Love Is In The Air: A Romantic Space Odyssey

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Passengers

Der Weltraum als Handlungsort birgt eine zweigeteilte Faszination: Einerseits laden die unendlichen Weiten der Sternenfassaden zum Schwelgen und Träumen ein, andererseits ist die kalte schwarze Front jenseits unserer Welt auch ein lebloser, gefährlicher Hort des Todes. Beide Seiten erkundet Regisseur Morten Tyldum in seinem 2016er Sci-Fi-Drama "Passengers" gleichermaßen: Durch eine Fehlfunktion erwacht Jim Preston, Besatzungsmitglied des Raumschiffs Avalon, welches Kolonisten von der Erde zum entfernten Planeten Homestead II befördern soll, 90 Jahre zu früh aus seiner Hyperschlafkammer; ohne jede Möglichkeit, wieder einzuschlafen. Ein Jahr lang verkümmert er zusehends in der Isolation und läuft gar desillusioniert, verwahrlost und nackt (wozu ankleiden?) durch die langen grauen Gänge seines High-Tech-Gefängnisses. Bis er sich in das schlafende Dornröschen Aurora (eine New Yorker Journalistin in einer weiteren Hyperschlafkammer) verliebt und eine schwere Entscheidung trifft: Statt der immer währenden Einsamkeit wählt er die glücklichere Zweisamkeit. Der Mensch ist ein soziales Wesen.

"Passengers" größte Stärke liegt von Anfang an in der unweigerlich im Kinosaal schwebenden Frage, wie man sich selbst wohl in einer vergleichbaren Situation verhalten dürfte. Jims moralisches Dilemma ist nur allzu gut nachvollziehbar. Aurora aufzuwecken ist ein Verbrechen, eine egoistische Tat und in letzter Konsequenz ein rücksichtsloser Mord. Gerechtfertigt wird seine Entscheidung nur durch das Miterleben des Zuschauers seiner zwangsmäßigen Einzelhaft und zunehmenden Verzweiflung. In tadelloser Hochglanz-Optik erweist sich die Avalon als interstellarer Applestore, eine Kleinwelt der glatten Oberflächlichkeiten. Das erste Drittel von Tyldums Film ist ein Kampf Jims gegen seine Umwelt: Um zu den Hyperschlafkammern der Crewmitglieder zu kommen, nutzt er als begabter Handwerker jedes Gerät, dass ihm an Bord zur Verfügung steht, dennoch rührt die unzerstörbare Tür sich kein bisschen. In dieser einsamen Perfektheit droht Preston zu Grunde zu gehen, einschließlich eindeutiger Suizid-Gedanken. Aurora rettet ihm bereits das Leben, ohne die Hyperschlafkammer verlassen zu haben. Sie zu wecken, ist nicht einfach nur ein Ausdruck seiner sexuellen Frustration, sondern der tief in ihm sitzende, menschliche Wunsch nach Zweisamkeit und sozialem Kontakt, eine Sehnsucht, die ihn jedwedes Verantwortungsgefühl vollkommen in einem Moment der Schwäche entreißt. Dieser existentialistische Gedankengang weiß philosophisch anregend im Rahmen der Space-Robinsonade nachhaltig zu zünden.

