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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 1. März 2011 20:17
von danielcc
Interessant ist ja, dass Liam Neeson grade jetzt im leicht fortgeschrittenen Alter den europäischen Actionfilm für sich entdeckt und darin eine super Figur macht.
Ralph Fiennes sehe ich nicht in er Rolle. Er wäre ein weiter Dalton gewesen. Eigentlich ein talentierter Darsteller aber in der gänzlich falschen Rolle. In der Schirm, Charme Melone Vefilmung hat er wie ich finde beim Humor und der Coolness versagt, bei Maid in Manhattan bestätigt sich dann, dass er Humor (und Romantik) nicht kann.
Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 1. März 2011 20:31
von AnatolGogol
danielcc hat geschrieben:Interessant ist ja, dass Liam Neeson grade jetzt im leicht fortgeschrittenen Alter den europäischen Actionfilm für sich entdeckt und darin eine super Figur macht.
Ralph Fiennes sehe ich nicht in er Rolle. Er wäre ein weiter Dalton gewesen. Eigentlich ein talentierter Darsteller aber in der gänzlich falschen Rolle. In der Schirm, Charme Melone Vefilmung hat er wie ich finde beim Humor und der Coolness versagt, bei Maid in Manhattan bestätigt sich dann, dass er Humor (und Romantik) nicht kann.
Naja, aber fairerweise muss man ganz klar sagen, dass der Hauptdarsteller in der Schirm, Charme & Melone-Verfilmung so ziemlich das kleinste Problem darstellt

Zumal die Steed-Rolle ja nun so gar nix mit James Bond zu tun hat. Und eigentlich empfand ich seinen trockenen Humor in der Gurke noch mit als das beste Element (mal abgesehen von Umas Latexanzug und dass Connery selbst in solch einem filmischen Sarg immer noch ein Highlight ist).
Auch sehe ich ehrlich gesagt nicht wirklich einen Bezug zwischen einer Jennifer-Lopez-Romatic Comedey und den Anforderungen in Sachen Humor für einen Bondfilm. Fiennes wäre sicherlich kein Darsteller für Scherze a la Moore oder Brosnan gewesen, aber das ist Craig ja nun auch nicht.

Jedenfalls sehe ich darin kein unüberwindliches Problem.
Ich freue mich schon auf nächste Woche, wenn der neue Neeson-Film ins Kino kommt. Trotz der tollen Karriere die er seit Schindlers Liste hingelegt hat bedaure ich auch immer ein bisschen, dass da nicht noch mehr gegangen ist. Wenn jemand in einem solchen Fiasko wie Star Wars Episode 1, noch dazu mit grotesker Hippi-Perücke, eine gute Figur abgibt, dann muss der schon was auf dem Kasten haben (siehe Connery in Mit Schirm, Charme & soweiter). Ich hab mich auch immer darüber geärgert, dass Ridley Scott nicht ihn zum Hauptdarsteller in Kingdom of Heaven genommen hat, warum hat man Bloom nicht nach 30 Minuten sterben lassen können? (Noch dazu da mit Michael Sheen der beste Akteur des ganzen FIlmes auch schon nach der ersten viertel Stunde dahinscheidet, aber immerhin nach einer wieder mal mehr als imposanten Vorstellung!). Aber ich schweife ab. Neeson wäre in der Tat eine interessante Wahl statt Brosnan gewesen, gerade mit dem Schindlers Liste-Ruhm im Rücken wäre er auch massenkompatibel gewesen (was zu diesem Zeitpunkt aber auch für Fiennes gegolten hätte). Hätte spannend werden können, vielleicht wären die Filme dann wieder deutlich bodenständiger geworden, so eine Art 60s-Revival im Stil der 90er statt dem 70s-Revival im Neuzeitlook mit Brosnan.
Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 1. März 2011 21:53
von Maibaum
Zu den Einspielergebnissen von OHMSS. Diese Aussage mit den 18 Monaten stimmt wahrscheinlich nicht. OHMSS soll ja gerade am Anfang ordentlich Kasse gemacht haben, uns erst später "abgestürzt" sein.
Auch wenn der Film oft als Flop dargestellt wird, so war er doch ganz im Gegenteil ein großer Erfolg, nur eben nicht gemessen an den Zahlen der JB Vorgänger.
