Re: Filmbesprechung: "The Man with the Golden Gun (TMWTGG)"
Verfasst: 17. Juli 2018 01:12
The Man with the Golden Gun (1974, Guy Hamilton)
"Good night, good night. Sleep well, my dear. No need to fear, James Bond is here."
- Lulu
Nachdem Roger Moore mit LALD seinen furiosen Einstieg in die 007-Rolle gefeiert hatte sollte es nur ein Jahr dauern bis zum nächsten Film. Ob diese einmalige Rückkehr zum in den 70ern eigentlich schon in den Ruhestand gestellten Einjahres-Rhythmus der Qualität des neuen Bond-Spektakels geschadet hat ist eine berechtigte Frage. Die gesellige Mixtur aus Humor, Atmosphäre und Abenteuer des Vorgängers wurde nicht getoppt und heute wird TMWTGG rückblickend von vielen Fans als Tiefpunkt der Reihe eingestuft. Zumindest den zweiten Punkt kann und will ich aber so nicht unterschreiben, denn dafür macht TMWTGG insgesamt einfach noch zu viel Spass. Aber der Reihe nach.
Es ist schon erstaunlich, wie wechselhaft die frühen Bondfilme teilweise in Bezug auf die erzählerische und dramaturgische Funktionalität sind, wenn man bedenkt dass oftmals Stammautoren und -Regisseure am Werk waren. Einen Preis für Narration hat sich TMWTGG auf jeden Fall nicht verdient, sinnige Kausalität, Spannungsbögen oder Momente der Gefahr sucht man nämlich vergebens. Frappierend ist, dass sich fast alle Ansätze hinsichtlich Spannungsaufbau als falsche Fährten und leere Hüllen entpuppen, so stellt sich etwa in einer unverhältnismässig langen und im ganzen Film am stärksten auf Spannungserzeugung getrimmten Szene heraus, dass Bond lediglich zu M und Kollegen geführt werden soll. Auch im Gesamtkontext hat man sich keinen Gefallen damit getan, als Prämisse eine austauschbare Story um Solartechnologie einzubauen, die vom Film sowieso weitgehend stiefmütterlich behandelt wird und gar nicht richtig zum Rest passen will. Hier wäre es interessanter gewesen, sich stattdessen mehr auf den Killer Scaramanga als dunkles Spiegelbild Bonds und das Katz-und-Maus-Spiel der beiden zu fokussieren. Nicht nur wäre es die originellere Idee gewesen, die Inszenierung und Auslegung des fertigen Films scheint dem auch viel mehr in die Karten zu spielen, während die lahme Solex-Geschichte mehr einer Strichliste zu folgen scheint.
Ein als grosses Ganzes lahm erzählter Flickenteppich von einer Spionagehandlung und zwei nicht zueinander passende Grundprämissen, und was genau macht an TMWTGG denn nun so viel Spass? Der Film setzt praktisch dort fort wo DAF vor dem stimmigen und ausbalancierten LALD-Intermezzo aufgehört hat und suhlt sich zwischen seinen Ansätzen einer Storyentwicklung in selbstironischer Schauwertberieselung. Man muss sich also gar nicht erst die Mühe machen, nach einer gut erzählten Geschichte zu suchen sondern nur das Sammelsurium an mal mehr und mal weniger gut gelungenen, aber stets mit einem gewissen Charme ausgestatteten Ideen geniessen. Nach dem lahmenden Einstieg verbreitet vor allem der in und um Bangkok angelegte Mittelteil angenehmes Urlaubs- und Spassfeeling. Die Stadt wird gerade auch in ihren dreckigen Ecken und trüben Vorstadtkanälen sehr atmosphärisch gezeigt und bietet einen würdigen und stimmungsvollen Backdrop für Old Rogs Rummelplatz. Darüber hinaus ist TMWTGG vermutlich der Bondfilm mit den am meisten unterschätzten Sets, vor allem was einem in Form von Interieurs und Dekors geboten wird, sei es Scaramangas in die Felsbuchten eingebettetes Inseldomizil, das Schlafgemach der Dschunke, die Edelhotels in Bangkok und Hongkong, Hai Fats Prachtgarten oder das windschiefe Innere der HMS Queen Elizabeth, alles ist von einer bondtypisch überzeichneten Mondänität.
