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Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 28. Dezember 2009 03:55
von Maibaum
danielcc hat geschrieben:ach Maibaum,

ich finde das ja süß, wie du in diesem Punkt immer die Laterne der filmhistorischen Korrektheit hochhälst. aber es muss ja doch irgendeinen Grund haben, warum BOND so erfolgreich wurde, und eben doch ein so klares Vorbild für unendliche viele Nachfolger war.

Sicher gab es die Stilistik der Schnitte, das Tempo der Action, die Härte und Rauheit schon anderswo zuvor. und dennoch kommen einem die frühen Bondfilme wie eine Revolution vor und sie sind zurecht so populär geworden.
Das ist eben so, wie wenn Leute darauf hinweisen, dass es CGI Effekte schon vor Terminator 2 gab. Nur wer kennt diese Filme schon...
Nun, weil es einfach nicht stimmt. Das dir das nicht gefällt ist mir schon klar, weil du ja ganz gerne mit Halbwisssen glänzt. ;) Und aus abstrusen Theorien heraus versuchst Wahrheiten zu konstruieren.

Waren da solche CGI Effekte schon vor T2?
Da solche Sachen sehr teuer sind, wird es wohl vorher kaum besseres gegeben haben. Die Fortentwicklung von Special Effects findet aus Kostengründen logischerweise immer im Kommerzkino statt, die Filmsprache dagegen entwickelt sich eigentlich immer abseits des Mainstreams. Meistens in eher kleinen Filmen.

Was ist denn eigentlich eine "Stilistik des Schnitts"?

An der Schnittechnik ist für mich gar nichts besonderes feststellbar, das Tempo der Schnitte, der Action wie des ganzen Films ist absolut normal.
Nenn mir mal eine ungewöhnlich geschnittene Szene in DN. Irgendetwas was vorher nicht schon 1000 mal gemacht wurde. Ich laß mich gerne überraschen, vielleicht schau ich auch selber noch mal rein. Man weiß ja nie.
Aber ungewöhnliche Schnitte bei älteren Filmen fallen mir eigentlich immer auf. Auch liebe ich die Dynamisierung von Actionszenen durch den Schnitt, da ist mir aber auch gar nichts aufgefallen. Die waren nicht einmal filmisch besonders gut gemacht. TB ist da schon einfallsreicher.

Es gab damals schon gewalttätigere Filme, die auch sehr populär waren (Psycho ist da viel extremer, auch in der Darstellung sexualisierter Gewalt). Angedeutete und thematisierte Vergewaltigungen gab es überraschenderweise in den Jahren zuvor schon zuhauf. Da bin ich selber immer wieder etwas überrascht, weil die Zensur in den 50gern eigentlich noch ziemlich rigoros war.

Wie gesagt DN war auf der Höhe seiner Zeit, aber ihr nicht voraus.

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 28. Dezember 2009 09:14
von 007James Bond
Du machst mich ja ganz Verlegen, danny. :oops:


DN ist bestimmt nicht der erste Film, in dem Menschen sterben, Frauen vergewaltigt werden und Protagonisten ihre eigenen Gesetze misachten, aber nie kam alles in dieser Form zusammen, nie war eine Frau leichter und "anstößiger" bekleidet als Honey. Wenn DN in dieser Sache auf der Höhe der Zeit gewesen wäre, hätten ihn nicht fast alle Kritiker dafür zerissen und der Film, der so weit wie DN gegangen sein soll, wäre auch als Low Budget Produktion dafür in die Geschichte eingegangen. Mir ist solch ein Film nicht bekannt.

Was an dem Schnitt schon in DN ungewöhnlich ist, ist zum einen seine Härte (Hunt schneidet wiederkehrende Establisher weg - mittlerweile werden gar keine mehr verwendet) und der schnelle Wechsel der schon ungewöhnlich schnellen Kampfchoreografie. Ein mir bekannter Kampf der nur annähernd so schnell ist, ist einer aus Der Schatz der Sierra Madre in der Bar. Dieser besteht allerdings aus kaum mehr als 3 Einstellungen die nicht näher als eine Halbnahe - Amerikanische sind.
Maibaum hat geschrieben:die Filmsprache dagegen entwickelt sich eigentlich immer abseits des Mainstreams. Meistens in eher kleinen Filmen.
Nach der Stummfilm-Ära passierte da sowieso nichts mehr außer das alles an Schnelligkeit gewann. Revolutioniert wurde nurnoch der Schnitt von Richard Lesters Beatles Filmen Mitte der 60er.

