Re: Zuletzt gesehener Film

10726
Serienkiller-Thriller sind auserwählt, mindestens im TV. Nicht ganz:

Catch the Killer

Serienkiller-Thriller, der große Vorbilder zitiert, ohne sie zu kopieren. Eine symbiotische Beziehung zwischen Inhalt und Bildsprache sowie darstellerische Glanzleistungen von Ben Mendelsohn und Shailene Woodley als ungleiches Ermittlerpaar machen den ersten US-Film des Argentiniers Damián Szifron zu einem sehenswerten Genrebeitrag.


Dem Serienkiller-Genre nach Silence oft he Lambs und Seven noch frische Impulse zu geben ist eine Herausforderung, an die sich nicht viele herantrauen. Zu groß scheint die Fallhöhe, zu übermächtig der Referenzrahmen. Den Argentinier Damián Szifron schien diese Hypothek nicht anzufechten und frei nach dem Motto „No risk, no fun“ machte er sich ans ambitionierte Killer-Thriller-Werk. An Selbstbewusstsein mangelt es Szifron also nicht - als Showrunner der bis dato erfolgreichsten TV-Serie seines Landes (The Pretenders) und zigfacher Award-Gewinner für den Epiosdenfilm Wild Tales gibt es dafür auch keinen Anlass -, was man dem fertigen Film durchaus ansieht. In Punkto audio-visueller und atmosphärischer Gestaltung muss sich Catch the Killer keineswegs vor den übermächtigen Vorbildern verstecken, zu denen er durchaus einige Parallelen aufweist ...

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Re: Zuletzt gesehener Film

10727
Der bewegte Mann

Hab ich gestern seit Jahrzehnten mal wieder gesehen im Rahmen der Best of Cinema Aktion. Ich nehme die ja immer mit, wenn es irgendwie geht, aber diesmal war ich auch wirklich gespannt, ob ich den auch heute noch lustig finden würde. Viele Komödien über die ich ich mich mal schlapp gelacht hatte, funktionieren heute gar nicht mehr. Und ich war überrascht, wie gut der funktioniert hatte. Sicher merkt man ein wenig den Comic-Ursprung (die Handlung wird eher episodisch erzählt). Der ist mit Schweiger (in der Rolle und dem Alter passt er optimal), Krol, Rohde und Beck ideal besetzt. Wortwitz und Slapstick sind auf den Punkt. Dass man einige Witze heute so nicht mehr bringen könnte, machte es noch lustiger, allerdings auch ein Stück weit beunruhigend. 8/10
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Re: Zuletzt gesehener Film

10728
Bad Boys: Ride or Die

Im vierten Auftritt der bösen Jungs des Miami Police Department geht es entspannt zu. Altersmilde dürfen die bösen Jungs der Gegenseite dennoch nicht erwarten. Auch mit altersbedingten Zipperlein sind die beiden zänkischen Cops nach wie vor bewaffnet und gefährlich.

Das Buddy-Cop-Kino ist tot, es lebe das Buddy-Cop-Kino. So oder ähnlich haben wohl die Macher gedacht, als sie sich 4 Jahre nach dem dritten Teil ("Bad Boys for Live", 2020) eines 29 Jahre alten Originals ("Bad Boys", 1995) für ein weiteres Sequel entschieden. Diese lockere Herangehensweise ist das prägende Merkmal von "Bad Boys: Ride or die", und gleichzeitig sein größtes Pfund. Wo früher das Testosteron die Lässigkeit der beiden Miami-Cops Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) regelmäßig wegspülte, ist es inzwischen genau umgekehrt. Das soll nicht heißen, dass sich die beiden Buddies for life nicht nach bewährter Screwball-Manier weiterhin unentwegt kabbeln und balgen würden. Aber das Thema ist nicht mehr, wer mit wem wie oft kann und will, sondern wer den anderen an altersbedingten Zipperlein und Spleens übertrifft. Und natürlich passiert all das während und zwischen wüsten Schießereien, Prügeleien sowie diversen Highspeed-Verfolgungsjagden.

Seelenverwandtschaft, Panikattacken und Comedy-Kunst

Als geneigter Fan gerät man zwar ob des Gebotenen nicht in Ekstase, aber ein wohliges Mitwippen stellt sich schnell ein ...

