Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#197
Maibaum hat geschrieben:
26. Juli 2019 18:56
Die Surf Szene zu Satisfaction ist die einzige Szene die Coppola in der KF an einer anderen Stelle, nämlich deutlich früher, platziert hatte. Sie ist im FC wie auch in der Redux da wo sie, auch von den Anschlüssen her, geplant war.
Ah, okay, dann ist das im Redux auch schon so gewesen, da war ich mir nicht mehr ganz sicher. Hatte die Szene jedenfalls im Kino viel früher erwartet, finde sie aber an der Final Cut Position absolut perfekt.
Maibaum hat geschrieben:
26. Juli 2019 18:56
Mit Ausnahme der Surfboard Szene, die mich wirklich stört
Was empfindest du an der Szene als problematisch? Ich finde dieses erweiterte Ende für die Kilgrave Geschichte des Films großartig, und mag es, wie die Crew beim nächtlichen Versteck vor seinem Helikopter einen Moment in gemeinsamen Amusement verbringen, weil es für mich als Zuschauer die Charaktere stärker aneinander bindet, ehe später etwas das unnötige Massaker des Fischerboots und Willards Liquidierung der verwundeten Frau sie wieder deutlich auseinander reißt.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#198
Und ich empfinde diese ganze Surfboard Passage als einen unangenehmen Stilbruch. Nicht nur weil dort unpassender Humor reinkommt, sondern auch weil Willard und Kilgore hier in einer Art gezeichnet werden die dem Film schaden.
Kilgore steht natürlich schon vorher am Rande der Überzeichnung, während aber die vielen kleineren Ergänzungen vor dem Surfboard-Klau dem Film durchaus gut tun, wird es dann direkt nach dem ursprünglichen Ende der Szene zuviel, dann kippt er ins Alberne, und das tut weder ihm noch dem Film gut.
Der Schnitt, wie er in der KF gemacht wurde, war perfekt so wie er war, auch wegen des Übergangs mit dem wieder aufgenommenen Dialog.

Und auch für Willard empfinde ich sein Verhalten, vor allem sein jungenhaftes Grinsen in der Szene, als falsch. Dafür zeichnet ihn die düstere Anfangsmontage schon viel zu stark in die Richtung in die er auch später durchweg betrachtet wird.

Nee, ich denke jetzt, das von dem ganzen neuen Material, von den kleineren Passagen abgesehen, nur der Teil mit den Franzosen dem Film wirklich etwas bringt. Insofern ist der FC dann doch die beste Fassung des Films, obwohl die KF die in sich geschlossenste Fassung darstellt.

Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#199
Godfather 1 und 2.

Nach einer mehrjährigen Pause - vor der ich beide schon zig mal gesehen hatte - war es mal wieder soweit. Und ich kann beruhigt schlafen, denn beide gehören nach wie vor zu den besten Filmen, die je gedreht wurden. Der spassige (und eigentlich unnötige, da wir über Wertungen jenseits der 10 sprechen) Vergleich, welcher jetzt besser ist, ist für mich mittlerweile gar nicht mehr so leicht zu beantworten. Teil 1 ist im Direktvergleich beinahe schon straff und simpel, Teil 2 lotet die Grenzen in seinem gigantischen erzählerischen Rahmen noch viel weiter aus. Tolle Szenen und eine perfekt funktionierende Struktur haben beide in Hülle und Fülle, beide ergänzen sich und stehen doch für sich selber, beide haben ein erschütternd hartes, aber in seiner Tragik doch irgendwie schönes Ende mit einer perfekt wirkenden Schlusseinstellung. Und Rotas Score ist ein Gedicht.

Coppola wirft mit hervorragend konzipierten, geschriebenen, besetzten und gespielten Rollen nur so um sich, auch da nehmen sich die Filme nicht viel. Teil 1 hat mehr Duvall, Teil 2 dafür mehr Cazale. Teil 1 hat Abe Vigoda, Lenny Montana und Richard Castellano, Teil 2 hat Lee Strasberg, Gastone Moschin und Michael V. Gazzo. Teil 1 hat Brando, Teil 2 De Niro, die beide übermenschlich agieren. Gerade Brando, den man womöglich in diesem Film als selbstverständlich erachtet, ist in seiner doch recht überschaubaren Screentime (und einem filmhistorischen Legendenstatus, der im Prinzip nur auf den ersten zehn Minuten fusst) absolut herausragend, aber De Niro ist halt De Niro als Vito Corleone und damit kaum weniger gut. Pacino ist auch hervorragend in seinem minimalistischen, kontrollierten Spiel, Teil 1 hat da halt den Vorteil, dass seine Rolle mehr Empathie bietet während der Pacino im zweiten Teil durch seine weit fortgeschrittene skrupellose Verrohung eher aus der Distanz zu sehen ist. Und das alles ist nur die Spitze des Eisbergs.

