Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

16
Solange man Lazenby in deutscher Synchro sieht, ist es schwierig ihn als Anfänger zu identifizieren, zumal er ja auch in vielen Szenen nicht viel spielen muss. Aber im Original und in den emotionalen Momenten ist er einfach schwach.

Allerdings halte ich Moore auch nicht grade für einen großen Mimen und Connery hat einfach durch Charisma und männliche Ausstrahlung vieles überstrahlt.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

17
AnatolGogol hat geschrieben:
Maibaum hat geschrieben:Der Hauptdarsteller ist schon wichtig, aber nicht mehr als der Schurke oder die Bondine (tolles Wort).
Screentime Bond: ca. 70-80%, Screentime: Bondgirl ca. 30%, Screentime Schurke: ca. 15%. Also aufgrund der Tatsache, dass man den Bonddarsteller eigentlich den ganzen Film über vor Augen hat sollte die Gewichtung da schon etwas höher ausfallen als bei den Nebendarstellern. :wink:
Maibaum hat geschrieben:Er ist in der Rolle weitaus besser als viele annehmen, und schauspielerisch auch nicht schwächer als Connery oder Moore, aber er hat nicht das große Charisma, das besondere Etwas.

Jedenfalls führt seine Darstellung nicht zu der geringsten Abwertung von OHMSS. Keine Ahnung warum du ihn sooo schlecht findest.
Damit sagst du ja nichts anderes, als dass ein völlig schauspiel-unerfahrener Darsteller genau so gut spielt wie Schauspieler mit jahrzehntelanger Erfahrung und fundierter Ausbildung. Also entweder Lazenby war ein absolutes Naturtalent oder Moore und Connery absolute schauspielerische Tiefflieger. Ich glaube an keines von beidem :wink:
Ja, aber ein Schauspieler muß gar nicht spielen können um gut zu sein, und Schauspieler die sich so furchtbar anstrengen gut zu sein können dabei auch furchtbar schlecht sein.

Es gibt keine Regeln für das was in Filmen funktioniert oder nicht. und ich sage ja auch gar nicht das GL preiswürdig spielt, aber er ist alles andere als ein Totalausfall. Es ist ja auch keine Rolle die viel verlangt.
Gerade im Vergleich zu Moore ist Lazenby kein Tiefpunkt. Und ich mag ja Roger. Mochte ihn immer. Er war der Bond meiner Generation. Aber schauspielerisch?

Und tatsächlich denke ich das Bond selber für das Funktionieren der Bondfilme gar nicht so wichtig ist. Also auch ein Totalausfall in der Hauptrolle würde einen Bondfilm nur wenig herunterziehen oder beschädigen.
Ein blasser Schurke ist da irgendwie schon schlechter für die Filme.


Apropos Schauspielerei.
Ich habe gerade noch einmal Kalter Frühling von Dominik Graf gesehen. Das ist schauspielerisch durchgehend brillant, von einem Regisseur der aus den unterschiedlichsten Schauspielern und Typen die unglaublichsten Leistungen herausholt. Da kann ich jede Geste, jede Mimik geniesen. (Mal abgesehen davon das hier auch noch eine komplexe Geschichte brillant erzählt wird)

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

18
Maibaum hat geschrieben:Ja, aber ein Schauspieler muß gar nicht spielen können um gut zu sein, und Schauspieler die sich so furchtbar anstrengen gut zu sein können dabei auch furchtbar schlecht sein.

Es gibt keine Regeln für das was in Filmen funktioniert oder nicht. und ich sage ja auch gar nicht das GL preiswürdig spielt, aber er ist alles andere als ein Totalausfall. Es ist ja auch keine Rolle die viel verlangt.
Gerade im Vergleich zu Moore ist Lazenby kein Tiefpunkt. Und ich mag ja Roger. Mochte ihn immer. Er war der Bond meiner Generation. Aber schauspielerisch?

Und tatsächlich denke ich das Bond selber für das Funktionieren der Bondfilme gar nicht so wichtig ist. Also auch ein Totalausfall in der Hauptrolle würde einen Bondfilm nur wenig herunterziehen oder beschädigen.
Ein blasser Schurke ist da irgendwie schon schlechter für die Filme.


