Re: Die Ära Brosnan

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photographer hat geschrieben:.

Bond Number Five - Pierce Brandon Brosnan
Ich stimme mit allem was du schreibst überein, sehr schön auf den Punkt gebracht.

photographer hat geschrieben:Jedoch wurden mit Pierce Brosnan, als Anhängeschild und Gesicht, seine 007-Filme von der Masse trotz schwacher Kompromisse relativ unkritisch konsumiert, da der Ire als Darsteller sowohl von Männer und Frauen gerne gesehen und in der Öffentlichkeit als Sympathieträger wahrgenommen wurde. Auch wenn seine Performance limitierter ist als die seines Nachfolgers, gehört Brosnan zur Garde an Starschaupielern, die weniger Schauspieler und mehr everybody’s darling sind, wie dies auch bei Roger Moore der Fall war – und es bleibt schwer zu beurteilen, wie ein Gesamturteil seiner filmischen Bond-Ära aussähe, wenn er 1987 schon zum Einsatz gekommen wäre. Jedenfalls war Pierce Brosnan für seine Zeit James Bond und im Gegensatz zu seinem Nachfolger, gab es kaum Stimmen von Fans und Zuschauerfraktionen, die ihn nicht als ultimative Personifizierung des Fleming’schen Geheimagenten in seiner aktiven Zeit angesehen haben.
Diesen Punkt finde ich besonders interessant, vor allem angesichts der in der Post-CR-Zeit weitgehend revidierten Einschätzung von Brosnans Wirken. Brosnan wurde praktisch während seiner gesamten Zeit als Bond von Öffentlichkeit und Massenpublikum kritiklos als Paradedarsteller angesehen, vor allem medial kam nie oder allerhöchstens sehr selten Kritik an ihm auf. Brosnan war Bond, häufig laut Presse sogar „der beste nach Connery“ (eine mediale Einstufung, die er wohl mit allen seinen "Amtskollegen" teilen darf). Mittlerweile werden seine Filme und auch seine Darstellung aber eher belächelt – vor allem angesichts der neu gewonnenen Ernsthaftigkeit der Craigfilme. Gerade in der SF-Berichterstattung konnte man häufiger recht unschöne Seitenhiebe gegen die „Auswüchse der Brosnan-Ära“ lesen, die durch die Craigschen Filme „glücklicherweise“ beendet wurden. Wie gesagt: die gleiche Presse, die ihn zuvor ein dreiviertel Jahrzehnt hofiert und getätschelt hatte.

Interessant finde ich auch in Bezug auf Brosnan, dass er der einzige Bonddarsteller war (ich lasse Einmaldarsteller GL hier bewusst aussen vor), dem es offensichtlich nicht vergönnt war persönlich echten Einfluss auf seine Rolleninterpretation zu nehmen. Nun mag man spekulieren ob dies an der diktatorischen Entscheidungsfindung durch die sich profilieren müssenden Produzenten lag, am mangelnden Stellenwert den der Darsteller Brosnan verglichen mit seinen Vorgängern und seinem Nachfolger in den Augen der Produzenten hatte oder vielleicht doch an der Durchsetzungsschwäche des Menschen Pierce Brosnan. Unterm Strich bleibt aber festzuhalten, dass er keinen wirklichen Einfluss auf die Figur James Bond hatte (was er selbst ja auch in der von Bond-Skater zitierten Aussage bestätigt hat) und dadurch seine Darstellung des Flemingschen Agenten die kompromissbehaftetste und die am wenigsten dem Darsteller entsprechende in der Geschichte des Franchises war.



