Seite 33 von 33
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 12. Februar 2026 17:32
von HCN007
Kleines Update - ich bin in einen kleinen Rückstau geraten. Den gesamten Schwung an Reviews des letzten Monats:
- Schwesterherz
- Ein Einfacher Unfall
- Greenland 2
- Smalltown Girl
- Song Sung Blue
- 28 Years Later 2 - The Bone Temple
- The Housemaid - Wenn Sie Wüsste
- Rental Family
- Lesbian Space Princess
- Extrawurst
- Mercy
- Silent Friend
- Die Stimme von Hind Rajab
- Send Help
- Lost Highway
- Primate
- Return To Silent Hill
- Der Fremde
- No Other Choice
- Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
- Wuthering Heights - Sturmhöhe
- Crime 101 (Sichtung Heute !)
- Ein Kuchen für den Präsidenten (SA oder SO)
- Once Upon A Time In Gaza (SA oder SO)
kommen alle spätestens Sonntag Abend ins Forum.
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 19. Februar 2026 23:19
von HCN007
iHaveCNit: Schwesterherz (2026) – Sarah Miro Fischer
Deutscher Kinostart: 08.01.2026
gesehen am 12.01.2026 im Filmgespräch mit der Regisseurin
Arthouse-Kinos Frankfurt – Harmonie – Kleine Harmonie - Reihe 5, Platz 1 – 18:00 Uhr
Rose hat gerade die Trennung mit ihrer Freundin hinter sich und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus. Sie kommt bei ihrem großen Bruder Sam unter. Beide sind ein eingespieltes Team, bis sie eine Vorladung zur Zeugenvernehmung noch an ihre alte Adresse zugestellt und von ihrer Ex-Freundin mit alten Sachen vor die Tür gelegt wird. Ihr Bruder Sam wird von einer Frau beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Rose, die nur schemenhafte Erinnerungen an die Nacht hat, weil sie eine dumpfe Geräuschkulisse in der Nacht aus dem Schlafzimmer ihres Bruders wahrgenommen hat, geht genau wie ihr Bruder von einem Missverständnis aus, steht aber nach der Zeugenaussage vor einem moralischen Dilemma zwischen geschwisterlicher Loyalität und Verantwortung.
Mit „Schwesterherz“ hat Regisseurin Sarah Miro Fischer einen Abschlussfilm inszeniert, der sich dem Thema Vergewaltigungen und dem Umgang damit aus einer interessanten Perspektive annähert. Statt der Opfer- oder der Täterperspektive den Raum zu geben, fokussiert sich der Film auf die Perspektive der Schwester des Täters und die moralische Zwickmühle die man als Schwester hat, wenn damit auch geschwisterliche und familiäre Loyalität eine Rolle spielt. Mit bewussten Leerstellen bietet der Film interessante und auch intensive Szenen, die zum einen durch den Ton und auch das nüchterne, bodenständige und bezüglich innnerer Zerrissenheit greifbare Schauspiel von vor allem Marie Bloching in der Rolle der Rose besticht und es sich in seiner letztendlichen Auflösung und Aufarbeitung des Themas nicht unbedingt einfach macht und auf jeden Fall ein Film ist, der zu Diskussionen anregen kann und sollte.
„Schwesterherz“ - My First Look – 8/10 Punkte
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 19. Februar 2026 23:29
von HCN007
iHaveCNit: Ein Einfacher Unfall (2026) – Jafar Panahi
Deutscher Kinostart: 08.01.2026
gesehen am 12.01.2026 OmU
Arthouse-Kinos Frankfurt – Harmonie – Große Harmonie - Reihe 9, Platz 5 – 20:30 Uhr
Eines Nachts sucht ein Mann eine Autowerkstatt auf, in der Vahid arbeitet. Vahid kann vor allem seinen Ohren nicht trauen. Der Mann scheint eine Beinprothese zu tragen, die ein bestimmtes Quietschen von sich gibt. Vahid glaubt, in dem Mann die Person wieder zu erkennen, die ihn einst mit traumatischen Folgen gefoltert hat, nachdem er aufgrund kritischem Verhalten gegenüber dem iranischen Regime festgenommen worden ist. In seiner Unsicherheit, ob es sich bei dem Mann tatsächlich um den Peiniger handelt, schlägt er ihn bewusstlos, entführt ihn und sucht weitere gepeinigte Opfer auf, die ihm bei der Identifizierung helfen sollen.