Actionszenen gibt es in Old Rogs All-Inclusive-Thailandurlaub vergleichsweise wenige, und die grosse Autoverfolgung durch Bangkok weckt anfangs durch die repetitiven Fahrmanöver und das Eingreifen der lokalen Behörden böse Erinnerungen an die lahme Blechverschrottung aus DAF, punktet später aber mit einigen rasanten Einstellungen und dem wohl gewagtesten Autostunt in der Filmgeschichte. Im Kontrast dazu steht die handlungsirrelevante, aber besonders für Hauptdarsteller Roger Moore ungewohnt harte und derbe Keilerei mit den libanesischen Sicherheitsleuten. Unzweifelhafter Höhepunkt ist aber Bonds geplante Schauhinrichtung in einer Karateschule. Wie da folkloristischer Zirkus, zeremonielles Brimborium und augenzwinkerndes Gekloppe im Gleichschritt geboten werden ist sagenhaft und wird von allen Beteiligten - inklusive dem erneut erstaunlich physisch agierenden Moore - absolut schmissig in Szene gesetzt. Nicht so ganz überzeugen wollen die Szenen in Scaramangas "Gruselkabinett", das in Sachen Überraschungen und Tricks arg überschaubare Szenario bleibt weitgehend eine interessante Idee, aus der man auf verschiedene Arten mehr hätte machen können. Interessant ist aber, wie im Showdown ab einem Punkt plötzlich Bonds Perspektive ausgeblendet wird und man das Geschehen mitsamt seiner Auflösung nur noch aus dem Blickwinkel des Bösewichts betrachtet, was dem Aufeinandertreffen der beiden etwas mehr Biss gibt.
Stammkomponist John Barry hat für die Bondreihe so einige ordentliche bis sehr gute Scores kreiert, aber was er in TMWTGG abliefert lässt manches davon fast schon verblassen. Barry setzt mehr denn ja auf Leitmotive und sich wiederholende Elemente, vieles ist eine Variation der Melodie, die auch im Titellied Verwendung findet. Die Variation macht hier den Genuss aus, mal erklingt die Musik ruhig und mystisch angehaucht wie etwa als Scaramanga Bond vor Hai Fats Anwesen via Fernglas identifiziert, mal explodiert sie so ungestüm dass man am liebsten auf seinem Sitz springen möchte wie bei der Flucht aus der Karateschule. Das übergreifende Motiv lautet Kontraste, auch in der Art wie Barry kurze Segmente in Abwechslung zueinander einsetzt. Der Score ist einprägsam und melodisch bis zum Gehtnichtmehr und passt wunderbar, sowohl zum goldenen Dreieck als auch zu der augenzwinkernden Märchenwelt, in der TMWTGG immer wieder rumtollt.
"Old Rog" Roger Moore wird in seiner Bond-Interpretation meistens für die Filme gelobt, die erst nach TMWTGG kamen, und tatsächlich variiert er hier noch die etwas härtere Gangart, die auch schon seinen ersten Auftritt prägten. Trotzdem wird bei seinem Bond auch der Humor sehr gross geschrieben, und in TMWTGG teils sogar mit Ausrufezeichen. Moore agiert hier teilweise mit fast schon debilem Chauvinismus und ist in vielen Momenten einfach urkomisch, man denke daran wie er vor den Augen des Sheriffs süffisant und stolz wie ein Gockel Ehrenrunden mit seinem Boot dreht oder welch Blödsinn er Goodnight beispielsweise beim gemeinsamen Abendessen in Form feierlicher vorgetragener Turteleien zumutet. Oder wie er über sich als Geheimagenten spricht als wäre er eine Art Popstar. Kurzum macht es einfach Spass, dem alten Roger bei seinen Eskapaden zuzuschauen und festzustellen, wie selbstironisch er die ganzen Faxen nimmt. In eine etwas andere Richtung schlägt die Besetzung des Bösewichts mit Horror-Ikone Christopher Lee. Der Schauspielveteran überzeugt mit seinem Wechselspiel zwischen jovialem Frohsinn und eiskalter Unnahbarkeit aber lässt dabei auch immer wieder durchschimmern, dass sein darstellerisches Potential und die Idee eines Bond gar nicht mal so unähnlichen Killers im Mano-a-Mano mit 007 vielmehr in einen anderen, ernsthafteren und ja, auch besseren Film gepasst hätten. Lee bekommt als Scaramanga nur an wenigen Stellen mehr Tiefe verliehen, etwa bei seinem Monolog über den Zirkuselefanten, hätte unter anderen Bedingungen bei ähnlicher Ausgangslage aber mühelos der beste Bond-Bösewicht aller Zeiten sein können. Trotzdem sind seine Auftritte gelungen und als Konterpart zu Moores Bond anständig eingebettet.