danielcc hat geschrieben: Gab es schon mal einen Bond, dem ein würdiger Abgang aus der Serie vergönnt war?
- Connerys unausgegorene und optisch missratene Halbrückkehr in DAF?
- Moores "Greisen-Auftritt" in AVTAK?
- Daltons langjährige Wartstellung nach dem am Publimum gescheiterten LTK?
Wohl am ehesten noch Connerys Schwanengesang in NSNA, welcher es ihm erlaubte augenzwinkernd und dennoch seinem Alter entsprechend überzeugend Abschied von der Rolle zu nehmen. Die Tatsache, dass der Ausstand aller anderer Bonddarsteller wenig „würdig“ ablief liegt wohl hauptsächlich in der Tatsache begründet, dass die Macher ihre Darsteller so lange „zu Markte trugen“, bis ihre Zugkraft nicht mehr den Erwartungen von Produzenten und Studio entsprach. Von daher bleibt abzuwarten – wie es photographer ja auch schon sagte – ob es Craig hier wirklich anders ergehen wird.
danielcc hat geschrieben: Ein zweiter Hinweis: Du spekulierst, dass die Brosnan Bonds im Kino kein Gewinn gemacht haben? Dem gegenüber stehen aber auch immer Aussage, dass die die Filme dank Merchandisiung und Product Placement ihr Geld schon eingespielt haben, bevor sie ins Kino kommen. Zudem hat zumindest GE das 5fache (?) seines Budgets eingespielt. Das haben die ersten beiden Craig Bonds nicht geschafft oder? Kritisch wurde es erst, als die Budgets mit TWINE und DAD explodierten aber nicht in einem Plus an Zuschauern resultierten
Darf man den im Netz kursierenden Gewinnrechnungen der Filme glauben, dann war lediglich GE in seiner Kinoauswertung rentabel. Man kann sicherlich sagen, dass in der Brosnan-Ära wesentlich mehr Umsatz an der Kinokasse eingekauft wurde als in den 16 Filmen zuvor – höhere Produktions- und Marketingbudgets verfehlten entsprechend ihre Wirkung nicht. Auch dies war eine Anpassung an den Trend in Hollywood und hat sich bis heute nicht geändert. Eine Entwicklung, gegen die sich Albert R. Broccoli zeitlebens immer gesträubt hatte, so schrieb er in seiner Autobiographie „When the Snow melts“ diesbezüglich folgendes:
„All things change, but not always for the better. The motion-picture business has never been more hazardous as the costs for a major movie shoot up into the stratosphere. The budget on Schwarzenegger´s Terminator II was close to $110 million. That means, in simple terms, that it needed to earn $300-350 million just to break even. Good luck to Mr Schwarzenegger, who walked away with $20 million or so.

Personally, I have no apprehension about it. I believe James Bond, who was never going to stomp into Terminator territory, will always have an audience out there.”

Ob der sehr gewinnorientiert denkende Broccoli ähnlich wie seine Nachfolger an der Kinokasse nicht rentable Filme bewusst in Kauf genommen hätte (man bedenke seine umgehende Reaktion auf die Kassenabstürze von TMWTGG und AVTAK) kann bezweifelt werden. Möglicherweise liegt der Unterschied zwischen den unterschiedlichen Auffassungen im Hinblick auf rentable Filme darin begründet, dass Cubby Broccoli aus bescheidenen Verhältnissen stammte und zeit seines Lebens immer die Befürchtung hatte sein erworbenes (beträchtliches) Vermögen wieder zu verlieren.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Ein paar Worte zu Product Placement und Merchandising

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@danielcc
Meine Aussage „bestimmte Bond-Beiträge haben ab den Neunziger ihren Deckungsbeitrag an der Kinokasse nicht allein erwirtschaftet“ bedeutet ja genau nicht, dass allen Brosnan-Bondfilmbeiträgen dies widerfahren ist.

***

Was bedeuten die Begriffe Merchandising“ und „Product Placement“ im Zusammenhang mit der Bond-Filmreihe und wer dürfte eigentlich davon profitieren?


Hier sind vordergründig erst einmal zwei verschiedene Vertragsparteien zu betrachten:

Auf der einen Seite steht ein Filmstudio XYZ, welches den Bond-Film finanziert. Zu Beginn 1962 kam als erstes United Artists dafür auf.
Der Gegenpart zum Studio ist ein unabhängiges Produzententeam, dessen Aufgabe kreativer Art ist. Es hat ein Konzept zu entwickeln; daraus einen Finanzierungsplan abzuleiten und vom Filmstudio absegnen zulassen und schließlich das Filmprojekt bis zum Endschnitt in die Tat mit einer spezifizierten Terminvorgabe umzusetzen. Dies liegt bei der offiziellen Bondfilm-Reihe im Verantwortungsbereich von Eon Productions Limited, deren Aufgabe es ist, die vom Filmstudio „bestellten“ Filme zu produzieren.
Der Mutterkonzern ist Danjaq, LLC, der für das Copyright und die Markenrechte der James-Bond-Charaktere, -Produkte und anderer Materialien zuständig ist, befindet sich im Familienbesitz der Erben von Albert R. Broccoli. Mit dem Verkauf der Anteile von Harry Saltzman an United Artists 1975 begann eine Teilung des Urheberrechts zwischen Danjaq und United Artists, wobei nun die Frage aufkommt, was dies heute im Kern genau bedeuten mag:
Hieß es früher, dass die Netto-Gewinnanteile nach Abzug aller entstandenen Kosten, die aus dem weltweiten Einspielergebnis der Filme an der Kinokasse entstanden, im Verhältnis von 60 Prozent an die Produzenten Saltzman und Broccoli gingen, während der Verleiher die übrigen 40 Prozent einbehielt, erfolgte nach dem Weggang von Saltzman eine Umverteilung von 50 zu 50. Geklärt ist damit aber nicht (!) ob der entsprechende Filmverleiher auch an der Vergabe von Merchandise-Artikeln zu den Bondfilmen, bzw. der Nutzung von Rechten einem aktuellen Bondfilmprojekt auf Zeit finanziell mitpartizipiert.

