Re: Zuletzt gesehener Film

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iHaveCNit: (on Netflix): Mudbound (2017)

So langsam starte ich dann auch mal mit dem Filmangebot auf Netflix. Nach „Bright“ der im Dezember 2017 veröffentlicht worden ist, ist nun „Mudbound“ in diesem Jahr der erste Film aus dem Netflix-Angebot, den ich mir passenderweise zur Oscarverleihung und seinen 4 Nominierungen (Kamera, adaptiertes Drehbuch, Nebendarstellerin, Song) vorher ansehen wollte.
Der Film ist bisher das Beste, was ich auf Netflix sehen konnte.

Wir befinden uns in Mississippi Anfang der 40er-Jahre. Die beiden Jungen Jamie McAllan und Ronsel Jackson werden für den zweiten Weltkrieg eingezogen. Die hinterlassenen Familien McAllan und Jackson haben sich zwangsweise auf einer Farm zum gemeinsamen Leben entschlossen. Nachdem beide wieder heimkehren konnten, entwickeln beide eine Freundschaft und gemeinsame Verbundenheit, die jedoch aufgrund des dort starken Rassismus sehr kritisch gesehen wird und zu Konsequenzen führt.

Für diesen Film konnte man unter anderem Carey Mulligan, Mary J. Blige, Jason Mitchell, Garrett Hedlund und Jason Clarke vor der Kamera versammeln. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Hillary Jordan. Hier wird ein richtig gutes Familiendrama erzählt von 2 unterschiedlichen Familien, deren Schicksale miteinander verwoben werden. Narrativ wechselt man zwischen mit Voice-Over unterlegten Bildern sowie klassischer Handlung hin und her und man lässt auch mal die Bilder wirken, was ich richtig cool fand. Anfangs fragt man sich noch, was will mir der Film hier erzählen, bis sich die Stränge dann verknüpfen. Neben dem damals noch vorherrschendem Rassismus, welcher im Film dann immer wieder auch gezeigt wird, sind es vor allem innerhalb beider Familien ganz interessante Geschichten, die erzählt werden. Da haben wir ein Liebesdreieck, einen patrotischen Vater, einen optimistischen Lebemann, der zum trinkenden, traumatisierten Mann wird und auch einen jungen Schwarzen, der nach seinen Leistungen im 2. Weltkrieg Selbstvertrauen gewonnen hat. Gerade das ungleiche Duo zwischen Jason Mitchell und Garrett Hedlund ist eine coole Kombination. Der Film bleibt immer interessant und auch spannend genug.

„Mudbound“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

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iHaveCNit: Game Night (2018)

Was ist Spiel, was ist Realität ? Vor ca. 20 Jahren hat David Fincher in „The Game“ diese Fragen für Michael Douglas bereit gehalten, der als rücksichtsloser Geschäftsmann von seinem Bruder in einem psychologisch perfekt konstruierten Spiel wieder auf den guten Pfad geführt wird. Da „The Game“ einer meiner Lieblingsfilme ist und ich auf filmische Konzepte stehe, in denen auch Grenzen zwischen Spiel und Realität verschwimmen. „Game Night“ des Regisseurduos John Francis Daley und Jonathan Goldstein bietet zwar keinen Psychothriller, sondern eine Actionkomödie, die mit sehr viel Witz, Überraschungen und Kurzweiligkeit punkten kann.

Max und Annie sind fanatische und ehrgeizige Spieler, die sich bei einem Spieleabend kennen- und lieben gelernt haben. Gemeinsam mit ihren Freunden veranstalten sie immer einmal die Woche einen Spieleabend. Dann taucht Max reicher Bruder Brooks bei einem Spieleabend auf und lässt den nächsten Spieleabend bei ihm stattfinden, in dem er von gebuchten Schauspielern entführt wird und wer ihn zuerst findet, hat gewonnen. Doch die täuschend echte Entführung, die kurz nach seiner Einführung ins Spiel stattfindet, ist diese echt oder Teil des Spiels ? Max, Annie und ihre Freunde machen sich auf die Schnitzeljagd.

Wo fange ich an ? Der Film beginnt mit einer schönen Hommage an Brettspiele bereits bei den Studiologos an und schafft es, trotz dem ehrgeizigen Charakter seiner beiden Protagonisten diese wirklich sympathisch darzustellen. Das liegt auch an Rachel McAdams und Jason Bateman, die super funktionieren. Neben Kyle Chandler, Jeffrey Wright, Danny Huston und einem aus Dexter bekannten Michael C. Hall ist hier Jessie Plemmons als Nachbar, Cop und ehemaliger Teil der Spieleabendgruppe ein überraschend guter Szenendieb. Es gibt interessante Kameraperspektiven bei Fahrten mit dem Auto sowie bei Establishing Shots, die nahezu so wirken, als würden sich Spielfiguren auf einem Spielbrett bewegen. Der Film bietet nach seinem Aufbau eine coole, wendungsreiche und überraschende Actionkomödie, die mit vielen netten Ideen gewürzt ist. Somit ist „Game Night“ eine nette Idee für eine „Movie Night“.

