Re: Zuletzt gesehener Film

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Funksoulbrother hat geschrieben:Natürlich ist Eastwood (western-)thematisch massiv von Leone beeinflusst, aber sein Inszenierungsstil und seine Position ist von ganz anderer Art, eben lakonischer, spartanischer (Aber wer ist im Vergleich mit Leone nicht spartanisch? Ridley Scott vielleicht, allerdings auch auf ganz andere Weise ...) ... und im Kontext von "High Plains Drifter" funktioniert das für mich sehr gut ... "The Outlaw Josey Wales" muss ich noch schauen, da kann ich mir noch kein Urteil erlauben ... wobei mir bei dem Film von vorneherein klar ist, dass er einen ganz anderen Ansatz verfolgen wird
Ich finde den nicht wirklich spartanisch, nicht im Vergleich zu wirklich spartanischen Western, sondern inhaltlich ambitioniert, aber schwach umgesetzt.

Und es gibt natürlich noch mehr Regisseure die opulente Western inszeniert haben, da war Leone natürlich längst nicht der Einzige.
Ridley Scott will ja jetzt auch einen Western drehen, aber ich erwarte da erst mal eher wenig.

Re: Zuletzt gesehener Film

7262
Ich hingegen finde den schon so, außerdem hat er parodistische Züge hinsichtlich der Erbärmlichkeit letztendlich aller Figuren. Auch der Fremde ist nicht mehr als ein selbstgerechtes Arschloch mit Vergeltungsdrang. Das ist schon jenseits eines Antihelden. Wenn er wirklich ein aus dem Totenreich zurückgekehrter Racheengel ist, dann ist seine Motivation vielleicht verständlich, aber sympathisch ist er deswegen kein Stück. Bei vielen Antihelden ist dieser Sympathiefaktor noch im Spiel, auch bei solchen Ego-Zockern wie z. B. Snake Plissken - oder eben z. B. auch beim namenlosen Fremden der Dollar-Trilogie! Der Fremde ist hier aber einfach nur ein mieser Typ unter anderen miesen Typen und verlogenen Feiglingen. Der Marshall war vielleicht anders, aber sein Geist ist ein zynisches Schwein. Das finde ich durchaus reizvoll ... und insgesamt (trotz Schwächen) gut umgesetzt.
"Nelly, I'm about to get neck-ed back here. So: No peekin'! ... I said: No peekin'!"
(Joe Bang)

Re: Zuletzt gesehener Film

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Funksoulbrother hat geschrieben:Ich hingegen finde den schon so, außerdem hat er parodistische Züge hinsichtlich der Erbärmlichkeit letztendlich aller Figuren. Auch der Fremde ist nicht mehr als ein selbstgerechtes Arschloch mit Vergeltungsdrang. Das ist schon jenseits eines Antihelden. Wenn er wirklich ein aus dem Totenreich zurückgekehrter Racheengel ist, dann ist seine Motivation vielleicht verständlich, aber sympathisch ist er deswegen kein Stück. Bei vielen Antihelden ist dieser Sympathiefaktor noch im Spiel, auch bei solchen Ego-Zockern wie z. B. Snake Plissken - oder eben z. B. auch beim namenlosen Fremden der Dollar-Trilogie! Der Fremde ist hier aber einfach nur ein mieser Typ unter anderen miesen Typen und verlogenen Feiglingen. Der Marshall war vielleicht anders, aber sein Geist ist ein zynisches Schwein.
Aber das sind ja alles die inhaltlichen Dinge die ich meine.

Witzigerweise trägt Eastwood hier tatsächlich mal die Züge eines Anti-Helden, auch wenn er das Gegenteil von passiv ist, und auch sonst immer allen überlegen ist, aber er ist halt kein wirklicher Held, eher böse. Allerdings sind die die er tötet alle noch böser, oder?