In der Besetzung der Nebenrollen wird weitgehend die Zirkuslinie weiterverfolgt, beispielsweise mit dem dümmlichen und unfähigen Lieutenant Hip, der oft als Sidekick herhalten darf bzw. muss. Noch blöder ist lediglich Mary Goodnight, die laut Drehbuch eine Agentin sein soll, sich aber so grenzdebil anstellt bei allem was sie tut, dass man abwechselnd vor Lachen am Boden liegt oder sich wünscht, Scaramanga würde ihr als nächstes den Garaus machen. Alleine wie sie Bond alle Naslang anschmachtet um im nächsten Moment wieder die beleidigte Leberwurst zu spielen ist sagenhaft. Als ob das nicht genug wäre darf auch noch Sheriff Pepper Urlaub in Thailand machen und in Bonds Abenteuer hineingezogen werden. Anders als bei seinem Auftritt in LALD will der Sheriff aber hier, losgelöst von seinem natürlichen Habitat, nicht so ganz passen, hat man sich aber damit abgefunden dass sogar dieser Idiot hier mit reingepackt wurde kann man auch mit ihm seinen Spass haben. Dafür wird aber Hervé Villechaize in der Rolle von Scaramangas kleinwüchsigem Diener Nick Nack an erstaunlich wenigen Stellen als Zwergenclown missbraucht und verkörpert meistens eine relativ zwielichtige und bei aller Skurrilität sogar überraschend würdevolle Figur.
Roger Moores zweiter Auftritt als 007 ist ein kurioser Fall, der natürlich leicht als schlechter Film abgestempelt werden kann. Die Story wird schwach entwickelt, die Charaktere darin sind teils dumm wie Bohnenstroh, viele Elemente passen nicht wirklich zueinander und die Figur des Scaramanga sowie ihr Darsteller Christopher Lee verweisen eigentlich auf ein viel grösseres Potential. Hat man sich aber damit abgefunden, dass TMWTGG nun mal kein weiterer Höhepunkt der Reihe ist, kann man mit dem Gebotenen durchaus auch Spass haben. Moores Darstellung des augenzwinkernden Ultra-Chauvinisten, Lees trotz allem sehr guter Auftritt, das oftmals mehr oder weniger bewusst in Komödienzirkus abgleitende Spektakel, das stimmungsvolle exotische Flair, der herausragende und fantasievolle Score und einiges an selbstironischem Charme können zwar die grundlegenden Schwächen nicht verschleiern, sorgen aber dafür, dass die zwei Stunden relativ schnell und auch ganz unterhaltsam verfliegen.
Wertung: 6,5 / 10
"Good night, good night. Sleep well, my dear. No need to fear, James Bond is here."
- Lulu
Nachdem Roger Moore mit LALD seinen furiosen Einstieg in die 007-Rolle gefeiert hatte sollte es nur ein Jahr dauern bis zum nächsten Film. Ob diese einmalige Rückkehr zum in den 70ern eigentlich schon in den Ruhestand gestellten Einjahres-Rhythmus der Qualität des neuen Bond-Spektakels geschadet hat ist eine berechtigte Frage. Die gesellige Mixtur aus Humor, Atmosphäre und Abenteuer des Vorgängers wurde nicht getoppt und heute wird TMWTGG rückblickend von vielen Fans als Tiefpunkt der Reihe eingestuft. Zumindest den zweiten Punkt kann und will ich aber so nicht unterschreiben, denn dafür macht TMWTGG insgesamt einfach noch zu viel Spass. Aber der Reihe nach.
Es ist schon erstaunlich, wie wechselhaft die frühen Bondfilme teilweise in Bezug auf die erzählerische und dramaturgische Funktionalität sind, wenn man bedenkt dass oftmals Stammautoren und -Regisseure am Werk waren. Einen Preis für Narration hat sich TMWTGG auf jeden Fall nicht verdient, sinnige Kausalität, Spannungsbögen oder Momente der Gefahr sucht man nämlich vergebens. Frappierend ist, dass sich fast alle Ansätze hinsichtlich Spannungsaufbau als falsche Fährten und leere Hüllen entpuppen, so stellt sich etwa in einer unverhältnismässig langen und im ganzen Film am stärksten auf Spannungserzeugung getrimmten Szene heraus, dass Bond lediglich zu M und Kollegen geführt werden soll. Auch im Gesamtkontext hat man sich keinen Gefallen damit getan, als Prämisse eine austauschbare Story um Solartechnologie einzubauen, die vom Film sowieso weitgehend stiefmütterlich behandelt wird und gar nicht richtig zum Rest passen will. Hier wäre es interessanter gewesen, sich stattdessen mehr auf den Killer Scaramanga als dunkles Spiegelbild Bonds und das Katz-und-Maus-Spiel der beiden zu fokussieren. Nicht nur wäre es die originellere Idee gewesen, die Inszenierung und Auslegung des fertigen Films scheint dem auch viel mehr in die Karten zu spielen, während die lahme Solex-Geschichte mehr einer Strichliste zu folgen scheint.