Wenn ein Film der 7 Mio kostet und dann 60 - 70 Mio einspielt 18 Monate bräuchte um Gewinn zu machen, dann wäre etwas ganz schön faul gewesen in der Film Branche. Auch schon in der Vor-Blockbuster Ära.
YOLT hatte ja mit 111 Mio beinahe das Doppelte eingespielt.
Und mit all diesen Zahlen im Hinterkopf waren die Bond Produzenten doch schön dämlich Connery nicht jegliche Traumgage zu zahlen. Was machen bei solchen Einnahmen schon 1 oder 2 Mio mehr aus?
Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 1. März 2011 22:06
von danielcc
So wie es aussieht, war OHMSS nur in den USA in Summe nicht so ein großer Hit.
Hier mal ein paar Zahlen:
http://www.the-numbers.com/movies/series/JamesBond.php
Erscheinungsdatum / Titel / US box office / weltweites box office / Budget
12/18/1969 On Her Majesty's Secret Service - $22,800,000 $82,000,000 $8,000,000
6/13/1967 You Only Live Twice - $43,100,000 $111,600,000 $9,500,000
und dann noch folgende Info von wikipedia:
"Trotzdem brach Im Geheimdienst Ihrer Majestät drei Rekorde bei der Kinoauswertung in den Vereinigten Staaten:
höchstes Einspielergebnis am ersten Auswertungstag
höchstes Einspielergebnis an einem Tag
höchstes Einspielergebnis am ersten Wochenende.
Insgesamt war dieser James-Bond-Film vier Wochen lang die Nummer eins in den US-amerikanischen Kinos und wurde erst von Easy Rider auf den zweiten Platz der Kinocharts verdrängt. Nach dem Western Zwei Banditen war dieser Film der zweiterfolgreichste Kinofilm, der im Jahr 1969 startete."
Alles ohne Gewähr...
Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 1. März 2011 22:16
von AnatolGogol
Maibaum hat geschrieben:Zu den Einspielergebnissen von OHMSS. Diese Aussage mit den 18 Monaten stimmt wahrscheinlich nicht. OHMSS soll ja gerade am Anfang ordentlich Kasse gemacht haben, uns erst später "abgestürzt" sein.
Auch wenn der Film oft als Flop dargestellt wird, so war er doch ganz im Gegenteil ein großer Erfolg, nur eben nicht gemessen an den Zahlen der JB Vorgänger.
Wenn ein Film der 7 Mio kostet und dann 60 - 70 Mio einspielt 18 Monate bräuchte um Gewinn zu machen, dann wäre etwas ganz schön faul gewesen in der Film Branche. Auch schon in der Vor-Blockbuster Ära.
YOLT hatte ja mit 111 Mio beinahe das Doppelte eingespielt.
Und mit all diesen Zahlen im Hinterkopf waren die Bond Produzenten doch schön dämlich Connery nicht jegliche Traumgage zu zahlen. Was machen bei solchen Einnahmen schon 1 oder 2 Mio mehr aus?
Die Aussage sowie die 18 Monate habe ich so aber auch schon gelesen. Michael G. Wilson äussert sich im Making Of zu OHMSS ja auch enstprechend, hab den genauen Wortlaut nicht mehr im Kopf aber er sagt so was wie "OHMSS ist der einzige Film, der sehr lange brauchte bis er die Kosten wieder eingespielt hat". Ich gehe mal nicht davon aus, dass er damit ein paar Wochen oder Monate meinte. Tesche gibt beispielsweise als weltweites (!) Einspielergebnis für OHMSS 25 Millionen Dollar an (vermutlich inklusive den Umsätzen aus den Wiederaufführungen), wohingegen Cork/Sciavally 64,6 Millionen Dollar Einspiel innerhalb eines Jahres (!) angeben. Glaubt man der Aussage von Wilson scheint mir die Tesche-Zahl hier wohl eher den Tatsachen zu entsprechen, verblüffend ist aber in jedem Fall die derart hohe Abweichung.
Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 1. März 2011 22:39
von Maibaum
Ja, gelesen habe ich es auch schon, aber wahrscheinlich stammt das alles aus einer Quelle, und wenn einmal etwas falsch gesagt wurde, wird es von jedem wiederholt.
Würde mich jedenfalls nicht wundern.
Klar hat der länger gebraucht als seine Vorgänger, ich glaube nur nicht das es so lange gedauert hat.
Auch mit LTK hat EON noch jede Menge Gewinn gemacht.
Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 1. März 2011 23:18
von danielcc
Was sein könnte, ist das die Bemerkung bgl. OHMSS auf US oder UK allein bezogen war. US Produzenten denken ja oft nur ans US Einspielergebnis und vielleicht bezog sich Wilson demnach auf US oder gar UK.
Für das US Einspielergebnis von OHMSS habe ich nun sowohl bei boxofficemojo.com als auch bei the-numbers.com 22 Mio gelesen. Bei einem Budget von ca. 10 Mio, kann es durchaus sein, dass das lnger gedauert hat, das einzuspielen.
Wow! Wo ich grad recherchiere: kennt jemand diese Seite:
http://www.freewebs.com/moonrakerbondstation2/index.htm
Da stehen sogar die Einnahmen aus dem Verleih der DVD/Video. und die Budgets sind sogar dertailiert aufgesplittet. Ob das alles richtig ist, weiß ich nicht. Demnach macht ein heutiger Bondfilm ca. 200 Mio. zusätzlich durch diesen Verleih!
Netto-Gewinne und Verluste für den jeweiligen Verleiher
Verfasst: 2. März 2011 03:34
von photographer
.
Netto-Gewinne und Verluste für den Verleiher
Ich nehme jetzt mal bezug auf die von danielcc verlinkte Seite
http://www.freewebs.com/sonybankablebonds/, welche aufzeigt, wieviel
Nettogewinn oder auch
Verlust die entsprechende Verleihfirma mit dem jeweiligen einzelnen Bond-Film in den ersten vierzig Jahren erzielt hat(te).
Während die Aufteilung der Gewinne während der gemeinsamen Partnerschaft von
Harry Saltzman und
Albert R. Broccoli für den Verleiher nur
40 Prozent ergaben und die Filmproduzenten jeder mit einem Anteil von 30 Prozent nach Hause gehen konnte, änderte sich das Verhältnis nach dem Ausstieg und dem Verkauf der Anteile Saltzmans auf
Fiftyfifty zugunsten der neuen Partnerschaft zwischen Verleihfirma und Albert R. Broccoli, bzw. dessen Erben.
Laut dieser Liste ergeben sich folgende Angaben:
- Dr. No 1962:
Net Studio Income From Box Office:
+$19,900,000
From Russia With Love 1963:
Net Studio Income From Box Office:
+$24,900,000
Goldfinger 1964
Net Studio Income From Box Office:
+$43,100,000
Thunderball 1965
Net Studio Income From Box Office:
+$46,000,000
Casino Royale 1967
Net Studio Income From Box Office:
+$1,300,000
You Only Live Twice 1967
Net Studio Income From Box Office:
+$24,500,000
On Her Majesty's Secret Service 1969
Net Studio Income From Box Office:
+$19,400,000
Diamonds Are Forever 1971
Net Studio Income From Box Office:
+$25,450,000
Live And Let Die 1973
Net Studio Income From Box Office:
+$19,400,000
The Man With The Golden Gun 1974
Net Studio Income From Box Office:
+$14,000,000
The Spy Who Loved Me 1977
Net Studio Income From Box Office:
+$29,800,000
Moonraker 1979
Net Studio Income From Box Office:
+$16,900,000
For Your Eyes Only 1981
Net Studio Income From Box Office:
+$16,400,000
Octopussy 1983
Net Studio Income From Box Office:
+$6,800,000
Never Say Never Again 1983
Net Studio Income From Box Office:
-$16,400,000
A View to a Kill 1985
Net Studio Income From Box Office:
-$6,800,000
The Living Daylights 1987
Net Studio Income From Box Office:
-$19,800,000
Licence To Kill 1989
Net Studio Income From Box Office:
-$32,000,000
GoldenEye 1995
Net Studio Income From Box Office:
+$35,600,000
Tomorrow Never Dies 1997
Net Studio Income From Box Office:
-$62,600,000
The World Is Not Enough 1999
Net Studio Income From Box Office:
-$60,000,000
Die Another Day 2002
Net Studio Income From Box Office:
-$35,500,000
Ruft man sich hierzu Albert R. Broccolis mehrfach getätigte Aussage aus seiner Autobiographie in Erinnerung, dass jeder (Bond)-Film mindestens das Dreifache seiner Produktionskosten einspielen muss, bevor er Gewinn erwirtschaftet, wäre laut dieser Liste die Erkenntnis doch sehr erschreckend, dass der Verleih schon ab Mitte der Achtziger häufiger auf den Erlös von Videoverkäufen und TV-Einnahmen bei einzelnen Filmen angewiesen war um ins Plus zu kommen.
