Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht...

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Die meisten von uns hier kennen die Hintergründe der Bondfilme ja sehr genau und wissen daher auch sehr gut über die Geschichte der Filme im Laufe der Jahre bescheid. Mir macht es darüber hinaus auch immer wieder sehr viel Spass mir auszumalen, was gewesen wäre wenn... Daher möchte ich heute mal folgendes Szenario zur Diskussion stellen:
Was wäre aus der Bondserie geworden, wenn Sean Connery nach YOLT keine Auszeit genommen hätte, sondern in OHMSS und auch darüber hinaus unbefristet bereit dazu gewesen wäre Bondfilme zu drehen? Hätten wir goldene Spät-60er und 70er Jahre erlebt? Hätte der kommerzielle Erfolg sich anders entwickelt als in real? Hätte sich die Serie dadurch evtl. sogar totgelaufen?

Keine ganz einfache Ausgangsbasis für Spekulationen, da man ja zunächst mal Connerys spätestens seit TB zunehmende Bond-Müdigkeit weitestgehend ausblenden muss. Aber selbst wenn man diese nicht ausser Acht lässt und mal voraussetzt dass er nur aufgrund einer üppigen Gage zu weiteren Filmen bereit gewesen wäre, denke ich hätte sich folgendes Szenario abgespielt: OHMSS wäre so etwas wie ein 2. Frühling der Serie geworden, Connery und Rigg hätten vermutlich sehr gut harmoniert und dem Film genau das gegeben, was ihm „in echt“ fehlt: die notwendige Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Danach hätten wir vermutlich einen weit weniger zur grotesken Farce verkommenen DAF erlebt, vermutlich dann sogar mit wesentlich deutlicheren Bezügen zu den Vorkommnissen in OHMSS inklusive des „in echt“ praktisch nicht vorhandenen Rache-Motivs. Ich glaube aber auch, dass sich bereits bei diesem Film deutliche Abnutzungserscheinungen bemerkbar gemacht hätten (immer vorausgesetzt, der Film hätte die gleichen Schauwerte zu bieten gehabt wie „in echt“). Des weiteren denke ich, dass spätestens 1-2 Filme später sich die Serie zu einem toten Punkt hinbewegt hätte, auch kommerziell. Auch hier wieder sehr ähnlich wie „in echt“ (natürlich eher bezogen auf TMWTGG als auf das Zwischenhoch LALD), allerdings mit der erschwerend hinzukommenden Bürde eines „Dauerbonds“, der für viele damalige Kinozuschauer wohl mehr und mehr zum Relikt der 60er verkommen wäre. Statt des phänomenalen Erfolgs eines TSWLM hätten wir tief in den 70ern wohl eher das langsame Sterben der Serie erleben müssen. Ein Darstellerwechsel hätte zu diesem Zeitpunkt wohl auch nicht mehr viele Impulse setzen können, da der „Urbond“ Connery diese Rolle nach nahezu 15 Jahren zu sehr vereinnahmt hätte, als dass ein frisches Gesicht da so einfach hätte übernehmen können.

Fazit: Nach etwa 15 Jahren wäre die Bondserie mehr oder weniger sang- und klanglos ausgelaufen.

Wie seht ihr das ganze? Über reges „Mitspinnen“ würde ich mich freuen! :D
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Ich sehe das in der Tat genauso, es wäre dann warscheinlich beim 2-Jahres Rhytmus geblieben und die Serie hätte sich wohl so bis Anfang der 80er gehalten, allerdings mit sinkenden Zuschauerzahlen.
Die Filme wären von der Qualität her so etwa wie DAF und vielleicht noch einmal ein Knaller wie Goldfinger dazwischen weil man gemerkt hat das es so nicht weitergehen kann. Allerdings wäre der Film dann wohl nicht so gut angekommen wie TSWLM.
Es wäre warscheinlich immer trockener geworden und ich denke mit Connery hätte man Moonraker nicht verfilmt.
Auch glaube ich das es nicht so extreme Unterschiede der Filme gegeben hätte wie z.B. von Moonraker auf In tödlicher Mission.
James bond hätte sich nicht neu erfunden und würde zu Grunde gehen.
Die Serie würde warscheinlich schlechter und unbekannter sein als die Reale.
Vielleicht wäre in den Jahren 2000-2015 ein Reboot gestartet, vielleicht in Form einer neuen Trilogie mit neuem Schauspieler natürlich und einen Cameo Auftritt von Connery.
Denke von der Action und Qualität her wären die neuen Filme dann wohl so wie die Dalton Filme.
Ohne Top ? Onatopp !

Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Schwere Frage...

Angenommn Connery hätte nach wie vor genauso viel Spaß an der Rolle wie zu Zeiten von GF, und die Filme wären auf ihn abgestimmt gewesen, warum hätte der Erfolg dann nachlassen sollen? Mit YOLT und TB war er ja erfolgreicher als alle Moore Filme...

Da müsste man sich dann Fragen ob die Art der Filme und Connerys Typ noch in die 70 gepasst hätte...
Oder hätte man die Filme an die Zeit angepasst und hätten sie dann noch zu Connery gepasst?

Vermutlich stellt die Serie "DN-TB" die perfekte Kombination aus Zeitgeist und Hauptdarsteller dar.
Ebenso gilt das wohl für "TSWLM-MR" was Moore angeht.

Was die 70er anging: Offensichtlich passten die übertriebenen Comedy-Elemente (JW Pepper, der Beißer, Goodnight...) sehr gut in die Zeit und somit war dafür sicher Moore auch eine gute Wahl. Letztlich zeigt NSNA, dass Filme mit Connery nicht einfach erfolgreicher waren als die mit Moore (in dem Fall OP).

Wenn es um die Frage geht, ob man sich die Serie mit 7 weiteren Connery Filmen vorstellen könnte, sicher nicht. so viele hätte er nicht gemacht und selbst wenn, wäre es schwer gewesen eine neue Richtung einuschlagen mit einem so etablierten und in seiner Darstellung festgefahrenen Darsteller in der Titelrolle.

