GoldenProjectile hat geschrieben:Jetzt hau aber mal rein, dein gestriger Post hörte sich von mir aus gesehen danach an als ob dir die Irrationalität von Mulholland Drive keinerlei Verständigungsprobleme gemacht hätte. Wäre interessant wenn du da - bzw. bei dem Film generell - etwas mehr ins Detail gehen könntest.
Ja, das hat es tatsächlich auch überhaupt nicht.
Ich wusste ja bereits im Vorfeld von dem was ich in all den Jahren über den Film gelesen hatte, dass er mit Traumlogik arbeitet und daher vieles bewusst nicht richtig zueinander passt, jedenfalls nicht nach realen Maßstäben. Von daher war ich darauf vorbereitet, dass das was ich zu sehen bekomme zumindest in Teilen nicht real ist, sondern sich in einem Traum abspielt. Daher haben gerade die skurrilen, nicht wirklich zum Rest der Handlung zu passen scheinenden Szenen (zB der verstörte Typ im Diner mit seinem hinterm Eck lauernden grausligen Schreckensbild oder der Espresso-spuckende Mafioso (?) ) mir richtig viel Spass gemacht, weil ich von vorneherein hier davon ausging, dass das einfach wirre Traummomente sind.
Hinzukommt, dass die Story um Rita prinzipiell logisch und konsistent aufgebaut ist und wie ich finde viel viel mehr einem "normalen" dramaturgischen Aufbau und eben auch einer solchen Logik folgt wie der diesbezüglich (bewusst) sehr viel freiere und sprunghaftere Lost Highway. Von daher war ich äusserst überrascht, denn ich hatte bei MD angesichts von Lynchs Ruf (und auch dem was ich über den Film wusste) eher auch so etwas "wirres" wie LH erwartet. Wirr bzw. verwirrend war MD zwar durchaus auch, aber es hatte wesentlich mehr System. Womit ich damit nicht meine, das bei LH kein System hinter Lynchs Verwirrungstaktik steckt, aber der dramaturgische Zusammenhang erscheint mir in MD doch wesentlich stärker oder sagen wir besser: wesentlich stärker normalen Konventionen entsprechend.
Tatsächlich fand ich das Ende bei MD dann in seiner "Erklärwut" fast schon zu arg,
für mich wäre es hier kein Problem gewesen, wenn Lynch die vorangegangenen Traumszenen nicht zu 100% rational aufgelöst hätte, zB indem er nicht wirklich jede gesehene Figur auch im realen Kontext nochmals in Erscheinung hätte treten lassen.
Das kam für mich dann auch eher unerwartet, ich hab gestern gelesen, dass Lynch Finanzierungsprobleme hatte und nachdem Sarde eingestiegen war nochmals Nachdrehs fürs Finale gemacht hat. Vielleicht war das ja eine Konzession an den Verleiher, dass er seinen Film a la Psycho dann verständlicher gestaltet hat, weiss da von euch jemand konkretes dazu? Anyway, das hat den Film für mich aber nicht schlechter gemacht. Übrigens kam die Auflösung für mich dann schon überraschend,
denn ich hatte eigentilich erwartet, dass man Ritas Traum sehen würde und ihr Unfall zu Beginn der Auslöser dafür wäre
, aber da war ich wohl zu blauäugig in einem Lynchfilm, denn eigentlich hätte man hier ja mit dem wesentlich unerwarteteren rechnen müssen.