Desweiteren macht dann aber auch Broccolis damalige Reaktion Sinn die Dreharbeiten zu Timothy Daltons dritten Bondfilm 1991 sofort zu stoppen als herauskam, dass der neue Investor Paretti die Bondfilme weit unter Wert an internationale TV-Stationen ohne Rücksprache verkauft hatte und Broccoli dagegen dann mit einer Klage vorging, wodurch die sechsjährige Pause zwischen
"Licence to kill" und
"GoldenEye" entstand.
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 2. März 2011 10:39
von AnatolGogol
Sehr interessante Seite. Allerdings bleibt natürlich festzuhalten, dass es nur eine Seite aus dem Internet ist, die ich in der Form mit völlig anderen Zahlen auch in weniger als einer Stunde zusammenbauen könnte. Der hohe Detaillierungsgrad erweckt natürlich den Anschein von Authentizität, aber ob dem tatsächlich so ist, wer kann das sagen? Komisch auch, dass nur eine Seite diese genauen Zahlen hat, während selbst namhafte Autoren von Bond-Literatur derart unterschiedliche Zahlen im Angebot haben.
Gehen wir mal von der Echtheit der Zahlen aus, so sind vor allem die Ergebnisse der Brosnan-Filme erstaunlich. Sollten die Brosnan Filme 2-4 tatsächlich nur noch über die Zweit- und Drittverwertung profitabel gewesen sein (wenn sie es denn waren), so wäre das schon ein ziemlicher Hammer. Ich weiss zwar, dass diese Umsatzast bei jedem Blockbuster ein wichtiger Faktor ist, aber dass das Ergebnis vor der Weiterverwertung derart negativ ausfällt hätte ich nicht gedacht. Passen würde zu der Situation auch der ab TND deutlich angestiegene Schleichwerbewahnsinn und das dazugehörige Merchandising. Sollte EON bzw Danjaq letztlich wirklich ihr Geld mit dem Drumherum verdient haben und die Filme derart unrentabel gewesen sein wirft dies wie ich finde ein völlig neues Licht auf die Brosnanfilme. Setzen wir weiter voraus, das die Kostenentwicklung ab CR sicherlich nicht rückläufig war, so müsste sich diese Tendenz doch ähnlich auch bei den beiden neusten Filmen niederschlagen. Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Sofern die Zahlen stimmen...
Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 2. März 2011 10:49
von danielcc
Das hat ja nichts mit Brosnanfilmen zu tun! Das gleiche gilt ja so dann für jeden modernen Blockbuster. Man muss sich mal vor Augen halten, dass heute jeder große Actionfilm so viel kostet wie TND/TWINE und die meisten nicht so viel einspielen wie diese. Ganz abgesehen davon, dass die wenigsten Filme wohl so eine Zugkraft beim DVD Verkauf haben und viele nicht mals auf das immense Merchandising drum herum setzen können.
Ein Film wie DAD steht immerhin auf Platz 116 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Nimmt man mal alle danach gedrehten raus, die aufgrund der Inflation davor liegen, würde er vermutlich sogar in der Top50 liegen.
Ein totales Desaster müsste auch Die Hard 4 sein. Der hat 380 eingespielt bei 110 Budget. Dennoch ist der fünfte Teil schon locker in Planung...