Die Filme rocken.
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Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#201
Da könnte ich gleich die Besetzungsliste von IMDb kopieren. Ich merke gerade, ich habe auch Jimmy Caan nicht genannt. Oder Talia Shire. Oder die Darsteller von Carlo Rizzi, Don Barzini, Moe Greene, all die Sizilianer und so weiter, und so fort. Oder die jungen Tessio und Clemenza. Oder Genco und sein Vater. Und, und, und... Hör doch auf. :wink:
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Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#202
Interessant, nach Cotton Club und Apo Now nimmt sich Coppola nun auch noch mal Godfather III vor:

https://www.blu-ray.com/news/?id=27367

Ich glaube zwar kaum, dass das den Film bzw. seine Qualität wesentlich verändert, aber warum nicht - zumal ja auch die Originalfassung gleich mit restauriert wird. Der in der Meldung angesprochene neue Anfang ist dann vermutlich das in der Kinofassung später angeordnete erste Treffen zwischen Michael und dem Erzbischoff im Vatikan.
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Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#203
Auf jeden Fall interessant. Im Falle von "Apocalypse Now" hat Coppola ja auch mehrfach nachhelfen müssen, um den perfekten Film draus zu machen, der das Antikriegsepos jetzt im "Final Cut" endlich ist. Schön möglich, dass sich aus "Pate 3" auch mehr rausholen lässt.
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Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#204
Mal eine Frage in die Runde:

Auf wen bezieht sich eurer Meinung nach eigentlich der Titel The Godfather/Der Pate? Vito? Michael? Wechselt es zwischen den Filmen? Oder ist es für euch mehr ein universeller Titel, der sich auf den Mafiabackground allgemein bezieht statt auf eine konkrete Figur?

Letzteres scheitert für mich am Artikel, also das The/Der im Titel, welches doch ziemlich deutlich sagt, dass es hier um den Godfather/Paten geht. Und für mich ist es Michael. Mit dem Wissen um alle drei Filme sowieso, aber auch schon im ersten Teil. Den der ist (entgegen dem Abspann und dem Oscar, welche Brando den Spitzenplatz gaben) Michaels Geschichte, sein "Character arc" wie der Ami sagt, und am Ende ist Michael der Godfather/Pate. Und auf diese Godfather-/Patenwerdung bezieht sich für mich der Titel, dann fortgesetzt in den Teilen zwei und drei.

Was gegen meine Interpretation spricht ist der eröffnende Text in Teil 2, der verkündet "The Godfather was born Vito Andolini in Corleone, Sicily in 1891, bla bla". Das passt dann nicht ganz zusammen, weil der Titel Godfather/Pate auch hier sehr bestimmt individuell wirkt, sich aber auf Vito bezieht.

Wie seht ihr das?
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Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#205
Sowohl als auch. Für mich ist die Trilogie die Geschichte von Michael. In I wird er zum Paten, in II ist er der Pate, in III gibt er Titel und die damit verbundene Machtfülle ab. Unter diesem Gesichtspunkt würde ich daher sagen, dass wenn wir nach "DEM" Paten suchen es fraglos Michael ist. Darüberhinaus ist es aber auch ein gebräuchlicher Ehrentitel, der mehrfach Verwendung findet. Konkret bei Vito und Altobello (Connie nennt ihn explizit Pate/Godfather), aber eigentlich bei jedem der diversen "Dons".
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Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#206
Kleine Ergänzung: Ich meine explizit den Filmtitel, nicht den Titel im Sinne eines Ehrentitels (also à la "Doktor", "Sir" etc.). Meintest du das auch? Ich denke dass sich der Titel des dritten Films nicht auf Altobello bezieht ist klar, aber natürlich beantwortest du meine Frage trotzdem indirekt wenn du sagst, dass für dich Michael der Protagonist ist.
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Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#208
Maibaum hat geschrieben:
22. September 2020 09:53
Der Originaltitel bezieht sich denke ich auf Brando.

Man kann das auch an den alten Kinoplakaten sehen. Teil 1 zeigt Brando, Teil 2 (wie auch Teil 3) zeigt Pacino.