Beispiel: ein deutscher Rasierklingenhersteller zahlte bei der Veröffentlichung von „GoldenEye“ einen entsprechenden Obulus, um sein Produkt mit einem entsprechenden Aufsteller mit Pierce Brosnan als Bond-Darsteller zu werben. Hier erfuhr man aber nicht unbedingt, dass MGM/UA an diesem Geschäft Geld gesehen hat, sondern die bekannten Quellen weisen diese Vorgänge immer so aus, als wenn Danjaq bei der Vergabe von Rechten hier alleine Geld macht.

Beim „Product Placement“ ist eigentlich die Rede von ratifizierten Verträgen, bei der eine Firma ihr Produkt entsprechend im Film vorstellen darf und dieses zu Start des anlaufenden Bondfilms werbetechnisch begleiten muss, in dem es in der Crossoverfunktion „Produkt im Bond-Film“ für die Schaltkosten aufkommt, wodurch dem Verleih ein Teil an Werbeausgaben erlassen - aber nicht erstattet – werden. Der Vorteil ist eine größere Aufmerksamkeitsstreuung in verschiedenen Medien, jedoch gibt es keine Quellenangaben in Marketingbüchern, die bestätigen, dass Firmen Geldbeträge dafür entrichten zu haben, dass sie ihre Produkte in Filmen positionieren können. Dies ist eine offizielle Grauzone, in der der Gesetzgeber bisher keine eindeutigen Spielregeln definiert hat, da der Geruch von Bestechlichkeit hier sofort die Runde machen würde. Daher hat man nach heutigem Stand, der Aussage zu (ver)trauen, dass bei der Vergabe bei Product Placements angeblich keine Gelder in die Taschen von Verleihfirmen oder unabhängigen Produzenten fliesen dürfen.
Dementsprechend sind die Aussagen zu diesem Thema, auf welche Dr. Siegfried Tesche in seinen Büchern gerne mal verweist, wenig stichhaltig, da keine wirklich konkreten Zahlen zu wirklichen Einzelvorgängen vorliegen, sondern scheinbar wird hier etwas mit Mutmaßungen agiert. So wird beispielsweise auch Nadja Tata in ihrer Abhandlung „Product Placement in James-Bond-Filmen“ bei diesem Themenaspekt sehr vorsichtig und lässt dieses Thema bewusst außen vor.


Daher ist es sehr schwierig dem Finanzier der Bond-Filme Geldbeträge zuzuordnen, von denen es medienwirksam so schön heißt, dass sie schon im Vorfeld der Produktion auf der Kostenseite des Films gegenverrechnet werden können, bzw. dürfen. Bei den damaligen „Star Wars“-Episoden-Filme Ende der Neunziger war beispielsweise die Rede von einem Millionendeal mit McDonalds, der aber auch wieder nur George Lucas zugeordnet wurde und nicht dem Verleiher 20th Century Fox. Gäbe es beispielsweise eine Form von Ausschreibung, wer würde denn seriös garantieren können, wer dann zum Zuge kommen darf. Man stelle sich nur mal vor, Städte würden Geld direkt an ein Studio überweisen, damit genau Film XY bei ihnen gedreht würde. Hier gibt es dann eher versteckte Positionen wie die Filmförderung, die in solchen Angelegenheiten etwas diversifizierter an solche Angelegenheiten gehen darf.