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 28. Dezember 2009 23:04
von MX87
Maibaum hat geschrieben: Was ist denn eigentlich eine "Stilistik des Schnitts"?

An der Schnittechnik ist für mich gar nichts besonderes feststellbar, das Tempo der Schnitte, der Action wie des ganzen Films ist absolut normal.
Nenn mir mal eine ungewöhnlich geschnittene Szene in DN. Irgendetwas was vorher nicht schon 1000 mal gemacht wurde. Ich laß mich gerne überraschen, vielleicht schau ich auch selber noch mal rein. Man weiß ja nie.
Aber ungewöhnliche Schnitte bei älteren Filmen fallen mir eigentlich immer auf. Auch liebe ich die Dynamisierung von Actionszenen durch den Schnitt, da ist mir aber auch gar nichts aufgefallen. Die waren nicht einmal filmisch besonders gut gemacht. TB ist da schon einfallsreicher.
Naja Bonds erster Kampf und den angeblichen Fahrer der Botschaft ist für heutige Verhältnisse normal geschnitten. In den 60ern aber war dies Rasanz und Dynamik pur.
Peter Hunt hat auch einmal gesagt, dass er beim Schnitt durchaus Anschlussfehler in kauf nimmt, "Hauptsache die Spannung bleibt erhaltengesteigert."

Neben diesem bestand die Pioniertat DN auch wie schon erwähnt darin viele Elemente die man schon einmal sah (Mädels, exotische Location etc.) in einem Film zu vereinen.

By The Way: Wo genau wird auf eine Vergewaltigung angespielt? Kann mir einer das bitte näher erklären?

Kann mich gerade an keine Szene dies betreffend erinnern.

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 29. Dezember 2009 08:51
von 007James Bond
MX87 hat geschrieben: By The Way: Wo genau wird auf eine Vergewaltigung angespielt? Kann mir einer das bitte näher erklären?

Kann mich gerade an keine Szene dies betreffend erinnern.
Dr. No lässt Honey mit dem Kommentar "die werden schon wissen sich mit ihr die Zeit zu vertreiben" seinen Wachen übergeben. Als wir Honey das nächste Mal sehen, trägt sie keine Hose mehr.

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 29. Dezember 2009 12:49
von M
Vielleicht hat sie die im Wachlokal an die Wachen versteigert. E-bay gab es bekanntlich noch nicht.

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 29. Dezember 2009 18:55
von MX87
007James Bond hat geschrieben:
MX87 hat geschrieben: By The Way: Wo genau wird auf eine Vergewaltigung angespielt? Kann mir einer das bitte näher erklären?

Kann mich gerade an keine Szene dies betreffend erinnern.
Dr. No lässt Honey mit dem Kommentar "die werden schon wissen sich mit ihr die Zeit zu vertreiben" seinen Wachen übergeben. Als wir Honey das nächste Mal sehen, trägt sie keine Hose mehr.
Okay... ist im Roman dieser Punkt eigentlich auch nur angedeutet?

DN gehört zu den Romanen die ich noch nicht gelesen habe..

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 29. Dezember 2009 19:37
von danielcc
was diesen konkreten Punkt angeht im Roman, weiß ich das nicht aber generell meine ich, dass die sexuellen Andeutungen im DN Roman noch deutlicher sind.

Die Gespräche zwischen Bond und Honey sind in der HInsicht sehr witzig. Deutet HOney nicht auch an, dass sie vergewaltigt wurde? Ach, das tut sie doch sogar im Film, nicht wahr? Wenn sie Bond erzählt, dass der Typ eines Tages in ihr Zimmer kam und...

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 26. Januar 2010 14:00
von danielcc
Habe gestern auf Kabel 1 in DN reingeschaut. Dabei ist mir aufgefallen wie unglaublich riesig der Unterschied zur digital gemasterte Version auf DVD ist. Einfach unglaublich!