Das Kernstück des Films ist jedoch die eigentliche Liebesgeschichte zwischen Aurora und Jim, und hier hätte "Passengers" ein großer, anregender und rührender Sci-Fi-Film werden können. Doch das Drehbuch von Jon Spaihts, welches 10 Jahre lang in Hollywood rumgereicht wurde und als unverfilmbar galt, entpuppt sich selbst als eine eben solche Illusion wie die vermeintliche Unantastbarkeit des fortschrittlichen Raumschiffes. Sobald sich die Protagonisten wirklich annähern, zeigt sich Tyldum kein bisschen an ihren Persönlichkeiten, Gedanken und Emotionen interessiert. Die Beziehung bleibt auf dem Level pubertärer Flirts und trotz ihrer gemeinsamen Erkundung des romantischen Sternenhimmels bleibt ihr soziales Miteinander leblos, unauthentisch. Dies liegt auch in der Besetzung begründet: Weder Chris Pratt noch Jennifer Lawrence wissen die bittere Tragik ihrer Situation glaubhaft zu verkörpern. Ersterer reduziert seine eigene Mimik mehr auf sein charismatisch, freundschaftliches Zahnpastalächeln als auf große Emotionen, während Lawrences ebenso wenig nuanciertes Spiel oft in überzogene Hysterie ausartet. Leider erweist sich auch die Rollenverteilung an Bord zu schnell als fast schon betont konservativ: Aurora bleibt die gesamte Spielzeit über die unterkühlte, attraktive Blondine, Jim ist als Handwerker sowohl der Mann fürs Grobe wie für die technischen Aspekte. Wirkliche Spannung kommt so genauso wenig auf wie echtes Verständnis für die Charaktere, dafür ist "Passengers" einfach zu hetero, zu klischeebeladen, zu klinisch. Das große, erwartbare Drama wirkt aufgrund der Fallhöhe aber selbstredend gut genug, um ein grundsätzliches Interesse für die jungen Liebenden aufrecht zu erhalten, leider aber eher trotz als wegen Darsteller oder Script.

Im Folgenden entwickelt sich die Handlung so als rasanter Mix aus ge- und misslungenen Elementen. Der späte Auftritt eines dritten Darstellers etwa ist ein bloßer personifizierter Deus Ex Machina, der bei einem Film dieser Budgetklasse eigentlich eine Frechheit ist. Andersrum sorgt jenes Budget für opulentes Effektkino allererster Güte: In bahnbrechenden, visuell umwerfenden Effekten wirkt "Passengers" wie einer der realistischsten Filme seiner Art. Seien das die perfekten Aufnahmen der Avalon im Weltall oder Michael Sheens Android ohne menschlichen Unterbau mit Comic-Relief-Funktion, bis hin zur beeindruckendsten Sequenz des Filmes, als Aurora im Swimmingpool der Avalon badend durch die plötzlich ausgeschaltete simulierte Schwerkraft in einer gigantischen Wasserblase zu schweben beginnt. Hier erreicht Tyldums Film durchaus die visuelle Perfektion eines "Interstellar". Erst die letzten 20 Minuten entlarven "Passengers" widerrum als konventionellen Blockbuster ohne große Ambitionen: Pathos und Plattheiten führen die Erzählung übereilt zu Ende und die konzeptionell philosophische Survival-Romanze mutiert zum reißerischen Event-Film, der dank Komponist Thomas Newman noch mit belanglosem Hollywood-Bombastsound versehen wird. Das mag negativer klingen als letztlich der Fall, denn immerhin unterhält "Passengers" 120 Minuten lang problemlos, doch sind gerade in diesem Fall die verschenkten Möglichkeiten zu offensichtlich, als das sie dem doch leicht überdurchschnittlichen Gesamteindruck nicht einen enttäuschten Nachgeschmack verleihen könnten.

Fazit: Für einen unterhaltsamen, kurzweiligen Abend ist "Passengers" trotz vieler 08/15-Passagen durchaus geeignet, denn gefangen im hellen, stählernen Apple-Einheitslook begeistert er meist entweder dann, wenn überlebensgroße Bilder und Eindrücke im Vordergrund stehen oder die Isolation und Vereinsamung von der einsamen Insel in die Kälte des Alls verlegt wird. Die zentrale Beziehung der Protagonisten scheitert im Verlauf des immer lärmigeren Blockbusters aber leider an der farblosen Star-Besetzung und dem flachen Drehbuch, welches in seiner konservativen Schablonenzeichnung als einzige Frage unbeantwortet lässt, wer von den beiden in der 90 jährigen All-Expedition wohl regelmäßig den Müll rausbringen darf.