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Re: Die Ära Brosnan

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AnatolGogol hat geschrieben: Diesen Punkt finde ich besonders interessant, vor allem angesichts der in der Post-CR-Zeit weitgehend revidierten Einschätzung von Brosnans Wirken. Brosnan wurde praktisch während seiner gesamten Zeit als Bond von Öffentlichkeit und Massenpublikum kritiklos als Paradedarsteller angesehen, vor allem medial kam nie oder allerhöchstens sehr selten Kritik an ihm auf. Brosnan war Bond, häufig laut Presse sogar „der beste nach Connery“ (eine mediale Einstufung, die er wohl mit allen seinen "Amtskollegen" teilen darf).
Dazu passt, dass kein Bond vor Brosnan einen so konstanten Box Office Schnitte hatte wie Brosnan. Und das obwohl allgemein schon damals klar war, dass die Filme sehr unterschiedliche Qualitäten hatten
AnatolGogol hat geschrieben: Mittlerweile werden seine Filme und auch seine Darstellung aber eher belächelt – vor allem angesichts der neu gewonnenen Ernsthaftigkeit der Craigfilme. Gerade in der SF-Berichterstattung konnte man häufiger recht unschöne Seitenhiebe gegen die „Auswüchse der Brosnan-Ära“ lesen, die durch die Craigschen Filme „glücklicherweise“ beendet wurden. Wie gesagt: die gleiche Presse, die ihn zuvor ein dreiviertel Jahrzehnt hofiert und getätschelt hatte.
Ich würde das alles nicht überbewerten. Auch ich gehöre zu denen, die im Moment die Ernsthaftigkeit der Craig Filme bevorzugt. Dennoch sollte man sich nicht über die Brosnan Filme lustig machen. Zumal er die richtigen Filme zur richtigen Zeit hatte, was wiederum wohl bei Dalton nicht der Fall war. In ein paar Jahren nach der Craig Ära wird man Brosnans Filme auch wieder fairer bewerten.
Ein anderes Thema ist, dass Craig meiner Meinung nach schauspielerisch Lichtjahre überlegen ist. Aber das war bei der Rolle bis dato auch nicht erheblich.
AnatolGogol hat geschrieben: Interessant finde ich auch in Bezug auf Brosnan, dass er der einzige Bonddarsteller war (ich lasse Einmaldarsteller GL hier bewusst aussen vor), dem es offensichtlich nicht vergönnt war persönlich echten Einfluss auf seine Rolleninterpretation zu nehmen.
Einspruch! Zunächst mal spielt jeder die Rolle intuitiv so, wie er es für richtig hält. Moore hat das mit mehr Humor getan, Connery mit mehr Machismo, Dalton mit mehr Seriosität. Moores erster Film war nicht per se lustiger, sondern wurde es durch seine Darstellung. Später hat man sich darauf eingestellt.
Bei Connerys ersten beiden Filmen hat sich sicherlich auch niemand auf Connerys Art eingestellt. Erst mit seinem Schauspiel hat er der Rolle seinen Stempel aufgedrückt. Im Gegenteil, Filme wie TB, YOLT und DAF zeigen ja eindeutig, dass Connery nicht die Filme bekommen hat, die er wollte.

Bei Brosnan dürfte das nicht so viel anders gewesen sein. Zunächst mal hat er seine Art in die Rolle eingebracht und TND bis DAD setzen dann verstärkt auf diese Masche.
Dass Brosnan später vermeht proklamiert hat, er wolle mehr Ernsthaftigkeit und ggf. sogar einen Tarantino Bond, das ist - mit Verlaub - populistisch und gemessen an seinen sonstigen Filmen auch wenig glaubhaft. Fakt ist, Brosnan spielt doch meistens so, wie er es auch als Bond getan hat und seine Paraderollen Steele oder Thomas Crown lassen jetzt nicht erkennen, dass er auch etwas ganz anderer gekonnt hätte, was ihm seine Bondfilme verwehrt haben.
Ein wichtigerer Punkt ist aus meiner Sicht die Tatsache, dass Brosnan wohl der erste Bond war, der als Fan der Kinoreihe aufgewachse ist. Er ist immer irgendwie bemüht wie Moore und/oder Connery zu wirken. Jeinseits seiner späten Tarantino Erkenntnis, glaube ich auch nicht, dass er große Ambitionen hatte mit irgendwelchen Top Regisseuren zu arbeiten - und es war wohl auch nicht die Zeit dazu.

AnatolGogol hat geschrieben:
danielcc hat geschrieben: Gab es schon mal einen Bond, dem ein würdiger Abgang aus der Serie vergönnt war?
- Connerys unausgegorene und optisch missratene Halbrückkehr in DAF?
- Moores "Greisen-Auftritt" in AVTAK?
- Daltons langjährige Wartstellung nach dem am Publimum gescheiterten LTK?
Wohl am ehesten noch Connerys Schwanengesang in NSNA, welcher es ihm erlaubte augenzwinkernd und dennoch seinem Alter entsprechend überzeugend Abschied von der Rolle zu nehmen. Die Tatsache, dass der Ausstand aller anderer Bonddarsteller wenig „würdig“ ablief liegt wohl hauptsächlich in der Tatsache begründet, dass die Macher ihre Darsteller so lange „zu Markte trugen“, bis ihre Zugkraft nicht mehr den Erwartungen von Produzenten und Studio entsprach. Von daher bleibt abzuwarten – wie es photographer ja auch schon sagte – ob es Craig hier wirklich anders ergehen wird.
In dieser Hinsicht ist Brosnan sogar die positive Ausnahme der Regel also praktisch genau das Gegenteil von dem was photographer gesagt hat. Brosnan ist der einzige Bond, der mit seinem erfolgreichsten (Box Office, nicht inflationsbereinigt) Film aufgehört hat. Man vergleiche das mit Connery, Moore oder Dalton...