Kann es sein, dass man für die ultimate edition auch an der - zugegebener maßen technisch nicht berauschenden - Autoverfolgung getrickst hat? Im Vergleich zur alten TV Version fällt nämlich auf, dass das mit Connery vor der Leinwand deutlich besser aussieht

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 26. Januar 2010 23:17
von simon
puh... endlich fertig:

BOND-MARATHON/ DETAILLIERTE FILMANALYSE .01

Dr.NO

Die Story:

Um den nicht bloß für einen Fan der Reihe essentiellsten Fakt einer ausführlicheren Betrachtung in aller Eindeutigkeit vorweg zu nehmen sei zunächst folgendes gesagt: Im Falle des ersten James Bond Films handelt es sich um die makellose und für damalige Verhältnisse revolutionäre Symbiose aus Agenten, Action, und Abenteuerfilm.

Man nehme die tragenden Elemente eines Hitchcock Thrillers, mische diese mit einer wohl portionierten Priese an abenteuerlichem Flair, würze das Ergebnis fast unmerklich, dezent mit ein wenig Science Fiction Anleihe, verrührt das Ganze in einer spannend konstruierten Agentenstory und kocht es dann unter Zugabe nie da gewesener Actionszenen, großartiger Darsteller und grenzüberschreitender Anzüglichkeit auf. Das darüber gewonnene Ergebnis revolutioniere schließlich die Kinolandschaft weltweit und trage den Namen: James Bond jagt Dr.No.
Was den Film in all jenen Elementen einer breiten Maße zugänglich machte war vor allem dessen Glaubwürdigkeit. Der Film präsentierte sich als Abenteuer, Action spektakel welches nicht bloß neue Maßstäbe dahingehend setzte dass es in seiner Umsetzung so ziemlich alle bis Dato vorhandenen Grenzen überschritt, doch war dieses Spektakel als Film im Ganzen ebenso nachvollziehbar, bot entgegen anderer abenteuerlicher Geschichten jener Zeit ein ebenso hohes Maß an realistischem Anspruch was das Ganze nicht wie eine kindliche Fantasterei wirken lies. Aus entgegengesetzter warte betrachtet präsentierte sich Dr.No nämlich als knallhart-ernsthafter Agententhriller mit Action und Abenteuer Zusatz.
Der Film funktionierte praktisch gleich auf mehreren Ebenen und tut es bis heute.

Doch sehen wir nun mal vom revolutionären Aspekt dieses Konzepts ab und betrachten den Film als Teil einer uns bekannten Reihe…

Hier sind alle Elemente(und das sind viele) in sich völlig schlüssig! Die Geschichte, deren Aufbau und Umsetzung lässt ebenso wenig Schwächen erkennen wie das Konzept an sich. Hier passt einfach alles zusammen. Und wie schwierig es sich mit unter gestalten kann kleine oder größere Lücken in der Logik einer derart gewagten Mischung aus Realismus und Fiction nicht zu übersehen wissen wir spätestens seit Filmen wie Thunderball.
Im Falle dieses ersten Bondfilms ist der konzeptionierte Aufbau der Geschichte unter Berücksichtigung all seiner tragenden Elemente in sich absolut schlüssig. Zunächst werden wir als Zuseher zeugen eines Mordes. Soweit so gut. Was es damit auf sich hat sollten wir dann gemeinsam mit Bond ergründen. Das Verschwinden des in Jamaika stationierten Mi 6 Agenten Strangways und die Ermordung dessen Sekretärin ruft James Bond auf den Plan welcher nun herausfinden soll was es damit auf sich hat. Ein weiterer Grund dafür dass er nach Jamaika entsandt wird ist die viel wesentlichere Tatsache dass es eine mysteriöse Energiequelle von jenen Breiten ausgehend zu lokalisieren gilt, diese offensichtlich Grund für diverse Störungen die Flugbahn amerikanischer Raketen aus Cape Canaveral betreffend zu sein scheint.