6/10
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Re: Zuletzt gesehener Film

7340
vodkamartini hat geschrieben:Sehr gutes Review. Hatte übrigens exakt dieselben Stärken und Schwächen ausgemacht und ebenfalls mit 6/10 gepunktet.
Danke dir. Habe dein Review jetzt ebenfalls gelesen (mache sowas vorher nur selten, wenn ich selbst eins schreiben möchte, damit man nicht unterbewusst Formulierungen übernimmt), und es ist ja verblüffend, wie ähnlich unser Blick auf den Film ist. Die ganz großen Verrisse, die Passengers erfährt, kann ich nicht wirklich nachvollziehen, hat sich der Film aber durchaus verdient, wenn er in den Trailern bewusst ganz falsche Erwartungen weckt (in diesem Fall: einen großen Cliffhanger ankündigt, der nicht im Film vorkommt oder eine Rolle spielt, dies war sogar auf den Plakaten zum Film präsent). Alles in allem bin ich aber auf einem simplen Niveau zufriedengestellt und wenn man sich von der ersten Enttäuschung ob der vertanen Chancen losmacht, bleibt ein leicht überdurchschnittlicher Gesamteindruck sowie der Verdacht auf eine Oscarnominierung für die "Besten visuellen Effekte".

Vodka, fandest du eigentlich Andy Garcias Auftritt auch so absurd wie ich? Da hab ich beim Abspann wirklich mit dem Kopf geschüttelt und mich nur fragen können, was das eigentlich sollte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

7341
Allied (Robert Zemeckis)

Kurzweiliges Agentendrama rund um die Beziehung zweier Spione, die sich im Zweiten Weltkrieg bei einer gemeinsamen Undercover-Operation in Casablanca ineinander verlieben und nach geglücktem Auftrag ein gemeinsames Leben beginnen, das ein jähes Ende findet als einer der beiden auf den anderen angesetzt wird. Zemeckis' Kriegsgeschichte bleibt in der ersten Hälfte mitunter etwas arg irritierend, so spielt Pitt einen kanadischen Offizier der sich - getarnt als Pariser - in die Nazi-High-Society von Marokko einschleicht. Pitts Französisch ist erstaunlich gut, dennoch wollte man dem Hauptdarsteller offenbar nicht allzu viel zutrauen, seine Figur bleibt in vielen Szenen und Dialogen peinlich schweigsam und lässt seine Filmgattin Marion Cotillard banalsten Small-Talk an seiner statt führen. Das ist hin und wieder unfreiwillig komisch, merkwürdig sinnentfremdet und erinnert mehr an Pitts unbequemen Auftritt als "Italiener" in Inglourious Basterds, nur ohne dessen inhaltlich sinnvolle Intention, den Hauptdarsteller bei seinen Sprachversuchen scheitern zu lassen. Und das ist nicht einmal die einzige irritierende Parallele zu Tarantinos Weltkriegsgaudi, so kopiert August Diehl in Allied seinen Auftritt als dem alliierten Spion gegenüber misstrauischer SS-Scherge gleich eins zu eins. Das sind nur Beispiele die perfekt aufzeigen, wie Zemeckis die dramaturgische Komponente nicht immer ganz im Griff hat und sie teils flickenhaft holpern lässt. Weitgehend unterhaltsam ist die erste Hälfte aber trotz einiger Probleme dennoch.

Akt Nummer zwei gefällt dann deutlich besser, da es durch Pitts geheime Untersuchung seiner eigenen Ehegattin gepaart mit seinen Ermittlungen auf eigene Faust auch mal spannend wird. Viele kleinere Szenen wie der nächtliche Sturm einer Handvoll Résistance-Kämpfer auf eine französische Polizeistation wissen zu packen, die doppelte Interpretationsmöglichkeit der wahren Hintergründe von Pitts Mission verleihen der Geschichte eine weitere Ebene der Undurchsichtigkeit, die mit dem Ende stimmungsvoll aufgelöst wird, auch wenn die gewünschte emotionale Wirkung der Enthüllung nicht ganz zündet. In Summe ist Allied aber ein ordentlicher und wie eingangs schon klargestellt kurzweiliger Film, der trotz einiger Schwächen gut unterhält, viel mehr aber dann auch nicht.