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Re: Zuletzt gesehener Film

10730
Der Film hat keine Substanz, macht aber dennoch Spaß. Das ist alles B, bis auf das B(Budget). Manchmal reicht so etwas aber einfach aus. 6 Punkte ist keine schlechte Bewertung, aber ein Knaller ist sie auch nicht. Passt also. Meisterwerke waren auch die anderen Bad Boys Filme nicht und in diesem Feld schlägt sich der vierte sehr ordentlich. Aber ja, der Text gäbe auch 7 her.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10731
Ach ja.... es war unterhaltsam und hat mich in die guten alten 90er zurückversetzt wo mir Kino noch unverkrampften Spaß vermittelt hat (das geht schon los mit dem ungenierten Blick auf ein paar Bikini Häschen im Intro des Films).
Kann ich mich an irgendwas aus den Teilen 1 bis 3 erinnern? Nö. So wird es mir wohl auch mit Teil 4 gehen aber was solls. (wobei es schon hilfreich wäre, Teil 3 noch mal vor dem Kinobesuch zu schauen).

Smith und Lawrence labern, feixen und schießen sich durch eine belanglose Handlung als hätten sie die letzten Jahre nichts anderes gemacht, und JA, was habe ich Will Smith vermisst! Der scheint optisch sowieso altersresistent zu sein, aber auch seine Ausstrahlung und sein Comedy Timing ist noch genau so gut wie eh und je.
Inszenatorisch ziehen die beiden Regisseure alle Register und lassen den Film optisch hochwertig und interessanter wirken als das Budget von (wirklich nur?) 100 Mio. Da fliegt in mitten von wilden Schießereien die virtuelle Kamera durch Räume, Häuser, und mal sieht man alles aus einer Ego Shooter Perspektive die dann auch noch wechselt. Besonders lustig ist die Idee, dass die beiden Helden einer Actionszene nur per Überwachungskamera zusehen können. Burnetts Nahtoterfahrung wird absurd kreativ inszeniert, und auch Smith's Lowrey bekommt es mit Panikattacken zu tun. All das wirkt immer schön überdreht und wird nie zu ernst genommen.

Fazit: Großer Spaß wie aus der guten, unbedarften Zeit des Buddy-Action Kinos. In einer Zeit in der die Stones, ACDC und Westernhagen touren, zeigt sich, dass auch im Kino die alten Herren es immer noch am besten können
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Zuletzt gesehener Film

10732
Mein Problem mit den Bad Boys Filmen ist immer das gleiche: dieser extrem platte und peinliche Humor, den vor allem Lawrence schultern muss. Der erste Bad Boys Film ist ja merkwürdigerweise 80 Prozent der Zeit eben KEIN Buddy-Movie à la "Lethal Weapon", sondern eine absurde Verwechslungsgeschichte, bei der die Frau der Woche den uncoolen Lawrence für den (angeblich) coolen Smith hält. Das bisschen Action, was drin ist, ist Michael-Bay-typisch hohl aber spaßig, aber es ist halt auch recht wenig und wenn dann die Handlung auch nicht allzu spannend ist oder wenigstens interessante Nebenfiguren bietet (was bei "Lethal Weapon" ganz anders ist), dann bleibt nicht viel. Der zweite Bad Boys ist eigentlich indiskutabel und vollkommen menschenverachtender Scheißdreck, aber ich gebe zu, dass ich ein wenig Spaß daran hatte, den Film auszulachen. Es ist nicht wirklich ein Guilty Pleasure, aber ein Film, dessen offener Rassismus, Sexismus etc. so absurd überdreht ist, dass es eine Art Fiebertraum-Spannung entwickelt, frei nach dem Motto: "Mit was kommen die als nächstes noch um die Ecke?"

Die beiden modernen Fortsetzungen sind beide ganz okay, aber die beiden Regisseure Adil El Arbi and Bilall Fallah können überhaupt keine Action inszenieren. Alles ist komplett zerschnitten, so, dass ich vor allem beim vierten Teil jede Orientierung verloren habe, wer sich wo wann befindet. Natürlich wird zusätzlich zum hektischen Schnitt noch jeder Scheiß mit Wackelkamera gefilmt, damit man selbst unter höchster Anstrengung vollkommen vergessen kann, irgendwas in dem Gewusel zu erkennen. In Teil vier fällt zudem auf, wie das Duo teilweise versucht, die eher schwach choreographierten Ballerorgien durch schräge Kameratricks und allerlei Gimmicks aufzuwerten, was kaum gelingt - vor allem, weil diese Spielereien offensichtlich purer Selbstzweck sind und nie auf ihre Funktionalität hin abgeklopft wurden. "Wir machen das jetzt so, weil wir es können." - Okay, aber dann müsst ihr auch was können.