Das Thema Box Office ist mir aber jetzt so komplex, dass ich es lieber lasse. Klar muss aber sein, man kann keinen Bondfilm mehr für 30 Mio drehen und die gesamte Industrie hat sich so gewandelt, dass Filme nun mal vermehrt auf Heimkino Auswertung setzen müssen. Grade die nahezu übereifrigen 2-Jahres Zyklen der Brosnan Filme zeigen aber wohl, dass alle Beteiligten sehr gut von den Filmen leben konnten...
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Die Ära Brosnan

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danielcc hat geschrieben: Dazu passt, dass kein Bond vor Brosnan einen so konstanten Box Office Schnitte hatte wie Brosnan. Und das obwohl allgemein schon damals klar war, dass die Filme sehr unterschiedliche Qualitäten hatten
Eigentlich nicht wirklich, da wie ich schon geschrieben hatte im Verlauf der Ära Brosnan die weitestgehend konstanten Umsätze auch immer teurer erkauft wurden. Rechnet man Budget und Marketingkosten für DAD zusammen kommt man schon auf fast 250 Millionen, dass ist 2,5 mal so viel wie bei GE. Genau deswegen waren die letzten Brosnanfilme dann eben auch nicht mehr rentabel an der Kinokasse.
danielcc hat geschrieben: Ein anderes Thema ist, dass Craig meiner Meinung nach schauspielerisch Lichtjahre überlegen ist. Aber das war bei der Rolle bis dato auch nicht erheblich.
Das sehe ich nicht so, Craig ist in meinen Augen jetzt auch nicht der absolute Ausnahmeschauspieler. Sicherlich technisch weit versierter als Moore und Brosnan, aber das war Dalton auch schon. Ein guter Schauspieler, der das Glück hat in Filmen spielen zu können, die seine schauspielerischen Fähigkeiten auch zur Geltung bringen. Ein Brando, Pacino oder Olivier ist er jetzt aber auch nicht gerade.
danielcc hat geschrieben: Fakt ist, Brosnan spielt doch meistens so, wie er es auch als Bond getan hat und seine Paraderollen Steele oder Thomas Crown lassen jetzt nicht erkennen, dass er auch etwas ganz anderer gekonnt hätte, was ihm seine Bondfilme verwehrt haben.
Das ist kein Fakt, sondern deine persönliche Wahrnehmung. In meiner Wahrnehmung unterscheidet sich gerade seine Darstellung in Remington Steele recht deutlich von seiner Bonddarstellung – warum habe ich hier ja schon erläutert. Wie hat Brosnan selbst gesagt: „I never felt I had complete ownership over Bond” – dem ist eigentlich wenig hinzuzufügen, da sich das auch mit dem deckt, was man in den Filmen sieht: eine Kompromisslösung, die offensichtlich von marketingtechnischen Überlegungen diktiert wurde.


danielcc hat geschrieben: In dieser Hinsicht ist Brosnan sogar die positive Ausnahme der Regel also praktisch genau das Gegenteil von dem was photographer gesagt hat. Brosnan ist der einzige Bond, der mit seinem erfolgreichsten (Box Office, nicht inflationsbereinigt) Film aufgehört hat. Man vergleiche das mit Connery, Moore oder Dalton...
Wie schon gesagt: der Film war ja nicht erfolgreich, da man für das stattliche Boxoffice auch einen unverhältnissmäßig hohen Preis hinblätterte. Letztlich hängt es auch immer davon ab wie man einen „würdigen“ Abgang definiert: Connerys „offizieller“ Abgang mit DAF war ein veritabler Kassenhit, nicht zuletzt da er genau den Zeitgeist traf – wird allerdings heute von vielen als ein Tiefpunkt der Serie angesehen. Daltons Schwanengesang LTK war eine kommerzielle Enttäuschung, wird dafür heute aber von vielen Fans und Kritikern als starker Beitrag und echte Bereicherung der Serie angesehen.

