher, was du mit visuell verschachtelt meinst. Wie in Tenet, der ja streng genommen völlig linear erzählt wird, aber ständig nonlineare Dinge in den Bildern erzählt? Oder Inception, wo die Effekte der übergeordneten Traumebene in den Bildern sichtbar werden?
Beides fasziniert mich, aber die rein zeitlich verschachtelte Erzählweise in Oppenheimer begeistert mich inzwischen fast mehr.