Re: Der TV Serien Thread

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Gernot hat geschrieben: 23. Januar 2026 17:57 Twin Peaks fehlt bei mir komplett. Zahlt sich das denn wirklich aus?! :)
Auf jeden Fall. Die ersten 17 Episoden sind ein durchgängiges Meisterwerk in Erzählung, Atmosphäre und World-Building. Danach ist der Höhepunkt erstmal erreicht und das Ganze für einige Episoden etwas orientierungslos, bevor es noch einmal Fahrt aufnimmt und mit einem Knall aufhört. Der Kinofilm Fire Walk With Me und die Fortführung The Return sind dann jeweils sehr eigen und machen vieles, ausser die Nostalgietaste zu drücken.

Gibt es im Moment übrigens auch alles auf MUBI zu streamen.
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Re: Der TV Serien Thread

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Jeder verdient eine zweite Chance, auch "The Pitt", die ich mir nun bis zum Ende angesehen habe. Wenn die Serie 2026 das große Ding ist und mit Sicherheit im Jahresrückblick auf jeder Top-10-Liste landet, will ich ja wenigstens mitreden können.

Die Serie hat ihre Momente, zugegeben. Die 8. Folge - das Ehrengeleit für einen verstorbenen jungen Mann - ging mir wirklich nahe, und der Verzicht auf theatralische Musik verstärkt den Eindruck noch einmal. Gut gemacht. Das "Großereignis" am Ende der Staffel - und das, was es mit den Ärzten und dem Pflegepersonal macht - ist stark inszeniert.

Mein Problem ist, dass es dazwischen ganz viel banales und in der Summe dann auch redundantes Zeug gibt, und man kann darüber streiten, ob das spannend ist oder doch nur den Voyeurismus seiner Zuschauer bedient. Das ist vielleicht mein generelles Problem mit Krankenhausserien.

Ich bleibe daher bei meinem Gesamteindruck, dass die Serie total überschätzt ist, weder herausragende Dialoge hat noch überdurchschnittliche schauspielerische Leistungen (Noah Wyle ausgenommen). Kann man gucken, muss man nicht.
"Der Baggersee war Ozean, die Ente war ein Schwan, ein Topf ein Hut, damals hinterm Mond."

Re: Der TV Serien Thread

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ollistone hat geschrieben: 26. Januar 2026 11:02 man kann darüber streiten, ob das spannend ist oder doch nur den Voyeurismus seiner Zuschauer bedient
Natürlich bedient "The Pitt" die Sensationsgier seiner Zuschauer. Wobei mir jetzt unklar sein soll, woher da Voyeurismus rühren könnte, also der sexuelle Lustgewinn durch das Begaffen. Als sonderlich sexuell oder erotisch aufgeladen empfinde ich das Draufhalten auf schlimme Krankheiten und Einzelschicksale persönlich nicht.

Aber sensationslüstern ist "The Pitt" auf eine Art natürlich, so wie die allermeisten Genre-Stoffe. Es ist ein - ungemein realistisches - Melodram, eine Dramatisierung von ohnehin schon dramatischen Umständen, und als Genre-Stoff spielt es da ganz logischerweise mit seinen Schauwerten, mit einer Ausstellung von Attraktionen. Von daher bedient die Serie da absolut den Sensationalismus seiner Zuschauer, aber ist das ein Problem? Macht das nicht jeder Genrestoff mit seinen Attraktionen? Die Bikini-Häschen in den Bond-Filmen sind auch selten aus handlungsrelevanten Motiven weitgehend vom Textil befreit. "The Pitt" zeigt - sehr verdichtet - die Umstände in einer Notaufnahme. Dass man da entsprechend auch die hässlichen Schicksale zeigt, ist nur logisch, und täte man es nicht, würde sich die Kritik genau daran richten.

