craigistheman hat geschrieben: 16. Oktober 2021 01:41
Ohne vom Hundertstel ins Tausendstel überzugehen, aber das ist dann aus meiner Sicht eine äußerst beschränkte Sichtweise auf das, was ein Dialog deiner Empfindung nach zu sein hat. Da fallen mir noch ganz viele andere, interessante Formen ein
Eigentlich bist du jetzt vom Tausendstel ins Hundertstel.

Es gibt sehr viele verschiedene Formen, wie ein Dialog aufgebaut sein (und funktionieren) kann, und die Bonds können meinetwegen da auch neue Wege beschreiten – sie müssen nur (ganz generell bei was auch immer sie tun) gut darin sein und das sind die jüngeren Filme meines Erachtens nicht, wie jetzt mittlerweile jeder weiß und runterbeten kann. Aber mein Blickwinkel ist da keinesfalls dogmatisch. Nur wenn du mich fragst: "So wie in 'den alten Filmen' reden deiner Ansicht nach also echte Menschen?", dann antworte ich dir: "Ja, nicht Wort für Wort, nicht mit derselben Rhetorik, aber mit derselben Kohärenz." Mehr habe ich gar nicht gesagt. Das gilt auch nicht für jede Szene in den jüngeren Bondfilmen und nicht für jede Szene in den älteren Bondfilmen in dem Urteil – sollte klar sein!
craigistheman hat geschrieben: 16. Oktober 2021 01:41
NTTD mag dir zwar stilistisch, inszenatorisch und inhaltlich missfallen, aber du musst schon zugeben, dass er über weite Strecken sehr viel konsistenter und runder wirkt als sein Vorgänger, und sei es weil er einfach diesen in deinen Augen kitschigen Sentimentalitätspfad konsequent zu Ende geht, was mich in diesem Fall überhaupt nicht stört, weil ich für solchen Kitsch eben empfänglich bin und mir der Film persönlich von Sichtung zu Sichtung aufgrund vieler anderer Goldadern, die ich zunehmend entdecke, immer besser gefällt.
Tut mir echt leid, ich will dich auch nicht provozieren oder sowas, aber: Ich finde nicht, dass ich das "zugeben muss" und ich sehe es genau gegenteilig: SP geht stilistisch, inszenatorisch und inhaltlich seinen Retro-Weg konsistent bis zum Ende, während NTTD für mich visuell uninspiriert und als geschlossenes Gesamtbild unrunder wirkt als sein Vorgänger. So gerne ich die Kuba-Szene mag, hat sie im Film eigentlich wenig verloren – einen solchen Ausreißer in Ton, Stimmung und Pacing hatten die Mendes-Bonds nicht. So gerne ich einen Schurken wie Safin ja für zu Bond passend empfinde, in NTTD wirkt er auf mich wie ein Fremdkörper, weil er überhaupt nicht in die relevanten Themen des Scripts einzahlt – da waren Silva und sogar Oberhauser zumindest oberflächlich sinnvoller und der erzählerischen Absicht entsprecht passender konstruiert in meinen Augen. Ja, SF fand ich nur okay und SP ist ziemlich schwach, aber bei beiden sehe und empfinde ich mehr "gute Ideen" als bei NTTD. Vielleicht würde das eine Zweitsichtung enden, nur habe ich keine Lust auf eine solche, daher werden 'wir' es erst eines Tages herausfinden.
Aber für genau solche Diskussionen lebt dieses Forum: Verschiedene Perspektiven sind enorm bereichernd. Und ich finde, die Fansicht verlangt es sogar, da (um deine Worte zu wählen) regelmäßig vom Hundertstel ins Tausendstel zu gelangen. Schade finde ich es nur, wenn das nicht gestattet ist, sondern es dann heißt: "Warum muss man alles hinterfragen? Warum kann man nicht einfach mal nur hinnehmen?" Das widerspricht ja im Kern schon fast der Idee eines Fan- und Expertentums von Leuten, die ihren Spaß daran haben, sich mit allen Details und Feinheiten "ihrer" Reihe auseinanderzusetzen.

Daher:
craigistheman hat geschrieben: 16. Oktober 2021 01:41
Auch ich erkenne in NTTD Schwächen, wie in jedem anderen Bond auch. Nur werde ich das lästige Gefühl nicht los, dass ein paar User hier den Film aufgrund seines diskutablen Endes auf Ebenen angreifen, die meines Erachtens sehr viel besser funktionieren als in beiden Mendes-Bonds, oder vielen Bonds zuvor period.
