Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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danielcc hat geschrieben:Es gibt wohl nur wenige noch schwerwiegendere Fehlentscheidung als die von Lazenby oder? Ich denke, viele hätten sich an ihn gewöhnt und er wäre ja schauspielerisch eher besser geworden. Er hätte sich nicht so schnell beleidigt zurückziehen sollen
Tja, das war dumm. So hat es ja damals auch seine Filmpartnerin Diana Rigg formuliert.
Thunderball1965 hat geschrieben:Gut, ich dachte schon ich hätte mich geirrt... Also nichts finanzielles

Nun, das sehe ich doch ziemlich anders. Zunächst zu den Zahlen: während sich das Überseeeinspiel von OHMSS erstaunlicherweise auf einem ziemlich konstanten Niveau von GF bis einschliesslich DAF bewegte brachen die Umsätze von OHMSS in den Staaten um satte 47% gegenüber YOLT und katastrophale 64% gegenüber TB ein. Diese Zahlen dürften innerhalb die US-amerikanischen Firma United Artists für ein ziemliches Erdbeben gesorgt haben. Wollte man die Cashkuh Bond-Franchise im wichtigen US-Markt noch länger melken musste gehandelt werden, da bei einem weiteren Fehlschlag a la OHMSS das Ende der Bondfilme – zumindest für den US-Markt – absehbar war. Daher lag die Entscheidung Connery als die große Identifikationsfigur fürs Publikum unter großem finanziellen Aufwand zurückzuholen nahe. Und Pickers Intervention zahlte sich aus, da DAF auf dem US-Markt wieder genau so erfolgreich war wie YOLT.

Bezüglich Lazenby halte ich es für unwahrscheinlich, dass sich das Publikum bei weiteren Filmen für ihn erwärmt hätte. Genauso könnte man auch spekulieren (was in Fankreisen ja auch häufig gemacht wird), dass ein GE mit Timothy Dalton seinem Hauptdarsteller die breite Akzeptanz gebracht hätte. Popularität bei einem breiten Publikum ist aber kein Faktor, der sich nach einer Weile automatisch einstellt. Da sich zudem Lazenbys darstellerische Fähigkeiten im Laufe der Jahrzehnte - in denen er ja durchaus als Schauspieler beschäftigt war (wenn auch zumeist in Filmen der Kategorie C und abwärts) – nicht signifikant gebessert haben muss dies auch in einem möglichen „Lazenby steigt nach OHMSS nicht aus“-Szenario bezweifelt werden. Der elementarste Punkt ist aber der, dass Lazenby es vermutlich gar nicht selbst in der Hand hatte zu entscheiden ob er nun weitermacht oder nicht. Selbst wenn er den 7-Filme-Vertrag unterschrieben hätte wäre die Intervention von United Artists/Picker nach dem enttäuschenden Abscheiden von OHMSS am US-Markt wohl genau wie in echt ausgefallen – schliesslich hinderte Picker auch ein bereits unterschriebener Vertrag mit Gavin nicht daran mit Connery abzuschliessen. In unserem „was-wäre-wenn“-Szenario kann man also fast sicher davon ausgehen, dass egal wie sich Lazenby entschieden hätte er vermutlich so oder so kein zweites mal als James Bond auf die Leinwand zurückgekehrt wäre. Durch seinen selbstverkündeten Rückzug bleibt ihm nun zumindest die Legendenbildung, dass er eine große Zukunft als James Bond selbst verhindert hat. Ganz ähnlich liegt der Fall wohl auch bei Timothy Daltons Rückzug 1994, der vermutlich in nicht unerheblichem Maße durch die Unwilligkeit des Studios einen weiteren Film mit ihm zu finanzieren motiviert war (ursächlich auch hier wieder im wesentlichen durch das deutlich schwächere Abschneiden der Dalton-Filme am US-Markt gegenüber den vergleichsweise soliden Ergebnissen an den Übersee-Kinokassen).

Daher: es war durchaus etwas finanzielles.
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Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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Frage ist ob UA da überhaupt soviel mitreden durfte.