Anders als die meisterhafte erste Staffel hat die nachfolgende zweite Staffel einige große Probleme, teils sogar sehr ärgerliche Passagen, aber in der Ausrichtung bleibt für mich völlig offensichtlich, warum das ein besonderes Material ist, warum sich das im positiven Sinne von dem abhebt, was die Streamingdienste ansonsten anbieten. Es ist aber herausfordernder als das meiste im Serienbereich, und man muss sich darauf einlassen (wollen), dass man mal was anderes zu Fressen bekommt, dass mal nicht das klassische Erzählen über Dialogschreiben und dramaturgischen Bogen stattfindet. Wird nicht jeder können. Ist auch okay.
Maibaum hat geschrieben: 23. Januar 2026 14:54 Momentan kann man sich die erstaunlichste Serie aller Zeiten in der Arte Mediathek zu Gemüte führen
"Twin Peaks" ist super, aber die Arte Mediathek lohnt sich ohnehin immer wieder für faszinierende kleine Produktionen. Ich hab da gerade "The Danish Woman" geschaut, mit der fantastischen Trine Dyrholm in der Hauptrolle. Es geht um eine ehemalige Elitesoldatin, die im isländischen Reykjavík das Leben ihrer Nachbarn durcheinander bringt, da sie es einfach nicht lassen kann, sich mit ihren geschärften Fähigkeiten in deren Belange einzumischen. Das schaukelt ohne Rücksicht auf Verluste zwischen schwarzer Komödie und fast schon tragischer Erzählung um Paranoia und soziale Unbeholfenheit hin und her, und hat so viele kleine delikate Momente, die mir große Freude gemacht haben. Ein frühes Highlight des Jahres, ein großer Spaß.
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Re: Der TV Serien Thread

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Casino Hille hat geschrieben: 14. Februar 2026 13:23 Wobei mir jetzt unklar sein soll, woher da Voyeurismus rühren könnte, also der sexuelle Lustgewinn durch das Begaffen. Als sonderlich sexuell oder erotisch aufgeladen empfinde ich das Draufhalten auf schlimme Krankheiten und Einzelschicksale persönlich nicht.
Eine sexuelle Komponente hat das natürlich nicht - voyeuristisch im weiteren Sinne eines sensationslüsternen Gaffens. Ich denke, dass die vielen extrem drastischen Szenen einen Großteil des Kitzels für viele Zuschauer ausmachen.
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Re: Der TV Serien Thread

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ollistone hat geschrieben: 14. Februar 2026 18:03 Ich denke, dass die vielen extrem drastischen Szenen einen Großteil des Kitzels für viele Zuschauer ausmachen.
Kann sein, ist mir aber in noch keiner Besprechung der Serie je wirklich untergekommen. Und so ganz logisch erscheint mir der Gedanke auch nicht, denn wenn ich Drastik und Sensationalismus will, gibt es doch noch viel reißerische Krankenhausserien, die auch im Storytelling konventioneller sind und den Schockfaktor entsprechend überbetonen.

Was ich damit sagen will: Vielleicht haben auch Leute "The Wire" nur wegen der harten Gewalt geschaut, aber die haben dann offensichtlich alles drumherum nicht wirklich kapiert, und waren auch etwas zu doof, gleich eine für sie passendere Serie zu finden. Und vielleicht gucken manche die Bond-Filme auch vor allem für den anregenden Sex-Appeal der Bikini-Mädels, aber die können dann von Pornographie noch nie viel gehört haben. :wink:
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Re: Der TV Serien Thread

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ich habe nun auch endlich die letzte Staffel (11) von Shameless fertig gesehen. Und was soll ich sagen, das Ende war irgendwie ziemlich verschenkt und für mich nicht überzeugend. Man hat mehr Fragen offen gelassen und neu aufgemacht, als beantwortet. Dass es nicht für alle Charaktere gut und positiv ausgeht, das ist schon OK, aber insgesamt doch enttäuschend, irgendwie schade für Frank & Co. Aber es waren ja schon die letzten Staffeln nie mehr so gut wie die ersten 3-4…

So wie man das Ende aufgebaut hat, könnte man aber ohne Probleme in ein paar Jahren fortsetzen mit fast allen Figuren. Wenn man wollte.
Bond... JamesBond.de

Re: Der TV Serien Thread

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Casino Hille hat geschrieben: 14. Februar 2026 13:23 Ich hab da gerade "The Danish Woman" geschaut, mit der fantastischen Trine Dyrholm in der Hauptrolle. (...) Ein frühes Highlight des Jahres, ein großer Spaß.
Ja - wenn man es denn schafft, die Altersbeschränkung von Arte mittels Email, Passwort, Bestätigungslink, QR-Code und Scan des Personalausweises zu umgehen. (Und das alles für eine Nacktszene?) :D
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