Apropos Schauspielerei.
Ich habe gerade noch einmal Kalter Frühling von Dominik Graf gesehen. Das ist schauspielerisch durchgehend brillant, von einem Regisseur der aus den unterschiedlichsten Schauspielern und Typen die unglaublichsten Leistungen herausholt. Da kann ich jede Geste, jede Mimik geniesen. (Mal abgesehen davon das hier auch noch eine komplexe Geschichte brillant erzählt wird)
Deine Meinung sei dir unbenommen, aber ich kann sie ehrlich gesagt nicht mal ansatzweise nachvollziehen. Wir hatten das Thema ja schon mal vor einiger Zeit in einem anderen Thread. Ich denke du unterschätzt die schauspielerische Leistung von Leuten wie Connery oder Moore gewaltig. Schau dir Jim Carrey an, im Prinzip spielt auch er immer die gleiche Rolle, selbst in seinen ernsteren Filmen ist es oft auch "nur" sowas wie eine Variation davon. Trotzdem halte ich ihn für einen schauspielerischen Giganten. Der Unterschied zu "anerkannten" schauspielerischen Schwergewichten wie Nicholson oder De Niro ist doch einfach nur die Variabilität, ihre Wandlungsfähigkeit. Das hat aber nix mit ihrer absoluten Leistunsgfähigkeit zu tun. Auch ein "Ein-Typ-Schauspieler" kann vom darstellerischen her zu Topkategorie gehören, das Gesamtpaket zählt doch. Hat beispielsweise ein Moore auch nur in einem Film hölzern oder ungelenk gewirkt? Oder hat man bei ihm jemals den Eindruck, dass seine Darstellung gekünstelt oder angestrengt wirkt? Ich denke nicht (bei Lazenby in OHMSS aber sehr wohl). Ich kann deinen Standpunkt hier echt nicht nachvollziehen, gerade auch im Hinblick auf einen so wandlungsfähigen Darsteller wie Connery. Ich möchte weder Connery und schon gar nicht Moore auf den Olymp des Schauspiels heben, aber sie auf eine Stufe mit einem Schauspielanfänger zu stellen halte ich für schlicht falsch und ihrer Leistung in keinster Weise gerecht werdend. Wenn dem tatsächlich so wäre, dann wären Kriterien wie Ausbildung, Berufserfahrung oder handwerkliches Können für die Hauptrolle in einen Bondfilm völlig irrelevant und man könnte wie vor einigen Jahren in der Presse kolportiert wirklich Robbie Williams besetzen. Das dem nicht so ist, zeigt doch das Beipiel OHMSS und seine Resonanz beim Publikum recht eindringlich.

Ich wollte das Todschlag-Argument eigentlich vermeiden, aber zum Abschluß dann doch noch die durchaus ernstgemeinte Frage: wenn Lazenby darstellerisch alles so richtig gemacht hat in OHMSS bzw nicht "falscher" als die Herren Connery und Moore, warum legte er dann im Anschluss eine solch beachtliche Schauspielkarriere hin? Irgendwo hinkt deine Argumentation da doch ein bisschen, denn alles nur auf Charisma und Beliebtheit zu schieben ist, auch in diesem Metier, eine etwas zu einfache Formel.

danielcc hat geschrieben:Solange man Lazenby in deutscher Synchro sieht, ist es schwierig ihn als Anfänger zu identifizieren, zumal er ja auch in vielen Szenen nicht viel spielen muss. Aber im Original und in den emotionalen Momenten ist er einfach schwach.

Allerdings halte ich Moore auch nicht grade für einen großen Mimen und Connery hat einfach durch Charisma und männliche Ausstrahlung vieles überstrahlt.
Ja, aber wir reden hier doch vom Unterschied zwischen einem völligen Schauspielanfänger (noch dazu einem meiner Meinung nach wenig begabten) und zwei profilierten und professionellen Schauspielern. Verglichen mit einem Laurence Olivier oder Marlon Brando mag deine Aussage relativ betrachtet stimmen, aber doch nicht wenn man die drei genannten Bonddarsteller gegeneinander setzt. Den Punkt mit der Synchro kann ich nur absolut unterstreichen, hier sieht man sehr deutlich wie viel Verbesserung der Anteil eines absoluten Profis (also GGH als deutsche Stimme) zur Gesamtleistung beiträgt. Schaut man aber mal genauer hin, lässt sich auch in der deutschen Fassung das hölzerne und unbeholfene Spiel vom guten George nicht wirklich übersehen. Ich finde ihn übrigens nicht nur in den emotionalen Szenen schwach (wobei diese eigentlich noch so ziemlich seine besten sind, wahrscheinlich aufgrund langen Übens mit Hunt und etlicher Szenenwiederholungen) sondern den ganzen Film über (abgesehen von seiner in der Tat grandiosen Wirkung in den Actionszenen), das hat halt wirklich was von Laientheater oder Soapsternchen. :lol:
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