Wertung: 6,5 / 10

La La Land (Damien Chazelle)

Mit dem herrlichen La La Land wagt Top-Newcomer Damien Chazelle eine charmante Hommage an klassische Musicals, Liebesfilme, Jazzmusik und Filmkultur. Zu behaupten, sein Vorhaben sei geglückt, wäre eine schamlose Untertreibung: La La Land ist ein tolles Kinoerlebnis, bei dem man den Saal kaum verlassen kann, ohne gleich selber auf den Gehsteigen im innerstädtischen Schneegestöber in spontanes Singen und Tanzen auszubrechen (Quelle: Eigene Erfahrung). Die Geschichte um Goslings romantischen Jazzclub-Pianisten und Stones eifrige Schauspielaspirantin ist klug in vier Akte strukturiert, die Chazelle den vier Jahreszeiten zuordnet - Superman lässt grüssen. Seine virtuose Inszenierung führt einen mitreissend durch das Jahr und verbindet Tanz, Musik, Schauspielerei, Handlung und charmant-verspielte Bildsprache mit allerlei fantasievoll gestalteten Höhepunkten sowie viel Humor - teils so liebevoller, stummfilmartiger Art, dass einem das Herz aufgeht - miteinander. Gosling und vor allem Stone glänzen nicht nur als begnadete Sänger, Schauspieler und Komiker, sondern auch mit viel gemeinsamer Chemie in den dialogisch und filmisch lebendig ausgearbeiteten gemeinsamen Szenen. Die lange Schlussszene haut noch einmal mit einer dynamisch-virtuosen musikalischen und filmischen Montage der Sonderklasse auf die Pauke und beendet die zweistündige Reise mit einem respektvollen und emotional tiefschürenden Abschluss. Da muss ich nochmal rein.

Wertung: 9 / 10
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Re: Zuletzt gesehener Film

7346
iHaveCNit: Hell or High Water (2017)

„Come hell or high water“ ist eine amerikanische Redewendung für „Komme, was da wolle“. Das kam für mich auch infrage, als ich mich entschieden habe, diesen Film zu sehen, der tolle Grundvorrausetzungen liefert. Zum einen hat der Drehbuchautor von „Sicario“ Taylor Sheridan mitgewirkt und mit Chris Pine, Ben Foster und Jeff Bridges sind auch gute Namen an der Schauspielerfront vertreten.Dem Regisseur David McKenzie ist schonmal vorab gesagt, ein toller, moderner Western gelungen.

Es geht um die beiden Brüder Tanner und Toby. Tanner ist ein unberechenbarer, abgefuckter und krimineller Draufgänger, Toby ist eher mehr der ruhigere, vernünftige von beiden, der mit einer Scheidung zu kämpfen hat. Beide haben damit zu kämpfen, dass ihre Mutter nach ihrem Tod eine hochverschuldete Ranch hinterlassen hat. In ihrer Verzweiflung nehmen beide unterschiedliche Banken der Kette „Texas Midlands Bank“ aus. Der kurz vor der Pensionierung stehende Texas Ranger Hamilton nimmt mit seinem indianisch-mexikanischen Kollegen die Verfolgung auf.

Der Neowestern ist weniger Actionthriller, auch wenn er einige Actionszenen zu bieten hat. Er ist mehr Charakterdrama und Roadtrip und zeigt uns eine ländliche Gegend von Texas, die nur noch die vergangene Größe erahnen lässt und uns klassisch amerikanische Probleme des kleinen Mannes bietet. Vor allem prangt am Anfang des Films an einer Hauswand der geschriebene Text „3 Jahre im Irak gedient, aber hier gibt es keinen Kredit für Leute wie uns“.Und somit kann der Film auch als zeitliches Lokalkolorit gesehen werden. Kernstück des Films ist das Charakterdrama. Hier leisten Chris Pine und Ben Foster als Brüderpaar mit ihrer unglaublich guten Chemie aber auch einzeln einen guten Job. Genau wie Jeff Bridges, dessen leicht zynische Frotzeleien mit seinem Kollegen für extrem witzige Momente gesorgt haben. Insgesamt hat der Film auch noch einen guten Job gemacht, so dass man für jeden Charakter entsprechend Sympathie entwickelt, auch wenn gerade etwas außerhalb des Gesetzes unternommen wird. Das einzige, was dem Film dann doch noch das letzte Fünkchen Potential nimmt ist die Inszenierung. Trotz wundervoller Aufnahmen findet die Inszenierung doch kaum statt. Der Film wird einfach nüchtern und auch leicht vorhersehbar erzählt und lässt uns mit einem ambivalenten Ende zurück. Da wäre doch ein wenig mehr Risiko auf der Inszenierungsseite angebracht gewesen. Aber trotz allem war ich positiv überrascht und die Stimmung im Kino war sehr toll gewesen, was mich auch für den Film freut.