Ich könnte mir schon vorstellen daß wenn Lazenby weitergemacht hätte sie es doch noch mal mit ihm versucht hätten, zumindest wenn sie keinen nach ihren Vorstelllungen optimalen Schauspieler als Ersatz gefunden hätten. Mit Lazenby in der Hinterhand hätten sie vielleicht auch weniger Lust gehabt Connery seine Rekordgage zu genehmigen.

Eigentlich konnte damals niemand davon ausgehen daß so eine eigentlich doch zeitgebundene Reihe ewig weiterläuft. Sie hätten auch versuchen können mit einem normal bezahlten Lazenby die Kuh noch so lange zu melken wie sie profitabel genug für einen zumindest kleinen Gewinn ist.
Wenn es damals tatsächlich Pläne für eine Verlagerung hin ins Fernsehen gab, dann deutet das auch dahin daß sie eigentlich dachten daß es bald vorbei sein könnte. Allein die konstante Weiterführung der Reihe bis LTK war letztendlich schon etwas Besonderes im Filmgeschäft.

Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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Maibaum hat geschrieben:Frage ist ob UA da überhaupt soviel mitreden durfte.
Aber die Frage ist doch zweifelsfrei beantwortet durch die Intervention Pickers. United Artist hat die Filme finanziert und sass somit am längeren Hebel. Die Argumente von Broccoli und Saltzman pro Gavin (bzw. pro Lazenby in einem "was wäre wenn"-Szenario) waren entscheidend geschwächt durch das US-Einspiel von OHMSS. Und vor allem darf man nicht übersehen: In den 60ern war Connery=Bond. Wie ich es neulich schon mal geschrieben habe war diese Verbindung für das breite Publikum genau so untrennbar wie zB Stallone-Rambo oder Ford-Indiana Jones. Daher war eine Rückholaktion von Connery eigentlich der einzig sinnvoll erscheinende Weg um das US-Einspiel wieder anzukrubeln. Dass Saltzman und Broccoli das anders beurteilten und auf einer Alternativbesetzung beharrten (sei es nun Gavin oder Lazenby zum zweiten) lag natürlich hauptsächlich daran, dass sie interessiert daran waren ihre Serie möglichst unabhängig von einem Schauspieler zu halten und vor allem, dass die Beziehung zu Connery und die Trennung nach YOLT alles andere als pflegeleicht war. Für United Artist war das Scheitern von Lazenby aber der Beleg dafür, dass Bond mit einem anderen Darsteller nicht funktionierte. Unter Einbeziehung aller bekannten Fakten muss daher ernsthaft bezweifelt werden, dass der Abwärtstrend der Serie mit DAF gestoppt hätte werden können wenn die Ideen der beiden Produzenten umgesetzt worden wären.
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Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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Als UA Leone für Spiel mir das Lied vom Tod ihm nicht genehme Stars aufdrücken wollte hat er sich die Kohle einfach von Paramount geholt.

Sicher hatte UA Einfluss, aber ich bezweifle das Broccoli und Saltzman nicht trotzdem das letzte Wort hatten.

Ich kann mir durchaus vorstellen das sie Lazenby auch mit Vertrag gefeuert hätten, wenn sie z.b. eine viel bessere Alternative gefunden hätten, bzw. nur in Connery das einzige Allheilmittel gesehen hätten, oder wenn sie zu dem Schluß gekommen wären daß der geringere Erfolg von OHMSS nur an Lazenby liegen konnte.
Aber genauso kann ich mir auch vorstellen daß sie es mit einem willigen Lazenby noch einmal versucht hätten.

Ich bin mir da gar nicht so sicher ob DAF mit Lazenby nicht doch mehr Erfolg gehabt hätte als der doch etwas andere OHMSS, der ja auch kein Happy End hatte. Und das ist etwas was das Publikum ja angeblich generell nicht so mag.

Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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Maibaum hat geschrieben:Als UA Leone für Spiel mir das Lied vom Tod ihm nicht genehme Stars aufdrücken wollte hat er sich die Kohle einfach von Paramount geholt.