Während deine anderen Beispiele eindeutig keine Antihelden sind, um eine unserer Lieblingsdiskussionen mal wieder hervorzukramen ;). Denn der Mann ohne Namen ist ganz eindeutig immer der Held der Filme, wenn auch ein gelegentlich etwas dubioser.

Re: Zuletzt gesehener Film

7264
Ich mag High Plains Drifter sehr gerne, ein spannender Western, der den Leone-Stil schön umkrempelt, in dem ich aber dennoch immer auch die richtige Prise Hommage gefühlt habe. Der mystische Ansatz ist toll, gerade deswegen würde ich den Film nie in der Übersetzung sehen wollen (was ich aber auch so nicht vorhätte). Für mich sehr starke 8,5 Punkte, Outlaw Josey Wales ist aber natürlich noch besser.
We'll always have Marburg

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Re: Zuletzt gesehener Film

7265
Moviediary 2017 – Number 1 – 1.1.2017

iHaveCNit: Whiplash (2015)


Als Beginn eines Rekordversuchs – Mehr Filme schauen als das Jahr Tage hat – habe ich mir in Vorbereitung auf das neue Werk von Damien Chazzelle „LaLaLand“ der hierzulande am 12.01.2017 starten wird und definitiv auf meiner Watchlist steht, seinen Vorgänger und wenn man es so sehen will, seinen Erstling „Whiplash“ angesehen. Wie auch jetzt „LaLaLand“ entsprechenden Oscarbuzz bekommt, war das auch damals bei „Whiplash“ so, der 3 Treffer bei 5 Nominierungen landen konnte, „Bester Schnitt“ , „Bester Ton“ und „Bester Nebendarsteller: J.K. Simmons“. Darüberhinaus war er für „Bester Film“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“ nominiert. Grundlage für „Whiplash“ ist Chazzelles gleichnamiger Kurzfilm, der sich auch als Bonus auf der Bluray befindet.

Es geht um den jungen Andrew Neiman, einen ehrgeizigen, talentierten, hart arbeitenden Jazz-Schlagzeuger, der an einem Elitekonservatorium studiert. Der harte, unnachgiebige, für seine erschreckenden Lehrmethoden bekannte Musiklehrer Terrence Fletcher engagiert ihn für seine Band. Die Begegnung der Beiden ändert Andrews Leben auf unglaubliche Art und Weise. Perfektion wird zur krankhaften Obsession bis hin zum Wahnsinn.

Im Bereich der Psychothriller, in der die Kunst zur Obsession wird, gab es ja bereits stark in z.B. „Black Swan“ und im Sportbereich gibt es ja auch einige Filme, in denen aufstrebende Talente von harten Trainern zu Höchstleistungen angespornt werden. Doch „Whiplash“ setzt dem Ganzen die Krone auf. Unabhängig davon, ob man sich für Jazz interessiert oder nicht – die Musik ist nettes Beiwerk und perfektes Plotinstrument für die Komposition des wohl besten Musikpsychothrillers unserer Zeit. In der Hauptrolle des Andrew Neiman bekommen wir den Schauspieler und Drummer Miles Teller, der seine Rolle mit unglaublicher Perfektion hinlegt – sein Ehrgeiz, seine Willenskraft und die Sucht nach Perfektion ist absolut krass - „Blood, Sweat and Tears – His portrayal is gold in my ears“ Dazu passt als perfekter Konterpart der von J.K. Simmons mit absoluter Perfektion und Hochspannung gespielter Musiklehrer Terrence Fletcher, dessen Antrieb nach Perfektion und die Bindung zu seinen Talenten unglaublich spürbar und nachvollziehbar ist. Miles Tellers Zeit wird noch kommen – jedoch hat es vollkommen gepasst, dass J.K. Simmons für seine Rolle mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Die Inszenierung selbst ist auch auf Perfektion abgestimmt. Jeder Ton, jeder Schnitt, jedes Tempo scheint zu sitzen und erzeugt dazu eine elektrisierende Spannung, der man sich kaum entziehen kann. Auch die Einbindung von 2 fast tarantinoesquen Geschichten über zwei weitere Jazz-Musiker können fast als ergänzende Parabel auf Andrews Charakter gesehen werden. Das Ende des Films bietet auch enormes Diskussions- und Interpretationspotential. Der Titel des Films „Whiplash“ kann auch in jedem Maß mit jeder Definition des Begriffs interpretiert werden.