„Ein einfacher Unfall“ von Jafar Panahi ist ein weiterer Film, der sich kritisch mit dem iranischen Regime auseinandersetzt und für die kommende Oscarverleihung der französische Beitrag geworden ist. Vermutlich aus eigenen Erfahrungen heraus gestaltet Panahi mit „Ein einfacher Unfall“ eine Tragikomödie, die zum Teil als Roadmovie inszeniert wurde und mit einem interessanten charakterlichen Ensemble aus dem Automechaniker Vahid, der Fotografin Shivar, dem Hochzeitspaar Goli und Ali und dem Haudrauf Hamid sorgt der Film für allerlei absurde, chaotische und skurrile Situationen, die auf der einen Seite unterhaltsam und auf der anderen Seite spannend und fies unheilvoll sind. In der Inszenierung und audiovisuellen Gestaltung des Films gab es ein paar schöne Momente, in denen der Film eine Einstellung sehr lange hält oder ein Geschehen ohne Schnitt verfolgt. Dabei ist immer auch eine moralische Zwickmühle für die Truppe des Ensembles vorhanden wie weit Vergeltung und Rache gehen darf angesichts der traumatischen Erlebnisse und der erlebten Schrecken durch das Regime. Und vor allem auch dann, wenn man durch Zufälle auf die Familie des Peinigers trifft und der Faktor der Menschlichkeit dazu kommt.
„Ein Einfacher Unfall“ - My First Look – 8/10 Punkte
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 19. Februar 2026 23:36
von HCN007
iHaveCNit: Greenland 2 (2026) – Ric Roman Waugh
Deutscher Kinostart: 08.01.2026
gesehen am 13.01.2026
Kinopolis Darmstadt – Kino 4 – Reihe C, Platz 12 – 18:15 Uhr
5 Jahre nachdem die Fragmente des Meteoriten Clarke auf der Erde eingeschlagen sind, sind die Folgen für die Menschheit enorm, weil Teile des Planeten komplett verwüstet, überschwemmt und von Strahlungen verseucht sind und Unwetterkatastrophen und weitere lebensgefährliche Wetterphänomene das Leben beherrschen. Das geht auch nicht spurlos an dem Bunker in Grönland vorbei, in dem John Garrity, seine Frau und sein Sohn Zuflucht bekommen haben. Doch inmitten schwindender Ressourcen scheint nur ein scheinbar sicheres Einschlaggebiet eines Kraters in Südfrankreich eine neue unsichere Zuflucht zu sein, zu der sie schneller aufbrechen müssen als ihnen lieb ist.
„Greenland“ von Ric Roman Waugh mit Gerard Butler und Morena Baccarin in den Hauptrollen war ein überraschend bodenständiger, intimer und geradliniger Katastrophen-Action-Thriller, der mir sehr gut gefallen hat. Nun steht ein paar Jahre später die Fortsetzung auf dem Plan, der durchaus eine interessante Ergänzung ist, weil er das Setting der Welt in einer Apokalypse versucht zu zeichnen. Natürlich bleibt der Film ein in gewisser Art und Weise auf eine Familie fokussierter, intimer Katastrophen-Action-Thriller, der bodenständig und geradlinig auf sein Ziel zusteuert. Jedoch wirkt er fragmentierter als sein Vorgänger, weil er von Setting und Actionpiece zu Setting und Actionpiece springt und sich Momente des Ankommens, des Innehaltens dann in Spannungsmomente entwickeln und münden und so wiederholt es sich einige Male, wo sich der Film seine Regeln und seine Logik immer so zurecht legt, wie er es braucht.