19
Puhh, jetzt wird es kompliziert.

Letztendlich kann das Bewerten von schauspielerischen Leistungen eben auch nur subjektiv sein. Die schauspielerische Ausbildung kann genau so gut ein Hindernis sein, wie ein Laie in der Lage ist den Profi an die Wand zu spielen.
Du hast schon recht, es gibt Schauspielertypen die oft unterschätzt werden weil sie anscheinend nicht so viel machen, während es auch stimmt das die sogenannten "großen" Schauspieler sich auch meist nur wiederholen. Also auch nur ein bestimmtes Repertoire immer wieder abrufen, egal was sie spielen.

Vor 3 Jahren hätte ich dir noch locker zugestimmt was Lazenby betrifft, aber trotzdem den Film deswegen nicht abgewertet. Aber jetzt weiß ich nicht mehr was an Lazenby schlecht sein soll.
Und mittlerweile denke ich komischerweise auch nicht mehr dass Connery in OHMSS besser gewesen wäre, schon gar nicht der gelangweilte Connery von YOLT. Und Moore mag ich mir gar nicht in dem Film vorstellen. Dalton aber schon.

Ich kann jetzt umgekehrt nicht nachvollziehen was an Lazenby sooo schlecht sein soll.
Und was Roger Moore betrifft. Sorry, aber er ist für mich tatsächlich ein hölzerner Darsteller. Aber nicht künstlich oder angestrengt, sondern immer lässig.

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

20
Maibaum hat geschrieben:Und was Roger Moore betrifft. Sorry, aber er ist für mich tatsächlich ein hölzerner Darsteller. Aber nicht künstlich oder angestrengt, sondern immer lässig.
Und genau die Lässigkeit und die Leichtigkeit seiner Darstellung gehören für mich eben auch zu seiner schauspielerischen Leistung dazu. Für mich besteht die schauspielerische Leistung von Moore nicht nur aus seinen 3 verschiedenen Gesichtsausdrücken und seinem britisch-steifen Auftreten (in Bezug auf seine Körpersprache) sondern darüber hinaus eben auch aus seinem Charme, seiner Lockerheit, seiner Eleganz, seiner Lässigkeit usw. bzw der Tatsache dass er diese Eigenschaften unangestrengt und völlig glaubwürdig auf der Leinwand rüberbringt. Sicherlich kommt Moore zu Gute, dass er über Teile dieser Eigenschaften auch in seinem privaten Charakter verfügt. Aber es besteht eben immer noch ein gravierender Unterschied diese Eigenschaften zu haben und sie auch glaubhaft und ungekünstelt auf der Leinwand rüberzubringen. Und das ist einer der Hauptpunkte, die an Lazenbys Leistung kritisiere, dass er diese "bondtypischen" Eigenschaften nicht rüberbringt genau wie dass er auf mich häufig wie ein Fremdkörper im Film wirkt, vor allem in den Szenen mit hervorragenden Darstellern wie Steppat oder Savalas. Ob das letztlich auch mit der Tatsache zusammenhängt, dass Lazenby Ende der 60er im Privatleben nicht über die bondtypischen Charakterzüge verfügte ist dabei für mich eigentlich irrelevant, da ich ja nur die Leistung "on Screen" beurteile, nicht aber den Weg dahin. Das Beispiel Connery ist ja auch ein gutes dafür, dass man Teile dieser Charaktereigenschaften auch sehr überzeugend darstellen kann ohne über sie im tatsächlichen Leben zu verfügen.

In einem Punkt sind wir uns aber mal wieder 100% einig: es ist und bleibt eine subjektive Angelegenheit. :)
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

21
Für mich gibt es zwei Dinge, die gute Schauspielerei bedeuten können:
1. Charisma/Glaubwürdigkeit: Jemand verkörpert eine bestimmte Rolle und auch die dafür erforderlichen Emotionen usw. sehr glaubwürdig . In dieser Hinsicht hat die Bondrolle wenig zu bieten, da sie wenig Emotionen erfordert. Dann kommt es aber darauf an, ob Typus der Darstellers mit dem der Rolle harmoniert. Perfektes Beispiel sicher Connery, der einfach Bond WAR. Durch Austrahlung, natürliche Bewegungen usa. Aber auch Moore war - wenn auch ganz anders - sehr glaubwürdig in dieser einen Rolle.