Sicher hatte UA Einfluss, aber ich bezweifle das Broccoli und Saltzman nicht trotzdem das letzte Wort hatten.

Ich kann mir durchaus vorstellen das sie Lazenby auch mit Vertrag gefeuert hätten, wenn sie z.b. eine viel bessere Alternative gefunden hätten, bzw. nur in Connery das einzige Allheilmittel gesehen hätten, oder wenn sie zu dem Schluß gekommen wären daß der geringere Erfolg von OHMSS nur an Lazenby liegen konnte.
Aber genauso kann ich mir auch vorstellen daß sie es mit einem willigen Lazenby noch einmal versucht hätten.

Ich bin mir da gar nicht so sicher ob DAF mit Lazenby nicht doch mehr Erfolg gehabt hätte als der doch etwas andere OHMSS, der ja auch kein Happy End hatte. Und das ist etwas was das Publikum ja angeblich generell nicht so mag.

Saltzman und Broccoli waren vertraglich an UA gebunden, mal eben das Studio wechseln und den neuen Bondfilm da drehen war also keine Option.

Bezüglich dem Verhältnis Produzenten-Lazenby und der Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit sei an dieser Stelle die Autobiographie von Cubby Broccoli „When the Snow melts“ zitiert:
„George ruled himself out of the reckoning by behaving like the superstar he wasn´t”.

Bezüglich der Entscheidungsfindung Pro Connery bei DAF schreibt er:
„Harry and I had misgivings about taking him (Connery) back. But we couldn´t ignore UA´s Instistance”
Womit er sehr diplomatisch zum Ausdruck bringt, dass sie ohnehin durch die mit Ihnen nicht abgestimmte Verpflichtung von Connery durch Picker (die er einige Sätze zuvor schildert) vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Wer in der Beziehung Studio-Produzenten das letzte Wort hatte wurde hier (wie wohl auch im Wechsel Dalton/Brosnan) sehr deutlich. :wink:

Man darf dabei auch nicht übersehen, dass United Artists den Produzenten bei OHMSS (Wahl Regisseur und Hauptdarsteller) freie Hand gelassen hatten und die Resultate nicht ihren Vorstellungen entsprachen. Daher dann auch das eigenmächtige Handeln von Picker in Bezug auf die Besetzung der Hauptrolle für DAF. Und wenn man es mal objektiv betrachtet ist es auch nachvollziehbar: die Produzenten ersetzten den damals größten Filmstar durch einen unerfahrenen Autoverkäufer, erlitten damit Schiffbruch und ersetzten ihn durch einen abgehalfterten zweitklassigen US-Schauspieler. Die Personalentscheidungen der Produzenten waren zu jener Zeit zumindest fragwürdig.
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Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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Maibaum hat geschrieben: Und warum man, wenn man YOLT dann so gemacht hat wie er ist und OHMSS nach wie vor geplant war, nicht einfach die direkte Begegnung Bonds mit Blofeld aus YOLT herausgelassen hat.
Interessanterweise schreibt Roger Moore in seiner Bio, dass nach YOLT eigentlich ein Film in Kambodscha geplant war (vielleicht in Richtung TMWTGG). Die Idee wurde dann dann aber wegen des Krieges verworfen. Deshalb war möglicherweise ein weiterer Plot mit Blofeld gar nicht in den Köpfen der Produzenten.
"Everybody needs a hobby.” -- “What’s yours?” -- “Resurrection."

Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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SirHillary hat geschrieben: Interessanterweise schreibt Roger Moore in seiner Bio, dass nach YOLT eigentlich ein Film in Kambodscha geplant war (vielleicht in Richtung TMWTGG). Die Idee wurde dann dann aber wegen des Krieges verworfen. Deshalb war möglicherweise ein weiterer Plot mit Blofeld gar nicht in den Köpfen der Produzenten.
Es war TMWTGG, der kurzzeitig als nächste Verfilmung 1968 mit Roger Moore in der Hauptrolle und Kambodscha als Hauptlocation angedacht war. Krieg und Moores vertragliche Verpflichtungen machten einen Strich durch die Rechnung. Mit dem Blofeld-Plot hatten diese Überlegungen aber nix zu tun. Die Verdrehung der Romanvorlagen zu den Blofeld-Stories lag einfach an der lange erfolglosen Locationsuche für OHMSS. OHMSS sollte ursprünglich ja bereits 1965 gedreht werden - also vor YOLT und damit in der richtigen Romanreihenfolge.
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Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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AnatolGogol hat geschrieben: Mit dem Blofeld-Plot hatten diese Überlegungen aber nix zu tun.
Das meinte ich ja. Deswegen macht es auch wenig Sinn den Plot von YOLT bezüglich Blofeld zu ändern, weil man ja einen anderen Folgefilm im Kopf hatte.
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Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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SirHillary hat geschrieben:
AnatolGogol hat geschrieben: Mit dem Blofeld-Plot hatten diese Überlegungen aber nix zu tun.
Das meinte ich ja. Deswegen macht es auch wenig Sinn den Plot von YOLT bezüglich Blofeld zu ändern, weil man ja einen anderen Folgefilm im Kopf hatte.
Ich glaube du hast mich da falsch verstanden. Es war immer schon geplant OHMSS zu verfilmen, zur Zeit der Postproduction von YOLT war ja auch noch OHMSS als Nachfolgefilm vorgesehen (siehe Abspann "James Bond will return in OHMSS"). Da OHMSS allgemein als einer der stärksten Romane von Fleming angesehen wurde stand eine freie Interpretation des Plots a la YOLT eigentlich auch nie zur Debatte. Tatsächlich begann Richard Maibaum ja bereits im Jahr 1964 mit den Arbeiten am ersten Drehbuchentwurf - mit Blofeld. Es war also immer klar, dass OHMSS gedreht werden würde und dass Blofeld eine Schlüsselrolle innehaben würde. Von daher hätte man die Problematik des doppelten "Kennenlernens" von Bond und Blofeld durchaus umgehen können, indem man Blofeld auch in YOLT gesichtslos gelassen hätte. Da man aber gewillt war dem Publikum als besonderen Clou in YOLT endlich das Gesicht hinter dem "Phantom" zu zeigen wurde diese im Sinne eines nachfolgenden OHMSS schlüssigere Variante nicht umgesetzt (in wie weit dies auch damit zusammenhängt, dass YOLT nicht von Stammautor Richard Maibaum sondern von Roald Dahl geschrieben wurde, der möglicherweise auf aufbauende Folgefilme weniger Rücksicht nahm, kann nur vermutet werden). Die Idee TMWTGG mit Moore zu drehen wurde erst nach Veröffentlichung von YOLT (und der Ankündigung von OHMSS als Folgefilm, welcher übrigens bereits in ersten Fassungen von GF im Abspann als Folgefilm genannt worden war) ins Auge gefasst, aber aufgrund der genannten Probleme schnell wieder fallen gelassen.
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Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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Thunderball1965 hat geschrieben:Blofeld hat doch Bond erkannt... Is doch ne Falle gewesen...oder?!
Nein. Bond verrät sich durch seinen Fehler in Bezug auf die Grabmäler der Bleuchamps und wird letztlich durch den gefolterten Campbell identifiziert. Wir sprechen hier davon, dass sich Bond und Blofeld in YOLT bereits kennengelernt haben und die OHMSS-Verfilmung diesen Aspekt komplett ignoriert.
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Re: Blofeld erkennt Bond nicht

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Maibaum hat geschrieben: Ich erinnere mich nur noch daran daß er auf Grund von Campbell enttarnt wurde?
Zitat aus OHMSS:
Ein echter Vertreter des Amts für Heraldik müsste besser orientiert sein, die Dokumente der Grafs de Bleuchants liegen nicht im Augsburger Dom, sondern in der Sankt Anna Kirche. Sir Hillary Bray hätte das gewusst.
- So ungefähr sagt Blofeld das später zu Bond, der Fehler unterläuft Bond übrigens schon im ersten Gespräch mit seinem Erzfeind.
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

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