Bad Boys - 5/10
Bad Boys 2 - 3/10
Bad Boys for Live - 5/10
Bad Boys: Ride or Die - 4/10
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Re: Zuletzt gesehener Film

10733
Ehrlich, ich kenne die anderen drei kaum von daher kannst du da Recht haben. Dass du allerdings die Kamera und Inszenierung kritisierst überrascht. So unübersichtlich wie im modernen Kino seit Bourne ist das wirklich zumindest in Teil 4 bei weitem nicht. Wackelige Kamera ist mir gar nicht aufgefallen. Was natürlich ins Auge sticht sind die völlig überzogenen aber auch irgendwie absurd-virtuosen Kameraflüge durch ganze Kulissen, kombiniert mit ganz vielen Ideen was kreative Kameraeinstellungen angeht. Jepp, das ist totaler Selbstzweck aber doch irgendwie cool in diesem überdrehten Klamauk. Viel von diesem typischen Bad Boys / Will Smith Humor hat bei mir noch nie funktioniert, aber da wo es eher um echte Freundschaft geht, hat mich das doch gepackt.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10734
Ich fand das grauenhaft und bin da eigentlich relativ unempfindlich. Bei Bourne hat es mich in keinem Film gestört, in Taken dafür in allen Filmen. Hier war es so schlimm wie lange nicht, vielleicht ist es mein neues Negativ-Beispiel. Ich wusste in kaum einer Actionszene, was überhaupt passiert. Ganz schlimm war diese schräge Ego-Shoot-Videospielperspektive, die sich ständig um 180 Grad auf Will Smith dreht - und wozu? Weil es cool aussieht? Sah es nicht.

Ich fand diese "kreativen Kameraeinstellungen" daher auch nicht unbedingt kreativ, sondern einfach nur exzessiv reingeballert. Aber bei keinem dieser Gimmick-Momente hat sich ein Regisseur überlegt, was er damit beim Publikum auslösen will. Stattdessen versucht man mit viel technischem Brimborium massiv davon abzulenken, wie schwach die Action eigentlich ist, die man da zu bieten hat. Keine tolle Stunt-Arbeit, kein tolles Blocking, keine interessanten Dynamiken ... einfach nicht meins. Aber ich verstehe, dass man damit was anfangen kann, grade wenn man die 90s Filme dieser Art auch mag / mochte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10735
Superhelden sind out, vielleicht sind Antihelden dann wieder in? Das italienische Kulturgut "Diabolik" bewirbt sich schon mal vorsorglich:

Diabolik (2021)

Kühl-elegante Comic-Adaption um eine italienischen Popkulturikone, die trotz ihres betagten Alters einen erfrischenden Gegenentwurf zu den US-amerikanischen Jumpsuithelden der Gegenwart bietet.


Wenn maskierte Männer Verbrechen begehen und dabei auch noch die heillos überforderten Gesetzeshüter genüßlich an der Nase herum führen, dann landet man sehr schnell in der Popkultur. Das Spektrum dieser meist gebrochenen Helden reicht von aufrichtig und ehrenhaft (wie Sagengestalt Robin Hood, oder Roman-Vigilant Zorro) bis zu abgrundtief böse und psychopathisch (wie Batman-Nemesis Joker). Außerhalb des angloamerikanischen Kosmos haben sich nur wenige dieser Antihelden durchsetzen können und wenn, dann meist nur national. Die französische Ausprägung Fantomas erlangte durch die gleichnamige Filmtrilogie (1964-1957) mit Komiker-Legende Louis de Funès immerhin in Europa einen gewissen Bekanntheitsgrad. Dass Vergleichbares auch seinem italienischen Pendant „Diabolik“ gelingen wird, ist eher zweifelhaft, was schade ist, denn qualitative Gründe sprechen kaum dagegen ...