2. Wandlungsfähigkeit: Ein Schauspieler ist in der Lage viele verschiedene Rollen gleichsam glaubwürdig zu spielen. Man nimmt ihm verschiedene Rollen ab.

Natürlich kann ein Anfänger die Bondrolle glaubhaft rüberbringen. Ich glaube Moore hätte das auch ohne seine Ausbildung und Erfahrung nicht anders gespielt. Was Lazenby angeht: Man muss schon sehr genau hinschauen, um zu merken, wo er doch noch recht steif und wenig souverän agiert, aber solche Szenen gibt es. Er guckt dann immer besonders "wichtig" drein und weiß eigentlich nicht was er machen soll. Aber andererseits finde ich es auch nicht störend schlecht, zumal mit GGH Stimme dann fast "mehr Connery Feeling aufkommt als es ohne GGH's Stimme in DN" der Fall ist :-)

Aber das der Darsteller überhaupt keine Auswirkung auf das Urteil über die Filme hat, dem muss ich widersprechen. Im Gegenteil, ich habe mal gemeint, dass bei Bond der Darsteller wichtiger ist als alles andere. Da bin ich wieder bei Dalton, dessen Filme (zumal TLD) eigentlich alles bietet, er sogar ein guter Schauspieler ist (/sein soll) und dennoch ist er für mich (und scheinbar ja auch für andere) absolut unpassend in der Rolle, und damit seine Filme für mich auch nicht vollends als Bondfilme zu akzeptieren. Trotz drumherum, trotz Action und Stunts, trotz Story und trotz seiner Schauspielausbildung gibt es eben grade in der Bondrolle etwas, was man nicht antrainierne oder sonst wie kompensieren kann.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

22
danielcc hat geschrieben:
Aber das der Darsteller überhaupt keine Auswirkung auf das Urteil über die Filme hat, dem muss ich widersprechen. Im Gegenteil, ich habe mal gemeint, dass bei Bond der Darsteller wichtiger ist als alles andere. Da bin ich wieder bei Dalton, dessen Filme (zumal TLD) eigentlich alles bietet, er sogar ein guter Schauspieler ist (/sein soll) und dennoch ist er für mich (und scheinbar ja auch für andere) absolut unpassend in der Rolle, und damit seine Filme für mich auch nicht vollends als Bondfilme zu akzeptieren. Trotz drumherum, trotz Action und Stunts, trotz Story und trotz seiner Schauspielausbildung gibt es eben grade in der Bondrolle etwas, was man nicht antrainierne oder sonst wie kompensieren kann.
Es gibt aber auch viele die Dalton für den besten Bond Darsteller halten. Ich vielleicht auch.

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

23
danielcc hat geschrieben:Für mich gibt es zwei Dinge, die gute Schauspielerei bedeuten können:
1. Charisma/Glaubwürdigkeit: Jemand verkörpert eine bestimmte Rolle und auch die dafür erforderlichen Emotionen usw. sehr glaubwürdig . In dieser Hinsicht hat die Bondrolle wenig zu bieten, da sie wenig Emotionen erfordert. Dann kommt es aber darauf an, ob Typus der Darstellers mit dem der Rolle harmoniert. Perfektes Beispiel sicher Connery, der einfach Bond WAR. Durch Austrahlung, natürliche Bewegungen usa. Aber auch Moore war - wenn auch ganz anders - sehr glaubwürdig in dieser einen Rolle.

2. Wandlungsfähigkeit: Ein Schauspieler ist in der Lage viele verschiedene Rollen gleichsam glaubwürdig zu spielen. Man nimmt ihm verschiedene Rollen ab.