„Game Night“ - My First Look – 8/10 Punkte
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Zuletzt gesehener Film

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Gernot hat geschrieben:Wow... Kann mir bitte jemand kurz erklären wieso The Shape Of Water der beste Film des Jahres sein soll?
Weil dieser Film Frauen als Zielgruppe hervorragend bedient – nicht nur was den Part der Romanze angeht, sondern auch Gender und MeToo-Aspekte. Michael Shannons Patina-Momente sexueller Allmachtsphantasien und Widerwärtigkeiten im Stile Harvey Weinsteins bedienen als Metapher die derzeitige Stimmungslage in den USA unübersehbar („ein echter Mann wäscht sich nicht die Hände“ / „Du hast kein Stimme? Das macht mich an!“). Putzfrauen, als Heldinnen der Geschichte, die vordergründig den Dreck der Machos wegzumachen haben und sich mit ihren Möglichkeiten wehren als deutliches Zeugnis einer Abbildung realen Lebens.

Da Frauen in der Academy auch stimmberechtigt sind und ein Woody Allen-Film nicht jedes Jahr mit Preisen am Start ist, sind es dann auch andere Projekte, die gewinnen (können). Nicht von ungefähr können die „Besten Filme“ dieses Jahrzehnts fast alle durch die Bank Inhalte aufweisen, die das weibliche Publikum zu integrieren wussten oder sie als Zielgruppe zuvorderst anzusprechen wussten.


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Re: Zuletzt gesehener Film

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Es ist müßig, über die Auszeichnungen zu diskutieren. Da müsste man schon bei der Auswahl anfangen (warum nicht Blade Runner und Wind River als Best Picture? Warum dafür Die dunkelste Stunde, Get Out, Dunkirk?). Es ist und bleibt Geschmackssache, objektiv messbar ist da gar nichts und das ist auch gut so. Natürlich spielen bei einem solch prestigeträchtigen Preis auch immer politische und gesellschaftliche Aspekte mit rein (letztes Jahr die Rassismus-Debatte, die immer noch schwelte und dieses Jahr metoo). Darüber hinaus: Es ist Kunst und die nimmt jeder für sich anders wahr.
Mich persönlich haben manche überhaupt nicht interessiert wie Der seidene Faden oder Lady Bird. Das heißt aber nicht, dass es schlechte Filme sind, ich will sie bloß nicht sehen. Andere wiederum sind gute Unterhaltung mit Verstand (Get Out, Shape of Water, The Post), aber in Ekstase brech ich da auch nicht aus. War für mich emotional ein eher uninteressanter Award-Jahrgang, aber das ist ok.
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Zuletzt gesehener Film

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Ich widerspreche photographer vollkommen. Wäre es bei der Best Picture Auszeichnung wirklich hauptsächlich um Gender und #metoo-Aspekte gegangen, dann hätten Lady Bird oder Three Billboards outside Ebbing, Missouri ja noch viel eher den Preis gewinnen müssen, da sie das Thema deutlich mehr in den Vordergrund stellen und eher in einen diesbezüglichen Zeitgeist passen, als die recht allgemein gehaltene zeitlose Fabel von Guillermo del Toro. Shape of Water hat deshalb gewonnen, weil es ein wunderbares Hollywood-Märchen ist (mit vielen Anleihen an die Goldene Ära der Traumfabrik, was die Jury immer gerne sieht), eine einfache, aber emotionale Geschichte erzählt und die Academy und viele andere Kinozuschauer (mich eingeschlossen) sehr berührt hat. Halte ich The Post und Three Billboards für die etwas stärkeren Filme? Ja. Aber Shape of Water ist trotzdem ein toller Film, den jeder Filmfan gesehen haben sollte, weil er auch etwas über die Kraft des Kinos und seinen Zauber erzählt und in einem so starken Jahr wie diesem hervorsticht.

Hier noch mal mein Review, falls es zufällig wen interessiert:
http://derkinoblog.de/the-shape-of-water-kritik/
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

Let the sheep out, kid.

Re: Zuletzt gesehener Film

8543
Casino Hille hat geschrieben:Wäre es bei der Best Picture Auszeichnung wirklich hauptsächlich um Gender und #metoo-Aspekte gegangen, dann hätten Lady Bird oder Three Billboards outside Ebbing, Missouri ja noch viel eher den Preis gewinnen müssen.
Das sehe ich nicht so. Billboards ist da (trotz der weiblichen Hauptfigur) ja doch eher ein Film, der mehr Männer anspricht.
#London2025

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Zuletzt gesehener Film

8544
Mir ging es jetzt auch nicht um die Auszeichnung an sich, und ja, der Film ist ja auch nicht schlecht, sondern ganz nett, gut gemacht und hat ein paar nette Einfälle. Aber überdurchschnittlich gut würde ich ihn jetzt nicht bewerten. Weder inhaltlich, was seine Aussage betrifft, noch künstlerisch oder handwerklich. Aber offensichtlich sehe ich das anders, möglicherweise bin ich zu (wenig) anspruchsvoll... ;)
Bond... JamesBond.de