Aber es ist auch in Teil 1 klar die Geschichte von Michael bzw. von seinem Werdegang zum Paten. Nach dem Attentat taucht Vito ja nur noch sporadisch auf. Aber du hast insofern recht, dass Vitos Auftreten als Pate in Teil I viel elementarer und nachhaltiger ist, als das von Michael - und das obwohl letzterer in der zweiten Filmhälfte vermutlich mehr in Ausführung seines Amtes gezeigt wird als Vito im ersten Drittel. Aber Brando hat die besseren und denkwürdigeren Szenen, er prägt das Paten-Image/Klischee auch viel nachhaltiger als es Michael mit seiner Businessman-Attitüde tut. Es ist denke ich aber kein Zufall, dass der Film mit einer Ehrbezeugung gegenüber Don Vito beginnt und meiner einer solchen gegenüber Don Michael endet. So gesehen hat Teil I zwei Paten. Das könnte man zwar auch bei Teil II und III anführen, aber weder Vito der jüngere noch Vincent haben den Stellenwert von Vito dem älteren. Und das obwohl ich ohne es je gemessen zu haben vermuten würde, dass sowohl De Niro als auch Garcia mehr Screentime haben als Brando. Aber wie gesagt: Brando hat die viel denkwürdigeren Szenen (was weniger gegen Teil II und III spricht als mehr für die Vito-Passagen in I).

Von daher ergänze ich meinen ersten Post:
"DER" Pate in I: Vito & Michael
"DER" Pate in II: Michael
"DER" Pate in III: Michael
GoldenProjectile hat geschrieben:
22. September 2020 09:50
Kleine Ergänzung: Ich meine explizit den Filmtitel, nicht den Titel im Sinne eines Ehrentitels (also à la "Doktor", "Sir" etc.). Meintest du das auch? Ich denke dass sich der Titel des dritten Films nicht auf Altobello bezieht ist klar, aber natürlich beantwortest du meine Frage trotzdem indirekt wenn du sagst, dass für dich Michael der Protagonist ist.
Ich meinte, dass es "DEN" Paten (=auf den der jeweilige Titel sich bezieht) für mich gibt, aber eben gleichzeitig auch "die" Paten.
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Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#209
Natürlich handelt Teil 1 davon wie Michael die Nachfolge antritt, er ist natürlich die eigentliche Hauptrolle, es ist seine Geschichte, aber ich denke erst in der grandiosen Schlußszene wird er dann wirklich zum Paten. Und mit dem Titel von Film und Buch ist vor allem oder zumindest in erster Linie noch Vito gemeint. Im Roman wird ja auch noch Vitos Kindheit geschildert, also das was dann zur Grundlage der Rückblenden in Teil 2 wird.

Wenn ich an den Titel Der Pate denke, dann habe ich jedenfalls erst mal Brando vor meinem geistigen Auge.

Re: Die Filme des Francis Ford Coppola

#210
AnatolGogol hat geschrieben:
22. September 2020 10:21
Ich meinte, dass es "DEN" Paten (=auf den der jeweilige Titel sich bezieht) für mich gibt, aber eben gleichzeitig auch "die" Paten.
Das sowieso. "The King" bezieht sich ja auch (als Filmtitel) auf Henry V obwohl da noch andere Könige rumrennen. Ist im Verhältnis aus jeweiligem "Adelstitel", Filmtitel und Figurenkonstellation recht gut mit dem Paten zu vergleichen.

Aber mit dem bestimmten Artikel kann sich der Filmtitel halt nur auf einen beziehen, es könnte höchstens zwischen den Filmen wechseln. Aber der erste Teil ist ja schon Michaels Geschichte, und schliesst den Kreis zum Filmtitel in der letzten Szene wenn Kay die Türe vor der Nase zugeknallt kriegt. Dadurch ist der Filmtitel weniger ein cooler und naheliegender Mafiabegriff sondern mehr eine clevere und etwas zynische Zusammenfassung von Michaels Aufstieg (und damit tragischem Abstieg in seiner Menschlichkeit) zum Don.

Dass Brando wie von Maibaum gesagt das Poster ziert hat für mich nicht zwingend viel mit der Auslegung des Filmtitels zu tun, er war halt das Zugpferd (obwohl seine Verpflichtung ja als riskant angesehen wurde) gegenüber dem Newcomer Pacino und das ikonographische "Symbol" mit hohem Wiedererkennungswert. Mein Merchandise (Tassen, T-Shirts, Blechschilder...) zeigt immer Vito senior, nie Pacino oder De Niro. Aber der eigentliche Protagonist ist trotzdem Michael.

Diese Präsenz der Vito-Szenen in Teil 1 ist schon bemerkenswert, und ist mir bei der letzten Sichtung mehr denn je aufgefallen. Das ikonographische Bild von Brando als katzenstreichelnder Don im Smoking existiert im Film nur in den ersten 15 Minuten.
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