„Greenland 2“ - My First Look – 6/10 Punkte
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 19. Februar 2026 23:43
von HCN007
iHaveCNit: Smalltown Girl (2026) – Hille Norden
Deutscher Kinostart: 15.01.2026
gesehen am 15.01.2026
Arthouse-Kinos Frankfurt – Harmonie – Kleine Harmonie - Reihe 5, Platz 5 – 20:30 Uhr
Eine Bar wird zur Begegnungsstätte für Nore und Jonna. Nore, die für extravagante, selbst geschneiderte Outfits und auch für eine sehr offen ausgelebte sexuelle Aktivität bekannt ist erlebt an einem Abend eine zu aufrindgliche, uninteressante Begegnung, vor der sie die schüchterne, von Nores Lebensstil begeisterte Jonna bewahrt. Zwischen Nore und Jonna entsteht eine Freundschaft, Nore zieht bei Jonna ein und inmitten einer entstehenden Beziehung zwischen Jonna und dem eigentlichen One-Night-Stand Michel und dem ausschweifenden Lebensstil von Nore kommt es dazu, dass sich beide vor allem mit Nores Vergangenheit auseinandersetzen.
„Smalltown Girl“ von Regisseurin Hille Norden ist ein semibiographischer Film, der vermutlich auf eigenen Erfahrungen basiert. Mit einer gewissen, radikalen Furchtlosigkeit von sowohl der Regisseurin als auch dem großartigen, weiblichen Trio in den Hauptrollen – Dana Herfurth, Luna Jordan und Vera Fay legt der Film den Fokus auf eine Freundschaft von zwei jungen Frauen und ergründet die Traumata und die Lebensgeschichte bei der von Dana Herfurth und Vera Fay gespielten Nore sowie die Folgen der daraus resultierenden Coping-Mechanismen, bei denen der Film auch sehr sexpositiv in der Darstellung des Ganzen ist und eine interessante Verschmelzung der Zeitebenen nutzt. Dabei hat sich der Film in seinen 2 Stunden vielleicht ein wenig zu sehr um sich selbst gedreht und bleibt ein wenig unentschlossen, wenn es um die freie Auslebung weiblicher Sexualität und gleichermaßen die Traumabewältigung geht, auch wenn mir der Film dennoch gefallen hat.
„Smalltown Girl“ - My First Look – 7/10 Punkte
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 19. Februar 2026 23:57
von HCN007
iHaveCNit: Song Sung Blue (2026) – Craig Brewer
Deutscher Kinostart: 08.01.2026
gesehen am 17.01.2026 in OmU
Arthouse-Kinos Frankfurt – Eldorado – Reihe P8, Platz 1 – 17:45 Uhr
Der ehemalige Alkoholiker Mike Sardina verdingt sich als KFZ-Mechaniker und Musiker, der eigentlich am liebsten die Songs von Neil Diamond spielen möchte, sich dahingehend aber nicht kreativ ausleben darf. Er lernt die ebenfalls musikalische, depressive Claire kennen und lieben. Beide hegen eine Faszination für Musik und vor allem Neil Diamond. Gemeinsam gründen sie die Band „Thunder and Lightning“, die hauptsächlich Songs von Neil Diamond covern und zeigen wollen, dass Diamond so viel mehr als nur den Gassenhauer „Sweet Caroline“ zu bieten hat. Noch ahnen sie nicht, dass das Schicksal beide wie Donner und Blitz treffen wird.