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Re: Zuletzt gesehener Film

10736
lange nichts aus meinem Lieblings-Jahzehnt gesehen - den 90er.
Heute dann:

Ausser Kontrolle (Chain Reaction); Regie Andrew Davis, 1996

Der junge Keanu Reeves mit einer noch jüngeren Rachel Weisz und einem sowieso niemals jungen Morgan Freeman und einem gewohnt grummeligen Brian Cox. Dazu eine Geheimdienst/Politik/Militär Verschwörungsstory erzählt weitesgehend als eine Auf der Flucht Variante. 90er Herz, was willst du mehr?
In diesem Fall hätte ich mir weniger gewünscht, nämlich deutlich weniger Jerry Goldsmith Score, der dröhnt und "fanfart" hier so dermaßen penetrant und permanent, dass der Film was unschaubar wird. (Fun Fact: Danach direkt noch Rambo III gesehen und da ist Goldsmith's Score wesentlich angenehmer)
Ach ja, Freeman ausnahmsweise mal in einer zwielichtigen Rolle.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10737
Gestern spontan in der ARD einen Film den ich seinerzeit schon im Kino sehen wollte:

Contra, 2020, Regie: Sönke Wortman

Ich mag deutsche Filme (wenn ich sie dann sehe) selten. Dieser hier hat mich in jeder Hinsicht positiv überrascht. Christoph Maria Herbst endlich in einer ihm würdigen Rolle die nicht dummer Klamauk mit Maske ist, dazu eine tolle Chemie zwischen ihm und Kollegin Nilam Farroq, ein interessantes Sujet mit viel Wortwitz in Szene gesetzt, dabei auch eine wie ich fand realistischer aber nicht aufdringliche Sozialstudie über zugezogenen in Deutschland. Sozusagen "Ernst" und "Unterhaltung" in einer gelungenen Balance.

Wenn ich es mir aussuchen könnte hätte ich gerne in der zweiten Hälfte mehr von den eigentlichen Debattier-Wettkämpfen gesehen und noch mehr vom "Training" der beiden. Was am Anfang noch sehr vielversprechend aufgebaut wird, wird dann leicht verwässert, da es immer mehr um den "sozialen Clash" geht und die Hintergründe der Studentin.

Letztens noch darüber philosophiert ob es noch wirklich lustige Filme gibt die sich auch verbal was trauen. Das hier ist einer davon (aber 2020 war auch noch mal anders). Würde den Film jedem empfehlen.

7-8 / 10
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Re: Zuletzt gesehener Film

10738
Über Humor lässt sich nicht diskutieren, aber was "traut" sich "Contra" bitte? Der Film ist so dermaßen angepasst und auf Linie, mehr geht nicht. Das ist das Vorzeige-Exemplar für politisch korrekten Humor und ein Film, der wie gemacht ist für die Ära nach Angela "Wir schaffen das" Merkel. Auf der einen Seite die Vorzeige-Migrantin, die mit harter Arbeit alles erreichen kann, auf der anderen Seite der "alltagsrassistische" weiße Mann, der es aber eigentlich nicht so böse gemeint hat. Wen soll das provozieren? Wen regt man damit zum Nachdenken an? Wenn der Film noch "mutiger" wäre, gäb es als Nebenfigur noch einen privat eigentlich netten Klimakleber, der von Farooq und Herbst gefragt wird, ob er es nicht ein biiiiiischen übertreibt mit seinem Protest und der das dann auch einsieht und von der letzten Generation zurück zu Friday's for Future wechselt. :mrgreen:
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Re: Zuletzt gesehener Film

10739
Ja ok. Stimmt. Ich glaube jedoch dass es selbst diesen Film mit den anfänglichen rassistischen Kommentaren so schon heute nicht mehr gebe. Sas ist aber auch egal
Ich fand dem Film lustig und unterhaltsam. Er muss gar nicht mutig sein
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Re: Zuletzt gesehener Film

10740
danielcc hat geschrieben: 16. Juli 2024 16:57 Ich glaube jedoch dass es selbst diesen Film mit den anfänglichen rassistischen Kommentaren so schon heute nicht mehr gebe.
Den Film von 2020/2021, als die Woke-Kultur auf ihrem absoluten Höhepunkt war, würde man drei Jahre später, jetzt da die Gegenbewegung langsam immer lauter wird, nicht mehr machen? Gewagte These. Zumal er ja nun grade im TV im ÖRR lief. :)
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