Nachdem ich davon ausgehe, dass mittlerweile jeder den Film gesehen hat, verzichte ich auf Spoilertags, weiße aber darauf hin, dass potentielle Spoiler enthalten sein können.
Lange lange musste ich in mich gehen, bis ich mich endlich dazu aufraffen konnte, den Film Revue passieren zu lassen. Was zeigt, dass der Film tatsächlich polarisiert.
Pretitle:
Die längste Pretitle ever und doch kam sie mir nicht so lange vor oder anders ausgedrückt: Sie kam mir nicht zu lange vor, was ja teilweise die Befürchtung einiger war. Es passte und wie ich schon letztes Jahr prophezeit hatte, endet sie damit, wie Bond Madeleine in den Zug setzt. Strike

. Die Rückblende mit der jungen Madeleine wirkte zwar bond-untypisch, verfehlte aber ihre Wirkung nicht. Großartig inszeniert.
Die Gunbarrell wieder dort, wo sie hingehört. Dass sie leicht modifiziert wurde, stört mich nicht. Erwartet heute ernsthaft noch eine Gunbarrell à la Roger Moore. Man muss/darf mit der Zeit gehen, alles verändert sich. Es sollte eben nur nicht mit der Holzhammermethode geschehen und die hier vorgenommenenen Änderungen bewegen sich für meinen Geschmack im Rahmen. Bonds Charakter kann hier durchaus in Frage gestellt werden. Sicher, er wurde mehrmals hintergangen und so hat sich ein enormes Misstrauen in ihm aufgebaut, aber diese Reaktion auf Madeleine wirkte mir dann doch etwas zu aufgesetzt.
Der Einbruch in das Gebäude: Großartig, hat mich abgeholt.
Jameika: Sorry, aber hier liegt mein erster Kritikpunkt: Karibikflair atmete ich hier definitiv nicht ein. Das hätte auch genauso gut woanders spielen können. Wie heutzutage Mode, viele Szenen viel zu dunkel, alles im Blautönen gehalten, das Lebendige, Farbige der Karibik wird hier nur angedeutet. Das können die alten Klassiker besser einfangen. Verschwendet trifft es in meinen Augen wohl am besten. Lediglich die Szene auf der Spectre-Party, in der die Nanobots versprührt werden fand ich spannend. Die Szenen mit Armas: Willkommene Abwechslung aber leider wurde auch sie, wie schon oft angemerkt, verschenkt. Schade, denn sie ist wirklich eine Augenweide. Früher hätte man sie zum Haupt-Bondgirl gekührt und den ganzen Film oder zumindest weite Teile des Films über agieren lassen.
Felix' Tod: Hat mich leider ziemlich kalt gelassen. Woran es genau lag, kann ich nicht einmal mit Bestimmtheit sagen.
Wieder eine tolle Szene: Madeleines Angst im Verhörraum und wie sie nur noch raus möchte. Das Verhör und Waltz' subtiles Spiel sind gekonnt in Szene gesetzt, sein Tod auch hier in meinen Augen zu abrupt. Da wäre mehr gegangen.
Generell fällt mir auf, dass es mittlerweile ein wenig Mode geworden ist, Hauptfiguren in großem Stil ableben zu lassen. Das begann meines Erachtens am Ende von Harry Potter, wo in mir erstmals die Frage aufkam: Fiel der Autorin zum Ende hin eigentlich gar nichts anderes mehr ein, als alle möglichen Charaktere sterben zu lassen? Zumal sich bei mir irgendwann Ermüdungserscheinungen bemerkbar machten und mir je mehr Leute starben es mir immer gleichgültiger wurde. So auch hier: Felix: Lassen wir sterben, Blofeld: Lassen wir sterben, Bond: Lassen wir sterben. Besonders kreativ wirkt das auf mich nicht und der Tod eines Protagonisten ginge dem Zuschauer wahrscheinlich naher, als wenn diese gleichsam quasi am Fließband ableben und dies meist auch noch so, dass sie zum Film ansonsten gar nicht viel beitragen. Sie haben lediglich Auftritte, um zu sterben.
Die Norwegenszenen: Gekonnt in Szene gesetzt aber hier wurde mir auch eines ganz deutlich klar: Früher nahmen die Bondfilme eine Vorreiterrolle ein, an denen sich andere Filmemacher orientierten. Mittlerweile ist es umgekehrt und man merkt immer mehr, wie sich die Bondfilme an aktuelle Blockbuster anhängen. Das finde ich persönlich etwas schade, da es einen Teil des Alleinstellungsmerkmals früherer Filme nimmt. Ich würde mir wünschen, dass sich hier in absehbarer Zeit einmal wieder etwas ändert und man es schafft, wieder eine Vorreiterrolle einzunehmen an der sich umgekehrt andere Filmschaffende orientieren. Denn genau das war einmal das Hauptmerkmal der Reihe.
Fortsetzung folgt.