Ein als grosses Ganzes lahm erzählter Flickenteppich von einer Spionagehandlung und zwei nicht zueinander passende Grundprämissen, und was genau macht an TMWTGG denn nun so viel Spass? Der Film setzt praktisch dort fort wo DAF vor dem stimmigen und ausbalancierten LALD-Intermezzo aufgehört hat und suhlt sich zwischen seinen Ansätzen einer Storyentwicklung in selbstironischer Schauwertberieselung. Man muss sich also gar nicht erst die Mühe machen, nach einer gut erzählten Geschichte zu suchen sondern nur das Sammelsurium an mal mehr und mal weniger gut gelungenen, aber stets mit einem gewissen Charme ausgestatteten Ideen geniessen. Nach dem lahmenden Einstieg verbreitet vor allem der in und um Bangkok angelegte Mittelteil angenehmes Urlaubs- und Spassfeeling. Die Stadt wird gerade auch in ihren dreckigen Ecken und trüben Vorstadtkanälen sehr atmosphärisch gezeigt und bietet einen würdigen und stimmungsvollen Backdrop für Old Rogs Rummelplatz. Darüber hinaus ist TMWTGG vermutlich der Bondfilm mit den am meisten unterschätzten Sets, vor allem was einem in Form von Interieurs und Dekors geboten wird, sei es Scaramangas in die Felsbuchten eingebettetes Inseldomizil, das Schlafgemach der Dschunke, die Edelhotels in Bangkok und Hongkong, Hai Fats Prachtgarten oder das windschiefe Innere der HMS Queen Elizabeth, alles ist von einer bondtypisch überzeichneten Mondänität.
Actionszenen gibt es in Old Rogs All-Inclusive-Thailandurlaub vergleichsweise wenige, und die grosse Autoverfolgung durch Bangkok weckt anfangs durch die repetitiven Fahrmanöver und das Eingreifen der lokalen Behörden böse Erinnerungen an die lahme Blechverschrottung aus DAF, punktet später aber mit einigen rasanten Einstellungen und dem wohl gewagtesten Autostunt in der Filmgeschichte. Im Kontrast dazu steht die handlungsirrelevante, aber besonders für Hauptdarsteller Roger Moore ungewohnt harte und derbe Keilerei mit den libanesischen Sicherheitsleuten. Unzweifelhafter Höhepunkt ist aber Bonds geplante Schauhinrichtung in einer Karateschule. Wie da folkloristischer Zirkus, zeremonielles Brimborium und augenzwinkerndes Gekloppe im Gleichschritt geboten werden ist sagenhaft und wird von allen Beteiligten - inklusive dem erneut erstaunlich physisch agierenden Moore - absolut schmissig in Szene gesetzt. Nicht so ganz überzeugen wollen die Szenen in Scaramangas "Gruselkabinett", das in Sachen Überraschungen und Tricks arg überschaubare Szenario bleibt weitgehend eine interessante Idee, aus der man auf verschiedene Arten mehr hätte machen können. Interessant ist aber, wie im Showdown ab einem Punkt plötzlich Bonds Perspektive ausgeblendet wird und man das Geschehen mitsamt seiner Auflösung nur noch aus dem Blickwinkel des Bösewichts betrachtet, was dem Aufeinandertreffen der beiden etwas mehr Biss gibt.
Stammkomponist John Barry hat für die Bondreihe so einige ordentliche bis sehr gute Scores kreiert, aber was er in TMWTGG abliefert lässt manches davon fast schon verblassen. Barry setzt mehr denn ja auf Leitmotive und sich wiederholende Elemente, vieles ist eine Variation der Melodie, die auch im Titellied Verwendung findet. Die Variation macht hier den Genuss aus, mal erklingt die Musik ruhig und mystisch angehaucht wie etwa als Scaramanga Bond vor Hai Fats Anwesen via Fernglas identifiziert, mal explodiert sie so ungestüm dass man am liebsten auf seinem Sitz springen möchte wie bei der Flucht aus der Karateschule. Das übergreifende Motiv lautet Kontraste, auch in der Art wie Barry kurze Segmente in Abwechslung zueinander einsetzt. Der Score ist einprägsam und melodisch bis zum Gehtnichtmehr und passt wunderbar, sowohl zum goldenen Dreieck als auch zu der augenzwinkernden Märchenwelt, in der TMWTGG immer wieder rumtollt.