Schon die Form in welcher Bond uns in dessen erstmaligem Erscheinen präsentiert wird macht deutlich dass dieser Film Eleganz, Klasse und vor allem wie Bond selbst stilvolle Coolness versprüht. Unser kühler Held mit dem trocken, zynisch anzüglichen Sinn für Humor trägt einen Smoking, gastiert in den luxuriösesten Kreisen, trägt einen teuren Smoking, sieht fantastisch aus und weiß genau dass er sich der Aufmerksamkeit einer schönen Frau sicher sein kann. Nie wieder wurde ein weiterer Darsteller dieser Figur derart fesselnd und elegant eingeführt.
In Jamaika angelangt sieht Bond sich auch gleich mit einem Anschlag auf sein Leben konfrontiert welcher sich in einer für damalige Verhältnisse äußerst brutalen Schlägerei entlädt. Hier sehen wir im Gegensatz zu jener uns zuvor charmant, galant präsentierten Art erstmals die harte und kompromisslose Ader der Figur und vor allem deren Zielgerichtete Konsequenz als Agent. Gemeinsam ermitteln wir mit Bond schließlich nach und nach die Quelle des vermeidlichen Übels und stoßen im Verlauf dessen auf den zwielichtigen Professor Dent der schließlich die Verbindung zum Drahtzieher Dr.No darstellt und sogleich den Auftrag erhält Bond zu beseitigen. Die Szenen welche sich darum drehen liefern den Gehallt an Action, Spannung und Erotik.

Die spektakuläre Autoverfolgungsjagt, die Szene mit der Spinne, die knisternde Spannung in der Wohnung von Dent,s eingeweihter Sekretärin… all das macht die erste Hälfte des Films auch aus heutiger Sicht unglaublich spannend und ist im Aufbau extrem Wirkungsvoll zumal auch das Tempo der Erzählung stimmt welche uns mit der zweiten Hälfte Schrittweise zur ersehnten Auflösung des Rätsels um dr.No und dessen Plan führt. Wir stoßen aus der Sicht von Bond auf weitere stets zum Richtigen Zeitpunkt eingeführte Charaktere wie den CIA Agenten Felix Leiter, den Fischer Quarrell und natürlich das erste aller Bondgirls Honey Rider.
Die stets wirkungsvoll punktierten Vorwärtsschritte welche den Verlauf und vor allem das Tempo der Erzählung angeben waren in keinem Bond Film danach derart wirksam positioniert. Der Film ist ein einziger Aufbau ohne dabei einerseits übereilt zu wirken oder sich andererseits dazwischen Auszeiten zu nehmen. Auf gut deutsch – er beinhaltet keine Lücken welche gestopft gehörten.

Auch in der zweiten Hälfte des Films werden wir nicht übereilt an Dr. No herangeführt sondern müssen uns in der Rolle des James Bond quasi ebenfalls erst an ihn und dessen Miene heran arbeiten. Der Höhepunkt der Erzählung ist schließlich mit Bond und Honeys Aufenthalt in der Welt des Doktors erreicht. Alles daran ist ein einziges Highlight des Films und eine würdige Szenerie in Bezug auf die Erwartungshaltung des Zusehers welche nicht bloß durch den Aufbau der Story selbst schrittweise gesteigert sondern zusätzlich mit Mythen und Ängsten rund um die Insel des mysteriösen Dr.No geschürt wurde. Hier werden uns dann die beeindruckend, spektakulären und bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Sets von Ken Adam präsentiert, hier darf Bond sich von Angesicht zu Angesicht mit seinem würdigen Gegenspieler unterhallten und letztendlich gibt es einen extrem einfallsreich inszenierten Ausbruch aus Bonds anmutigen Gefängnis, jede Menge handfester Action und nie dagewesenen Effekte zu sehen. Die Story, deren Aufbau und allem vorweg das Tempo des Films in all dessen stets ansteigender Spannung wurde in einer derart schlüssigen Perfektion nie wieder erreicht.

Die Figuren, Darsteller:

Die Figur James Bond wird uns wie bereits angedeutet in all deren facettenreicher Klasse und konsequenter Härte präsentiert und war bis 2006 nie wieder derart ernst zu nehmend, in sich schlüssig und vor allem überzeugend dargestellt. Ein Held den Frauen begehrten, dem Männer nach zu eifern versuchten, der Intelligenz, Klasse, Humor und eiserne Härte in sich vereinte. Dieser Film präsentiert uns die Figur in seiner reinsten ursprünglichsten Essenz und dies gilt für jede seiner Handlungen, jeden seiner ausgesprochenen und auch unausgesprochenen Sätze.