Ergo: Man muss Moores Auslegung der Rolle nicht lieben, aber langfristig gesehen ist es für die Serie immer gut, wenn frischer Wind reinkommt.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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RicoSchulze1 hat geschrieben: Die Filme wären von der Qualität her so etwa wie DAF und vielleicht noch einmal ein Knaller wie Goldfinger dazwischen weil man gemerkt hat das es so nicht weitergehen kann.
Ich weiss nicht, ob gerade in der Zeit ein echter Knaller noch mal drin gewesen wäre. Obwohl natürlich LALD „in echt“ da das beste Gegenargument ist. Aber gerade der Film lebt meiner Meinung nach auch sehr davon, dass man ein paar neue Sachen probiert hat und eben auch von dem frischen Schwung durch den neuen Darsteller. Ich denke LALD hätte auch mit dem Dauer-Connery ein guter Film werden können, nicht zuletzt da die Story auch recht interessant ist im Gegensatz zu zB DAF oder TMWTGG, aber ob der Film in unserem hypothetischen Szenario auch noch so gut beim Publikum angekommen wäre bezweifle ich etwas, das Kinovolk will einfach frisches, zeitgemäßes „Fleisch“.
RicoSchulze1 hat geschrieben:Auch glaube ich das es nicht so extreme Unterschiede der Filme gegeben hätte wie z.B. von Moonraker auf In tödlicher Mission.
Das ist ein sehr guter Punkt! Das denke ich nämlich auch, die Serie wäre wohl (noch) mehr in den 60er Jahreklischees hängen geblieben. Möglicherweise hätte man Mitte der 70er dann ja nochmals einen Befreiungsschlag in Richtung ernster Thriller a la FRWL probiert, aber ich denke auch dass die Filme in sich wesentlich homogener gewesen wären.
RicoSchulze1 hat geschrieben:Die Serie würde warscheinlich schlechter und unbekannter sein als die Reale.
Vielleicht hätten aber die Filme der goldenen 60er dadurch auch noch mehr Glorienschein bekommen und wären heute noch legendärer, weil es eben nicht seit 50 Jahren permanent (gute) Bondfilme gegeben hätte. Möglicherweise würden wir dann heute noch viel mehr nach Jahrzehnten kategorisieren: die goldenen 60er und die blechernen 70er.
RicoSchulze1 hat geschrieben: Vielleicht wäre in den Jahren 2000-2015 ein Reboot gestartet, vielleicht in Form einer neuen Trilogie mit neuem Schauspieler natürlich und einen Cameo Auftritt von Connery.
Denke von der Action und Qualität her wären die neuen Filme dann wohl so wie die Dalton Filme.
Wobei da dann interessant wäre, ob Remakes oder Reboots wirklich beim Publikum ankommen würden. Es gibt schliesslich auch genügend „Klassiker“, die bei der Neufassung im Kino ziemlich abgeschmiert sind (zB Avengers oder Miami Vice).
danielcc hat geschrieben: Angenommn Connery hätte nach wie vor genauso viel Spaß an der Rolle wie zu Zeiten von GF, und die Filme wären auf ihn abgestimmt gewesen, warum hätte der Erfolg dann nachlassen sollen? Mit YOLT und TB war er ja erfolgreicher als alle Moore Filme...
Typisches Sättigungsphänomen, bei YOLT kippte die Kurve ja schon nach unten, die Bonditis hatte ihren Zenit überschritten. Auch waren die Bondfilm der frühen 70er „in echt“ ja auch nicht ohne Grund eher schwach (Ausnahme LALD) und wirkten ideenlos und auch irgendwo orientierungslos, als ob man nicht mehr genau wüsste, was man nach den goldenen 60ern jetzt noch nachlegen sollte.
danielcc hat geschrieben: Da müsste man sich dann Fragen ob die Art der Filme und Connerys Typ noch in die 70 gepasst hätte...
Oder hätte man die Filme an die Zeit angepasst und hätten sie dann noch zu Connery gepasst?
Gute Frage! Connery hat sich Mitte der 70er ja quasi nochmals neu erfunden und sich durch Filme wie The Offence, Wind and the Lion oder The Man who would be King auch schauspielerisch deutlich profilierter gezeigt. Hätte man darauf in unserem Szenario auch in den Bondfilmen reagiert und den reiferen Connery anders als in den 60ern in Szene gesetzt hätte das durchaus interessant werden können. Ganz anders als den abgehalfterten, Möchtegern-30er in DAF sondern wirklich als gestandenen, erfahrenen Feldagenten. Aber ob man das dann aufgrund der langen Serienlaufzeit und der über die Jahre wohl doch recht monotonen filmischen Inszenierung noch geschafft bzw gewagt hätte weiss ich nicht. Andererseits war Broccoli immer dann am wagemutigsten, wenn viel auf dem Spiel stand.
danielcc hat geschrieben: Vermutlich stellt die Serie "DN-TB" die perfekte Kombination aus Zeitgeist und Hauptdarsteller dar.
Ebenso gilt das wohl für "TSWLM-MR" was Moore angeht.
Sehr gut gesagt! Wobei ich eher GF-YOLT als die typischen Zeitgeist-Bonds der Conneryphase sehen würde, aber in YOLT war er halt auch schon etwas träger und nicht mehr so ganz bei der Sache.
danielcc hat geschrieben:Was die 70er anging: Offensichtlich passten die übertriebenen Comedy-Elemente (JW Pepper, der Beißer, Goodnight...) sehr gut in die Zeit und somit war dafür sicher Moore auch eine gute Wahl. Letztlich zeigt NSNA, dass Filme mit Connery nicht einfach erfolgreicher waren als die mit Moore (in dem Fall OP).
Genau, und gerade diese komödiantischen und teilweise auch klamaukigen Elemente waren sicher auch mit ein Grund, warum die Serie in den 70ern eben nicht nur ein mühevoll am Leben gehaltene 60er-Jahre-Überbleibsel war sondern sich in dieser Dekade ein eigenes, weitgehend neues Erscheinungsbild zugelegt hat.
danielcc hat geschrieben:Wenn es um die Frage geht, ob man sich die Serie mit 7 weiteren Connery Filmen vorstellen könnte, sicher nicht. so viele hätte er nicht gemacht und selbst wenn, wäre es schwer gewesen eine neue Richtung einuschlagen mit einem so etablierten und in seiner Darstellung festgefahrenen Darsteller in der Titelrolle.

