ollistone hat geschrieben: 26. Januar 2026 11:02
man kann darüber streiten, ob das spannend ist oder doch nur den Voyeurismus seiner Zuschauer bedient
Natürlich bedient "The Pitt" die Sensationsgier seiner Zuschauer. Wobei mir jetzt unklar sein soll, woher da Voyeurismus rühren könnte, also der sexuelle Lustgewinn durch das Begaffen. Als sonderlich sexuell oder erotisch aufgeladen empfinde ich das Draufhalten auf schlimme Krankheiten und Einzelschicksale persönlich nicht.
Aber sensationslüstern ist "The Pitt" auf eine Art natürlich, so wie die allermeisten Genre-Stoffe. Es ist ein - ungemein realistisches - Melodram, eine Dramatisierung von ohnehin schon dramatischen Umständen, und als Genre-Stoff spielt es da ganz logischerweise mit seinen Schauwerten, mit einer Ausstellung von Attraktionen. Von daher bedient die Serie da absolut den Sensationalismus seiner Zuschauer, aber ist das ein Problem? Macht das nicht jeder Genrestoff mit seinen Attraktionen? Die Bikini-Häschen in den Bond-Filmen sind auch selten aus handlungsrelevanten Motiven weitgehend vom Textil befreit. "The Pitt" zeigt - sehr verdichtet - die Umstände in einer Notaufnahme. Dass man da entsprechend auch die hässlichen Schicksale zeigt, ist nur logisch, und täte man es nicht, würde sich die Kritik genau daran richten.
Anders als die meisterhafte erste Staffel hat die nachfolgende zweite Staffel einige große Probleme, teils sogar sehr ärgerliche Passagen, aber in der Ausrichtung bleibt für mich völlig offensichtlich, warum das ein besonderes Material ist, warum sich das im positiven Sinne von dem abhebt, was die Streamingdienste ansonsten anbieten. Es ist aber herausfordernder als das meiste im Serienbereich, und man muss sich darauf einlassen (wollen), dass man mal was anderes zu Fressen bekommt, dass mal nicht das klassische Erzählen über Dialogschreiben und dramaturgischen Bogen stattfindet. Wird nicht jeder können. Ist auch okay.
Maibaum hat geschrieben: 23. Januar 2026 14:54
Momentan kann man sich die erstaunlichste Serie aller Zeiten in der Arte Mediathek zu Gemüte führen
"Twin Peaks" ist super, aber die Arte Mediathek lohnt sich ohnehin immer wieder für faszinierende kleine Produktionen. Ich hab da gerade "The Danish Woman" geschaut, mit der fantastischen Trine Dyrholm in der Hauptrolle. Es geht um eine ehemalige Elitesoldatin, die im isländischen Reykjavík das Leben ihrer Nachbarn durcheinander bringt, da sie es einfach nicht lassen kann, sich mit ihren geschärften Fähigkeiten in deren Belange einzumischen. Das schaukelt ohne Rücksicht auf Verluste zwischen schwarzer Komödie und fast schon tragischer Erzählung um Paranoia und soziale Unbeholfenheit hin und her, und hat so viele kleine delikate Momente, die mir große Freude gemacht haben. Ein frühes Highlight des Jahres, ein großer Spaß.