Das erstmalige Erscheinen von Ursula Andres welche da als das damals tabuisierte Sinnbild für Freizügigkeit schlecht hin aus dem Meer steigt ist alleine auf Grund des zu recht bestehenden Kult Faktors unbestritten ein revolutionäres Highlight der Filmgeschichte an sich. Kein weiteres Bond Girl der 60er konnte sich auch von der Tatsache dass es ihr Auftritt war welcher den Titel „Bondgirl“erst kultivierte abgesehen, in Punkten erotischer Präsenz und Charisma mit ihr messen! Ausstrahlung hat man eben oder nicht. Und Ursula Andres hatte sie…und zwar mehr als genug davon.

Der Charakter des Dr.No lieferte uns in all dessen facettenreichem Größenwahn und deren sadistischer Eleganz die Schablone für den Filmschurken schlecht hin. Alleine die Tatsache dass er sich nicht bereichern will da er bereits alles hat sondern bloß wegen seines gekränkten Egos auf Grund der Missachtung seiner wissenschaftlichen Fähigkeiten Rache an den USA nehmen will und dafür bereit ist über Leichen zu gehen macht ihn zum wahnsinnigsten aller Bond Schurken überhaupt. Mitunter verdeutlicht uns der Verlust seiner Hände wie weit er bloß für sein Ego zu gehen bereit ist. Gleichzeitig ist er allerdings ein überaus intelligenter, äußerst kultivierter Edelmann der eben so viel Sinn für klasse hat wie Bond. Auch der Umstand dass er diesen schließlich auf Grund seines trotz aller Hindernisse geglückt, hartnäckigen Vordringens zur Insel schließlich respektiert um ihm sogar eine Stellung bei SPECTRE anzubieten macht ihn und seine Beziehung zu Bond noch interessanter. Als dieser dies jedoch ablehnt lässt er ihn entgegen der zuvor demonstrierten Edelmann Attitüde gleich einmal zusammenschlagen was dem Verhalten eines in seinem Ego gekränkten trotzigen Kindes gleichkommt. Neben Goldfinger ist dr.No der faszinierendste und düsterste Schurke der Bondreihe.

Der Professor Dent als schmierig, ekeliger Handlanger des Doktors ist ebenso interessant dargestellt und klug in den Verlauf der Handlung eingebettet. Die restlichen Charaktere spielen eher eine der Handlung untergeordnete Rolle. Doch dies sehr überzeugend und vor allem bezüglich des gesamt Konzepts ist deren Erscheinen äußerst sinnvoll.

Die Produktionswerte:

Wie bereits zuvor abgehandelt war es die Mixtur verschiedenster Elemente welche in der Form ihres Einsatzes etwas Neuartiges schufen. Und dies gilt natürlich vor allen Dingen auch für die Action. Diese setzt sich aus bis dato unerforschten Gefilden im Bereich der Stunts ( Autoverfolgungsjagt mit anschließender Explosion, die Kämpfe gegen Ende des Films ) auf der einen und einem für an damaligen Maßstäben gemessen, unglaublich neuartigem Aufgebot an Effekten zusammen. Die Modelarbeiten sehen bspw. sogar aus heutiger Sicht noch völlig überzeugend und realistisch aus.

Die gesamt Atmosphäre des Films bleibt vor allem was dessen zweite Hälfte betrifft bis heute hauptsächlich auf Grund beeindruckender, mit liebe zum selbst winzigsten Detail arrangierter Set Konstruktionen bestehen. Diese waren die 60er hindurchgehend nie wieder derart anmutig und atmosphärisch arrangiert wie das bei Dr.No der Fall war. Eben dieser Punkt war maßgeblich für den exotischen „XXL“ Bonus welchen die Reihe anderen Filmen gegenüber ihr eigen nennen konnte ausschlaggebend.
Mit terence Young war obendrein ein Regeseur gefunden der die Stärken des Konzepts erkannte und diese auch entsprechend wirksam heraus arbeiten, in Szene setzen konnte. Derart konkret hat genau das(!) meiner Ansicht nach erst martin Champell mit GE und CR wieder geschafft. Er hat verstanden was hervorgehoben gehörte um das Konzept eines Bondfilms auch wirksam zu machen. Viele nach ihm hatten dieses Gespür nicht oder verirrten sich im Versuch daran.

