Auch wenn ich SP durchaus mag, muss ich dir da zustimmen. Das Bedrohungsszenario ist vergleichsweise banal / schwach / nicht vorhanden. Im Vorfeld wusste ich auch absolut nicht, worum es geht, während man das in SF schon vorher erahnen konnte (dass der Villain es auf den MI6 abgesehen hat, war ja schon anhand der Trailer klar). Bei SP habe ich jedenfalls im Vorfeld gespannt darauf gewartet, was SPECTRE so böses im Schilde führt, und war wir da zu sehen bekommen haben, war doch ziemlich belanglos.
Aber das stört mich in SP auch nicht weiter, weil der Film mich einfach gut unterhält. Auch haben wir mal wieder einen etwas Gadget-reicheren Film, was mir in der Craig-Ära bislang zu kurz kam (auch in SF waren die Gadgets noch auf ein Minimum produziert, in SP hat Bond dann wieder einen mit Gadgets bestücken Dienstwagen). SF hat schon einige Dinge zurückgebracht, die mir unter Craig bis dahin gefehlt hatten und in SP wurde das noch mal gesteigert. Abseits der Stiefbruder-Geschichte ist SP für mich einfach der typischste Bondfilm aus der Craig-Ära.
Auch wenn es mir fernliegt, SP mit dem heiligen OHMSS auf eine Stufe zu stellen, möchte ich hierzu mal einen Vergleich ziehen, weil es mir in OHMSS ganz ähnlich geht: Die Viren-Story kommt, entsprechend der Anschläge in SP, nur am Rande vor und geht fast komplett unter (man könnte sie sogar komplett streichen, ohne dass sich großartig viel ändern würde), aber der Film hat so viele Stärken, dass mir nichts anderes übrig bleibt, als ihm die Höchstnote zu geben. Das sollte zeigen, dass ein Bondfilm gar kein großes Bedrohungsszenario aufbauen muss, um ein guter Bondfilm zu sein. Zumindest für mich.
Casino Hille hat geschrieben:
Das weiß ich alles, aber das sind eben Dinge, die nur im Dialog stattfinden, und so funktioniert gutes Storytelling für mich nicht. Wenn die Anschläge ein Gewicht in der Handlung haben sollen (und das müssten sie, bei dem Bedrohungsszenario, von dem der Film erzählt), dann müssen sie auch im Film vorkommen, statt nur im gesprochenen Wort nebenbei erwähnt zu werden. Show, don't tell. Nicht: Tell, don't show. YOLT eröffnet auch damit, wie ein Raumschiff im All gestohlen wird, statt das M es nur einmal kurz nebenbei erwähnt und Bond dann durch Japan tuckert. In GF wird der Angriff auf Fort Knox gezeigt, statt das Bond von Felix hinterher auf der Farm gerettet wird und der ihm erzählt, was in Fort Knox passiert ist und das man Goldfinger besiegt hat.
Das ist übrigens ein Problem, was ich mit QOS habe. Im Film wird uns gezeigt, dass Greene auf künstliche Weise eine Dürre herbeigeführt hat. Nachdem Greene und Medrano getötet wurdem, erzählt Camille Bond, dass die Dämme zerstört werden müssen, und was passiert? Es wird nach Russland geschaltet, zwei kurze Szenen mit Vespers Ex, Bond und M und der Film hört einfach auf. Wie es in Bolivien weitergeht, wird uns nicht einmal gesagt, geschweige denn gezeigt. Das wäre in etwa so, als würde MR damit enden, dass Bond und Holly sich mit dem Moonraker-Shuttle auf dem Weg Richtung Erde machen, einer von beiden sagt "Die Globen müssen noch zerstört werden" und dann direkt der Abspann.