Sylvester Stallone Thread
Verfasst: 8. Mai 2012 20:25
Vielleicht hat der ein oder andere von euch ja ein bisschen Lust hier über die größte Ikone der 80er Jahre zu plaudern. Als Kind der 80er wurde ich damals mit Slys Actionreisser groß und entsprechend geniesst er bei mir trotz diverser Karrieretiefpunkte durch die 90er und frühen 00er immer noch größte Hochachtung. Nicht zuletzt aufgrund seines Werdegangs und der Tatsache dass er genau wie sein populärster Charakter Rocky Balboa alles auf eine Karte gesetzt und gewonnen hat indem er das seinerzeit begehrte Script zum ersten Rocky nur unter der Voraussetzung verkaufte die Hauptrolle zu bekommen. Darüberhinaus bewundere ich seine vielseitige Begabung als Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler. Gerade letzteres kam seit Beginn der 80er etwas kurz, nachdem er zu Beginn seiner Karriere sich ganz klar im Charakterfach bewegt hatte und das mehr als überzeugend in Filmen wie Rocky, F.I.S.T oder Vorhof zum Paradies. Schade dass den beiden letzteren Filmen wenig Erfolg an der Kinokasse vergönnt blieb uns Sly konsequent wie er zumeist in seiner Karriere war fortan sein Glück nahezu ausschliesslich im Actiongenre versuchen sollte. Dennoch konnte er auch hier in einigen Rollen sein darstellerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, so ist beispielsweise die Schlussszene in First Blood nach wie vor ein echter Gänsehaut-Moment für mich. Erstaunlich finde ich auch seine Entwicklung als Regisseur. Hier hatte er bereits in seinen beiden ersten Regiewerken - Vorhof zum Paradies und Rocky II - ein enormes Händchen für atmosphärische Milieuschilderung und emotionales Storytelling bewiesen. In den 80ern zeigte er in Filmen wie Rocky III und IV und selbst in dem Travolta-Vehikel Staying Alive enormes Talent in der visuellen Inszenierung seiner Filme (trotz aller Oberflächlichkeit: vor allem die beiden erst genannten Filme sind in ihrer stilisierten 80s Optik immer noch ein visuelles Erlebnis). In seinen jüngsten Werken vereint er all diese Stärken und ist mittlerweile zu einem Regisseur mit wirklich erstaunlicher Bildsprache geworden. Gerade im Directors Cut zu Rambo IV bewies er darüber hinaus, dass man mit vergleichbar wenigen Änderungen einem Film eine ganze andere Richtung und Qualität geben kann, daher widme ich diesem Film noch eine kurze Betrachtung.
Rambo IV - Director´s Cut - Sylvester Stallone
Die Kinoversion vom vierten Ramboteil lies mich seinerzeit im Kino ziemlich ratlos zurück. Meine Erwartungen waren in eine ganz andere Richtung gegangen - ich hatte eher einen Oldschool-Actioner im Stil der ersten drei Teile erwartet. Statt dessen bekam man einen sehr kühl stilisierten Film zu sehen, dem der Spagat zwischen sehr ernstem Thema und fast schon pornographischen Actionszenen nicht wirklich gelungen war. Vor allem die Figuren blieben hier merkwürdig blass und man konnte weder die Motivation der Hauptfigur noch die der Missionare wirklich nachvollziehen. Entsprechen drastisch und unpassend erschienen dann auch die ultraheftigen Actionszenen im zweiten Teil des Films. Stallone selber war mit dem Kinocut von Anfang an wohl nicht wirklich glücklich, lieferte diesen "Gewaltvideoclip" aber auf Wunsch des Studios dennoch ab. Zwei Jahre später nahm er sich dann seinen Film aber nochmals vor und schnitt ihn gravierend um. Erstaunlich an diesem Director´s Cut ist vor allem, dass gar nicht mal so viel neues Material verwendet wurde, in Summe sind es nicht einmal 10 Minuten - aber das zusätzliche Material, hauptsächlich Dialogszenen zwischen Rambo und der Missionarin Sarah sowie zwischen den Söldnern tragen enorm zur besseren Zeichnung der Figuren bei. Vor allem werden endlich auch die Hintergründe ihres Handelns deutlich und gerade bei den Missionare wird nicht mehr wie im Kinocut nur die Naivität und Weltfremdheit betont sondern eben vor allem ihr Idealismus und ihre Werte, die sie zu ihrem Handeln veranlassen. Der eigentliche Clou des Director´s Cut ist aber der neue Schnitt. Hier ging Stallone wirklich drastisch zu Werke und schnitt diverse Szenen vor allem in der ersten Filmhälfte komplett neu. Einige Szenen bekamen eine komplett andere Bedeutung durch ihren neuen Schnitt, so die Zerstörung des Piratenbootes (die neu geschnittene Szene mit den zahlreichen optisch verfremdeten Flashbacks ist visuell enorm gelungen). Stallone ersetzte das martialische, aber gleichzeitig auch dämliche "Warrior Speech" mit samt dem Schmieden seines Schwertes durch ein Gebet eines Predigers, was auch sehr zum veränderten Ton des Films beiträgt. Natürlich ist angesichts der nach wie vor für einen Mainstreamfilm unglaublich hohen Brutalität in der zweiten Filmhälfte auch der Director´s Cut kein "Antikriegsfilm", aber zumindest erscheinen diese drastischen Szenen nun nicht mehr völlig als Ausbeutung des ernsten und tragischen Themas des birmesischen Bürgerkriegs. Der Film ist viel stimmiger und emotionaler und ein wirklich gutes Beispiel wie ein Regisseur und ein guter Cutter mit nahezu dem gleichen Filmmaterial einen weit besseren Film auf die Beine stellen können. Neben Ridley Scotts Königreich der Himmel-Langfassung ist dies für mich der Director´s Cut mit der deutlichsten Verbesserung zur Kinoversion.