DIE ROLLE welche Dr. No im Kontext der Reihe spielt:

Dr.No legt bezüglich aller Elemente als Teil des Gesamtkonzepts „James Bond“ entgegen der weit verbreiteten Vorstellung dass GF dies täte die Schablone vor und gehört nicht bloß auf Grund der Tatsache dass er der erste Bondfilm war zu den besten Filmen der Reihe. Er gliedert sich nämlich auch als Teil der Serie betrachteter Film zu den Höhepunkten eben dieser ein. Selbst hätte es die darauf folgenden Filme und den damit einhergegangenen Hype um James Bond nie gegeben, so wäre Dr.No dennoch als einer der revolutionärsten, maßgeblichsten und vor allem als einer der besten Filme aller Zeiten in die Kinogeschichte eingegangen.

6 VON 6 PUNKTEN

Mein Wertesystem für folgende Kritiken bezüglich meines Marathons:

1 PUNKT – SCHLECHT
2 PUNKTE - unter dem durchschnitt
3 PUNKTE – Mittelmaß, Durchschnitt
4 PUNKTE – überdurchschnittlich
5 PUNKTE – SEHR GUT
6 PUNKTE - Perfektion

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 26. Januar 2010 23:37
von danielcc
ich stimme dir ohne jede Einschränkung zu und bin begeistert, dass außer mir noch jemand DN so zu würdigen weiß!



Ich würde am liebsten diverse Sätze von dir zitieren. Du hast vollkommen Recht was die Bedeutung von DN für die Serie angeht, du hast vollkommen Recht was Martin Campbell angeht, was das Tempo und den Aufbau angeht, was die Charakterdefinition von Bond und DN angeht,

Ach ja, wie gut DN funktioniert, fällt am besten im direkten Vergleich mit TB - ebenfalls von Young auf: Man stelle sich mal vor, man hätte bei DN auch am Anfang ausführlich gezeigt, wie DN aus seinem Kontrollzentrum, auf seiner Insel die Raketen ablenkt. Dann wäre die gesamte Spannung raus und Bonds Ermittlungen für den Zuschauer uninteressant. Tja, bei DN war man noch schlauer, weil man sich auch finanziell beschränken musste.

Kann es übrigens sein, dass DN auch deswegen ernster wirkt, da man erst bei GF angefangen hat, Humor und Ernsthaftigkeit in ein und der gleichen Szene zu vereinen (PTS mit dem Stromschlag). Bei DN ist Bond vollkommen ernst, wenn es die Situation ist, Humor gibts nur zwischendurch mit Honey, oder in der Kasino-Einführung.

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 26. Januar 2010 23:52
von simon
Und ich bin erfreut darüber dass sich jemand ebenso für die alten Filme interessiert und auch Lust darauf hat sich mit den Details zu beschäftigen!!!

Scheint ja außer uns beiden derzeit ein sehr knapp gesätes Interesse für diesen Tread zu herrschen. Schade. Doch zumindest gehen wir was das angeht ja konform.
:)

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 27. Januar 2010 00:08
von danielcc
simon hat geschrieben: Scheint ja außer uns beiden derzeit ein sehr knapp gesätes Interesse für diesen Tread zu herrschen. Schade. Doch zumindest gehen wir was das angeht ja konform.
:)
ich sag ja immer im Scherz, hier wird lieber über theoretische Bond-Girls für die nächsten 5 Filme diskutiert als über die vorhandenen Filme. Schade, manche der Filmbesprechungs Threads haben ja kaum mehr als 10 Beiträge insgesamt. Eine konkrekte Auseinandersetzung mit allen alten Filmen steht hier bei vielen leider nicht hoch im Kurs. Ist ja auch einfacher, sich oberflächlich und unkonkret für oder gegen bestimmte Filme auszusprechen ;-)

Ich würde auch gerne noch mehr auf deine Kritiken eingehen aber ich habe halt viel davon auch schon in meinen Beiträgen geschrieben... Bin gespannt auf deine Meinung zu YOLT...

