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von Casino Hille
'Q Branch' - MODERATOR
Ich schaue gerade mal wieder Terminator 4 (Salvation) und der Film ist einfach in vielerlei Hinsicht sagenhaft. Diese Endzeit-Atmosphäre ist wahnsinnig intensiv und vermeidet Gott sei Dank das Klischee, welches vor allem eben die drei Vorgänger Filme prägten, alles bei Nacht mit Schrottplatz-Lookalike-Kulissen zu zeigen. Nein, hier gibt es grelles Sonnenlicht, Staub und Hitze, und das wird den Erzählungen von Kyle Reese aus dem Originalfilm weitaus mehr gerecht, als das, was Cameron und Mostow in den Fortsetzungen andeutungsweise präsentiert haben. Die Inszenierung von McG ist wirklich sehr gut, und es wundert mich doch sehr, dass diese wenig gewürdigt wird von den Fans, obgleich er doch mit dem Helikopterabsturz etwa gleich zu Beginn, der krassen Brückenszene oder dem klasse Showdown wahre Actionhighlights der Reihe gezaubert hat, die erschreckenderweise weniger rein digital realisiert sind als ich es in Erinnerung hatte. Ansonsten muss ich sagen, dass ich die Besetzung richtig richtig gut finde und es immer noch als sehr schade wahrnehme, dass man bei Genisys die Rollen von John Connor und Kyle Reese umbesetzt hat. Ganz ehrlich: Christian Bale ist hier einfach die Idealbesetzung für Connor und keiner hätte das besser spielen können als er. Ist er ein Sympathiebolzen? Nein! Soll er das sein? Auf gar keinen Fall. Connor ist eine sehr schwierige Rolle, bei der schon in den Vorgängern damit gespielt wurde, dass wir ihn nie als den großen Anführer erleben, der er einmal sein wird. In T2 ist er ein Kind, ein junger Rebell, der aber wenig Charakterzüge eines Anführers und Widerstandkämpfers zeigt. In T3 ist es noch skurriler, obwohl bereits erwachsen, ist Connor eigentlich ein totaler Versager und hat keinerlei Ausstrahlung (weshalb der konturlose Nick Stahl - wenn auch ironisch - perfekt passte). T4 geht diesen Weg logisch weiter: Connor muss sich in der postapokalyptischen Welt immer noch seinen Mitstreitern gegenüber behaupten, auf ihm lastet quasi die Prophezeiung von ihm als großen Messias, für viele ist er ein falscher Prophet. Sie wollen schlicht nicht glauben, dass Connor der ist, der es heißt, er wäre es. Und genau das setzt der Film um und genau diesen Konflikt spielt Bale absolut fabelhaft. Genauso eben auch der leider nun verstorbene Anton Yelchin, den ich anfangs gar nicht als Reese mochte, der mittlerweile aber für mich die absolut richtige Besetzung war. Natürlich sieht er Michael Biehn kein Stück ähnlich, aber er bringt eine noch leicht bubihafte Facette in die Figur, die den Kontrast zwischen ihm und seinem älteren, männlicheren Vater wunderbar herauf beschwört und dieses Paradoxon damit schön veranschaulicht. Und ansonsten ist der Cast mit Michael Ironside oder Helena Bonham Carter ja ohnehin absolut namenhaft gestützt, auch wenn Sam Worthington natürlich der wahre Protagonist ist und er spielt seine Sache auch sehr sehr gut. Schön auch, dass der Film sowohl als Stand Alone Actioner funktioniert, aber man doch arg vom Wissen aus den Vorgängern profitiert (Brennstoffzellen für den T-800, die Rolle von Bryce Dallas Howard, die ganze Reese-Story, etc.). Was mir ebenfalls besonders gefällt, ist die Art und Weise, wie in Salvation die üblichen Terminator-Trademarks oder Running Gags eingebaut sind. Der "if you wanna live" Spruch wird als Identifikation von Reese genutzt (was beinahe metanarrativ auf die Bedeutung dieses Satzes in der Filmreihe verweist), "Welches Jahr?" wird natürlich ebenfalls nach Teil 1 wieder gefragt (was ein guter Lacher war) und die Nutzung des "I'll be back"-Satzes ist die einzige würdige Neuverwendung des Spruchs nach Terminator 1, weil sie sich ungezwungen aus der Situation ergibt und nicht nur gesagt wird, damit sie im Film eben gefallen ist. Außerdem ist es cool, wie die Musik dort anschwillt, um im entscheidenden Moment zu verstummen - ähnlich wie bei der legendären "Bond, James Bond" Vorstellung in GoldenEye verfahren wurde.
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Let the sheep out, kid.