Re: Zuletzt gesehener Film

8545
Gernot hat geschrieben:möglicherweise bin ich zu (wenig) anspruchsvoll... ;)
Ach was, wirklich anspruchsvoll ist der Film kaum. Es sind beides Aussenseiter, sie eine Stumme und er ein Fisch und sie verlieben sich gegen alle Widerstände und planschen in eine glückliche Zukunft davon. :) Und Michael Shannon ist ein niederträchtiger Bastard, der ihnen die Beziehung vermiesen will. Das ist abgesehen von dem Fischmensch-Setting wirklich nichts Neues, und einfach gut angekommen weil es so gezielt als Märchen in einem unkonventionellen Setting angelegt ist.
We'll always have Marburg

Let the sheep out, kid.

Re: Zuletzt gesehener Film

8547
Für mich gibt es einige Punkte, die dafür sprechen, warum "The Shape of Water" in diesem Jahr nach dem "preferential balloting" und somit nach den Präferenzen der Academy aus der nominierten Auswahl der beste Film war:
(In der Kategorie werden ja nur die Produzenten prämiert, womit man den Preis für die beste Filmproduktion verleiht und nicht an den besten Film, obwohl sich das all die Jahrzehnte so im Leumund etabliert hat - und welcher Film nun besser produziert ist als der andere ist nun mal extrem schwer abzugrenzen, zu vergleichen und zu beurteilen)

- Gesellschaftskritik im Hinblick auf die Betrachtung von Außenseitern (körperliche und mentale Beeinträchtigungen [Elisa kann nicht sprechen] / andere Hautfarbe [Zelda, Elisas Kollegin] / andere sexuelle Orientierung [Elisas Nachbar Giles] / einfach anders [Der Fischmensch]

- Liebeserklärung an Filme im Allgemeinen und das Kino - dargestellt über Szenen und Dialoge, in denen alte Klassiker gehuldigt werden, egal ob im TV von Elisas Nachbar Giles oder im Kino unterhalb der Wohnungen von Elisa und Giles.

Darüber hinaus kombiniert man hier eine Spionagestory mit einer Fantasyromanze. Versteht mich nicht falsch, ich habe dem Film mit 9/10 Punkten eine tolle Wertung gegeben und ich respektiere, was Guillermo Del Toro mit dem Film erschaffen und erzählen wollte. Aber der Film wird weder ein Lieblingsfilm von mir, noch halte ich es für das große Meisterwerk wie einige andere Stimmen und auch nicht für den großen Gewinner dieser Oscarverleihung 2018. Dafür sind thematisch im Film durch die Liebeserklärung an Film und Kino und auch die gesellschaftskritischen Ansätze genug klare Auslöser integriert worden, die die Academy locker ködern und verführen konnten.
Und die Genrekombination mit den integrierten Themen ist schon relativ vollgeballert für die Laufzeit des Films, so dass für mich hier der Kern der Geschichte (die Liebesgeschichte zwischen Elisa und dem Fischmenschen) nicht das vollständige Vertrauen und den Fokus bekommt. Der Film verlässt sich nicht ganz auf die Kraft seiner Bilder und die Musik, so dass mich die Geschichte nicht so mitgerissen hat und die Liebe zwischen Elisa und dem Fischmenschen auf mich nicht vollständig glaubhaft und mehr behauptet wirkt. Aber das ist rein meine subjektive Meinung.

Kurz: Wie hätte mein preferential vote für Best Picture ausgehen ?

Platz 9: Lady Bird (weil ich aktuell noch nichts dazu sagen kann !)
Platz 8: Phantom Thread
Platz 7: The Post
Platz 6: The Darkest Hour
Platz 5: The Shape of Water
Platz 4: Get Out
Platz 3: Call Me By Your Name
Platz 2: Dunkirk
Platz 1: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

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Casino Hille hat geschrieben:Merkwürdige Zusammenfassung, Erik. Immerhin ist das Wie doch entscheidender als das Was. Und das Wie ist bei Shape of Water große Filmmagie.
Aber die Zusammenfassung stimmt doch. :D

Shape of Water wäre sicher auch ohne seine Hommagen ans Goldene Zeitalter Hollywoods ein toller Film. Aber vermutlich kein best picture Gewinner. Dafür kriegt er sie ja auch gut eingebunden in die Geschichte.

Habe ihn jetzt ebenfalls gesehen und bereue nichts.
It's the BIGGEST... It's the BEST
It's BOND

AND BEYOND

Re: Zuletzt gesehener Film

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HCN007 hat geschrieben:Der Film verlässt sich nicht ganz auf die Kraft seiner Bilder und die Musik
Bitte was? Worauf denn sonst? Shape of Water lebt einzig und allein über seine Bilder und den tollen Score von Desplat (verdienter Oscar!). Schade, dass es für Kameramann Dan Laustsen nicht auch den Preis für die Beste Kamera gab, aber man musste ja unbedingt einfach mal so den Roger Deakins auszeichnen. :roll:
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

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