Ergo, die meisten teuren Blockbuster müssten eigentlich massive Flops sein

Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 2. März 2011 11:07
von AnatolGogol
danielcc hat geschrieben:Das hat ja nichts mit Brosnanfilmen zu tun! Das gleiche gilt ja so dann für jeden modernen Blockbuster. Man muss sich mal vor Augen halten, dass heute jeder große Actionfilm so viel kostet wie TND/TWINE und die meisten nicht so viel einspielen wie diese. Ganz abgesehen davon, dass die wenigsten Filme wohl so eine Zugkraft beim DVD Verkauf haben und viele nicht mals auf das immense Merchandising drum herum setzen können.
Ein Film wie DAD steht immerhin auf Platz 116 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Nimmt man mal alle danach gedrehten raus, die aufgrund der Inflation davor liegen, würde er vermutlich sogar in der Top50 liegen.
Ein totales Desaster müsste auch Die Hard 4 sein. Der hat 380 eingespielt bei 110 Budget. Dennoch ist der fünfte Teil schon locker in Planung...
Ergo, die meisten teuren Blockbuster müssten eigentlich massive Flops sein

Es gilt ja bei den Hollywood-Studios die Faustformel: ein richtiger Blockbuster finanziert 30 unrentable Filme. Davon bin ich bislang auch ausgegangen. Deinem Post zufolge wären ja aber dann wirklich nur Mega-Mega-Blockbuster wie zb Avatar über ihr Kinoeinpiel rentabel. Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen oder aber in Hollywood herrschen mittlerweile die gleichen Mechanismen wie im europäischen Clubfussball und immer höhere Schuldenpyramiden werden auf Pump weiter aufgetürmt. Wir hatten Ende der 80er/Anfang der 90er in der Filmbranche ja mal das schöne Beispiel Carolco: ein kleines unabhängiges Studio, dass die größten, teuersten und Umsatzstärksten Blockbuster seiner Zeit produzierte. Plötzlich platzte Mitte der 90er Jahre die Seifenblase, nachdem einige sehr unrentable Filme das Studio in den Ruin trieben (und im Nachhinein betrachtet die großen Blockbuster wohl so profitabel doch nicht waren). Mal abgesehen von den Anekdoten die über Studioboss Kassar sonst noch in Umlauf sind (wie die glaubhafte Geschichte, dass er sich seine sündhaft teuren Havannas mit einem Hundert-Dollar-Schein angezündet hat) wirft dies ein recht bezeichnendes Licht auf das Hollywoodsche System. Ein anderes Beispiel wäre Samuel Bronston und sein Blütezeit Anfang bis Mitte der 60er Jahre. Aber trotzdem ging ich bislang immer davon aus, dass bei den großen Studios die „normalen“ Blockbuster über ihr Boxoffice rentabel seien und zwar genau in dem Maß wie eingangs beschrieben, nämlich dass über ihre Gewinne die ganzen unrentablen Filme (was deutlich mehr als 90% aller Produktionen ausmacht) finanziert werden.
Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 2. März 2011 11:41
von Maibaum
Da brauche ich jetzt ein paar nähere Erklärungen.
Net Studio Income ist was? Und errechnet sich wie?
Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 2. März 2011 11:43
von danielcc
Nur müsste man bei diesen Annahmen schon davon ausgehen, dass eben die Bondfilme zu den 10% gehören, die andere mitfinanieren.
Mal ehrlich: so dumm können die Studiobosse und Banken nicht sein. Sonst würde das insolvente Studio MGM (mit Unterstützung) wohl kaum einen Bondfilm drehen, um wieder auf die Beine zu kommen
Mich würde mal eine wirkliche Gesamtrechnung des Themas interessieren.
Beispiel: Wenn das Produktionsbudget eines Films 100 Mio ist, bezahlt das ja sicher nur das Produktions-Studio. Wenn dann noch mal 40 Mio. für weltweite Vermarktung hinzukommen, dann betrifft das ja sicher den Verleih und nicht zwangsläufig das Produktionsstudio.
Dann bekommt das produzierende Studio 40-50% vom weltweiten (?) Brutto Einspielergebnis. Soweit richtig? Was bekommen die Verleiher und was bleibt bei den Kinos?
