Re: Timothy Dalton

378
Invincible1958 hat geschrieben:Hier die Filmkritik von Hellmuth Karasek aus dem SPIEGEL vom 10. Augsut 1987:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13524465.html

Sein Fazit zum Darsteller:

"Keine Angst - auch ein Shakespeare-Mime adrett und sanft, kann die Welt retten. Und das tut er dann auch."

Sein Fazit zum Film:

"John Glens Regiearbeit, die den üblichen Verwirrungs-Schrott zwischen Moskau und London, in der Slowakei, in Marokko und im Wien der Fiaker und der Mozart-Opern abfackeln läßt, ist so hausbacken und so unironisch, daß der Film wirklich wie eine betuliche Feuerwerkerei aus den 50ern wirkt, aller technischen Verschwendung zum Trotz."

Also bei Karasek klingt es eher so als ob der Film zu altmodisch sei, um zu gefallen.
Am Darsteller hat er nichts auszusetzen.
Aber der gesamte Artikel ist unterhaltsam geschrieben.
Karasek kam mir immer wie ein selbstverliebter, überheblicher Dummschwätzer vor. Diese Kritik ist nicht dazu angetan, das zu revidieren. :D
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Timothy Dalton

381
Sehr interessant Anatol, solche Beobachtungen interessieren mich immer brennend. Mein Interesse für Bond entstand kurz vor Goldeneye, etwa im Frühjahr 1995 mit jungen 7 Jahren. Hatte damals auch keine Ahnung dass ein neuer Film geplant war, bzw. Brosnan der neue Bond sein wird. Als es dann aber spruchreif wurde, stand ich den ganzen Tag in Supermärkten und las alle Zeitschriften, wo über Goldeneye berichtet wurde. Ich erinnere mich, dass es damals einen riesen Hype um Brosnan gab (zumindest habe ich ihn so wahrgenommen). Ich bekam dann auch diverse Sonderhefte und ein Buch wo man sich mit Goldeneye auseinandersetzte. Besonders gut fand ich aber die Cinema Ausgabe, wo auch einige allgemeine Infos über Bond enthalten waren. Als einige Zeit später die VHS in glänzendem Goldpapier erschien, hatte ich sowieso nichts anderes als Bond im Kopf. TND war dann wohl der Film, den ich am wenigsten erwarten konnte und diese Nervosität kann ich wohl so schnell nicht wieder aufbauen, was ev. auch an der von dir angesprochenen modernen Medienwelt liegt. Man weiß für meinen Geschmack schon im Vorfeld zu viel über den Film und wird mit Informationen überladen. So ein Effekt wie, dass ich bei der ersten Kinosichtung beim Abspann von TND den Kinosaal vor Begeisterung nicht verlassen möchte, ist heutzutage fast nicht mehr möglich. SF hätte für meinen Geschmack das Zeug dazu gehabt, ich hatte aber durch die Medien schon hohe Erwartungen und diese wurden dann "nur" bestätigt.

Re: Timothy Dalton

382
AnatolGogol hat geschrieben:Der Playboy feierte ihn damals, daran kann ich mich noch gut erinnern, als „den besten seit Connery“ und charakterisierte ihn als „den Waliser, mit dem harten Touch“, die Softie-Wahrnehmung von Karasek hatte der Spiegelkritiker wohl ziemlich exklusiv.
Die gleichen zwei Extreme hört man aber auch immer wieder von Craig-Kritikern.
Einige meinen, Craig sei zu "weich". Er weine als Bond, verliebe sich, und sei zu soft.
Andere sehen in Craig genau das Gegenteil: "Rambo-Kampfmaschine".

Wie gesagt: ich habe beides schon öfters gehört. Und kann beide Extreme nicht nachvollziehen.

Auch wenn es um den Action-Anteil der Craig-Filme geht, gibt es die Zuschauer, die der Meinung sind, dass die Filme praktisch nur noch aus Action bestehen würden, während andere Zuschauer Action vermissen und mehr davon haben wollen.

So ähnlich habe ich das auch bei Dalton gehört.
Lustig, dass diese beiden Darsteller sich mit ähnlichen "Gegen-Argumenten" rumschlagen müssen.

Re: Timothy Dalton

383
Der Schlüssel zu diesen scheinbar gegenteiligen Wahrnehmungen heißt wohl "Menschlichtkeit und Emotionalität".

Das ist ja das was Daltons Filme und Craigs Filme wohl zu einen scheint. Beide haben (versucht) einen menschlicheren Helden zu spielen. und solcher reagiert eben anders als ein Kleiderständer oder sprücheklopfender Playboy ohne Emotionen.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Timothy Dalton

384
@AnatolGogol

Genau so etwas habe ich mir vorgestellt. Vielen Dank für den interessanten und aufschlussreichen Beitrag. Ja früher wurde noch nicht alles so gehypt durchs Internet...

Und die angesprochenen Parallelen zwischen Craig und Dalton sind offensichtlich.
"Was machen wir mit dem Geld, Patron?" - "Waschen."

Franz Sanchez in LTK (1989)