Casino Hille hat geschrieben: 7. November 2023 10:25
Ich mochte den, alleine schon deshalb, weil Fincher (für mich unerwartet) etwas wirklich Schräges und "Neues" gelungen ist, was man so auch noch nicht unbedingt gesehen hat. Dabei meine ich erstaunlicherweise vor allem die inhaltliche Ausrichtung. Es ist ein wirklich eigenwilliges, ungewöhnliches Biest. Ich muss ehrlich sein und sagen: Zu 100 Prozent begeistert hat mich der Film nicht, da die Herangehensweise von Fincher es nahezu unmöglich machte, mitzufiebern und emotional eine Bindung zum Plot und den Figuren aufzubauen. Es ist ein Film, in dem auf Handlungsbasis eigentlich fast nichts passiert, und es wirklich darum geht, das "sehr langweilige Alltagsgeschäft" eines Auftragsmörders so präzise wie möglich zu zeigen. Fincher lädt den Film aber mit tiefschwarzem Zynismus auf und spielt nicht nur mit dem Genre, sondern auch mit dem "Mythos" um seine eigene Filmografie, weshalb "The Killer" teilweise wirklich sehr lustig gerät. Irgendwas zwischen 7/10 und 8/10 meinerseits.
so, habe den jetzt auch gesehen und er hat mir gut gefallen. Ich kann deine Einschätzung gut teilen, ich für mich würde eine gute 8/10 vergeben.
Um den Konnex im Film zu behalten muss man schon sehr genau aufpassen, vieles wird nur angedeutet oder kurz erwähnt, sodass der stellenweise für manche wahrscheinlich als "langweilig" oder langatmig empfunden wird, was Fincher aber wohl genauso beabsichtigt, weil er ja das "sehr langweilige Alltagsgeschäft" eines Killers zeigt, wie du ja auch schreibst. Fassbender spielt das jedenfalls phantastisch (und wäre auch ein toller Bond gewesen), die eine längere Kampfsequenz ist absolut brutal und top inszeniert. Dazwischen ein bisschen Sarkasmus, herrlich.
Ehrlich gesagt enthält "The Killer" vieles, was ich mir gerne auch bei Bond (wieder) mehr wünsche würde, Fokus auf den Protagonisten, auf seine Mission, sein Ziel, das er verfolgt. Bei diesem Film kommt noch dazu, dass man durch die inneren Monologe fast immer weiß, was er denkt und wieso er sich wie entscheidet. Der realistische Einsatz von Waffen und Gadgets - das Kartenlesegerät wird schnell bei Amazon bestellt und am nächsten Tag anonym bei einer Abholstation geholt, seine Waffen und Reisepässe hat er im ganzen Land gut verteilt und versteckt etc. - ein Agent/Killer, bei der Arbeit.
Ich habe das hier im Forum schon ein paar mal geschrieben, und wahrscheinlich werden nicht viele meine Meinung teilen (und es ist deshalb leider nicht massentauglich), aber so eine realistische Herangehensweise würde ich mir auch für Bond wünschen. Klar, bei Bond muss es nicht ganz so "düster" sein, aber mehr Thriller und Suspense, weniger Pathos und Emotionalität, weniger Over-The-Top und mehr "echte" Agentenarbeit - das würde ich mir wünschen. Von der Herangehensweise her sehe ich da einige Ähnlichkeiten zu QOS (und somit auch zu "Bourne"), wobei dort durch das hohe Erzähl- und Actiontempo viele abgeschreckt werden - das ist hier besser. Und würde ich mir auch für Bond wünschen.
Und David Fincher könnte zumindest auch schreiben und Regie führen...
Fincher4Bond!
(aber ja, wird wohl nicht passieren

)