Ich wusste zwar, dass mir „Song Sung Blue“ von Craig Brewer gefallen und mich einigermaßen unterhalten wird, aber dass mich als jemand, dem das Werk von Neil Diamond außerhalb des Gassenhauers „Sweet Caroline“ eher bisher wenig bekannt ist, ein Film mitreißen wird, bei dem die auf wahren Tatsachen basierende Geschichte über ein musikalisches Paar, für dass die Musik von Neil Diamond der Kleber gewesen ist, der sie in den herausforderdenden, dramatischen Situationen des Lebens zusammengehalten hat. Ich war sowohl unterhalten als auch emotional berührt, weil auch mich durchaus die Entwicklungen im Film unerwartet wie ein Blitz getroffen haben. Dass Hugh Jackman ein Multitalent ist, der auch musikalisch in Filmen überzeugen kann war für mich wenig überraschend, überraschend war für mich wie gut mir auch Kate Hudson hier in ihrer Rolle gefallen hat. Klar ist der Film in seiner Inszenierung durchaus ab und an prätentiös, manipulativ und kitschig, aber das hat mich relativ wenig gestört und der Film konnte durchaus seine Sympathien für mich gewinnen. Und mit dem Fokus auf eine Coverband und die privaten Dramen, die mutmaßlich genauso passiert sein sollen, hebt sich der Film ein wenig von typischen Musiker-Biopics ab, statt ein eher schnödes Biopic über Neil Diamond zu bekommen.
„Song Sung Blue“ - My First Look – 8/10 Punkte
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 20. Februar 2026 00:12
von HCN007
iHaveCNit: 28 Years Later 2 – The Bone Temple (2026) – Nia DaCosta
Deutscher Kinostart: 15.01.2026
gesehen am 19.01.2026
Kinopolis MTZ – Kino 7 – Reihe 13, Platz 24 – 18:30 Uhr
Nach dem schweren persönlichen Verlust und dem Aufeinandertreffen des jungen Spike mit der Gang von Jimmy Crystal kämpft der junge Spike um Anerkennung und Aufnahme in der Gang, während er einen sadistischen Feldzug der Gang erlebt, während Dr. Kelson mit Experimenten beschäftigt ist, die das Schicksal der Welt beeinflussen könnten.
Danny Boyles Zombiefilm-Klassiker „28 Days Later“, der mit Juan Carlos Fresnadillas „28 Weeks Later“ fortgesetzt wurde, bekommt nun mit der „28 Years Later“ eine Trilogie als Abschluss der Trilogie serviert, die nun nach Danny Boyles „28 Years Later“ mit „The Bone Temple“ den zweiten Teil quasi ein halbes Jahr später in die Kinos bringt. „The Bone Temple“ wurde von Nia DaCosta inszeniert, die mit ihrer Neuinterpretation von „Candyman“ bereits ein Händchen dafür zeigen konnte mit einem tollen Stilbewusstsein Horror inszenieren zu können. Dieses Stilbewusstsein kommt auch trotz des eher engen Korsetts Teil einer Trilogie zu sein und dort sich stimmig ins Gesamtbild einzufügen dennoch gut zur Geltung. Neben der bereits im Vorgänger schön etablierten Coming-Of-Age-Geschichte um den jungen Spike, die auch noch hier weiter fortgeführt wird, bekommen wir vor allem mit, wie weitere Schlüsselfiguren sich mit dem Leben inmitten dieser Apokalypse arrangiert haben – wie Jack O´Connells Charakter des Jimmy Clark mit den sadistischen Feldzügen seiner Gang mit persönlichen Traumata abschließen möchte und auch wie Ralph Fiennes Charakter des Dr. Ian Kelson mit dem Leben umgeht und welche Traumata sein Leben gezeichnet haben. Ergänzt wird das Ganze im Film mit philosophischen und religiösen Glaubensfragen, die durchaus interessant sind, aber jetzt nicht komplett zugänglich sind, wenn man persönlich nicht der spirituelle Typ ist. Aber dennoch ist ein gewisser Einsatz von Musik im Film eines der Highlights des Films, das aber schnell in die Kategorie „Cringe“ eingeordnet werden könnte. Natürlich ist der Film nur Mittelteil einer Trilogie und kann insgesamt für sich genommen wachsen, wenn der Abschluss der Trilogie insgesamt mit allen drei Teilen mit dem großen Bild dahinter abgeschlossen wird.