danielcc hat geschrieben: Grade die nahezu übereifrigen 2-Jahres Zyklen der Brosnan Filme zeigen aber wohl, dass alle Beteiligten sehr gut von den Filmen leben konnten...
Fraglich, ob dies MGM auch so sieht – siehe den letzten Post von photographer. Zumal diese Beweisführung angesichts des unzweifelhaften Erfolges von GE nicht wirklich stichhaltig ist. Geht man mal von der Annahme aus, dass TND keine Gewinne erzielen konnte (auch nicht jenseits der Kinokasse) so wäre es angesichts des Erfolges von GE nur logisch es dennoch nach dem gleichen Muster noch einmal (oder zweimal) zu versuchen. Viel mehr ist doch der konzeptionelle Bruch nach DAD ein Indiz dafür, dass die Filme bzw ihr wirtschaftlicher Erfolg wohl doch nicht ganz den Erwartungen der Macher entsprachen.
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Re: Alles Gute zum 60. Geburtstag Mr. Brosnan

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Also meine Aussage bezog sich explizit nur auf den relativ konstanten Umsatz der Brosnan Filme. Fuer die Ausgaben kann er ja nix bzw trifft es auf die ganze serie zu, dass die filme fast immer teurer wurden.

Zur kreativen Ownership ueber die Rolle: ist es nicht komisch, dass das aus gerechnet der darsteller sagt, der total unangefochten die rolle gespielt hat und kaum gegenwind bekommen ht? Dem gegenueber stehe uebrigens auch hunderte interiews in denen brosnan sagte, dass er sich nun 100% wohl in der rollw fuehle. Die loesung des ganzen ist fuer mich klar: brosnan hat erst im nachhinein erkannt, was man aus der rolle und serie machen koennte (tarantino, craig...)

Das mit dem guten abgang kann man natuerlich unterschiedlich sehen. Wollte nur sagen, dass brosnan immerhin eine weisse weste hat und das franchise zu seiner zeit zumindest box office seitig nicht abgebaut hat
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Re: Alles Gute zum 60. Geburtstag Mr. Brosnan

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danielcc hat geschrieben:Also meine Aussage bezog sich explizit nur auf den relativ konstanten Umsatz der Brosnan Filme. Fuer die Ausgaben kann er ja nix bzw trifft es auf die ganze serie zu, dass die filme fast immer teurer wurden.
Er profitierte aber auch an den gesteigerten Kosten, da die Schlussfolgerung naheliegt, dass die Umsätze nur deswegen so konstant blieben, da auch die Umsatzsteigernden Bemühungen deutlich erhöht wurden (ganz abgesehen von seinem immer stattlicheren Gehalt, welches Cubby vermutlich im Grabe hat rotieren lassen). Das überproportionale Anwachsen von Produktionsbudget und Marketingkosten ist erst eine Entwicklung der Brosnanära. Selbst der für damalige Verhältnisse sündhaft teure MR (der vermutlich noch um einiges teurer war als er in den Geschichtsbüchern geführt wird) war weit mehr eine VErkettung von Fehleinschätzungen, Budgetüberschreitungen und Inflationseffekten als ein von vorneherein bewusst eingegangenes Wagnis (wie es die Filme ab TND waren).
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Re: Alles Gute zum 60. Geburtstag Mr. Brosnan

292
Dann muss man aber fairerweise an den ueblichen Budgets grosser Blockbuster der jeweiligen Zeit messen oder? Da war GE ein Schnaeppchen und TND und TWINE eher oberer Durchschnitt oder? Waehrend TSWLM und MR seinerzeit vermutlich Spitzenreiten waren oder? Aber wenn man mal sieht, wie gewaltig der Umsatzsprung von Dalton zu Brosnan war, ist es Brosnan und seinen filmen immerhin gelungen, Bond wieder relevant zu machen
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Re: Alles Gute zum 60. Geburtstag Mr. Brosnan

293
danielcc hat geschrieben:Dann muss man aber fairerweise an den ueblichen Budgets grosser Blockbuster der jeweiligen Zeit messen oder? Da war GE ein Schnaeppchen und TND und TWINE eher oberer Durchschnitt oder? Waehrend TSWLM und MR seinerzeit vermutlich Spitzenreiten waren oder?
Die Budegts ab TND waren schon ebenfalls Topbudgets, natürlich gab es AUsreisser nach oben wie Titanic, aber das waren die Ausnahme. In der zweiten Hälfte der 90er bewegten sich die Topbudgets zwischen 100 und 150 Millionen. TSWLM hatte kein Topbudget, MR schon -zumindest wenn man den Insiderinfos von Steven Bach glauben darf. Aber MR war halt wie gesagt letztlich auch um einiges teurer als man es ursprünglich angedacht hatte. Der entscheidende Unterschied bei TSWLM oder MR ist aber, dass beide Filme dennoch sehr profitabel waren. Das ist etwas, was man beim Betrachten der Umsatzzahlen nicht vergessen sollte - Umsatz ist nicht die allseligmachende Größe. Vor allem deshalb nicht, weil man sich Umsatz auch erkaufen kann. Das funktioniert zwar nicht immer (siehe zB John Carter), aber häufig genug so dass die riesigen Marktingbudgets sich in Hollywood immer noch rechtfertigen lassen (siehe dazu auch die Soderbergh-Äusserung im Kino allgemein-Thread).
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Re: Alles Gute zum 60. Geburtstag Mr. Brosnan

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Das Brosnan Bond "gerettet" hat steht doch wohl außer Frage.

