2270
von craigistheman
Agent
Ich wusste schon im November 2008 als ich total euphorisiert aus dem Kino kam, dass QoS für mich etwas ganz besonderes sein würde. Diesen Eindruck teilten auch meine besten Freunde, denen dieser Kinobesuch bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Das Level an Ambitionen hinter dem Projekt ist schon beachtlich, leider hat sich Bond meiner Ansicht nach bis heute nie wieder so „frisch“ angefühlt. Ich dachte damals wirklich, dass EON die Reihe auf eine neue Qualitätsstufe gebracht hätte. Die Parallelen zu Bourne mögen vielleicht aus der Montage und den realitätsbezogeneren Fights hervorgehen, viel mehr ist da aber wirklich nicht. Zudem empfinde ich QoS jedem Jason Bourne-Film in Sachen Plot, Dramaturgie, Choreografie und Ausstattung (letzteres ist vielleicht nicht ganz fair, da Bourne auf etwas anderes aus ist, ich lass es trotzdem mal drin) um einiges überlegen.
Im übrigen ist auch Bourne auf stilistischer Ebene keineswegs so visionär wie manche gerne hätten, sondern ein Kind seiner Zeit. Die Handkamera-artigen Schnittgewitter fingen mit Black Hawks Down und Bad Boys II an. Auch OHMSS war für seine Entstehungszeit unglaublich rasant und dynamisch geschnitten - meiner Ansicht nach auch einer der Hauptgründe, weshalb der Film in seinen Action-Sequenzen auch 52 Jahre später immer noch mitreißt.
Auch in der Repzeption gibt es Analogien zwischen OHMSS und QoS. Beide sind aufgrund ihres Spiels mit den Grenzen Bonds als Filmgenre inzwischen völlig zu Recht zu Fan-Favoriten avanciert. Ich habe das QoS-Bashing schon immer als enorme Ungerechtigkeit empfunden, vor allem in direktem Zusammenhang mit der Lobpreisung des nun wirklich nicht allzu einfallsreichen und höchst musealen Skyfall.
Mit Mendes wurde meines Erachtens ein völlig falscher Weg in die nostalgische Gefälligkeit eingeschlagen, der sich in SP sogar noch potenziert. Hoffen wir, dass Fukunaga dieser verlockend einfachen Option wiederstehen konnte, und tatsächlich etwas wagt, das NTTD das Werkzeug in die Hand gibt, den Karren aus dem Mendes'schen Brei zu hieven.
Ich freue mich zu lesen, dass QoS in diesem Forum nun endlich das Maß an Würdigung erfährt, das dem Film zusteht. EON scheint bis heute einen problematischen Zugang zu dem Film zu haben, was wirklich schade ist, da es dazu nicht den geringsten Grund gibt. Es offenbart leider eine sehr oberflächliche Facette des Unternehmens, obwohl es eine Zeit lang danach aussah, es herrsche Aufbruchstimmung.
Ich frage mich, ob die Craig-Ära, nach Neubesetzung der Hauptrolle genauso schnell passé sein wird, wie das Brosnan-Zeitalter. Und ich bin auch gespannt, ob sich nicht ein paar Beteiligte zu Wort melden und „auspacken“ werden, da mich diese Einstimmigkeit bezüglich Craig und seiner stets wachsenden Kontrolle über die Projekte schon immer stutzig gemacht hat.
"Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert."
"Doch wer sich bückt nach dem schmalen Taler, verpasst das große Bündel."