2015 war schon ein krasses Filmjahr und hat mir auch einige Überraschungen geboten, die mir Lieblinge beschert haben. Eigentlich müsste ich zu „Whiplash“ eine Lieblingsfilmreview schreiben, aber hier möchte ich erst auf den Impact warten, den „LaLaLand“ auf mich haben könnte.

„Whiplash“ - My Third Look – 9/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

7270
Moinsen und nochmal ein frohes neues Jahr an alle übrigen Forumsteilnehmer!

Ich werde am kommenden Samstagabend(07.01.16) mir den neuen SciFi-Streifen von Regiesseur Morten Tyldum PASSENGERS anschauen. Mit Chris Pratt, Jenniffer Lawrence und Michael Sheen in den Hauptrollen.

Der Trailer dazu sah ganz gut aus und somit kann ich wenigstens die Zeit bis ALIEN COVENANT rauskommt etwas überbrücken!
" Denn bei allen Dingen die den Tod betreffen ist SPECTRE strengstens unparteiisch !", Ernst Stavro Blofeld (Max von Sydow) in SAG NIEMALS NIE.

Re: Zuletzt gesehener Film

7271
Ich finde Passengers sieht langweilig aus, mich schrecken da schon die Hauptrollen ab. Vorhersehbarer und uninteressanter könnte man einen Film kaum besetzen. Lawrence war passabel bis gut in X-Men First Class, in den ganzen anderen X-Men- und Russell-Filmchen fand ich sie gnadenlos uncharismatisch und bemüht. Pratt ist eigentlich ein charismatischer Typ, aber spielt im Prinzip auch immer genau gleich.
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Re: Zuletzt gesehener Film

7272
Mein zuletzt gesehener Film ist Godzilla 2014. Danach Rogue One am Starttag im Kino gesehen habe, wollte ich sehen, was Edwards noch so kann. Storytechnisch und von der versuchten und nicht gelungenen Charaktertiefe und menschlichen Emotionalität schlecht und mit ohne Ende Logikfehler in der Story (Atombomben geben keine Strahlung ab, wenn sie noch nicht gezündet sind), aber von den Effekten her sehr beeindruckend.

Re: Zuletzt gesehener Film

7273
Atombomben bei Rogue One? Oder war da irgendwas bei Godzilla, woran ich mich nicht erinner?

Ansonsten hast du völlig recht: lebendige, sympathische Charaktere sind wahrlich nicht Edwards Stärke.
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

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Re: Zuletzt gesehener Film

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GoldenProjectile hat geschrieben:Ich finde Passengers sieht langweilig aus, mich schrecken da schon die Hauptrollen ab. Vorhersehbarer und uninteressanter könnte man einen Film kaum besetzen. Lawrence war passabel bis gut in X-Men First Class, in den ganzen anderen X-Men- und Russell-Filmchen fand ich sie gnadenlos uncharismatisch und bemüht. Pratt ist eigentlich ein charismatischer Typ, aber spielt im Prinzip auch immer genau gleich.
In einem Interview, das ich gesehen habe, gibt er das sogar indirekt zu indem er sagt, dass er sich deshalb für "Passengers" entschieden hat, weil er mal einen andere Seite von sich (oder seinem Spiel) zeigen wollte, als was man von ihm gewohnt ist. Ob das nur das übliche Blabla ist, oder ob er das wirklich so meint, wird man sehen.
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."