Nummer4Fonda hat geschrieben:danielcc hat geschrieben:Ach Fonda, was für ein spekulativer Rotz und zudem offensichtlich simplifiziert.
Wieso simplifiziert? Es ist so einfach. Ich beziehe mich auf keine kronkrete Quelle. Wenn man so will ist es eine Theorie. Aber auch das nicht, weil es nun mal im Filmgeschäft genau so läuft. Das sind die Realitäten. Autoren zählen bei solchen BigBudget-Filmen nicht viel. Sie sind Dienstleister und könnten im Zweifelsfall ausgetauscht werden wie Glühbirnen. Die wahre Macht liegt bei den Produzenten und den (Autoren-)Regisseuren. Das sind die Leute, die die Entscheidungen treffen. Das heißt: Ein Autor kann ein noch so tolles Drehbuch liefern. Wenn es dem Produzenten nicht gefällt, wird umgeschrieben und umgeschrieben und umgeschrieben, bis dem Produzenten passt. Punkt. Man kann sich von der Illusion verabschieden, dass alle nur dem Credo folgen "Der Film ist wichtiger als unsere persönlichen Befindlichkeiten oder Eitelkeiten". Dasselbe gilt bei hochgelobten Regisseuren wie Mendes. Die kommen an Bord und lehnen in der Regel alles ab, was zuvor entwickelt wurde. Das ist ihre Sicherheit, dass sie die totale künstlerische Kontrolle über die Produktion erhalten (solange der Produzent das abnickt natürlich). Dann bringen sie ihre Lieblinge bzw. Stammautoren ein (bei Mendes: Logan und Butterworth) und frisieren sich alles so zurecht, wie sie es gerne hätten. Forster hat das im Grunde genauso gemacht mit Haggis und Zetumer. Anders Campbell, der das P&W/Haggis-Script von CasinoRoyale ohne großes Murren verfilmt hat. Die Mendes/Forster-Methode muss ja nicht schlecht sein. Mein Punkt ist nur: Wenn die Mendes`s und Forsters das Projekt künsterlisch leiten, müssen sie sich am Ende auch die Verantwortung übernehmen, wenn es schief läuft. Deswegen schrieb ich ja, dass Mendes sich für Skyfall zurecht feiern lassen darf, aber für Spectre eben auch die Kritik dafür einstecken muss, dass in der Entwicklung vieles schieflief und zu einem mittelprächtigen Ergebnis führte. Oder es wird eben Zeit, dass die Produzenten wieder das Heft vollständig in die Hand nehmen und den zukünftigen Filmemachern nur noch einen begrenzten Spielraum einräumen. Dann würde sich die Verantwortung unter den Machern wieder gleichmäßiger aufteilen (mit den Produzenten als Hauptverantwortlichen).
@danielcc:
Chill mal bitte.
@Nummer4Fonda:
Ich bin zwar auch kein fan von SP, allerdings sollte man Mendes für das Endergebnis nicht die alleinige Schuld geben. Das erste Problem war John Logans Drehbuchentwurf, der bei EON aber vor allen Dingen bei Sony auf heftige Ablehnung gestoßen ist. Selbst Mendes war mit der Fassung nicht zufrieden. Es wurden Purvis, Wade und Butterworth ins Boot geholt um das Script zu flicken. Herausgekommen ist ein Entwurf, der in den ersten zwei Dritteln ungefähr der fertigen Filmhandlung entspricht (andere Namen, und vereinzelt andere Konstellationen), im letzten Akt allerdings noch heftige Schwächen aufwies.
Viele hier (darunter auch ich) haben sich für die Sony-Leaks interessiert. Wir wussten eigentlich schon vorab, was im Film passieren würde, nur den ominösen fertigen dritten Akt kannten wir in seiner fertigen Form noch nicht. Umso größer die Enttäuschung, als einige hier sehen mussten, wie der Film endet. Allerdings gab es in den Vorgängerfassungen noch viel haarsträubendere Ansätze, die Gott sei Dank wieder fallen gelassen wurden (viel intensiveres Eingehen auf die Bond/Oberhauser-Beziehung aus ihrer Jugend).
Das was Mendes an SP ursprünglich gereizt hat, war die Tatsache, dass er ein weiteres Kapitel aus Bonds Vergangenheit hätte verfilmen können. Dies hätte auch für mehr Kontinuität zum Vorgänger gesorgt. Dass dies nicht zu Ende gedacht werden konnte, und vernünftig aufgebaut wurde, liegt in erster Linie an SONY, am STUDIO.
Die permanenten Diskussionen haben zu Spannungen zwischen Mendes, der seine künstlerische Vision nicht zu 100% umsetzen durfte, und Sony geführt. Zudem die Sache mit den Leaks: Hier lässt sich spekulieren, ob das die Beteiligten nicht doch ein Stück weit gezwungen hat, den Film umzuschreiben.
Herausgekommen ist ein eher halbgarer Film, da gebe ich dir voll Recht. Ich denke aber schon, dass Mendes wusste was er zeigen wollte. Ich glaube nur, dass er kein besonders talentierter Action-Regisseur ist. Bis auf die wirklich gelungene PTS, wirken alle weiteren Action-Sequenzen aus meiner Sicht recht Einfallslos und routiniert. Hinzu kommt Mendes' prätentiöser, schwerer Stil, der so gar nicht zu der eher leichten Handlung passen will. Das macht SP meines Erachtens stilistisch heterogener als SF, obwohl die Plotlöcher, Ungereimtheiten und offensichtlichen narrativen Cue-Punkte nicht mehr so omnipräsent sind. Das was ich Mendes ebenfalls vorhalte, ist seine unerträglich Süffisanz, wenn es um den Soundtrack geht. In einem Interview betonte Newman, er genieße es ein weiteres Mal für Bond zu arbeiten, weil es ihm die Chance gäbe einen neuen Ton für den Film zu finden. Das Ergebnis: Viele Tracks aus SF wurden lieblos eins zu eins kopiert und in den Score an völlig unpassenden Stellen (PTS, Verfolgungsjagd) reingeklatscht. Das hätte Mendes verhindern können, wenn er es so gewollt hätte.
Die eigentlichen "Schuldigen", wenn man das so sagen kann, denn schließlich war SP ja ein Box-Office Hit, sind wenn schon Michael und Babs, die die volle Verantwortung für das Projekt tragen, den Rahmen setzen und sich die Leute ins Boot holen. Nichts hat sie gezwungen Mendes, Logan und Newman ein weiteres Mal zu engagieren. Sie haben sich ganz einfach nur von dem gigantischen Einspielergebnis des Vorgängers blenden lassen, ohne dessen offensichtliche narrativen und inszenatorischen Schwächen zu berücksichtigen. Aber kann man ihnen das verübeln? Wir hätten an deren Stelle vermutlich genau das gleiche getan, denn schließlich geht es bei Bond immer noch um Profit, was nicht schlecht sein muss, aber kann.