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 27. Januar 2010 01:17
von MX87
danielcc hat geschrieben:ich stimme dir ohne jede Einschränkung zu und bin begeistert, dass außer mir noch jemand DN so zu würdigen weiß!
Naja wir sind zumindest zu dritt 8)

Ich kann der Analyse nur zustimmen, auch was Martin Campbell angeht.

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 2. Februar 2010 23:50
von danielcc
Da DN mein Lieblingsfilm ist, dachte ich mich, ich widme meinen
3000sten Beitrag

diesem Thread

:lol:

Re: (DdW)Filmbesprechung "Dr. No"

Verfasst: 19. Dezember 2010 23:24
von Victor 'Renard' Zokas
James Bond jagt Dr. No

Wenn man diesen Film heute anschaut, merkt man ihm seine 50 Jahre an einigen Stellen zwar deutlich an (z.B. die Autoverfolgungsjagd, der Bevölkerung Angst mit einem Drachen einjagen), aber wer hätte damals gedacht dass James Bond für die nächsten Jahrzehnte weltweit die Kinolandschaft prägen würde??

Die Formel ist einfach: Smarter Geheimagent, schöne Frauen, verrückte Schurken, eine exotische Location und jede Menge Action...Bei James Bond ist für jedes Kinopublikum was dabei.

Im Nachhinein ist es sensationell, wie 1962 in 105 Minuten Film so viele kleine Elemente eingeführt werden, die sich bis ins neue Jahrtausend und hoffentlich noch sehr viel länger alle zwei Jahre im Kino bewundern lassen dürfen. Gut, die Main-Title-Sequenz wirkt noch nicht sehr überzeugen im Vergleich zu vielen anderen Filmen aber wenn Sean Connery sich vorstellt (nicht nur der Spruch, auch der Umgang mit M und das "Golfen" mit Sylvia) muss man den Charakter James Bond einfach lieben... Die Story ist für heutige Verhältnisse zwar nicht wirklich sehr innovativ, aber soweit ich mir das denken kann war es in den 60ern schon etwas neues. Jamaike mit seinen tropischen Stränden eine exotische Location für die Europäer und das harte Spionagegeschäft wird sehr spannend aber auch gefährlich wiedergespiegelt.

Die Darsteller machen ihre Sache gut, und die groben Charaktereigenschaften dienen für etliche weitere Filme. Sean Connery gefällt mir hervorragend, mit viel Charme und Intelligenz prügelt und flirtet er sich durch den Film, geht in seinem Charakter voll auf. Ursula Andres gefällt als hübsches Bondgirl, ihre persönliche Geschichte hingegen etwas weit flach (da ohne Eltern lernt sie eine Enzyklopädie und sammelt jetzt Muscheln). Joseph Wiseman's Dr. No hat zwar eine geringe Screentime, ist jedoch die gesamten 105 Minuten hinweg durchweg bedrohlich präsent. Die Nebencharaktere Quarrel und Felix Leiter fügen sich super ins gesamte Bild ein, jedoch ist der Fokus und die Präsenz klar auf den Geheimagent 007 gerichtet.

Einige Szenen aus DN zählen noch heute zu den prägendsten der ganzen Reihe (Vorstellung Bond, Honey kommt aus dem Meer), der Tod von Dent hat mich doch sehr an die Pretitle-Sequenz aus CR errinnert, wenn Bond den Verräter kaltblütig ohne mit der Wimper zu zucken erschiesst und das mit nem coolen Spruch auf den Lippen. Im grossen und ganzen sind die Unterschiede, wie die "Crack"-Gegner immer wieder bemängeln, zwischen Connery und Craig gar nicht so gross, lediglich haben sie sich ihrem Jahrzehnt angepasst, aber für mich sind beide zu hundert Prozent 1 James Bond.

Im Grossen und Ganzen ist "James Bond jagt Dr. No" sehr gelungen, auch wenn man ihm heute an manchen Stellen sein Alter anmerkt und er doch sehr darauf bedacht ist, der Pilot einer grossen Serie zu sein. RÜckblickend betrachtet ist er DER Grundstein für ein sehr grosses Kapitelkinogeschichte.

8 Punkte