Ich stimme mit allem was du schreibst überein, sehr schön auf den Punkt gebracht.photographer hat geschrieben:.
Bond Number Five - Pierce Brandon Brosnan
Diesen Punkt finde ich besonders interessant, vor allem angesichts der in der Post-CR-Zeit weitgehend revidierten Einschätzung von Brosnans Wirken. Brosnan wurde praktisch während seiner gesamten Zeit als Bond von Öffentlichkeit und Massenpublikum kritiklos als Paradedarsteller angesehen, vor allem medial kam nie oder allerhöchstens sehr selten Kritik an ihm auf. Brosnan war Bond, häufig laut Presse sogar „der beste nach Connery“ (eine mediale Einstufung, die er wohl mit allen seinen "Amtskollegen" teilen darf). Mittlerweile werden seine Filme und auch seine Darstellung aber eher belächelt – vor allem angesichts der neu gewonnenen Ernsthaftigkeit der Craigfilme. Gerade in der SF-Berichterstattung konnte man häufiger recht unschöne Seitenhiebe gegen die „Auswüchse der Brosnan-Ära“ lesen, die durch die Craigschen Filme „glücklicherweise“ beendet wurden. Wie gesagt: die gleiche Presse, die ihn zuvor ein dreiviertel Jahrzehnt hofiert und getätschelt hatte.photographer hat geschrieben:Jedoch wurden mit Pierce Brosnan, als Anhängeschild und Gesicht, seine 007-Filme von der Masse trotz schwacher Kompromisse relativ unkritisch konsumiert, da der Ire als Darsteller sowohl von Männer und Frauen gerne gesehen und in der Öffentlichkeit als Sympathieträger wahrgenommen wurde. Auch wenn seine Performance limitierter ist als die seines Nachfolgers, gehört Brosnan zur Garde an Starschaupielern, die weniger Schauspieler und mehr everybody’s darling sind, wie dies auch bei Roger Moore der Fall war – und es bleibt schwer zu beurteilen, wie ein Gesamturteil seiner filmischen Bond-Ära aussähe, wenn er 1987 schon zum Einsatz gekommen wäre. Jedenfalls war Pierce Brosnan für seine Zeit James Bond und im Gegensatz zu seinem Nachfolger, gab es kaum Stimmen von Fans und Zuschauerfraktionen, die ihn nicht als ultimative Personifizierung des Fleming’schen Geheimagenten in seiner aktiven Zeit angesehen haben.
Interessant finde ich auch in Bezug auf Brosnan, dass er der einzige Bonddarsteller war (ich lasse Einmaldarsteller GL hier bewusst aussen vor), dem es offensichtlich nicht vergönnt war persönlich echten Einfluss auf seine Rolleninterpretation zu nehmen. Nun mag man spekulieren ob dies an der diktatorischen Entscheidungsfindung durch die sich profilieren müssenden Produzenten lag, am mangelnden Stellenwert den der Darsteller Brosnan verglichen mit seinen Vorgängern und seinem Nachfolger in den Augen der Produzenten hatte oder vielleicht doch an der Durchsetzungsschwäche des Menschen Pierce Brosnan. Unterm Strich bleibt aber festzuhalten, dass er keinen wirklichen Einfluss auf die Figur James Bond hatte (was er selbst ja auch in der von Bond-Skater zitierten Aussage bestätigt hat) und dadurch seine Darstellung des Flemingschen Agenten die kompromissbehaftetste und die am wenigsten dem Darsteller entsprechende in der Geschichte des Franchises war.
Wohl am ehesten noch Connerys Schwanengesang in NSNA, welcher es ihm erlaubte augenzwinkernd und dennoch seinem Alter entsprechend überzeugend Abschied von der Rolle zu nehmen. Die Tatsache, dass der Ausstand aller anderer Bonddarsteller wenig „würdig“ ablief liegt wohl hauptsächlich in der Tatsache begründet, dass die Macher ihre Darsteller so lange „zu Markte trugen“, bis ihre Zugkraft nicht mehr den Erwartungen von Produzenten und Studio entsprach. Von daher bleibt abzuwarten – wie es photographer ja auch schon sagte – ob es Craig hier wirklich anders ergehen wird.danielcc hat geschrieben: Gab es schon mal einen Bond, dem ein würdiger Abgang aus der Serie vergönnt war?
- Connerys unausgegorene und optisch missratene Halbrückkehr in DAF?
- Moores "Greisen-Auftritt" in AVTAK?
- Daltons langjährige Wartstellung nach dem am Publimum gescheiterten LTK?
Darf man den im Netz kursierenden Gewinnrechnungen der Filme glauben, dann war lediglich GE in seiner Kinoauswertung rentabel. Man kann sicherlich sagen, dass in der Brosnan-Ära wesentlich mehr Umsatz an der Kinokasse eingekauft wurde als in den 16 Filmen zuvor – höhere Produktions- und Marketingbudgets verfehlten entsprechend ihre Wirkung nicht. Auch dies war eine Anpassung an den Trend in Hollywood und hat sich bis heute nicht geändert. Eine Entwicklung, gegen die sich Albert R. Broccoli zeitlebens immer gesträubt hatte, so schrieb er in seiner Autobiographie „When the Snow melts“ diesbezüglich folgendes:danielcc hat geschrieben: Ein zweiter Hinweis: Du spekulierst, dass die Brosnan Bonds im Kino kein Gewinn gemacht haben? Dem gegenüber stehen aber auch immer Aussage, dass die die Filme dank Merchandisiung und Product Placement ihr Geld schon eingespielt haben, bevor sie ins Kino kommen. Zudem hat zumindest GE das 5fache (?) seines Budgets eingespielt. Das haben die ersten beiden Craig Bonds nicht geschafft oder? Kritisch wurde es erst, als die Budgets mit TWINE und DAD explodierten aber nicht in einem Plus an Zuschauern resultierten
„All things change, but not always for the better. The motion-picture business has never been more hazardous as the costs for a major movie shoot up into the stratosphere. The budget on Schwarzenegger´s Terminator II was close to $110 million. That means, in simple terms, that it needed to earn $300-350 million just to break even. Good luck to Mr Schwarzenegger, who walked away with $20 million or so.
…
Personally, I have no apprehension about it. I believe James Bond, who was never going to stomp into Terminator territory, will always have an audience out there.”
Ob der sehr gewinnorientiert denkende Broccoli ähnlich wie seine Nachfolger an der Kinokasse nicht rentable Filme bewusst in Kauf genommen hätte (man bedenke seine umgehende Reaktion auf die Kassenabstürze von TMWTGG und AVTAK) kann bezweifelt werden. Möglicherweise liegt der Unterschied zwischen den unterschiedlichen Auffassungen im Hinblick auf rentable Filme darin begründet, dass Cubby Broccoli aus bescheidenen Verhältnissen stammte und zeit seines Lebens immer die Befürchtung hatte sein erworbenes (beträchtliches) Vermögen wieder zu verlieren.