Natürlich kann ein Anfänger die Bondrolle glaubhaft rüberbringen. Ich glaube Moore hätte das auch ohne seine Ausbildung und Erfahrung nicht anders gespielt. Was Lazenby angeht: Man muss schon sehr genau hinschauen, um zu merken, wo er doch noch recht steif und wenig souverän agiert, aber solche Szenen gibt es. Er guckt dann immer besonders "wichtig" drein und weiß eigentlich nicht was er machen soll. Aber andererseits finde ich es auch nicht störend schlecht, zumal mit GGH Stimme dann fast "mehr Connery Feeling aufkommt als es ohne GGH's Stimme in DN" der Fall ist :-)

Aber das der Darsteller überhaupt keine Auswirkung auf das Urteil über die Filme hat, dem muss ich widersprechen. Im Gegenteil, ich habe mal gemeint, dass bei Bond der Darsteller wichtiger ist als alles andere. Da bin ich wieder bei Dalton, dessen Filme (zumal TLD) eigentlich alles bietet, er sogar ein guter Schauspieler ist (/sein soll) und dennoch ist er für mich (und scheinbar ja auch für andere) absolut unpassend in der Rolle, und damit seine Filme für mich auch nicht vollends als Bondfilme zu akzeptieren. Trotz drumherum, trotz Action und Stunts, trotz Story und trotz seiner Schauspielausbildung gibt es eben grade in der Bondrolle etwas, was man nicht antrainierne oder sonst wie kompensieren kann.
Connery hatte und hat als Privatmensch aber viel weniger mit der Bondrolle gemein als beispielsweise Moore. Genaugenommen war er vor Rollenantritt ja ein ziemlich grober Klotz, dem man erst mal sowas wie Kultiviertheit und rollengerechtes Auftreten beibringen musste. Es ist ja auch bekannt und Connery hat sich in Interviews da ja immer sehr offen dazu geäussert, dass ihm dieses ganze Gentleman-Gedöns mit feinen Anzügen und HighSociety-Kram privat völlig am Allerwertesten vorbeigeht. Ähnlich ist es ja auch bei Moore, der sich auch immer eher ablehnend geäussert hat über die härteren Seiten seiner Rolle, da sie seinem privaten Wesen wohl völlig widersprechen. Dennoch hat er sie sehr überzeugend gespielt. Deshalb tue ich mich immer sehr schwer mit Formulierungen wie "Connery war einfach Bond" oder "Moore spielt als Bond nur sich selbst". Wie ich schon schrieb: man wertet damit die darstellerischen Leistungen einfach ziemlich ab und wer einmal auf einer Laienbühne gestanden hat oder auch nur einen Vortrag vor einer Menge gehalten hat wird wissen, dass ungezwungenes Spiel und Auftreten kein Selbstläufer ist. Vor allem ist dies nicht jedem von Natur aus in die Wiege gelegt und genau hier können fundierte Ausbildung und technische Grundlagen schon enorm weiterhelfen. Auch von Moore weiss man ja, dass er der Arbeiterklasse entstammt und zu Beginn seiner Laufbahn alles andere als der weltgewandte Gentleman war, als den man ihn gemeinhin kennt. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass wir Moore gemeinhin mit dem Karriereteil von ihm verbinden, in dem er bereits 20 und mehr Jahre Schauspielpraxis auf dem Buckel hatte. Der früheste Film den ich mit ihm kenne ist der Historienschinken mit Lana Turner aus den 50ern und da wirkte er aber auch noch ziemlich entfernt von seiner späteren "Paraderolle" (obwohl er ja auch da schon ein Jahrzehnt Erfahrung auf dem Buckel hatte). Unsere Wahrnehmung von Moore ist ja fast so, als ob wir Connery erst ab den 80ern als Schauspieler wahrgenommen hätten (und wohl kaum einer wird abtreiten, dass Sean in diesem Jahrzehnt wohl mit seine besten Leistungen erbracht hat). Eine nicht zu unterschätzende Entwicklung ist also auch bei Moore ohne Zweifel gegeben.
Maibaum hat geschrieben:Es gibt aber auch viele die Dalton für den besten Bond Darsteller halten. Ich vielleicht auch.
Um es mit Roy Blacks Worten zu sagen: "du bist nicht allein..." :D
Wenngleich ich ehrlich gesagt gar keinen "besten Bond" benennen kann, da ein Connery und ein Moore auch ihre ganz persönlichen Stärken haben und ich diese nicht geringer schätze als die von Dalton.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

24
AnatolGogol hat geschrieben:
Maibaum hat geschrieben:Es gibt aber auch viele die Dalton für den besten Bond Darsteller halten. Ich vielleicht auch.
Um es mit Roy Blacks Worten zu sagen: "du bist nicht allein..." :D
Ist mir bewusst, aber:
Ausnahmen bestätigen die Regel und grad ein Fankreisen (egal welchen Themas) bilden sich immer sehr merkwüridge Subkulturen und Parallelgesellschaften mit nicht nachvollziehbaren Meinungen ;-)
Nein im Ernst: Ich glaube Dalton hatte nicht das, was die Rolle erfordert um beim Massenpublikum anzukommen. Das hatten aber Connery, Moore und Brosnan. Mit Schauspielkunst hat es allerdings weniger zu tun, glaube ich.

