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von satre70
Agent
Tja, ich stecke in einem Dilemma: Man möchte etwas lieben, kann es aber nicht so recht...
Ich bin seit 35 Jahren absoluter James-Bond-Fan und habe die alten Bond-Filme jeweils bestimmt schon hunderte Male geschaut, aber irgendetwas ist zwischenzeitlich seit LTK kaputt gegangen.
Die Brosnan-Bonds waren nette Unterhaltung, aber vollkommen austauschbar und zu amerikanisch.
Die Craig-Bonds hatten jeweils einzelne Höhepunkte, hatten aber auch sehr viele Schwächen.
Mir fehlt bei all diesen Filmen das typische Bond-Feeling, das die Serie einzigartig machte, gerade im Hinblick auf etliche Kopierversuche.
Die Brosnan und noch mehr die Craig Filme sind für sich sicherlich gute Filme, aber austauschbar (die Bourne oder MI-Filme beispielsweise sind im Vergleich zu den Brosnan-Bonds auch nicht schlechter und die Kombination Action + Anspruch sind zB in den Nolan-Filmen wie Dark Knight oder Inception weitaus gelungener, wenn man ehrlich ist).
Aber nun zu Spectre:
Ich hätte zwei Alternativen gewünscht; meine erste (und liebste) Variante wäre gewesen, mal endlich wieder einen typischen (Unterhaltungs-) Bond zu sehen: Action, Witz, Coolness, Frauen, intelligente Dialoge, Alkohol, Zigaretten, tolle Schauplätze, Intelligenz gepaart mit Intellektueller Arroganz, etc.
Oder aber, zweite Möglichkeit, einen Actionfilm mit Tiefgang, indem man die Geschichte der Figuren vorstellt und dabei analysiert, dies aber mit einer intelligenten und interessanten Handlung verwebt.
Spectre ist Beides oder auch nichts davon!
Aber vorab, das, was ich am meisten bedauere: Der Film als Gesamtes ist noch nicht mal schlecht, aber das alles (jedes Einzelteil) habe ich schon besser gesehen (dabei waren die Voraussetzungen so gut, wie noch nie):
-PTS
Klar, gut gefilmt, aber die erste Szene ohne Schnitt war in VICTORIA weitaus besser.
Die Verfolgungsjagd war in TB oder QOS auch nicht schlechter (hier Mexiko, dort Siena).
Die Helicopterszene war in Ordnung, aber mir gefiel die Szene in FYEO besser.
Ergo: Gut gefilmt, sehr unterhaltsam, aber nicht innovativ und einprägsam wie zB in GF, TB, TSWLM, MR oder OP.
-Song/Credits
Gut, SF war diesbezüglich nicht zu toppen, aber ich musste mit meinen Freunden ein wenig Lachen, als der Song gespielt wurde.
-Filmmusik:
Ok, nicht schlecht, zB GE war weitaus grausamer, aber würde ich mir den Soundtrack separat anhören, wie zB OHMSS, YOLT, TB oder GF? Ich denke nein...
- Actionszenen:
Wie der Spiegel zurecht schrieb: Bond bräuchte mal keinen Autorenfilmer, sondern ein Autorennfilmer!
Bei Mendes sind die Szenen stets lästiges Pflichtprogramm.
Früher setzten die Bondfilme Maßstäbe und wurden kopiert; neuerdings ist es anders herum.
Vergleicht man beispielsweise die Verfolgung in Rom mit FATF7, dann liegen Welten dazwischen.
In Österreich liegt Schnee (schöne Skiaction?!?) und dann so etwas langweiliges...
Beim Ende in London ist es noch unspektakulärer...da hätte man etwas weitaus spektakuläreres machen MÜSSEN...(und wie blöd ist der Pilot, den Hubschrauber nicht einfach hochzuziehen...)
-Waltz/Bloefeld
Was hatte ich mich darauf gefreut!!!
Seit Jahren schlug ich genau das immer vor: Waltz als Bloefeld!
Die erste Szene in Rom (der absolute Höhepunkt des Films) war genau das, was ich mir vorgestellt habe; Waltz ist cool, arrogant, überlegen und durch seine Ruhe furchteinflössend.
Aber sobald er dann den Mund aufmacht, ist das alles verflogen!
Das soll das Alter Ego von Bond sein? Der Superverbrecher?
Er kam mir eher wie ein selbstmitleidiger Versicherungsvertreter vor.
Man sieht, dass Waltz ein guter Schauspieler ist, aber er braucht ein gutes Drehbuch mit guten Dialogen.
Seine Oscars sollte er Tatantino schenken!!!
Apropos Tarantino, der Film hat angeblich 300 Millionen gekostet; hätte man doch davon bloß 10 Millionen Tatantino gegeben, um an den Dialogen zu feilen...(gerade in der Kombi Bond vs Bloefeld hätte man soviel mehr daraus machen können...)