Bei dem Budget von TSWLM gibt es ja nach wie vor 2 sehr stark abweichende Angaben. 14 Mio und 28 Mio

Aber ich denke schon daß zumindest MR ein verdammt teurer Film war, jedoch:

Apocalypse Now hat aber glaube ich noch etwas mehr gekostet, etwa 31 Mio. Und Superman soll 55 Mio gekostet haben, gefolgt von Teil 2 mit 54 Mio. Heaven's Gate etwas später 47 Mio.
Alles Filme deren Kosten außer Kontrolle gerieten.

Spielbergs 1941 steht bei IMDB mit 35 mio.

Re: Alles Gute zum 60. Geburtstag Mr. Brosnan

295
Laut dem damals für die Produktion zuständigen Vizepräsidenten von UA Steven Bach war Moonraker der teuerste Film, den UA jemals produzierte und damit teurer als Heaven´s Gate, welchen er mit 44 Millionen Dollar taxierte. Das ist dann schon nocheinmal eine deutlich andere Hausnummer als die häufig genannten 34 Millionen. Das Budget bei MR geriet zwar nicht in dem Maße außer Kontrolle wie bei Heavens Gate oder Apocalypse Now (die Produktion von MR startete ohne formell von UA festgelegtes Budget, nach Beginn der Dreharbeiten ging UA von 20 Millionen als endgültige Produktionskosten aus) , wurde bei UA aber dennoch kritisch beobachtet - allerdings immer mit der beruhigenden Aussicht eines ziemlich sicheren Boxoffice-Hits. Bei TSWLM gibt der damalige Second Unit-Regisseur John Glen in seiner Autobiographie "For my Eyes only" das Budget mit 13.5 Millionen Dollar an.
Zuletzt geändert von AnatolGogol am 19. Mai 2013 15:13, insgesamt 2-mal geändert.
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Budgets und Einspielergebnisse in 1979

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Budgets und Einspielergebnisse verschiedener Filme im Jahr 1979

„Alien“
Budget: 11 Mio U$ Dollar / Einspielergebnis USA & Kanada: 80,9 Mio U$ Dollar / Weltweites Einspielergebnis: 104.9 Mio U$ Dollar

„Apocalypse now“
Budget: 31,5 Mio U$ Dollar / Einspielergebnis USA & Kanada: 83 Mio U$ Dollar / Weltweites Einspielergebnis: -

„The black hole“
Budget: 20 Mio U$ Dollar / Einspielergebnis USA & Kanada: 35.8 Mio U$ Dollar / Weltweites Einspielergebnis: -

„Kramer vs. Kramer“
Budget: 8 Mio U$ Dollar / Einspielergebnis USA & Kanada: 106,2 Mio U$ Dollar / Weltweites Einspielergebnis: -

„Moonraker“
Budget: 32 - 35 Mio U$ Dollar / Einspielergebnis USA & Kanada: ursprünglich: 62.7 Mio U$ in alten Listen später: 70.3 Mio U$ Dollar / Weltweites Einspielergebnis: ursprünglich: 202 Mio U$ Dollar später 210.3 Mio U$ Dollar

“Star Trek – The motion picture”
Budget: 46 Mio U$ Dollar / Einspielergebnis USA & Kanada: 82.2 Mio U$ Dollar / Weltweites Einspielergebnis: 139 Mio U$ Dollar

„Rocky II“
Budget: 7 Mio U$ Dollar / Einspielergebnis USA & Kanada: 85.1 Mio U$ Dollar / Weltweites Einspielergebnis: 200.1 Mio U$ Dollar

„1941“
Budget: 32 Mio U$ Dollar / Einspielergebnis USA & Kanada: 31.7 Mio U$ Dollar / Weltweites Einspielergebnis: 94,8 Mio U$ Dollar



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Re: Alles Gute zum 60. Geburtstag Mr. Brosnan

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AnatolGogol hat geschrieben:Laut dem damals für die Produktion zuständigen Vizepräsidenten von UA Steven Bach war Moonraker der teuerste Film, den UA jemals produzierte und damit teurer als Heaven´s Gate, welchen er mit 44 Millionen Dollar taxierte. Das ist dann schon noch einmal eine deutlich andere Hausnummer als die häufig genannten 34 Millionen.
Da das aber sonst niemand sagt ist es vielleicht einfach nur eine Aussage wo etwas durcheinander geraten ist.