Wieviel bekommt das produierenden Studio vom DVD Verleih und Verkauf? Wenn der Home Video markt von einem anderen Verleiher bedient wird, dann verdient das produzierenden Studio doch vermutlich nur einen gewissen Betrag für die Rechte am Film. Oder ist eine Home-Video Verleih Firma immer in Händen der Filmstudios? Ist doch nicht immer so, wenn ich recht informiert bin.
Und bei Bond kommt dann die immer wieder diskutierte Frage: Was lassen sich die werbenden Firmen (Product Placement) den Auftritt kosten?
Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 2. März 2011 11:44
von photographer
.
Das ist auch für mich genau das Problem, AnatolGogol,dass eine Echtheitszertifizierung von Daten im Internet immer als zwiegespalten zu betrachten ist.
Daher neige ich eher zu Quellen in Printunterlagen, da alles was dort "schwarz auf weiß" gedruckt ist, auch für Gericht eingeklagt werden kann.
Ich nehme daher als ein weiteres Zahlenbeispiel die Box-Office-Ergebnisse des sechsten offiziellen Bond-Films auf Seite 255 aus dem Buch "The making of On her Majesty's Secret Service" von Charles Helfenstein auf. Charles Helfenstein gilt in der Szene als die absolute Koryphäe was diesen Film angeht. Schon bei der Herstellung zu den Making-of-Beiträgen für die DVD wurde er als Fachmann konsultiert.
1.
Production cost: $ 7,000.000
Marketing cost: $ 1,000.000
2.
US Gross: $ 22.800.000
Overseas Gross: $ 64.600.000
Woldwide Gross: $ 87.400.000
3.
Theatrical US Rentals (studio net profits before production and marketing costs): $ 9,117.000
Theatrical Overseas Rentals (studio net profits before production and marketing costs): $ 23.283,000
Theatrical worldwide Rentals (studio net profits before production and marketing costs): $ 32,400.000
4.
Net Studio Income from Box Office: $ 24,400.000
Erläuterung zu den Zahlen:
Die Kosten für das Studio belaufen sich auf $ 8,000.000, bestehend aus den Produktions-und Marketingkosten (siehe Pos. 1.1 + 1.2).
Bedenkt man nun das von jeder eingelösten Eintrittskarte ein Teil des Geldbetrages auch an den jeweiligen Kinobetreiber und seinen Landesstaat gehen, erklärt schon sich einmal warum nicht die Summe des weltweiten Gesamteinspiels (siehe Pos. 2.3) als Rechnungsgrundlage zu Gute gezogen werden darf.
Wie ich in einem vorangegangenen Beitrag erwähnt habe, wurde der Nettogewinn vor Steuern zu 40 Prozent dem Verleiher zugesprochen, während die restlichen 60 Prozent den Filmproduzenten der Serie zu gute kamen.
Nettogewinn Studio: der errechnet sich aus Pos. 3.3 abzüglich Summe der Pos. 1.1. + 1.2
(siehe Pos. 4): $ 24,400.000 (40 Prozent des gesamten Nettogewinns)
Daraus ergibt sich für die Produzenten: $ 36,600.000
Der Film hat somit einen Nettogewinn von gesamt $ 61,000.000 erwirtschaft.
Rechnet man diesen Betrag vom weltweiten Einspielergebniss (siehe Pos. 2.3) ab, kommt man auf die Kosten, die entstanden sind, bevor der erste Nettogewinn entstehen kann:
$ 87,400.000 - $ 61,000.000 = $ 26,400.000
Diese $ 26,400.000 sind der Wert, der quasi erst einmal eingespielt werden muss, bevor der Film anfängt seinen ersten Cent Gewinn zu machen.
- und da kann es schon sein, dass das 18 Monate gedauert haben.
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Re: Was wäre passiert, hätte Connery nach YOLT weitergemacht
Verfasst: 2. März 2011 11:59
von photographer
@danielcc
Sean Connery wurden 12,5 Prozent des Nettogewinns aus "Diamonds are forever" neben seiner offiziellen Gage von $ 1,250.000 zugestanden. Diese Summe fällt somit um einiges höher aus als die reguläre Gage.
Ich vermute mal dass die United Artists diese 12,5 Prozent damals von ihren 40 Prozent Gewinnanteil abgetreten haben.
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