Ungelogen: Den Eindruck kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen. Das haben hier jetzt ein paar Leute schon so ähnlich geschrieben, aber wie kommt ihr eigentlich darauf? GoldenProjectile schrieb vorhin ganz richtig: Sehr viele hier mögen den neuen Film und fühlten sich emotional sehr vom Ende berührt. Ich als der mit Abstand "lauteste" Nicht-Möger von NTTD habe zu dem diskutablen Ende so gut wie gar nichts geschrieben und von Vornherein den Film als Gesamtwerk kritisiert (hauptsächlich, weil er mich vom ersten Drittel an gelangweilt hat). Ansonsten lese ich hier recht ausgewogene Meinungen, die das Für und Wider ihrer Eindrücke abwägen. Gernot missfällt das Ende, aber er erklärt sehr gut, warum das so ist und hat sich ansonsten sehr positiv über den Film geäußert. Genauso auch Vodka. Daniel als starker Verteidiger des Films hat bereits auch schon an 1-2 Stellen angemerkt, dass er den Film mitnichten vollkommen perfekt findet. Von daher: Wo sind denn diese Leute, die nur aufgrund des Endes den Film angreifen und ihn schlechtreden wollen? Redet hier irgendwer außer mir überhaupt den Film als Ganzes schlecht?
Letztlich ist das Ende des Films so einschneidend in den Mythos hinter der Reihe, dass es natürlich leicht wird, sich daran aufzuhängen und zu sagen: "Alle, denen das nicht gefällt, die kommen einfach nicht damit klar, dass Bond jetzt auch mal gestorben ist." Und die Gegenseite kann dann antworten: "Alle, die das abfeiern, die sind so sehr im Fan-Modus, dass ihnen alles gefällt, was EON ihnen vorsetzt." Ich finde: Beides entspricht nicht der Wahrheit und beide Positionen gibt es in diesem Forum zum Glück auch nicht (wirklich).
Mal im Ernst: Ein kontroverser Film wie NTTD provoziert kontroverse Reaktionen, darauf war er auch ein klein wenig ausgelegt, und daher ist es ja okay, wenn es hier polarisierend zugeht. Aber ich finde: Es läuft wie immer in diesem Forum (größtenteils) sehr niveauvoll, gut argumentiert, und – ganz wichtig – mit Leidenschaft ab. Der Ein oder Andere kann sich mal die ein oder andere Bemerkung nicht verkneifen, manch einer lässt sich etwas stärker von seinen Emotionen hinreißen (auf positiver wie negativer Seite), und man kennt seine Spezis und weiß, welche Bemerkung man mehr gewichtet und welche weniger, okay, c'est la vie! Im Vergleich zu allen anderen Bond-Foren und Plattformen, in denen ich mitlese, ist das hier mit Abstand die beste und stärkste! Es macht mir richtig Spaß, all diese Gedanken, Meinungen und Anmerkungen von verschiedenen Usern zum Film zu lesen und besonders freut es mich, wie viele "alte Gesichter" hier wieder auftauchen, um ihre Meinung zu NTTD kundzutun! Ich habe bislang jede einzelne Meinung in diesem Forum zu NTTD gelesen und bin bislang begeistert von der Diversität an Ansichten, die wir hier abbilden.
00Spion hat geschrieben: 16. Oktober 2021 01:32
craigistheman hat geschrieben: 15. Oktober 2021 20:19
Ich bin immer wieder davon fasziniert, welche Ansprüche an Samstag Abend-Unterhaltungskost wie Bond gestellt werden. Ich möchte niemandem zu Nahe treten, aber wenn ich anregende Dialoge mit Tiefgang und Finesse erwarte, dann buddel ich doch im Arthouse-Sandkasten und nicht im breitbeinigen Mainstream-Blockbuster. Da kann ich doch nur enttäuscht werden.
Ich schätze das betrifft nur die Craig-Filme. Eben weil die Filmemacher unter Craig den Fokus besonders auf Bond und seine Entwicklung von den Anfängen als eiskalter, aber impulsiver Killer zum späteren fähigen Agenten gelegt haben. Dadurch wird die Erwartung des Zuschauers schon verändert, war bei mir zumindest so.
Du sagst ja selbst, dass die Vorgänger bloß leichte Actionunterhaltung waren, die sich mal mehr, mal weniger ernst genommen haben, aber immer leichtfüßig daherkamen.
Jetzt haben sich die meisten schon auf die neue Gangart unter Craig umgestellt, aber dann will ich "quasi als Entschädigung" auch eine besondere, "tiefsinnige" Geschichte und eine logische psychologische Entwicklung der Figur gezeigt bekommen. bzw. das wäre schön.
Ganz toller Kommentar, stimme dir zu 100 Prozent zu! Der sogenannte "Suspension of disbelief", der kann bei jedem Film ein ganz anderer sein. Wenn Moore in MR ins All fliegt, geht das für mich eher klar, als wenn es plötzlich Jason Bourne oder George Smiley tun würden.