Ergo: Man muss Moores Auslegung der Rolle nicht lieben, aber langfristig gesehen ist es für die Serie immer gut, wenn frischer Wind reinkommt.
Sehe ich genau so. Die Darstellerwechsel (auch der durch Lazenby) brachten gezwungenermaßen immer auch frischen Wind in die Serie und die Chance mit sich, andere Sachen und Richtungen auszuprobieren. Selbst beim unverwüstlichen Old Rog hatte man gleich drei unterschiedliche Ansätze probiert (73-74, 77-79, 81-85), während in der Connery-Phase ab GF sich in der Beziehung nicht mehr so viel tat. Selbst der recht groteske DAF ist doch immer noch sehr in der Tradition der 60er Jahre-Filme. In vielerlei Hinsicht wirkt der echte DAF auch auf mich wie der verzweifelte Versuch, den Charme und die Wirkung der großen 60er Jahrefilme mit mehr Klamauk und Tamtam in die 70er zu retten. Und genau so hätten weitere Filme mit Connery in den 70ern auch aussehen können.
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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In diesem Zusammenhang will ich auch gerne noch mal an die Besonderheit Brosnans erinnern, dessen 4 Filme fast alle gleich viele Tickets verkauft haben. Das gab es vorher so kaum innerhalb der Reihe. Bei Connery explodierten anfangs die Besucherzahlen, bei Moore schwankten sie stark und ab MR ging es bis Brosnan kam nur noch bergab.
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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danielcc hat geschrieben:In diesem Zusammenhang will ich auch gerne noch mal an die Besonderheit Brosnans erinnern, dessen 4 Filme fast alle gleich viele Tickets verkauft haben. Das gab es vorher so kaum innerhalb der Reihe. Bei Connery explodierten anfangs die Besucherzahlen, bei Moore schwankten sie stark und ab MR ging es bis Brosnan kam nur noch bergab.
Auch wenn wir uns da ja etwas OT bewegen: worin siehst du diese Tatsache begründet? An der gleichbleibend hohen Qualität der Filme, und das wird wohl nicht mal die beinharte Hardcore-Brosnan-Fanfraktion behaupten, kann es je nicht wirklich gelegen haben (wenn ich nur an sein "Abschiedsgeschenk" denke). Mein Ansatz: es liegt an der Akzeptanz Brosnans beim Publikum. Die hatte old Rog zwar auch, aber er hatte den Nachteil in einer Phase des Übergangs einsteigen zu müssen (wer weiss wie viel erfolgreicher LALD sonst geworden wäre). Nach MR machten sich Abnutzungserscheinungen und generelles zunehmendes Desinteresse an den Bondfilmen bemerkbar. Wäre durchaus möglich, dass ein 5. Brosnanfilm, gerade auch nach der Gurke DAD, einen ziemlichen Zuschauerschwund erlebt hätte. Vielleicht wäre aber auch der wieder genau so erfolgreich gewesen und es liegt an Pierces Gewinnergen. Ich weiss es echt nicht...
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Brosnan war ebenfall eine perfekte "Zeit-Darsteller" Kombination. Er war sehr akzeptiert in der Rolle. Er kam bei verschiedenen Generationen, Geschlechtern und Gruppen in etwa gleich gut an. Polarisiert hat er höchsten in Hardcore-Fangruppen, die aber wohl keine große Bedeutung haben. Seine Bondfilme haben in gewisser Weise aber doch eine gleichbleibende Qualität: Dank Budget und Marketing konnte man sich als Besucher eigentlich darauf verlassen, dass was spektakuläres geboten wird.

