dernamenlose hat geschrieben: 5. Oktober 2026 16:20
Die meisten Künstler wollen ihr Werk teilen und wenn sich dann kaum jemand damit befasst, und die die es tun finden keinen Zugang dazu, dann kann das sicher sehr frustrierend sein.
Das mag aus einer größeren Business Sicht fast alles stimmen, aus einer künstlerischen ist vieles davon aber dann auch wieder etwas, dass den Beteiligten (hoffentlich) weitgehend egal ist.
"Digger" bekommt in Summe nicht die Kritiken, die man sich erhofft hat, aber er bekommt in der positiven Spitze erstaunliche Kritiken, und die bekommt auch kein Film mal eben einfach so. "Digger" kann einen richtig nerven und ermüden, er hat aber eben auch immenses Potenzial, Leute wirklich zu begeistern. Auch das zeigen die Vorab-Reaktionen.
Inarritu hat einen hoch ambitionierten und herausfordernden Film gemacht, eine Satire, die das Publikum selbst angreift und schon fast den Sinn von Filmen und Kunst überhaupt hinterfragt. Wer sowas macht, will einen Diskurs anstoßen, und zumindest im Kleinen ist das mit "Digger" längst gelungen - es ist ein Film, der aktiv spaltet -, und ich kann mir gut vorstellen, dass das ein Film sein wird, der in den nächsten Jahren im Ansehen wächst und spätestens im Streaming dann ein zweites Hoch erlebt.
Das unqualifizierte Rumgeheule von Inarritu nach "Bardo" war tatsächlich ziemlich peinlich, und das er für diesen Film hart auf den Sack bekommen hat, hätte ihn eigentlich nicht wundern dürfen. Umso mehr merkt man in "Digger" jetzt das Werk eines Künstlers, der sich mit sich und seinem Verhältnis zum Filmemachen neu auseinandergesetzt hat, und sogar fähig dazu ist, nicht nur Kritik anzunehmen, sondern auch seine Rolle im System zu hinterfragen und offenzulegen.
dernamenlose hat geschrieben: 5. Oktober 2026 16:20
auch das zeigt ja, dass man als Regisseur, Zugpferd oder Produzent nicht zufrieden sein kann. Denn bei einer solchen Performance bekommst du deinen nächsten künstlerischen Film eben nicht mehr finanziert, oder du kannst ihn nicht so machen wie du ihn eigentlich machen willst
Nein, das glaube ich nicht. Im Gegenteil wird man stolz darauf und zufrieden damit sein, dass man "Digger" überhaupt auf die Beine gestellt bekommen hat. Einen Film wie "Digger" bekommst du eigentlich nie für so eine Summe finanziert, weil es inhärent non-kommerzielle Projekte sind. Sowas läuft normalerweise in kleinen Programmkinos und kostet einen Bruchteil davon. Es für dieses Geld zu machen, ist ein einmaliger Traum für 99 Prozent aller Regisseure da draußen. Und du kannst dir sogar sicher sein, mit so einem Ding auf die Schnauze zu fliegen. Sowas darf dich aber nicht hemmen. Du nutzt deine - ziemlich garantiert einmalige - Chance, machst den besten Film der in dir steckt und alles weitere lässt sich sowieso nicht kontrollieren.
Es gibt auch Filme, die sind massiv gefloppt und haben ihrem Studio Verluste eingefahren (zum Beispiel "Heaven's Gate", "Blade Runner", "Fight Club", "Citizen Kane", "Ist das Leben nicht schön?", John Carpenters "Das Ding aus einer anderen Welt", "Die Verurteilten") und die gelten heute als Klassiker oder sogar Meisterwerke, und ihre Macher werden besonders für diese Filme erinnert und geschätzt. Erfolg und Vermächtnis sind nie absehbar oder planbar, also beschäftigt man sich als Künstler am besten nicht damit, sondern tut die beste Arbeit die in einem steckt und lässt dem Rad der Zeit seinen Lauf.
(Genau deshalb ist die moderne Tendenz in Filmliebhaber-Kreisen, sei es hier im Forum oder bei Foren wie Reddit, mehr über irrelevanten Box-Office Kram als über Qualität zu diskutieren, auch für mich oft eher verschwendete Zeit. Produzenten scheren sich um Einspielergebnisse. Die Popkultur sowie die Kunst selbst tun es oft genug überhaupt nicht.)