Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

76
Weil Bond sich immer wieder an den Zeitgeist anbiedert. Das haben alle Bonds getan und ihre Zeitlosigkeit besteht zu einem Großteil darin, dass es Fans gab, die die Filme der nächsten Generation nahe gebracht haben. So dermaßen zeitlos ist Bond bei Weitem nicht, viele der alten Filme tricktechnisch längst veraltet und inhaltlich mittlerweile mehr als überholt. Mir kann niemand erzählen, dass Jugendliche sich heutzutage noch einen GF oder MR ansehen würden. Das sind alte Schinken aus einer vergangenen Zeit, Relikte, aber sicher keine zeitlosen Meisterwerke. Dass wir Fans darin immer mehr sehen, ist klar, aber genauso werden F&F Fans mit Sicherheit in 20-30 Jahren auf die Filme zurückblicken und sich beschweren, wie sehr (dann heutige) Filme doch auf modern getrimmt werden.
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

Let the sheep out, kid.

Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

77
Jetzt wird aber viel durcheinander gebracht:
- Zeitgeist hat ja nix mit den Tricks zu tun (die werden immer irgendwan veraltet sein)
- Aber auch heute noch werden Leute zu Bondfans auch weil sie die alten Filme sehen
- Frage: Wird in 40 Jahren jemand F&F 1 sehen und dann zum Fan der Reihe werden? Ich weiß es nicht

Mir geht es auch gar nicht um Anspruch oder Filmkunst. Ich habe gesagt, worin sich für mich der Unterhaltungswert von Bond unterscheidet von dem der FF Reihe. Das mag jeder für sich unterschiedlich bewerten.
ich habe auch nicht behauptet, dass es leichter ist einen erfolgreichen F&F Film zu machen vs. einem erfolgreichen Bondfilm. Es ist immer eine Kunst für sich, etwas erfolgreiches zu schaffen. Wäre das simpel, wäre jeder Film erfolgreich.


Klar, entwickeln sich Bondfilme weiter und werdem dem Zeitgeist angepasst, aber dennoch ist der gleiche Typ Bond heute noch das Erfolgsmodell nach 50 Jahren.


Positiv formuliert, ist es schon wirklich erstaunlich was da mit F&F passiert ist. Wenn der neue Film wirklich eine Milliarde macht, dann ist es praktisch der einzige Non-Sci Fi / non Comic book / non 3D Film der das vollbracht hat (außer Skyfall :-) )
und sowas innerhalb von weniger Jahren aus einer Reihe zu machen, die - mit Verlaub - von mir vor einigen Jahren noch als "Nischen-B-movie für Halbstarke" abgetan worden wäre, ist schon krass.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

78
Mir ging es durchaus auch um Inhalte. Die ganzen Kalter Krieg Handlungen der alten Bonds sind doch aus heutiger Sicht dermaßen naiv und zudem gespickt mit versimpelten Unsinnigkeiten voller logischer Probleme und Schwächen, dass man mit diesen Filmen heute niemanden mehr begeistern könnte. Der Kult um die Filme kommt von der Übertragung von Generation zu Generation. Und wenn das bei F&F passieren sollte, wird es dort genauso laufen. Immer dran denken, wir befinden uns aktuell in genau der Gegenwart, auf die viele später als die "gute alte Zeit" zurückblicken werden. :wink: Natürlich gab es ein Grundmuster Bond, dass sich 53 Jahre lang durch alle Filme gezogen hat, aber wäre Bond nicht immer mit Trends gegangen (und hätte sich damit nicht immer dem jugendlichen Zeitgeist angebiedert), wäre die Reihe längst tot. Und ich bin mir sicher, in 30 Jahren wird man am Stammtisch sitzen und sagen: "Weißt du noch, damals, als wir an deinem 12 Geburtstag alle ins Kino sind und den neuen "Transformers" geschaut und danach mit unseren Figuren nachgespielt haben? Waren das noch Zeiten. Den werde ich glaube ich mal meinen Kindern zeigen. Den müssen sie einfach lieben." SO werden Filme zu Klassikern, so überdauern sie die Zeit, so kommen sie von einer Generation zur nächsten. Dazu müssen sie aber JETZT die Leute begeistern - deshalb folgen sie dem Zeitgeist. Das tut SP genauso wie F&F 7.
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

Let the sheep out, kid.

Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

79
Ich weiß ehrlich gar nicht genug übr F&F als das ich mir da ein Urteil erlauben kann. Geht es da schwerpunktmäßig ums Autofahren? Sind das vollständige Actionfilme? Haben die sich geändert von Teil 1 bis 7?
Ich kann nur das sagen was ich empfinde: Die Trailer sind für mich so dermaßen abturnend, dass ich sowas nicht sehen will. Mich erinnert es stilistisch und inhaltlich irgendwie an die xXx Filme und die waren schon weit über die Grenze hinaus, was ich erträge an pupertärer Dämlichkeit - und das eigentlich in einem Metier, wo die Bondfilme ja schon den Bogen weit spannen :-)
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

80
Für mich ist das mittlerweile (besonders in den Teilen 6 und 7, die den Bogen nicht nur überspannen, sondern ausleiern lassen) auch kein Vergnügen mehr. Mir geht es um dieses herabblickende Verdammen des "bösen Jugendactionfilmes", gerade wenn man sich dann selbst als Bondfan verzeichnet, die in die gleiche Kerbe schlagen, nur vielleicht etwas weniger amerikanisch und ein wenig subtiler. Das ist wie bei ???-Fans, die seit 40 Jahren Justus, Peter und Bob begleiten und sich dann in der Kinderbuchabteilung darüber aufregen, dass "der ganze heutige Schrott" seinem Bildungsauftrag nicht mehr nachkommt. :lol: (Glaub mir, hab ich alles schon erlebt.)
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

Let the sheep out, kid.

Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

81
Haha, cool dass du dich bei den ??? auskennst, kan da kenne ich die Diskussion auch und sehe das auch so wie du.

Ich fand die Grund-Prämisse von F&F auch nie interessant:
Halbstarke Halb-Kriminelle die als Helden propagiert werden (oder?), mit prolligen Karren fahren und dabei möglichst cool auftreten.

Darauf stehe ich nicht
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

83
Casino Hille hat geschrieben:Und ich bin mir sicher, in 30 Jahren wird man am Stammtisch sitzen und sagen: "Weißt du noch, damals, als wir an deinem 12 Geburtstag alle ins Kino sind und den neuen "Transformers" geschaut und danach mit unseren Figuren nachgespielt haben? Waren das noch Zeiten. Den werde ich glaube ich mal meinen Kindern zeigen. Den müssen sie einfach lieben."
Ich bin mir sicher, dass das mit Transformers nicht passieren wird.

Für diese Art von Kult und Klassikern brauchen solche Filme sympathische Charaktere.
Mit "Zurück in die Zukunft" klappt das, aber nicht mit "Transformers". Wenn ein Film "Seele" hat, dann überdauert er auch trotz veralteter Effekte die Zeit, und wird auch in jeder neuen Generation neue Fans finden.
Aber ein reines Technik-Spektakel wird das nicht schaffen.

"Cannonball Run" ist da das beste Beispiel.
Dieser Film hat nichts zu bieten, außer die Stars der frühen 80er, die sich alle mehr oder weniger selber spielen. Extrem erfolgreich zu seiner Zeit, aber ich glaube kaum, dass sich die Jugend von heute dafür begeistern könnte. Und ich glaube noch weniger, dass die Väter und Mütter von heute ihren Kindern sagen: "Den müsst ihr einfach lieben."
Bei "Zurück in die Zukunft", "Star Wars", "Indiana Jones" etc. ist das anders. Da gibt es Figuren, die man gerne in sein Leben lässt.

