Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Invincible1958 hat geschrieben: 2. November 2020 16:10 Übrigens finde ich den Begriff "Western" ja als Genre sehr ungenau.
Denn im Grunde heisst es ja nur, dass der Film in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Westen der USA spielt.
Dabei kann es sich dann aber um ein Drama handeln oder einen Actionfilm, oder auch eine Komödie.
Dann wäre "Sci-Fi" als Genrebegriff auch sehr ungenau, denn im Grunde heißt das auch nur, dass der Film irgendwann in der Zukunft (ausgehend vom Entstehungsjahr des Films) angesetzt ist. Dabei kann es sich dann aber auch um ein Drama ("Children of Men") oder einen Actionfilm ("Minority Report") oder um eine Komödie ("Men in Black") handeln.

Und das sehe ich dann ehrlich gesagt ganz anders, denn wenn man so anfängt, sind eigentlich alle Genre-Bezeichnungen wirklich sehr ungenau, wenn man länger über sie nachdenkt. Wichtig ist doch, dass die breite Masse sich unter Begriffen wie "Western" etwas vorstellen kann, und diese Vorstellung eine grobe Orientierung bieten. Dafür sind Genre-Bezeichnungen ja da.
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Hehe, ganz streng genommen gibt es nur zwei Genre: Komödie und Drama. So haben es die alten Griechen definiert.

Das "Western"-Genre ist jedenfalls nicht mehr oder weniger offen als die Genre-Bezeichnungen "Fantasy", "Action" oder "Thriller", unter denen auch alles mögliche laufen kann. Wüsste jetzt nicht, warum das nur auf bestimmte Kategorien zutreffen soll – oder warum das keine echten Filmgenre sein sollten.
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Casino Hille hat geschrieben: 2. November 2020 17:10 Hehe, ganz streng genommen gibt es nur zwei Genre: Komödie und Drama. So haben es die alten Griechen definiert.
Richtig. Alles andere sind eben eigentlich keine Genres, sondern wurden nur dadurch zu Genres gemacht, weil sie sich im Volksmund als solche etabliert haben.

Der Unterschied zwischen "Action" und "Thriller" auf der einen und "Western" auf der anderen Seite ist der, dass der Western als solcher eigentlich vor allem durch das Setting definiert wird. Bei "Action", "Thriller", "Komödie" oder "Drama" ist das Setting hingegen total egal.
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Mag prinzipiell so sein, aber auch das Wort "Action" ist letztlich ein recht hohler Ausdruck, bei dem von "Der unsichtbare Dritte" über "Bullitt" bis "Hero" so ziemlich alles gemeint sein kann, in dem die Handlung über Actionszenen erzählt wird. Bei Filmen wie "Stirb langsam" hängt der jeweilige Zuschauer dann gerne das Prädikat "Actionthriller" hinten ran, weil er ihn zwar spannend und klaustrophobisch findet, aber auch viel geballert wird. Nicht nur deswegen sind mir solche Einteilungen zu doof – persönlich würde ich für mich sogar sagen, dass mir die Einteilung "Western" viel mehr bringt als die Einteilung "Action", denn während hinter "Action" so ziemlich alles liegen kann, habe ich bei "Western" schon ein recht konkretes Setting vorgegeben.
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Casino Hille hat geschrieben: 2. November 2020 17:55Persönlich würde ich für mich sogar sagen, dass mir die Einteilung "Western" viel mehr bringt als die Einteilung "Action", denn während hinter "Action" so ziemlich alles liegen kann, habe ich bei "Western" schon ein recht konkretes Setting vorgegeben.
Viele Leute verstehen unter dem Begriff "Western" entweder Filme im Stile der meisten John Wayne-Filme, oder Italo-Western oder Winnetou.

Filme wie "There Will Be Blood" oder "Der mit dem Wolf tanzt" haben die wenigsten im Kopf, wenn sie einen typischen Western beschreiben sollen.

Und selbst "Spiel mir das Lied vom Tod" hat das Setting, mehr aber auch nicht. Keine Cowboys, keine Indianer, keine Postkutschen.
Die zeitlose Geschichte, die dort erzählt wird, hätte man auch in jedes andere Jahrhundert verlegen können. Die Zeit des Wilden Westens hilft aber ungemein die Machenschaften von heutigen Großkonzernen mithilfe von 5 Charakteren, die jeder für sich eine andere Seite repräsentieren, darzustellen. Man kann Kapitalismus auf das einfachste runterbrechen, wenn man die Story im Wilden Westen erzählt und nicht an der heutigen Wall Street.

Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Sorry, aber das widerspricht nicht dem, was ich gesagt habe. Ja, keine Genreeinteilung ist perfekt, aber beim Western habe ich ein viel konkreteres Bild vor mir als bei einem Thriller oder Actionfilm. Das sind Wörter, bei denen fast alles dahinter stecken kann, während ich beim Western zu 96 Prozent zutreffend zumindest die ein oder andere Rahmenbedingung bereits kenne. Und "Spiel mir das Lied vom Tod" hätte man so nur im Wilden Westen erzählen können, denn der Film handelt mindestens so sehr von Kapitalismus-Kritik wie auch vom Entstehen von Zivilisation und dem Mensch als Naturwesen - und dann behandelt er auch noch einen Haufen Western-Mythen, die essentiell für das Gesamtbild des Films sind und die so nicht enthalten sein könnten, wäre es kein Western. Wenn das Setting bei "Spiel mir das Lied vom Tod" beliebig ist, dann ist das Setting von absolut jedem Film beliebig und austauschbar (eine Meinung, die man sicherlich vertreten kann, wenn man denn will). Dann gibt es gar keinen Film, der im Wilden Westen erzählt werden muss, und gar keinen Film, der als Actionfilm erzählt werden muss. Wenn man es so sieht, dann ist "Star Trek" auch gar keine richtige Sci-Fi-Serie, da sie ausschließlich Themen verhandelt, die man auch ganz anders verhandeln könnte, und bei denen das Raumfahrt-Weltraum-Gefüge nur der Vereinfachung dient.
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Wenn ein Film als Action-Film angekündigt wird, dann erwarte ich Action.

Wenn ein Film als Western angekündigt wird, dann lass ich mich überraschen - denn es könnte ein Action-Film sein, aber auch ein Drama oder ein Thriller, oder auch ein theatrales Kammerspiel ("The Hateful Eight").

Ich habe überhaupt nichts gegen den Begriff "Western". Ich finde nur, dass er einem wenig bis gar nichts verrät was für einen Film man gleich sehen wird.

Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Ich wüsste auch nicht, wo man Produktionskosten von Filmen aus den Jahrzehnten findet, wenn es sich nicht grad um "Rekorde" handelt.

"Cleopatra" war 1963 mit über $30 Mio der teuerste Film aller Zeiten. In den Wert heutiger Dollars umgerechnet kann man das fast mal 10 nehmen.
Ich denke die meisten Western in den 40ern, 50ern und 60ern haben wohl so zwischen $0,5 Mio und $6 Mio gekostet - denn der Aufwand war ja schon geringer als bei den zu dieser Zeit beliebten Monumentalfilmen ("Ben Hur" hat 1959 etwa $15 Mio gekostet)

"12 Uhr mittags" (1952) hat $750.000 gekostet, "Spiel mir das Lied vom Tod" (1969) hat $5 Mio gekostet, und gehörte damit sicherlich schon zu den teueren Exemplaren des Genres. Wobei die Info interessant ist, dass über die Hälfte des Budget nur für die Gagen der Hauptdarsteller drauf ging.

Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Invincible1958 hat geschrieben: 3. November 2020 01:23 "Spiel mir das Lied vom Tod" (1969) hat $5 Mio gekostet, und gehörte damit sicherlich schon zu den teueren Exemplaren des Genres.
Allgemein werden eher 3 - 3,5 Mio $ in den Leone Büchern genannt, das war nicht teuer für die 60er. Das macht ihn sicherlich zum teuersten IW, aber gemessen an teuren US Western von damals war das eher kostengünstig, was natürlich auch daran lag, daß er überwiegend in Europa gedreht wurde, bzw trotz US Geldern eine europäische Produktion war.

Ein sehr teurer Western dürfte damals Duel in the Sun (1946) gewesen sein, inflationsbereinigt auch einer der Erfolgreichsten.

Auch so ein Monsterfilm wie How the West Was Won (1962) sollte zu den Budget Königen gehören, und für John Waynes The Alamo (1960) habe ich ca 11 mio im Gedächtnis. The Wild Bunch lag bei ca 5,5 mio, was auch gemessen am Aufwand recht günstig war.

Oh, und natürlich der liebe Heaven's Gate, der lässig zwischen 40 - 50 Mio $ endete.
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