„28 Years Later 2 – The Bone Temple“ - My First Look – 8/10 Punkte
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 20. Februar 2026 00:25
von HCN007
iHaveCNit: The Housemaid – Wenn Sie Wüsste (2026) – Paul Feig
Deutscher Kinostart: 15.01.2026
gesehen am 20.01.2026
Kinopolis MTZ – Kino 3 – Reihe 9, Platz 23 – 19:40 Uhr
Millie Calloway wird als Haushälterin im Anwesen des Ehepaars Winchester von Nina samt direkter Unterkunft angestellt. Noch ahnt Millie nicht, in welches Netz sie damit geraten ist, denn inmitten von Widersprüchlichkeiten, Intrigen und mysteriösen Zwischenfällen entspinnt sich ein Netz, dass enger mit ihrer dunklen Vergangenheit zusammenhängen verknüpft ist als sie sich jemals vorstellen könnte.
„The Housemaid – Wenn Sie Wüsste“ ist eine Romanverfilmung des gleichnamigen Romans von Freida McFadden, bei dem es zum Running Gag meiner persönlichen schriftlich festgehaltenen Gedanken wird, dass ich auch diese Vorlage nicht vorab gelesen habe. Viel eher war es der Trailer mit der Besetzung, der einst mein Interesse am Film wecken konnte. Neben natürlich Amanda Seyfried und Brandon Sklenar ist es vor allem Sydney Sweeney, die aktuell einen großen, durchaus auch kritikwürdigen Hype um ihre Person kreiieren konnte, von dem der Film sicherlich nun auch profitieren wird. Der Film hat durchaus ein gewisses Stilbewusstsein mit seiner sehr cleanen Hochglanzoptik. Leider fehlt mir an der Stelle die Referenz wie Regisseur Paul Feig entsprechend gerne Thriller inszeniert, womit ich „Nur ein kleiner Gefallen“ und „Nur noch ein kleiner Gefallen“ noch nicht gesehen habe, die durchaus Referenzwerte hätten sein können. Dennoch muss ich sagen, dass „The Housemaid (1)“ als Thriller durchaus funktionieren mag, der trotz im Film integrierter Intrigen und Widersprüchlichkeiten dennoch ab und an in sich selbst widersprüchlich sein mag und durch eine holprige, sprunghafte Inszenierung sowohl in seiner Handlung als auch den zwischenmenschlichen Dynamiken das Potential von glaubwürdigeren Entwicklungen verschenkt hat und damit mehr behauptet als ernsthaft herausgearbeitet wirkt, unabhängig davon ob Leerstellen beabsichtigt sind. Der Film verschenkt dabei auch den gesellschaftskritischen Ansatz eine ernst zu nehmende Art Satire und Antithese zum klassischen, amerikanischen Tradwife-Mythos darzustellen. In all der unterhaltsamen Spannung und Faszination, die sich im Film ergeben kann mag die zur Schau gestellte Form der Brutalität durchaus das eher seichter geprägte Publikum abstoßen und überraschen, genau wie der sehr rudimentär vorhandene Teil Erotik des Films, der dennoch im Vergleich zu vielen anderen Vertretern des Erotikthrillers auch wesentlich softer ist. Dennoch bin ich mal gespannt, ob und in welchem Umfang damit eine Filmreihe mit Sydney Sweeney begründet worden ist, in der ihre Schauwerte präsent in Szene gesetzt werden, obwohl ihr echtes schauspielerisches Talent genau dann zum Vorschein kommt, wenn ihre Charaktere nicht auf optische Schauwerte begrenzt werden – wie zum Beispiel in Ron Howards „Eden“ und Tina Satters „Reality“.