„Hell or High Water“ - My First Look – 9/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

7348
iHaveCNit: The Great Wall (2017)

US-Chinesische Filmproduktionen sind derzeit noch eine Seltenheit auf dem Filmmarkt und vor allem durch harte Begrenzungen auf dem chinesischen Markt, was vor allem die Anzahl an in einem Jahr veröffentlichten Filme aus dem „Westen“ betrifft. Mit 150 Millionen Dollar, dem Regisseur von „Hero“ und „House of Flying Daggers“ Zhang Yimou und dem renommierten Schauspieler Matt Damon kam nun die teuerste Filmproduktion der chinesischen Filmgeschichte in die Kinos. Und man hat sich den denkbar günstigsten und massentauglichsten Weg ausgewählt, in dem man sich für ein Fantasy-Action-Epos entschieden hat.

Erzählt wird uns eine der vielen Legenden die sich um die Chinesische Mauer drehen. Im Turnus von 60 Jahren bereiten sich hier die Kriegerkasten auf der Mauer auf einen Angriff der Tao Tien vor. Bei den Tao Tien handelt es sich um echsenartige Kreaturen, die Jagd auf die Menschen machen und die Mauer ist der einzige Schutz. Mitten in diesen Konflikt gerät der erfahrene westliche Krieger und Dieb, William Garin, der zusammen mit seinem Kumpanen Pero Tovar eigentlich nur auf der Suche nach Schwarzpulver ist.

104 Minuten ist das Epos lang, oder sollte ich kurz sagen ! Sehr kompakt und rund gestaltet sich für mich dieser Film, der uns quasi ohne viel Geplänkel direkt in die Schlachten schmeißt. Nebenbei orientieren sich diese Schlachten optisch stark an „Herr der Ringe“, „World War Z“ und plottechnisch steckte vor allem in den Schlachten für mich etwas „Edge of Tomorrow“. Toll choreographiert waren die Kämpfe und im Allgemeinen war der „Production Value“ mit Sets, Special Effects (auch wenn diese nicht immer nahtlos gewesen sind) und den Kostümen, die nicht nur farblich großartig umgesetzt wurden, sondern auch die eigene Identität der Kriegerkasten unterstrichen und für die notwendige Übersichtlichkeit gesorgt hat, auf einem entsprechend hohen Niveau. Auf der charakterlichen Seite tut sich im Film nicht sonderlich viel, unsere Identifikationsfigur ist Matt Damon, der quasi als „Fisch aus dem Wasser“ - Charakter funktioniert und uns Stück für Stück, egal ob in oder zwischen den Kämpfen, die für ihn neue Welt erklärt wird. Sein Charakter macht auch am ehesten so etwas wie eine entsprechende Entwicklung durch, die ihn zum Held werden lässt. Witzig sind seine netten Dialoge mit Pedro Pascal, der als Sidekick gut funktioniert. Willem Dafoe spielt hier quasi in einer kleinen Nebenrolle den für ihn klassischen, zwielichtigen Typen. Die von Jing Tian gespielte Commander Lin hat vor allem in der angehauchten Chemie mit Matt Damon auch gut gepunktet. Ganz witziger Nebeneffekt ist, dass man mit Matt Damon und Andy Lau (der im Film eine Nebenrolle spielt) zwei Schauspieler sieht, die in „Departed“ und dem Original „Infernal Affairs“ den gleichen Charakter gespielt haben.
Aber um auf „The Great Wall“ zurückzukommen. Die Action, die „Production Values“, der „Replay Value“ lassen den Film zu einem tollen, unterhaltsamen, spaßigen Film werden, der jedoch vor allem in der Gestaltung der Monster leicht einfallslos und austauschbar zurückbleibt.

