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von dernamenlose
Agent
F9 – The Fast Saga
Bekanntlich bin ich ja durchaus ein Fan der Reihe und habe auch nicht das geringste Problem damit, dass sich der Fokus weg von der Tuningszene hin zu Heist- oder Agentenmissionen gewandelt hat. Auch dass die Action in den letzten Filmen immer verrückter und abgedrehter wurde hat mich nicht gestört, im Gegenteil: Ich schätze die Reihe dafür, dass sie uns Film für Film kreative Actionszenen zeigt, die so noch nie zuvor da waren.
Doch trotz allem muss ich beim neuesten Ableger in den Tenor der eher negativen Kritiken mit einstimmen. F9 macht einige Dinge anders als seine Vorgänger und auch wenn so etwas natürlich frischen Wind bringen kann und das in Teilen auch tut, so geht dabei doch auch gehörig etwas schief. Das fängt an bei den Rückblenden in Doms Jugend: Rückblenden gab es zuvor in der Reihe auch schon, beispielsweise zu Lettys und Hans scheinbaren Toden. Aber es waren immer Rückblenden zu Szenen, die der Zuschauer schon kannte und keine Geschichten aus der weiter zurück liegenden Vergangenheit. Allein deshalb fühlen sich diese Szenen etwas merkwürdig und ungewohnt in einem Fast and Furious Film an, was aber wie gesagt nichts schlechtes sein muss, zumal die Szenen selbst gut geschrieben, gut inszeniert und vor allem gut geschauspielert sind. Für sich genommen machen diese Szenen durchaus Spass und berühren sogar. Das Problem, dass ich eher mit ihnen habe ist, dass dem Zuschauer hier wirklich versucht wird eine ernste Geschichte zu erzählen, nämlich ein dramatischer Bruderkonflikt. Doch während das in den Szenen selbst wie gesagt auch durchaus funktioniert, will es sich einfach nicht in den Rest des Films einfügen. Denn für die Handlung sind sämtliche Rückblenden irrelevant, sie werden nicht mal wirklich benötigt um eine Motivation für Dom und die Crew zu schaffen, denn deren Motivation ist eigentlich, dass Jakob eine gewisse Superwaffe nicht in die Hände bekommt.
Außerdem wirkt dieser ernste Ton schlichtweg völlig fehl am Platz. Es funktioniert einfach nicht, wenn wir in einer Szene eine tiefgründige Hintergrundgeschichte mit jungen Darstellern sehen und im nächsten Moment wieder herumalbernde altbekannte Darsteller. Beides will nicht zusammenpassen. Hier hat die Reihe in der Vergangenheit bessere Wege gefunden. In Teil 8 beispielsweise hatten die Szenen mit Dom, Elena und ihrem Sohn auch eine ganz andere Tonalität, als die mit dem Rest der Crew. Aber sie waren erstens nötig um einen nachvollziehbaren Grund für Doms Verhalten zu liefern und sie blieben konsequent düsterer, während der Rest der Crew für die Lacher zuständig war.
F9 schafft es außerdem auch nicht, auf die üblichen Stärken des Franchises zu bauen. Das andauernde betonen der „Familie“ mag den ein oder anderen zwar nerven, aber wenn man sich darauf einlassen kann und das familiäre dann auch spürt, dann funktioniert das großartig. Und das fehlt in Teil 9 leider fast gänzlich. Mia und Dom interagieren vielleicht eine Minute miteinander, wenn es nicht gesagt würde, würde man nicht merken, dass die beiden Geschwister sind. Han ist zwar wieder zurück, aber so wirklich wie Han benimmt er sich nicht mehr, was vielleicht auch daran liegt, dass seine Figur nicht mehr wirklich in die Reihe hinein passt. Und wenn man dann die Crew auch noch aufteilt und getrennt in alle möglichen, völlig austauschbaren Orte der Welt schickt kann sich natürlich erst recht nicht das altbekannte Zusammenspiel zwischen den Charakteren ergeben. In F9 wird wieder einmal viel behauptet, aber zum ersten Mal spüre ich nichts davon.
Doch auch für sich genommen fällt es manchmal schwer, die einzelnen Charaktere noch zu erkennen: Während Dom in Furious 7 noch zu Mr. Nobody sagt, dass sein Team Fahrer und keine Killer seien, begeben sie sich dieses Mal von Anfang an schwer bewaffnet in ein Militärgebiet und speziell Roman wird zum absoluten Profisoldaten. Mal abgesehen davon, dass diese plötzliche Wandlung nicht zu den Charakteren passt ist es auch etwas merkwürdig, der Crew plötzich dabei zuzusehen, wie sie einfache Berufssoldaten töten. In den vergangenen Filmen wurde (mit einer Ausnahme) immer darauf geachtet, dass die Menschen, die bewusst getötet oder schwer geschadet werden Terroristen oder wenigstens korrupte Polizisten waren. Hier ist das plötzlich nicht mehr der Fall und das hinterlässt zumindest bei mir einen faden Beigeschmack.
Bleibt noch die Action, die ja eigentlich das Vorzeigeobjekt der Reihe ist. Und die funktioniert auch dieses Mal wieder, auch wenn ich sagen muss, dass die Macher auch in diesem Punkt in der Vergangenheit kreativer waren. Zwar wird mit dem Supermagneten auch dieses Mal wieder eine neues Element in die Action eingebracht, aber mit dem Spektakel rund um U-Boot und Autozombies aus Teil 8, oder der Safeverfolgung aus Teil 5 kann sich das ganze nur bedingt messen. Und wenn die absurdeste Sequenz des Films dann nicht mal eine Actionszene sondern eine vergleichsweise ruhige ist, dann ist auch das nicht nur verschenktes Potential, sondern dann wirkt der Film endgültig wie ein Sharknado mit zu viel Budget.
Das war jetzt eine ganze Menge negativer Punkte, und dabei habe ich einige noch nicht mal erwähnt. Heißt das jetzt, dass F9 – The Fast Saga ein Film ist, mit dem man keinen Spass haben kann? Nein, denn für sich allein genommen macht der Großteil der Szenen einen Riesen Spass und man kann diesen Unsinn durchaus kopfschüttelnd genießen. Allerdings sollte man sich dessen bewusst sein, dass sich der neunte Teil der Reihe massiv von allen Vorgängern unterscheidet und man auch als Fan der Reihe dieses Mal mehr als nur überzogene Action verdauen muss. Spass hatte ich im Kino, aber langfristig werde ich den Film sicher nicht besonders häufig anschauen.
6/10
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."