Wertung: 8,5 / 10
Sly in Zahlen:
Rocky 10/10
F.I.S.T. 7,5/10
Vorhof zum Paradies 8/10
Rocky II 8,5/10
Nachtfalken 8/10
Flucht oder Sieg 6/10
Rocky III 7,5/10
First Blood 10/10
Der Senkrechtstarter 4,5/10
Rambo II 9/10
Rocky IV 7,5/10
Die City-Cobra 6/10
Over the Top 5/10
Rambo III 7/10
Lock Up 7,5/10
Tango & Cash 7,5/10
Rocky V 6/10
Oscar 7/10
Stop-oder meine Mami schiesst 5,5/10
Cliffhanger 8,5/10
Demolition Man 7/10
The Specialist 7,5/10
Judge Dredd 7,5/10
Assassins 8/10
Daylight 6,5/10
CopLand 6,5/10
Get Carter 5/10
Driven 6/10
D-Tox 2/10
Avenging Angelo -/10
Rocky Balboa 8/10
Rambo IV Kinoversion 6,5/10
Rambo IV Director´s Cut 8,5/10
The Expendables Kinoversion 7/10
Rambo IV - Director´s Cut - Sylvester Stallone
Die Kinoversion vom vierten Ramboteil lies mich seinerzeit im Kino ziemlich ratlos zurück. Meine Erwartungen waren in eine ganz andere Richtung gegangen - ich hatte eher einen Oldschool-Actioner im Stil der ersten drei Teile erwartet. Statt dessen bekam man einen sehr kühl stilisierten Film zu sehen, dem der Spagat zwischen sehr ernstem Thema und fast schon pornographischen Actionszenen nicht wirklich gelungen war. Vor allem die Figuren blieben hier merkwürdig blass und man konnte weder die Motivation der Hauptfigur noch die der Missionare wirklich nachvollziehen. Entsprechen drastisch und unpassend erschienen dann auch die ultraheftigen Actionszenen im zweiten Teil des Films. Stallone selber war mit dem Kinocut von Anfang an wohl nicht wirklich glücklich, lieferte diesen "Gewaltvideoclip" aber auf Wunsch des Studios dennoch ab. Zwei Jahre später nahm er sich dann seinen Film aber nochmals vor und schnitt ihn gravierend um. Erstaunlich an diesem Director´s Cut ist vor allem, dass gar nicht mal so viel neues Material verwendet wurde, in Summe sind es nicht einmal 10 Minuten - aber das zusätzliche Material, hauptsächlich Dialogszenen zwischen Rambo und der Missionarin Sarah sowie zwischen den Söldnern tragen enorm zur besseren Zeichnung der Figuren bei. Vor allem werden endlich auch die Hintergründe ihres Handelns deutlich und gerade bei den Missionare wird nicht mehr wie im Kinocut nur die Naivität und Weltfremdheit betont sondern eben vor allem ihr Idealismus und ihre Werte, die sie zu ihrem Handeln veranlassen. Der eigentliche Clou des Director´s Cut ist aber der neue Schnitt. Hier ging Stallone wirklich drastisch zu Werke und schnitt diverse Szenen vor allem in der ersten Filmhälfte komplett neu. Einige Szenen bekamen eine komplett andere Bedeutung durch ihren neuen Schnitt, so die Zerstörung des Piratenbootes (die neu geschnittene Szene mit den zahlreichen optisch verfremdeten Flashbacks ist visuell enorm gelungen). Stallone ersetzte das martialische, aber gleichzeitig auch dämliche "Warrior Speech" mit samt dem Schmieden seines Schwertes durch ein Gebet eines Predigers, was auch sehr zum veränderten Ton des Films beiträgt. Natürlich ist angesichts der nach wie vor für einen Mainstreamfilm unglaublich hohen Brutalität in der zweiten Filmhälfte auch der Director´s Cut kein "Antikriegsfilm", aber zumindest erscheinen diese drastischen Szenen nun nicht mehr völlig als Ausbeutung des ernsten und tragischen Themas des birmesischen Bürgerkriegs. Der Film ist viel stimmiger und emotionaler und ein wirklich gutes Beispiel wie ein Regisseur und ein guter Cutter mit nahezu dem gleichen Filmmaterial einen weit besseren Film auf die Beine stellen können. Neben Ridley Scotts Königreich der Himmel-Langfassung ist dies für mich der Director´s Cut mit der deutlichsten Verbesserung zur Kinoversion.
Wertung: 8,5 / 10
Sly in Zahlen:
Rocky 10/10
F.I.S.T. 7,5/10
Vorhof zum Paradies 8/10
Rocky II 8,5/10
Nachtfalken 8/10
Flucht oder Sieg 6/10
Rocky III 7,5/10
First Blood 10/10
Der Senkrechtstarter 4,5/10
Rambo II 9/10
Rocky IV 7,5/10
Die City-Cobra 6/10
Over the Top 5/10
Rambo III 7/10
Lock Up 7,5/10
Tango & Cash 7,5/10
Rocky V 6/10
Oscar 7/10
Stop-oder meine Mami schiesst 5,5/10
Cliffhanger 8,5/10
Demolition Man 7/10
The Specialist 7,5/10
Judge Dredd 7,5/10
Assassins 8/10
Daylight 6,5/10
CopLand 6,5/10
Get Carter 5/10
Driven 6/10
D-Tox 2/10
Avenging Angelo -/10
Rocky Balboa 8/10
Rambo IV Kinoversion 6,5/10
Rambo IV Director´s Cut 8,5/10
The Expendables Kinoversion 7/10