Anscheinend ist das bei "Fast & The Furious" für eine bestimmte Generation auch so. Es gibt viele End-20er, die sind mit den "Helden" dieser Reihe seit 2001 aufgewachsen. Kann sein. Für viele ist es aber auch nur ein "Guilty Pleasure", was sie niemals ihren Kindern als "Filmkunst ihrer Jugend" verkaufen werden.

Obwohl die Spencer/Hill-Filme inhaltlich genauso blöd sind wie "Fast & The Furious", haben die für mich immer noch mehr Kult-Potential, weil die Charaktere, die Terence Hill und Bud Spencer spielen, einfach viel sympathischer sind als Vin Diesel und Co.

Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

87
Bald kann ich diese ganze Diskussion wieder in den F&F Thread schieben :-(

Aber dennoch: Ich finde den Kommentar von Invincible sehr gut. Ich überlege ja selbst ständig, was für mich den Unterschied zwischen Bond auf der einen und F&F oder Transformers auf der anderen Seite ausmacht. und was dafür sorgt, dass etwas zum Kult wird. Die beste Erklärung die ich dafür finde, ist in der Tat sowas wie:
- "Seele und Charme"
- sympathische Charaktere
- und ggf. noch sowas wie "Universalität" und "Vielseitigkeit".

Da kann man natürlich jetzt nicht auf Anhieb und vor allem nicht alleine bestimmen auf was das zutrifft und auf welche Serie nicht. Aber ich sehe da auch viel mehr Potenzial bei Bond als bei Transformers oder F&F (sofern ich es bei letzterem beurteilen kann).

Extrem erfolgreiche Kurzzeit Phänomene hat es immer gegeben - in fast jedem Jahr gab es erfolgreichere Filme als Bond. Aber die Frage ist: Findet man als Papa in 20 Jahren etwas noch so charmant und zeitlos, dass man es den Kindern weitergeben möchte?
und ist das Konzept einer Serie so universell und vielseitig, dass es für 20 Filme reicht? Bond ist letztlich ein Action-Abenteuer mit Humor und Erotik (auf jugendfreundlichem Niveau). Das Konzept der Serie ist universell genug um zeitgenössische Schwankungen aufzunehmen, und vielsetig genug um nicht auf Dauer langweilig zu sein.
Transformers ist deutlich eingescrhränkter. ich glaube nicht, dass ein Publikum in 10 Jahren immer noch aufeinander eindreschende animiere Robotor sehen will. Verändert man das KOnzept aber umfangreich, dann ist es nicht mehr Transformers.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

88
danielcc hat geschrieben:... und ggf. noch sowas wie "Universalität" und "Vielseitigkeit".
Sehr guter Punkt.
Bond ist "universell", Filme wie Transformer sind sehr "speziell".
Bond ist trotz seiner "Parallelwelt", in der alles einen Tick schöner, größer, gefährlicher, exklusiver ist ... immer noch universell genug, um in allen Kulturen und allen Altersklassen Anknüpfpunkte zu finden.

Je spezieller ("kämpfende Roboter") ein Film wird, desto schwieriger wird es, dass sowas dann zum Generationen-übergreifenden Klassiker wird.

Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

89
F&F ist bei weitem nicht so seelenlos wie hier manche vermuten und definitiv nicht so seelenlos wie Transformers. Dort wird ständig auf "Familienwerte" gepocht, mit Diesel als "Oberhaupt". Zudem treten sehr viele Charaktere dieser verschworenen Gemeinschaft jetzt schon seit zig Filmen auf, so dass ein ähnliches Phänome wie bei vielen TV-Serien (lieb gewonnene, alte bekannte) entsteht.
F&F hat kein Hirn, aber Herz. Transformers geht beides ab.
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Hollywood und die Zahlen: Der Box Office Thread

90
vodkamartini hat geschrieben: F&F hat kein Hirn, aber Herz. Transformers geht beides ab.
Sehr amüsant formuliert, aber das trifft es vermutlich. Etwas Hirn brauch ich dann aber doch. 8)

Wenn ich etwas ohne Hirn aber mit Herz möchte, dann könnte ich mir genauso "Rosamunde Pilcher" ansehen. :wink:
"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."