„The Housemaid – Wenn Sie Wüsste“ - My First Look – 7/10 Punkte
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 20. Februar 2026 00:40
von HCN007
iHaveCNit: Rental Family (2026) – Hikari
Deutscher Kinostart: 08.01.2026
gesehen am 21.01.2026
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Lumiere – Reihe 8, Platz 1 – 20:15 Uhr
Philip Vanderploeg ist ein in Japan lebender Schauspieler aus Amerika. Doch der Erfolg bleibt seit seinem Erfolg in einer Zahnpastawerbung aus. Bis er von einer Agentur angeworben wird, bei der den Kunden besondere Dienste angeboten werden und man spezielle Rollen im Leben von Familien und Personen einnehmen darf. Trotz Widerwillen nimmt er das Angebot an und vor allem die Aufträge als Journalist für einen japanischen Filmstar und als Vater für ein amerikanisch-japanisches Mädchen scheinen ihn sehr einzunehmen und ungeahnte Folgen zu haben.
„Rental Family“ ist ein durchaus interessanter Film geworden. Regisseurin Hikari hat für das Film die vor allem in Japan sehr bekannte Dienstleistung von Agenturen, bei der Personen die Rollen im Leben von Personen einnehmen zum Konzept genommen ein Wohlfühldrama zu inszenieren, dass vor allem ein Clash der Kulturen, ein Einblick in das Leben und Alltag Japans und der Gesellschaft ist und eine gewisse auch oberflächlich philosophische Sinnsuche zu bieten hat. Unabhängig davon, wie interessant diese Dienstleistung sein mag, so kritisch kann man ihr auch gegenüberstehen, weil unabhängig von den damit befriedigten Bedürfnissen und den erfüllten Zwecken für und von Menschen (zum Beispiel Einsamkeit oder auch im Fall des Filmes Eheschließungen für den bestimmten Schein), das in Rollen schlüpfen und das Vortäuschen falscher Tatsachen nicht nur rechtlich sondern auch im Bereich zwischenmenschlicher Verantwortung und Vertrauen kritisch zu sehen ist. Mit Blick auf den in den letzten Jahren durch Social Media und anderen Plattformen kreiierten parasozialen, auch monetär orientierten Beziehungen ist vor allem die Dienstleistung in Japan selbst ein sehr schmaler Grat. Wenn man jedoch das kritische Auge ausblendet ist der Film durchaus unterhaltsam und berührend geworden, erreicht jedoch für mich nicht die bodenständige, philosophische Tiefe und einen Einblick in das Leben Japans wie Wim Wenders „Perfect Days“. Da kann auch ein Brendan Fraser nichts ändern.
„Rental Family“ - My First Look – 7/10 Punkte
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 20. Februar 2026 00:45
von HCN007
iHaveCNit: Lesbian Space Princess (2026) – Leela Varghese und Emma Hough Hobbs
Deutscher Kinostart: 22.01.2026
gesehen am 22.01.2026
Arthouse-Kinos Frankfurt – Harmonie – Kleine Harmonie - Reihe 7, Platz 1 – 21:00 Uhr
Saira, Prinzessin des lesbischen Königreichs Clitopolis hat mehrere Probleme – zum Einen ist sie introvertiert, zum Anderen unsterblich verliebt in die Kämpferin Kiki die jedoch mit ihr nach 2 Wochen Schluss macht und dann von den Straight White Maliens entführt wird. Und dann wird sie von den Straight White Maliens noch erpresst, innerhalb von 24 Stunden die Labrys – eine Axt als Symbol lesbischer Power abzuliefern, um den Chick Magnet aktivieren und Kiki retten zu können. Und das obwohl Saira die Labrys für sich noch nicht manifestiert hat. Noch ahnt Saira nicht, welche Abenteuer und Herausforderungen damit auf sie warten.
