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Romanbesprechung: Kernschmelze - LR (Gardner)

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Warum haben wir hier nicht Threads für alle Gardners? Ein paar Experten haben die doch vor ein paar Jahren als die Neuausgaben kamen alle gelesen.

Anyway, wie Nick Rivers / Duke Duck / Stanley Beamish sagen würde: "Ich habe Licence Renewed mir jetzt gelesen".

Schauplätze: Schottland, Perpignan
Charaktere: Anton Murik, Lavender Peacock, Mary-Jane-Mashkin, Caber

Ich halte mich kurz. Buch war gut. Gardners erster 007-Beitrag profitiert von der schlichten, funktionalen aber durchaus bondtypisch ausgestalteten Handlung, bei der sich der Autor nicht überanstrengen will - wenige Schauplätze, von denen das schottische Schloss Muriks gelungen den Löwenanteil ausmacht, ein klar gesetzter Showdown an Bord des Kontrollflugzeugs (der einige Erinnerungen an DMC weckt, auch wenn dieses natürlich später geschrieben wurde) anstatt ausufernder Exkursionen zu den betroffenen Kraftwerken, eine lineare Geschichte und wenige Charaktere. Lediglich Muriks zweites Ziel, die Ermordung Lavenders auf einer Modeschau wegen irgendwelchen Erbschaftsstreitereien, fällt im Nachhinein etwas aus dem Konzept, wobei dies immerhin für den atmosphärischen Ausflug nach Perpignan gut ist, der mehr Abwechslung in den Roman bringt.

Anton Murik ist ein prima Bösewicht. Seine Pläne, Macken, Auftreten und Hintergrund sind absolut bondtypisch, und das ist ja auch in Ordnung so und er wird von Gardner gut beschrieben und charakterisiert. Definitiv einer der besseren literarischen Schurken ausserhalb Flemings Feder bisher. Zum Ausgleich ist Bondgirl Lavender Peacock relativ blass und vergessenswert. Es stört nicht bei der Lektüre, aber es bleibt halt eben auch wenig von ihr hängen. Gardners Schreibstil schwankt zwischen ganz okay und richtig gut, besonders abheben konnte er sich bei mir mit diesem einen Roman bisher nicht, aber es erfüllt alles seine Zwecke und hat wirklich starke Momente, allen voran die richtig gut geschriebene Folterszene mit Wahrheitsdrogen und die lebhafte Schilderung des Volkfestes in Perpignan.

Etwas albern sind einige von Gardners Ideen rund um Alltag, Umfeld und Gewohnheiten der Doppelnull (hier vor meinem geistigen Auge in der Gestalt Sir Rogers). Die weibliche Q zum Beispiel, mit ihrem unnötigen Auftritt im Schiesskeller und dem Geplänkel mit Bond, keine Ahnung was Gardner hier gross bewirken wollte und ob sich das noch auf die nächsten Romane auswirkt, bzw. eine Art Neuinterpretation der Q-Bond-Beziehung werden soll und wenn ja, auf welche Art. Bisher hätte ich gut drauf verzichten können. Etwas seltsam ist auch, wie Bond anfangs in einer Art Semi-Ruhestand gezeigt wird nach all seinen Abenteuern und Aufträgen mit langer Pause seither, ähnlich sind ja auch DMC und SOLO vorgegangen. Aber in LR wirkt das halt eher bieder, wenn Bond mit seinem Saab in sein Ferienhäuschen fahren möchte. "Der Saab" wurde ja übrigens auf Bonds eigene Kosten von einer externen Firma mit Gadgets ausgerüstet, und die Q-Abteilung ist richtig neugierig, wenn nicht sogar neidisch auf "den Saab". Warum Gardner das unbedingt so haben wollte bleibt ein Rätsel. Auf jeden Fall erwähnt er "den Saab" mindestens jede zweite Seite, so dass man bei der leisesten Erwähnung "des Saabs" irgendwann wüten und toben möchte und ich war heilfroh, als Bond "den Saab" endlich zu Schrott fuhr.

Insgesamt ist LR auch eher interessant als Auftakt der langlebigsten 007-Romanreihe seit Ian Fleming. Als eigenständiges Buch erfüllt es absolut seine Zwecke und unterhält gut, auch wenn es einige blöd anmutende Grundideen auffährt und in sein neues 80er-Setting einbaut, von denen ich aber erst abwarten will, wie sie im grösseren Kontext von Gardners Werk anmuten.

Wertung: Vorsichtige 7 / 10
We'll always have Marburg

Let the sheep out, kid.

Re: Romanbesprechung: Kernschmelze - LR (Gardner)

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Kurze Meinung zu "Kernschmelze":

Doch doch, Gardner legt einen sehr soliden bis guten Einstieg in die Bond-Reihe hin. Wenn man mal über ein paar Merkwürdigkeiten hinwegsieht (dEr SaAb, Q'utie, wieso ist die 00-Abteilung aufgelöst? Alles sehr skurril), dann bekommt man es hier mit einem packenden Bond-Roman zu tun, der nicht nur zwar sparsame, aber gut beschriebene und in den Bond-Romanen noch nicht dagewesene Locations bietet, sondern auch mit einigen netten Einfällen aufwartet, so etwa die Folterszene mit den Wahrheitsdrogen und Bonds Kampf, dagegen anzukämpfen, die Highland Games auf Murik Castle und das toll beschriebene Volksfest in Perpignan. Auch der Plan des Bösewichts ist zumindest halbwegs glaubhaft, wenn auch ziemlich überzogen, aber nun gut. Bond-Bösewichte sollen ja gern mal die ganze Welt zerstören. Was mir beim Lesen auffiel, waren vor allem Bonds Gadgets, die ihm unter anderem im Duell gegen Muriks Champion helfen und im sAab verbaut sind. Diese kommen sehr viel mehr zur Geltung als noch bei Fleming und nähern sich bedeutend den Filmen der Zeit an.
Die Frauenfiguren bleiben recht blass, wobei es mir gut gefiel, dass man beim Lesen lange Zeit nicht wusste, wer von ihnen nun was im Schilde führt. Natürlich war relativ früh klar, dass Lavender Peacock die Gute ist, aber ein Restzweifel blieb sowohl bei Bond als auch bei mir.

Insgesamt hatte ich recht viel Spaß beim Lesen und empfinde Gardners Erstlingswerk, wie auch schon Colonel Sun, als besser als einige der Fleming-Bücher, was vor allem an Gardners Schreibstil liegen mag, der zwar stellenweise auch etwas stockend daherkam, aber zum Glück nicht so unendlich langweilig detailreich ist wie der von Fleming. Einstand geglückt, würde ich sagen!
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