- Henchman
Auch hier ist soviel Potential verschenkt worden. Entweder hätte man Mr. Hinx ironischer (und dadurch witziger) zeichnen müssen oder aber mehr Szenen geben müssen, die einen ängstigen.
Ich dachte anfangs, er könne Kult werden, aber er blieb einem letztlich völlig egal...
- Frauen
Die wunderschöne Monica wurde völlig verschenkt!
Ich dachte, gerade ihr Alter und Reife würden ein anderes Verhalten mit sich bringen; so wäre es doch interessant gewesen, wenn sie Bond als Dame begegnet wäre, bei der Bond es nicht so leicht gehabt hätte.
Und Dr. Schwan; kann mir einer erklären, warum sie in eine Reihe mit Vesper und Tracy gestellt wird, ja Bond ihr zuliebe den Job hinschmeißt?
Dann hätte vorher mehr kommen müssen, so ist sie doch Eine von Vielen, in die Bond verliebt war, aber nicht hundertprozentig liebte...
- M
War der alte M (Bernhard Lee) eine Vaterfigur und die M eine Mutterfigur, so soll Fiennes wohl ein alter ego von Bond sein (da das aber schon mit Bloefeld der Fall ist, passt es hier nicht).
Fiennes etwas mehr Raum zu geben, war eigentlich eine gute Idee, aber doch bitte mit Kopf und nicht mit Knarre...(zu Zeiten vom Englischen Patienten wäre Fiennes übrigens ein superber Bond gewesen...)
- Q und Moneypenny
Da ist nichts zu kritisieren, Beide passen sehr gut in die heutige Zeit; auch wenn es interessant gewesen wäre, das Verhältnis Bond Moneypenny etwas sexueller aufzuheizen...
Q nicht als älteren, sondern als jüngeren Nerd darzustellen, war eine sehr gute Idee!
Bei den Dialogen hat man sich hier auch am meisten Mühe gegeben.
- Bond
Jetzt komme ich wieder zum Anfang!
Craig ist ein guter Schauspieler und passt auch gut in das Genre. Mir gefiel auch sehr, dass er etwas Britischer wirkte und mehr Ironie besaß, als in den Vorgängerfilmen.
Warum ich nicht so recht mit ihm warm werde, liegt nur teilweise an ihm, vielmehr an der neuen Richtung, Bond zu sehr zu erklären und zu psychologisieren.
Wofür er nichts kann, ist sein Aussehen; für mich wirkt er einfach zu nett, normal und zu kumpelhaft.
Er spielt dagegen sehr gut an, jedoch fehlt ihm einfach das Charisma von Connery, das Leichte eines Moore oder die Härte eines Dalton.
Er hat von allen Dreien etwas (aber halt nur teilweise), darum liegt es auch nicht an ihm, sondern an den Drehbüchern und der Regie, dass er immer noch nicht vollständig das Bond-Feeling transportieren kann.
Er ist aber weitaus besser als Brosnan und Lazenby.
Ihm fehlen halt Szenen, in denen er mit Intellekt Probleme löst (die Klugscheissereien von Connery und Moore gegenüber M sind komplett getilgt); er löst stets alles körperlich (man vergleiche nur die Kämpfe im Zug von FRWL und SP) oder hat Glück bzw Equipment (man vergleiche die Laserszene von GF mit den Folterszenen bei CR und SP).
-Zukunft
Ich denke, spätestens jetzt ist es an der Zeit, sich zu entscheiden.
Einen ganz normalen Bond ohne Psychologie, inszeniert von einem Actionregisseur oder einem Regisseur, der das kann (Spielberg, Cameron, Besson, Lin, Abrams)
oder das Gegenteil (=konsequent Action + Anspruch) mit einem Regisseur mit eigener Handschrift (Tarantino, Nolan).
Ich denke, dass Craig höchstens noch einen Film drehen will.
Da eine Neuausrichtung erfolgen sollte, denke ich, man sollte jetzt einen Schauspieler nehmen, der besser aussieht als Craig, das Charisma von Connery, die Härte von Dalton und die Ironie von Moore hat.
Da gibt es nur Zwei, von denen der Erste als Amerikaner nicht passen würde, der Zweite daher mit Abstand am besten wäre:
Di Caprio und Fassbender
Fazit zu SP:
Wäre es kein Bondfilm, dann hätte ich gesagt, nicht schlecht!
Zwar nicht innovativ und Vieles wurde verschenkt, aber alles in allem gingen 147 Minuten gut herum!
Als absoluter Bondfan habe ich aber andere (vielleicht zu hohe) Vorstellungen!
Ich würde ihn nach
TB
MR
GF
YOLT
OHMSS
TSWLM
FYEO
TLD
OP
LTK
FRWL
LALD
auf Rang 13 setzen.
Noch vor
SF
CR
QOS
DAF
DN
TND
DAD
TWINE
GE
AVTAK
TMWTGG
Die Hölle? Das sind die Anderen! (Satre)
Widerlich! Einfach widerlich! (Bond in Goldfinger)