Das ist ja mal wieder eine sehr seltsame Betrachtung.
danielcc hat geschrieben:
Das ärgerlichste was bei Regisseuren wie Stanley Kubrick passiert ist, dass mal an jeden Film gleich das Etikett "Meisterwerk" haften muss, oder aber ein solches vorab erwartet.
Was soll den daran ärgerlich sein daß man von einem Regisseur etwas erwartet? Und wer auf dieser Welt haftet ein "Meisterwerk" Etikett an nur aufgrund eines Namens oder einer Erwartung?
Das ist doch relativ absurd.
Das wird dann noch schlimmer, wenn man ein Mega-Star Pärchen wie Cruise/Kidman engagiert, wenn man eine erotisch-psychologische Novelle verfilmt, und wenn sich Dreharbeiten absurd lange hinauszögern.
Das ist dann noch seltsamer. Die Novelle wird kaum jemand gelesen haben der den Film kennt, ob die Dreharbeiten lang oder kurz waren wird wohl kaum jemanden dazu animieren deswegen gleich auch mehr zu erwarten, bzw jemenden dazu verleiten den Film schon vorab als Meisterwerk zu bezeichnen, als welches EWS sowieso nicht gilt.
Und Kidman/Cruise bringen bestenfalls bei der breiten Masse mehr Aufmerksamkeit, könnten aber ansonsten eher dazu führen weniger zu erwarten. Wegen Tom zumindest.
Nüchtern betrachtet ist Tom Cruise eine Fehlbesetzung. Für die Rolle des Normalo Arztes der staunend auf einen mehr oder weniger erotischen Extrem-Trip abdriftet hätte man jemanden anderen besetzen müssen. Cruise ist ein wundervoll charismatischer Leinwandheld, aber er ist viel zu selbstbewusst für eine so sensible Darstellung.
"Viel zu selbstbewusst für eine so sensible Darstellung", was soll denn das bedeuten?
Ob mir Cruise in der Rolle gefällt oder nicht, bzw. ob er gut ist, oder ob Kubrick besser einen ausdrucksfähigeren Schauspieler genommen hätte, dazu habe ich es bis heute nicht geschafft mir eine Meinung zu bilden.
Kubrick hat in einigen seiner Filme bewußt Schauspieler genommen die nicht oder kaum spielen sollten, die nur aus Oberfläche bestehen, und Cruise gehört in EWS eher in diese Kategorie. Als Kontrast hat er in anderen Filmen seinen Protagonisten hemmungslos chargieren lassen
Die Story ist dünn, das macht aber nichts. Kubrick geht es vielmehr um Atmosphäre und da liegt auch die Stärke des Films. Dreh-, Angel- und Höhepunkt des Films ist dabei klar der eine Besuch bei der erotischen Zeremonie in Geheimbund Manier mit anschließender Orgie. Allerdings plätschert der Film darum so vor sich hin. Ein bisserl Verfolgung, ein bisserl Ehe-Krise - viel mehr ist da nicht und das verteilt auf über zwei Stunden.
Die Story ist doch nicht dünn. Die ist doch sehr vielschichtig, nicht leicht zu erfassen, und kann zu vielfältigen Interpretationen einladen.
Wenn das dünn ist, welches Wort beschreibt dann das was noch unter dünn liegt, um damit den Großteil des Hollywood Mainstreams zu beschreiben? Was ist denn dünner als dünn?
Aufällig sind das sehr körnige Bild was wohl darauf zurückzuführen ist das der Film wohl in der Post Production aufgehellt werden musste,
Woher hast du das denn? Und vor allem wozu erwähnst du es? Welche Bedeutung hat das für den Film, bzw für den Genuß des Films?
Und der Film ist komplett in England gedreht worden (wie übrigens auch Full Metal Jacket), und auch die Straßenszenen sind tatsächlich teils im Studio entstanden. Nur sehen die nicht nach billig aus. Die sind wahrscheinlich absichtlich so wie sie sind, und wenn die Bilder körnig sind (sind die das?), dann kannst du davon ausgehen das sie körnig sind weil sie körnig sein sollen. Kubrick ist schon seit den 60ern in einer Position gewesen daß er machen konnte was er wollte, und da er ein Perfektionist war, ist es sehr wahrscheinlich daß der Film auch ziemlich genau so aussieht wie er aussehen sollte.