„The Great Wall“ - My First Look – 7/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

7349
Wendy (2017, Dagmar Seume)

Selbsterklärend nicht mein Film, aber wenn man den mit ein paar Freunden am Pressescreening schaut und dabei auch noch komplett alleine im Saal ist, ist es eine wahre Gaudi. Und bei aller Naivität (die man bei einem Film für zwölfjährige weibliche Pferdefanatiker erwarten muss) ist das alles auch recht kurzweilig und liebevoll, trotz der unterirdischen Schauspieler. Meine Lieblingsfiguren waren das Schweinchen auf dem Bauernhof und das dicke Metzgerskind ("Vanessaaaaa, du kannst doch mit mir fahren!" :D )

Wertung: 6 / 10
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Re: Zuletzt gesehener Film

7350
No Turning Back
Da ich mir vor ca. einer Woche die "Tom Hardy-Edition" mit den Filmen "Bronson", "Dame König As Spion" und "No Turning Back" gekauft habe landete gestern der recht kurze (82 Minuten) "No Turning Back" im Laufwerk.
Dass Tom Hardy einer der besten aktuellen Schauspieler ist, war mir schon lange klar und mit "Bronson" (letzten Freitag gesehen), hat er das ein weiteres Mal unter Beweis gestellt. Doch wirklich umwerfend ist sein Schauspiel in "No Turning Back". Er trägt die Handlung ganz alleine auf seinen Schultern, weil er schlichtweg der einzige Schauspieler ist, der zu sehen ist. Andere, durchaus namhafte Schauspieler wie Andrew Scott sind nur übers Telefon zu hören. Es gibt nur wenige Schauspieler die einen Film ganz alleine tragen können, und Tom Hardy ist definitiv ein solcher. Er spielt den eigentlich ganz normalen und vorbildlichen Familienvater Ivan Locke, dessen Leben an diesem Tag durch einen einzigen Fehltritt in seiner Vergangenheit komplett aus den Fugen gerät. Er setzt sich ins Auto und versucht in dieser Situation das Richtige zu tun, auch wenn es ihn unendlich viel kosten wird. In den folgenden 80 Minuten sieht man ihn nur um Steuer seines Autos, wie er konstant auf dem Weg nach London ist und an drei Fronten gleizeit kämpft (übers Telefon). Hochmoralisch und doch wunderbar subtil, und ohne ein einziges Mal den Holzhammer zu nehmen, überlässt "No Turning Back" dem Zuschauer selbst, was er für sich aus dem Gesehenen mitnimmt, ohne im eine Moral aufdrängen zu wollen.
Auch das sehr plötzliche und unerwartete Ende passt bei genauer Betrachtung genau dazu, denn jedes zusätzliche Wort, wäre wohl eines zu viel gewesen. Mit ruhiger aber dynamischer Rgei und wunderschönen, wenn auch nicht sehr vielseitigen Bildern und einem leisen, passenden Soundtrack fiebert, leidet und trauert man mit Locke am Steuer mit, identifiziert sich mit ihm, was "No Turning Back" unglaublich bewegend und intensiv macht.
Schlussendlich muss sich der Film nur eines fragen lassen: War für diese experimentell erzählte Geschichte, deren einziger Schauplatz das Auto des Protagonisten ist, wirklich ein Film nötig? Oder hätte es nicht auch ein Film getan? In der drei ??? Folge "...und der rote Rächer" spiellen weite Teile des Finales beispielsweise ebenfalls nur auf engstem Raum und dennoch wird Spannung und Tempo durch andauernde Telefonate erzeugt. Doch wenn man sich das Mimenspiel von Tom Hardy ansieht wird deutlich: Hier musste in der Tat ein Film her! Am deutlichsten wird das in einer Szene, in der Ivan Locke mit seinem Sohn telefoniert, seine Stimme absolut unverändert bleibt und ihm gleichzeitig tränen übers Gesicht laufen. In ein Hörspiel wäre das kaum übertragbar gewesen.
Daher bleibt mir nureine Möglichkeit bei der Wertung. Ich kann "No Turnging Back" nur die volle Punktzahl geben!

10/10

Wer hat den Film sonst noch gesehen 8ist ja eher ein unbekannter Film) und wie sieht der große Tom Hardy Fan HCN007 dieses Werk?
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."