RicoSchulze1 hat geschrieben: Die Filme wären von der Qualität her so etwa wie DAF und vielleicht noch einmal ein Knaller wie Goldfinger dazwischen weil man gemerkt hat das es so nicht weitergehen kann.
Ich weiss nicht, ob gerade in der Zeit ein echter Knaller noch mal drin gewesen wäre. Obwohl natürlich LALD „in echt“ da das beste Gegenargument ist. Aber gerade der Film lebt meiner Meinung nach auch sehr davon, dass man ein paar neue Sachen probiert hat und eben auch von dem frischen Schwung durch den neuen Darsteller. Ich denke LALD hätte auch mit dem Dauer-Connery ein guter Film werden können, nicht zuletzt da die Story auch recht interessant ist im Gegensatz zu zB DAF oder TMWTGG, aber ob der Film in unserem hypothetischen Szenario auch noch so gut beim Publikum angekommen wäre bezweifle ich etwas, das Kinovolk will einfach frisches, zeitgemäßes „Fleisch“.
RicoSchulze1 hat geschrieben:Auch glaube ich das es nicht so extreme Unterschiede der Filme gegeben hätte wie z.B. von Moonraker auf In tödlicher Mission.
Das ist ein sehr guter Punkt! Das denke ich nämlich auch, die Serie wäre wohl (noch) mehr in den 60er Jahreklischees hängen geblieben. Möglicherweise hätte man Mitte der 70er dann ja nochmals einen Befreiungsschlag in Richtung ernster Thriller a la FRWL probiert, aber ich denke auch dass die Filme in sich wesentlich homogener gewesen wären.
RicoSchulze1 hat geschrieben:Die Serie würde warscheinlich schlechter und unbekannter sein als die Reale.
Vielleicht hätten aber die Filme der goldenen 60er dadurch auch noch mehr Glorienschein bekommen und wären heute noch legendärer, weil es eben nicht seit 50 Jahren permanent (gute) Bondfilme gegeben hätte. Möglicherweise würden wir dann heute noch viel mehr nach Jahrzehnten kategorisieren: die goldenen 60er und die blechernen 70er.
RicoSchulze1 hat geschrieben:
Vielleicht wäre in den Jahren 2000-2015 ein Reboot gestartet, vielleicht in Form einer neuen Trilogie mit neuem Schauspieler natürlich und einen Cameo Auftritt von Connery.
Denke von der Action und Qualität her wären die neuen Filme dann wohl so wie die Dalton Filme.
Wobei da dann interessant wäre, ob Remakes oder Reboots wirklich beim Publikum ankommen würden. Es gibt schliesslich auch genügend „Klassiker“, die bei der Neufassung im Kino ziemlich abgeschmiert sind (zB Avengers oder Miami Vice).
danielcc hat geschrieben: Angenommn Connery hätte nach wie vor genauso viel Spaß an der Rolle wie zu Zeiten von GF, und die Filme wären auf ihn abgestimmt gewesen, warum hätte der Erfolg dann nachlassen sollen? Mit YOLT und TB war er ja erfolgreicher als alle Moore Filme...
Typisches Sättigungsphänomen, bei YOLT kippte die Kurve ja schon nach unten, die Bonditis hatte ihren Zenit überschritten. Auch waren die Bondfilm der frühen 70er „in echt“ ja auch nicht ohne Grund eher schwach (Ausnahme LALD) und wirkten ideenlos und auch irgendwo orientierungslos, als ob man nicht mehr genau wüsste, was man nach den goldenen 60ern jetzt noch nachlegen sollte.
danielcc hat geschrieben:
Da müsste man sich dann Fragen ob die Art der Filme und Connerys Typ noch in die 70 gepasst hätte...
Oder hätte man die Filme an die Zeit angepasst und hätten sie dann noch zu Connery gepasst?
Gute Frage! Connery hat sich Mitte der 70er ja quasi nochmals neu erfunden und sich durch Filme wie The Offence, Wind and the Lion oder The Man who would be King auch schauspielerisch deutlich profilierter gezeigt. Hätte man darauf in unserem Szenario auch in den Bondfilmen reagiert und den reiferen Connery anders als in den 60ern in Szene gesetzt hätte das durchaus interessant werden können. Ganz anders als den abgehalfterten, Möchtegern-30er in DAF sondern wirklich als gestandenen, erfahrenen Feldagenten. Aber ob man das dann aufgrund der langen Serienlaufzeit und der über die Jahre wohl doch recht monotonen filmischen Inszenierung noch geschafft bzw gewagt hätte weiss ich nicht. Andererseits war Broccoli immer dann am wagemutigsten, wenn viel auf dem Spiel stand.
danielcc hat geschrieben:
Vermutlich stellt die Serie "DN-TB" die perfekte Kombination aus Zeitgeist und Hauptdarsteller dar.
Ebenso gilt das wohl für "TSWLM-MR" was Moore angeht.
Sehr gut gesagt! Wobei ich eher GF-YOLT als die typischen Zeitgeist-Bonds der Conneryphase sehen würde, aber in YOLT war er halt auch schon etwas träger und nicht mehr so ganz bei der Sache.
danielcc hat geschrieben:Was die 70er anging: Offensichtlich passten die übertriebenen Comedy-Elemente (JW Pepper, der Beißer, Goodnight...) sehr gut in die Zeit und somit war dafür sicher Moore auch eine gute Wahl. Letztlich zeigt NSNA, dass Filme mit Connery nicht einfach erfolgreicher waren als die mit Moore (in dem Fall OP).
Genau, und gerade diese komödiantischen und teilweise auch klamaukigen Elemente waren sicher auch mit ein Grund, warum die Serie in den 70ern eben nicht nur ein mühevoll am Leben gehaltene 60er-Jahre-Überbleibsel war sondern sich in dieser Dekade ein eigenes, weitgehend neues Erscheinungsbild zugelegt hat.
danielcc hat geschrieben:Wenn es um die Frage geht, ob man sich die Serie mit 7 weiteren Connery Filmen vorstellen könnte, sicher nicht. so viele hätte er nicht gemacht und selbst wenn, wäre es schwer gewesen eine neue Richtung einuschlagen mit einem so etablierten und in seiner Darstellung festgefahrenen Darsteller in der Titelrolle.
Ergo: Man muss Moores Auslegung der Rolle nicht lieben, aber langfristig gesehen ist es für die Serie immer gut, wenn frischer Wind reinkommt.
Sehe ich genau so. Die Darstellerwechsel (auch der durch Lazenby) brachten gezwungenermaßen immer auch frischen Wind in die Serie und die Chance mit sich, andere Sachen und Richtungen auszuprobieren. Selbst beim unverwüstlichen Old Rog hatte man gleich drei unterschiedliche Ansätze probiert (73-74, 77-79, 81-85), während in der Connery-Phase ab GF sich in der Beziehung nicht mehr so viel tat. Selbst der recht groteske DAF ist doch immer noch sehr in der Tradition der 60er Jahre-Filme. In vielerlei Hinsicht wirkt der echte DAF auch auf mich wie der verzweifelte Versuch, den Charme und die Wirkung der großen 60er Jahrefilme mit mehr Klamauk und Tamtam in die 70er zu retten. Und genau so hätten weitere Filme mit Connery in den 70ern auch aussehen können.