Es gibt aber auch ganz andere Themen: Nimmt man mal die im Laufe seiner Filme erstarkenden Märkte Russland und China, nimmt man die teilweise unterschiedlichen Altersfreigaben (ich glaube TND), dann mag die Rechnung ganz anders aussehen bzw. ceteris paribus doch größere Schwankungen. Aber zumindest gab es bei ihm kein Totalabsturz oder totale Erfolgsexplosion.
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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danielcc hat geschrieben:Brosnan war ebenfall eine perfekte "Zeit-Darsteller" Kombination. Er war sehr akzeptiert in der Rolle. Er kam bei verschiedenen Generationen, Geschlechtern und Gruppen in etwa gleich gut an. Polarisiert hat er höchsten in Hardcore-Fangruppen, die aber wohl keine große Bedeutung haben. Seine Bondfilme haben in gewisser Weise aber doch eine gleichbleibende Qualität: Dank Budget und Marketing konnte man sich als Besucher eigentlich darauf verlassen, dass was spektakuläres geboten wird.
Dem würde ich so zustimmen, wobei Qualität dann weniger auf den eigentlichen Film als auf die technische Umsetzung bezogen ist (und auch hier kann man ja gerade bei DAD auch anderer Meinung sein). Aber jetzt interessiert mich eines: Connerys Einspielergebnisse in den 60ern lassen sich ja nicht wirklich dazu ins Verhältnis stellen, dafür war die Serie damals einfach zu neu (was sich sowohl negativ als auch positiv in den Ergebnissen bemerkbar macht). Aber spätestens die Mooreära kann doch sehr gut als Vergleich herangezogen werden. Warum also haben die Moorebonds so unterschiedliche Einspielergebnisse? Oder anders gefragt: wie viel Anteil hat der Darsteller an den Einspielergebnissen wirklich?

Ich glaube es ist unbestritten, dass ein beim Publikum nicht wirklich ankommender Darsteller (siehe Lazenby und Dalton) sich negativ auf die Einspielergebnisse auswirkt. Aber wie ist es bei einem beliebten und akzeptierten Darsteller? Beispiel Moore: alles was du über Brosnan gesagt hast liesse sich auch bei Moore anwenden, auch er war geschlechter- und generationsübergreifend beliebt und akzeptiert. Warum also dann so ein großer Unterschied zB im Boxoffice von TMWTGG und TSWLM oder von MR und FYEO? Ich glaube nicht, dass dies wirklich am Haupdarsteller lag, sondern eher daran dass die Filme im Gegensatz zu denen von Brosnan nicht wirklich homogen waren in Bezug auf Optik und technische Umsetzung. LALD und TMWTGG wirkten verglichen mit den Hochglanz-Bigbudget-Granaten TSWLM und MR eher unscheinbar und unspektakulär, diese Tendenz ist in den Mooreschen 80er Jahre-Abenteuer dann auch wieder zu erkennen, wo alles wieder einen Ticken weniger aufwendig und spektakulär wirkte. Ich denke schon, dass wenn man FYEO und OP in genau dem gleichen Scope und Scale wie TSWLM und MR gedreht hätte man deutlich bessere Umsätze erzielt hätte.

Daher denke ich, dass bei populären Darstellern wie Moore und Brosnan die Homogenität der Filme einen weit größeren Einfluss auf die Einspielergebnisse hat als der in dieser Hinsicht eher unwichtige Hauptdarsteller. Nach dem Motto: wenn alles beim alten bleibt geb ich gern mein Geld für den neuen Film aus!
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Stimme zu.

Was es leider nicht gibt, was ich aber sehr interessant im Zusammenhang mit dem Thema Box Office fände, wäre eine Aufschlüsselung der Einspielergebnisse nach Erst-Seher und Wiederholungs-Täter.

Also: Hat ein Film wie Avatar so unendlich viel eingespielt, weil es mehr oder weniger einmalig das gesamte potentielle Kinopublikum erreicht hat, oder deswegen, weil große Teile mehrmals reingegangen sind. Oder anders: Wie viele VERSCHIEDENE Besucher hatte ein Kinofilm.

Es kann ja sein, dass weniger Leute GE sehr häufig gesehen haben, und dann viele Leute TND nur ein mal...
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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danielcc hat geschrieben:Stimme zu.

Was es leider nicht gibt, was ich aber sehr interessant im Zusammenhang mit dem Thema Box Office fände, wäre eine Aufschlüsselung der Einspielergebnisse nach Erst-Seher und Wiederholungs-Täter.

Also: Hat ein Film wie Avatar so unendlich viel eingespielt, weil es mehr oder weniger einmalig das gesamte potentielle Kinopublikum erreicht hat, oder deswegen, weil große Teile mehrmals reingegangen sind. Oder anders: Wie viele VERSCHIEDENE Besucher hatte ein Kinofilm.