Wenn ich mir vorstelle, dass Dalton in meinen persönlichen Lieblings-Bondfilmen (DN, TSWLM, GE, CR) gespielt hätte, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass mir die Filme ähnlich gut gefallen würden
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

25
danielcc hat geschrieben:Ist mir bewusst, aber:
Ausnahmen bestätigen die Regel und grad ein Fankreisen (egal welchen Themas) bilden sich immer sehr merkwüridge Subkulturen und Parallelgesellschaften mit nicht nachvollziehbaren Meinungen ;-)
Nein im Ernst: Ich glaube Dalton hatte nicht das, was die Rolle erfordert um beim Massenpublikum anzukommen. Das hatten aber Connery, Moore und Brosnan. Mit Schauspielkunst hat es allerdings weniger zu tun, glaube ich.
Dass Dalton kein Kassenmagnet war bestreiten glaube ich aber noch nicht mal seine Hardcorefans. Aber mal ehrlich, was ist aussagekräftiger: wenn sich "Fachidioten" wie wir das Hirn über jede noch so unwichtig erscheinende Kleinigkeit zermartern und in diesen Kreisen dann überproportional viele Leute zu dem Schluß gelangen, dass Dalton der oder zumindest einer der besten ist oder wenn die breite Masse, die im Idealfall vielleicht eine Handvoll Bondfilme kennt Dalton für ungeeignet für die Rolle mittels Kinoabsenz aburteilt? :wink: :D
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

26
AnatolGogol hat geschrieben:Aber mal ehrlich, was ist aussagekräftiger: wenn sich "Fachidioten" wie wir sich das Hirn über jede noch so unwichtig erscheinende Kleinigkeit zermertern und in diesen Kreisen dann überproportional viele Leute zu dem Schluß gelangen, dass Dalton der oder zumindest einer der besten ist oder wenn die breite Masse, die im Idealfall vielleicht eine Handvoll Bondfilme kennt Dalton für ungeeignet für die Rolle mittels Kinoabsenz aburteilt? :wink: :D

Ich bin da ziemlich populsitisch: Der beste Bond ist der, der gewisse Anforderungen erfüllt (zB Britisch) und am besten beim Massenpublikum ankommt. Nichts anderes zählt eigentlich im Sinne des langfristigen Fortbestands der Serie
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

27
danielcc hat geschrieben:Ich bin da ziemlich populsitisch: Der beste Bond ist der, der gewisse Anforderungen erfüllt (zB Britisch) und am besten beim Massenpublikum ankommt. Nichts anderes zählt eigentlich im Sinne des langfristigen Fortbestands der Serie
Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten gebe ich dir da natürlich völlig recht! Aber ich bin zu sehr Fan (und vor allen Dingen nicht der Produzent der Filme), als dass solche Überlegungen für mich von Bedeutung sind. Mal abgesehen davon, dass wir hier ja über historische Sachverhalte sprechen. Von daher ist es völlig irrelevant, ob sagen wir zwei weitere Filme mit Dalton die Serie ins Grab gebracht hätten. Es ist nicht so gekommen, also können wir uns völlig frei von ökonomischen Zwängen auf die Qualität der Daltonschen Darstellung bzw Filme konzentrieren :D
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Wechselwirkung Film – Bonddarsteller

30
Ganz im Ernst, habe jetzt lange drüber nachgedacht aber es ergibt sich zumindest für mich kein einheitliches Bild.
- Es gibt Filme die ich weniger mag wegen des Hauptdarstellers
- es gibt Filme, die ich mehr mag wegen des Hauptdarstellers,
- es gibt Filme die ich wenige mag obwohl ich den Hauptdarsteller mag
- usw.

Prinzipiell glaube ich, dass ein beliebter und charismatischer Bonddarsteller viel rausreißen kann und generell für den Erfolg der Filme wichtig ist.
"It's been a long time - and finally, here we are"