"Old Rog" Roger Moore wird in seiner Bond-Interpretation meistens für die Filme gelobt, die erst nach TMWTGG kamen, und tatsächlich variiert er hier noch die etwas härtere Gangart, die auch schon seinen ersten Auftritt prägten. Trotzdem wird bei seinem Bond auch der Humor sehr gross geschrieben, und in TMWTGG teils sogar mit Ausrufezeichen. Moore agiert hier teilweise mit fast schon debilem Chauvinismus und ist in vielen Momenten einfach urkomisch, man denke daran wie er vor den Augen des Sheriffs süffisant und stolz wie ein Gockel Ehrenrunden mit seinem Boot dreht oder welch Blödsinn er Goodnight beispielsweise beim gemeinsamen Abendessen in Form feierlicher vorgetragener Turteleien zumutet. Oder wie er über sich als Geheimagenten spricht als wäre er eine Art Popstar. Kurzum macht es einfach Spass, dem alten Roger bei seinen Eskapaden zuzuschauen und festzustellen, wie selbstironisch er die ganzen Faxen nimmt. In eine etwas andere Richtung schlägt die Besetzung des Bösewichts mit Horror-Ikone Christopher Lee. Der Schauspielveteran überzeugt mit seinem Wechselspiel zwischen jovialem Frohsinn und eiskalter Unnahbarkeit aber lässt dabei auch immer wieder durchschimmern, dass sein darstellerisches Potential und die Idee eines Bond gar nicht mal so unähnlichen Killers im Mano-a-Mano mit 007 vielmehr in einen anderen, ernsthafteren und ja, auch besseren Film gepasst hätten. Lee bekommt als Scaramanga nur an wenigen Stellen mehr Tiefe verliehen, etwa bei seinem Monolog über den Zirkuselefanten, hätte unter anderen Bedingungen bei ähnlicher Ausgangslage aber mühelos der beste Bond-Bösewicht aller Zeiten sein können. Trotzdem sind seine Auftritte gelungen und als Konterpart zu Moores Bond anständig eingebettet.
In der Besetzung der Nebenrollen wird weitgehend die Zirkuslinie weiterverfolgt, beispielsweise mit dem dümmlichen und unfähigen Lieutenant Hip, der oft als Sidekick herhalten darf bzw. muss. Noch blöder ist lediglich Mary Goodnight, die laut Drehbuch eine Agentin sein soll, sich aber so grenzdebil anstellt bei allem was sie tut, dass man abwechselnd vor Lachen am Boden liegt oder sich wünscht, Scaramanga würde ihr als nächstes den Garaus machen. Alleine wie sie Bond alle Naslang anschmachtet um im nächsten Moment wieder die beleidigte Leberwurst zu spielen ist sagenhaft. Als ob das nicht genug wäre darf auch noch Sheriff Pepper Urlaub in Thailand machen und in Bonds Abenteuer hineingezogen werden. Anders als bei seinem Auftritt in LALD will der Sheriff aber hier, losgelöst von seinem natürlichen Habitat, nicht so ganz passen, hat man sich aber damit abgefunden dass sogar dieser Idiot hier mit reingepackt wurde kann man auch mit ihm seinen Spass haben. Dafür wird aber Hervé Villechaize in der Rolle von Scaramangas kleinwüchsigem Diener Nick Nack an erstaunlich wenigen Stellen als Zwergenclown missbraucht und verkörpert meistens eine relativ zwielichtige und bei aller Skurrilität sogar überraschend würdevolle Figur.
Roger Moores zweiter Auftritt als 007 ist ein kurioser Fall, der natürlich leicht als schlechter Film abgestempelt werden kann. Die Story wird schwach entwickelt, die Charaktere darin sind teils dumm wie Bohnenstroh, viele Elemente passen nicht wirklich zueinander und die Figur des Scaramanga sowie ihr Darsteller Christopher Lee verweisen eigentlich auf ein viel grösseres Potential. Hat man sich aber damit abgefunden, dass TMWTGG nun mal kein weiterer Höhepunkt der Reihe ist, kann man mit dem Gebotenen durchaus auch Spass haben. Moores Darstellung des augenzwinkernden Ultra-Chauvinisten, Lees trotz allem sehr guter Auftritt, das oftmals mehr oder weniger bewusst in Komödienzirkus abgleitende Spektakel, das stimmungsvolle exotische Flair, der herausragende und fantasievolle Score und einiges an selbstironischem Charme können zwar die grundlegenden Schwächen nicht verschleiern, sorgen aber dafür, dass die zwei Stunden relativ schnell und auch ganz unterhaltsam verfliegen.
Wertung: 6,5 / 10