Das Regisseurinnenpaar Leela Varghese und Emma Hough Hobbs haben mit „Lesbian Space Princess“ einen knallbunten, queerfeministischen Animationsabenteuer geschaffen, dass in seiner Optik ein wenig etwas von „Adult Swim“ und „Rick and Morty“ hat. Mit einem schönen Stilbewusstsein erschaffen die Regisseurinnen und das gesamte Team hinter „Lesbian Space Princess“ einen der interessantesten und witzigsten Animationsfilme, die ich in letzter Zeit sehen konnte. Das Sci-Fi-Fantasy-Abenteuer mit Coming-Of-Age-Elementen schafft es mit einer tollen Balance seine ernsten Themen mit einer Leichtfüßigkeit zu verhandeln, witzig zu sein und auch einige skurrile Charaktere und Momente und sogar zum Teil ein paar Musical-Elemente zu liefern. Mit schönen visuellen Einfällen, Easter-Eggs, popkulturellen Referenzen und einer schönen Portion Gesellschaftskritik ist der Film ein kleines Juwel, dass sich jeder Interessierte nicht entgehen lassen sollte.
„Lesbian Space Princess“ - My First Look – 9/10 Punkte
Re: iHaveCNit – Der HCN-Review-Sammelthread
Verfasst: 20. Februar 2026 00:54
von HCN007
iHaveCNit: Extrawurst (2026) – Marcus H. Rosenmüller
Deutscher Kinostart: 15.01.2026
gesehen am 24.01.2026 Samsung Onyx LED
Kinopolis MTZ – Kino 6 – Reihe 15, Platz 12 – 17:45 Uhr
Eigentlich sollte die Jahreshauptversammlung des Tennisclubs Langenheide nur wie gewohnt ablaufen und die wichtigen Tagesordnungspunkte unter der Führung des Vorsitzenden Heribert im Schnelldurchlauf abgehakt werden, bis ausgerechnet bei der Anschaffung eines neuen Grills und der Vorstellung durch den stellvertretenden Vorsitzenden Matthias mit einem Einwurf der Spielerin Melanie zugunsten des Vereinsmitglieds Erols und einer zusätzlichen Anschaffung eines Grills die Situation eskaliert und der Verein auseinanderzubrechen droht.
„Extrawurst“ von Marcus H. Rosenmüller ist eine Verfilmung eines Theaterstücks von Dietmar Jacob und Moritz Netenjakob und ein bis auf wenige vereinzelte Momente fast in Echtzeit ablaufendes Kammerspiel, dass sich auf den Schauplatz eines Tennisclubs begrenzt. Der Film hat mit Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Fahri Yardim, Friedrich Mücke und Anja Knauer durchaus in den Hauptrollen ein gut aufgelegtes Ensemble zu bieten und irgendwo ist der Film auch als Komödie durchaus unterhaltsam und witzig. Dennoch ist die wichtige Lektion, die man aus dem Film mitnehmen kann und sollte der klassische Konsens ist, dass nur Betroffene über Themen reden sollten, von denen sie betroffen sind und auch nur selbst entscheiden sollten, ob sie davon tatsächlich betroffen sind. So dreht sich der Film am Ende auch in den Streitthemen und Diskussionen, die Bestandteil der sich stetig eskalierenden Spirale des Films sind, immer wieder um sich selbst, wenn es um Religion, kulturelle und geschlechterspezifische Unterschiede geht. Der Film fühlt sich dahingehend am Ende so an wie eine gemütliche Comedy-Veranstaltung eines Kabarettisten an, der ein wenig „Edgy“ seine gesellschaftskritischen Takes verschwurbelt und nicht ernst zu nehmen ist – unabhängig davon wie ihn ein Teil der vom Film am ehesten angesprochenen Boomer-Zielgruppen den Film oder auch den Akteur im Bereich Comedy/Kabarett ernst nehmen.
„Extrawurst“ - My First Look – 6/10 Punkte