Die von Photographer vorgelegten Zahle belegen jedenfalls das Bond immer in der obersten Liga spielt, aber es doch immer noch jeweils deutlich aufwändigeres gab. Aber man darf auch nicht vergessen daß ein Film der direkt in/von Hollywood produziert wird generell mehr kostet als wenn derselbe Film in Europa hergestellt wird. Wahrscheinlich sogar deutlich mehr.

Noch eine Vergleichszahl:
Flammendes Inferno hat 1974 14 Mio gekostet.


Und der inflationsbereinigt teuerste könnte mit 44 Mio nach wie vor Cleopatra von 1963 sein. Damals eine unvorstellbare Summe.

Dollarwert zur DM in den Seibzigern und Achtzigern

298
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Dollarkurs 1971 - 1985


1971
US-Dollar -> DM 3.47945 (im Durchschnitt)

1972
US-Dollar -> DM 3.18963 (im Durchschnitt)

1973
US-Dollar -> DM 2.67228 (im Durchschnitt)

1974
US-Dollar -> DM 2.58657 (im Durchschnitt)

1975
US-Dollar -> DM 2.46206 (im Durchschnitt)

1976
US-Dollar -> DM 2.51920 (im Durchschnitt)

1977
US-Dollar -> DM 2.32299 (im Durchschnitt)

1978
US-Dollar -> DM 2.00982 (im Durchschnitt)

1979
US-Dollar -> DM 1.83353 (im Durchschnitt)

1980
US-Dollar -> DM 1.81825 (im Durchschnitt)

1981
US-Dollar -> DM 2.26039 (im Durchschnitt)

1982
US-Dollar -> DM 2.42703 (im Durchschnitt)

1983
US-Dollar -> DM 2.55492 (im Durchschnitt)

1984
US-Dollar -> DM 2.84631 (im Durchschnitt)

1985
US-Dollar -> DM 2.94125 (im Durchschnitt)

Hinsichtlich der Budgetzahlen zu "The spy who loved me" (1977) und "Moonraker" (1979) hat man auch die Verschiebung der Kaufkraft des U$-Dollars an den internationalen Finanzmärkten in jenen Tagen mit zu berücksichtigen. Hier sind locker über 20 Prozent Varianz zwischen den beiden Produktionsjahren zu erkennen.


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Re: Alles Gute zum 60. Geburtstag Mr. Brosnan

299
Maibaum hat geschrieben:
Da das aber sonst niemand sagt ist es vielleicht einfach nur eine Aussage wo etwas durcheinander geraten ist.
Steven Bach ist ja nicht irgendjemand, als Produktionsverantwortlicher von UA hatte er Kenntnis bzw. die Verantwortung über alle angefallenen Kosten der von UA produzierten Filme. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass er eine solche Aussage durcheinander gebracht hat - zumal er in seinem fast 450 Seiten starken Insiderbuch immer wieder auf die Probleme beim Dreh und das dadurch immer weiter ansteigende MR-Budget zurückkommt. Wahrscheinlicher ist eigentlich eher, dass die offiziell immer wieder kolportierten Zahlen tendenziell zu niedrig sind, da niemand -und schon gar nicht die verantwortlichen Produzenten - gerne astronomisch aus dem Ruder gelaufene Zahlen veröffentlichen. Bach plauderte auch erst aus dem Nähkästchen, nachdem seine Karriere im Filmbusiness beendet war und er keine Nachteile durch seine Offenheit mehr befürchten musste.
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Re: Alles Gute zum 60. Geburtstag Mr. Brosnan

300
Maibaum hat geschrieben: Die von Photographer vorgelegten Zahle belegen jedenfalls das Bond immer in der obersten Liga spielt, aber es doch immer noch jeweils deutlich aufwändigeres gab. Aber man darf auch nicht vergessen daß ein Film der direkt in/von Hollywood produziert wird generell mehr kostet als wenn derselbe Film in Europa hergestellt wird. Wahrscheinlich sogar deutlich mehr.
In den 80ern hinkten die finanziellen Möglichkeiten der Bondfilme immer weiter den US-Topproduktionen hinterher, John Glen schrieb darüber folgendes:
"MGM/UA was giving us a bit of a hard time about budget control since Licence Revoked was budgeted at approximately the same level as every Bondfilm since Moonraker. This hadn´t posed too much of a problem with For Your Eyes Only, but by the end of the 1980s it was becoming a bit of a struggle to make ends meet without compromising the quality expected of a Bond film. We remained economically minded and extremly efficient, but we were making first division action films on a fraction of the budget available to our principal competitors in the US."
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