Es kann ja sein, dass weniger Leute GE sehr häufig gesehen haben, und dann viele Leute TND nur ein mal...
Das ist ein guter Punkt, solch eine Aufschlüsselung ist ja der Traum aller Marketingfuzzis. Gerade bei einem Film wie Avatar (oder ein Jahrzehnt davor Titanic) glaube ich schon dass da auch viele „Wiederholungstäter“ zu dem enormen Erfolg mitgeholfen haben. Wobei das wohl ein generelles Phänomen bei Blockbustern ist, dass Leute dann auch 4, 5 oder noch mehr mal in den gleichen Film reinmarschieren.

Beim Lesen deines Posts dachte ich zu Beginn du willst mit Erst-Seher und Wiederholungstäter auf was anderes raus, nämlich ob zB ein TND-Besucher auch bereits in GE im Kino war. Das wäre auch ein interessanter Gesichtspunkt, in wieweit setzen sich die Umsätze der Bondfilme aus langjährigen bondschen Dauerkinogängern und aus den normalen, wankelmütigen und an Bond nicht über die Maßen interessiertem 0815-Kinogängern zusammen.
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Also ich finde schon dass die Moore Bonds alle sehr ähnlich sind.
Für mich standen damals im Kino LALD und TSWLM gleichauf was die Qualität, den Spaß, die Action und die Schauwerte betrifft. Und sind es auch heute noch. Auch die späteren unterscheiden sich kaum für mich. FYEO habe ich z.B nicht anders empfunden als die Vorgänger auch.
Lediglich die Qualität der Filme ist sehr unterschiedlich.

Ich habe das eigentlich nie verstanden, wo die großen Unterschiede zwischen den Moore Bonds sein sollen.

Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht

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Maibaum hat geschrieben:Also ich finde schon dass die Moore Bonds alle sehr ähnlich sind.
Für mich standen damals im Kino LALD und TSWLM gleichauf was die Qualität, den Spaß, die Action und die Schauwerte betrifft. Und sind es auch heute noch. Auch die späteren unterscheiden sich kaum für mich. FYEO habe ich z.B nicht anders empfunden als die Vorgänger auch.
Lediglich die Qualität der Filme ist sehr unterschiedlich.

Ich habe das eigentlich nie verstanden, wo die großen Unterschiede zwischen den Moore Bonds sein sollen.
LALD und TMWTGG sieht man deutlich an, dass die Produktion hier wesentlich weniger aufwendiger war als zu TB-OHMSS (bereits DAF wirkte in der Hinsicht um einiges flacher und unspektakulärer). Oftmals wirken die beiden ersten Moore-Filme eher wie aufwendige TV-Produktionen denn wie großangelegte Filmproduktionen. Dazu trägt natürlich auch das weniger spektakuläre Flatscope-Format bei, aber halt auch die insgesamt weit weniger edle Optik. Wohlgemerkt, die Qualität der Filme an sich leiden darunter nicht wirklich wie zumindest LALD sehr gut beweist. Man darf ja auch nicht vergessen, dass gerade in dieser Zeit die Produzenten eher mit der Formel: nicht mehr ganz so hohe Umsätze kompensiert durch überschaubare Kosten haushalteten und das sieht man den Werken der Jahre 73 und 74 auch an. Erst mit TSWLM butterte Broccoli dann wieder ordentlich rein, nicht zuletzt da ihm wohl klar war dass er nur durch ein großangelegtes Projekt den Ende der 60er und in den frühen 70ern verlorenen Boden wieder wettmachen konnte. Das Ergebnis lässt sich bekanntlich sehen, TSWLM wirkt wesentlich edler, opulenter und sieht einfach nach höherem Budget aus. MR schlägt in dieselbe Kerbe bzw baut diese Schema durch noch mehr Schauwerte und Opulenz sogar noch weiter aus. Beginnend mit FYEO wurde diese Entwicklung wieder etwas zurückgedreht. Zwar wirken die Filme auf mich immer noch deutlich edler und teurer als die ersten beiden Moore-Bonds, aber trotzdem ist diese Hochglanz-Optik der 77er und 79 Outputs so nicht mehr vorhanden und trägt auch optisch und stilistisch den vorsätzlich geerdeteren Stories Rechnung. So sehr ich LALD mag, aber zusammen mit TMWTGG ist es der Film, der am wenigsten nach großem Kino aussieht, hier finde ich hat sogar die Lowbudget-Produktion DN noch die Nase vorn.
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