Welcher Film von Denis Villeneuve ist der beste?

Der 32. August auf Erden (Keine Stimmen)
Maelström (Keine Stimmen)
Polytechnique (Keine Stimmen)
Die Frau, die singt - Incendies
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (13%)
Prisoners
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (13%)
Enemy (Keine Stimmen)
Sicario
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (25%)
Arrival
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (13%)
Blade Runner 2049
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (25%)
Dune: Part One (Keine Stimmen)
Dune: Part Two
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (13%)
Dune: Part Three (Keine Stimmen)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 8

Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

332
Ja klar, aufgesetzt auf geheimnisvoll gemünzt, aber das war doch irgendwie witzig. Sie "umgarnt" den Feyd und will ihn verführen, weil es die Mission ihres komischen Jedi-Klosterschwesterordens ist, aber Feyd ist so rallig, dass der eh alles umlegt was Puls hat - womit ihre Masche letztlich überflüssig ist.

Ach, ich rede mich um Kopf und Kragen. Ich hätte gerne mehr von solchen schrägen Momenten gehabt und dafür weniger Wüstengeflüster und vor allem viel weniger vom verwirrt durch die Gegend blickenden Christopher Walken. :mrgreen: Anders gesagt: Ich guck die Tage lieber den Lynch-Dune nochmal.
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Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

334
vodkamartini hat geschrieben: 3. März 2024 20:32 wobei die Philosophie doch arg verquast daher kommt und letztendlich nicht viel mehr ist als eine banale Erlösergeschichte wie man sie aus vielen Religionen und noch mehr Filmen zur Genüge kennt. Kann mich auch nicht erinnern, dass die Fremen im Roman das Äquivalent zu einem arabischen Wüstenvolk sind, das einer fundamentalistischen Religion anhängt mit der man es zu allem motivieren kann
Lass mich da nochmal einhaken: Im Roman ist die Handlung grob dieselbe, aber Villeneuve erzählt die Message, die er erzählen will ("Religiöser Fanatismus ist schlecht!" :mrgreen: ), extrem versimpelt. Der Ami nennt das "heavy-handed". "Südliche Fundamentalisten", come on! Die Beziehung zwischen den Fremen und ihrer (von den Bene Gesserit erfundenen) Religion ist in den Romanen ziemlich komplex und geht, obwohl es nur ein Randaspekt des Buchs ist, weit darüber hinaus, dass sie einfach nur fanatische Opfer einer fremden Indoktrination sind. Der Film macht es sich da sehr einfach und verarbeitet die Botschaft enorm plakativ. In einer Szene mit Javier Bardem wurde fast wortwörtlich aus "Das Leben des Brian" zitiert und bei der PV wurde auch kräftig gelacht - was so wohl nicht beabsichtigt war.
Spoiler
Selbst Paul ist letztlich in den Filmen eine sehr binäre Figur. Er ist erst der gute Junge mit guten Absichten und dann zum Schluss der böse Tyrann, der über Milliarden Leichen geht. Da ist der Roman ebenfalls komplexer und macht es sich nicht so einfach wie Villeneuve Beim Lesen der ersten beiden Bücher kann man durchaus zwiespältig auf Paul und seine schwierigen Entscheidungen treffen, Villeneuve nimmt einem das Denken ab und inszeniert Pauls Entwicklung als Tragödie. War mir zu einfach. Ist aber natürlich nötig, wenn man ein großes Publikum erreichen will.

Gerade im Hinblick darauf, wie Frank Herbert seine erste "Dune"-Trilogie beendet hat, finde ich diese Schwarzweiß-Malerei der Filme regelrecht absurd. Die Fremen sind die unschuldigen Opfer einer bösen Indoktrinierung durch fiese weiße Prediger, Paul und seine Mutter sind "der dunklen Seite verfallene" Schurken ... ne, das passt nicht.
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Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

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Bin da ähnlich eingestellt. Dune 2 teilt Stärken und Schwächen mit seinem Vorgänger, in der Hinsicht bleibt Villeneuve sich zumindest gleich. Audiovisuell sind diese Filme ein einmaliges Erlebnis, das durchaus erlebt werden sollte, und daher rühren sicherlich auch hauptsächlich die immens positiven Kritiken. Vor diesem Erlebnis muss dann leider auch die Geschichte hintanstehen, die pflichtbewusst die wichtigsten Momente der Vorlage aneinanderreiht, aber nie tiefer in die Themen einsteigen will, die hier eigentlich verhandelt werden. Ich finde es schon bemerkenswert, dass Villeneuve die Geschichte des Romans so stark vereinfacht, einige Subplots sogar ganz rausstreicht, und das Ganze trotzdem noch auf 6 Stunden zu strecken vermocht hat. Dadurch enstand bei mir der paradoxe Eindruck, dass die Filme sich gleichzeitig ziehen und zu schnell erzählt sind. Der zweite Teil verbessert die fehlende Charakterzeichnung leider nicht und lässt die Figuren als platte Abziehbilder agieren, was angesichts einer Thematik wie der Instrumentalisierung von Religion und Glauben und der Haderung mit der Unvermeidbarkeit des eigenen Schicksals keine günstige Entscheidung ist. Gerade die Hauptfiguren Paul und Jessica leiden darunter, dass ihre Entwicklungen im Film nicht wirklich verständlich dargestellt werden, sondern einfach irgendwie passieren. Anstatt die Auswirkungen von Pauls widerwilligem Aufstieg zum Messias auf ihn selbst und seine Umwelt genauer zu erforschen, kennt Villeneuve nur eine Entwicklung des guten Menschen zum bösen Tyrann, und passenderweise liefert er dem Zuschauer mit Zendayas Rolle gleich einen Charakter, der die "richtige" Sichtweise auf das Geschehen verkörpert - von Ambivalenz oder gar Tiefe keine Spur. Da hilft auch das großangelegte Pathos der Bilder nicht mehr.
Positiv sehe ich aber auch Austin Butler, dessen Charakter zwar maßlos überzeichnet ist, aber zumindest in dieser Überzeichnung Spaß macht und ein wenig etwas zu tun hat, im Vergleich zu den anderen Pappnasen (gerade Christopher Walken und Florence Pugh sind dermaßen verschenkt, dass es nicht mal lohnt, sich darüber aufzuregen).

Eine beeindruckende technische Leistung ist der Film allemal und konnte durchaus für Momente des Staunens sorgen, wie es nur das Kino kann. Dazu ist es immer schön zu sehen, wenn ein Regisseur seine Vision ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht, und vom Hollywood-Mainstream hebt er sich auf jeden Fall ab. Villeneuve wollte hier auf Teufel komm raus einen audiovisuellen Rausch inszenieren - schade, dass dabei der Rest ein wenig auf der Strecke geblieben ist.
Casino Hille hat geschrieben: In einer Szene mit Javier Bardem wurde fast wortwörtlich aus "Das Leben des Brian" zitiert und bei der PV wurde auch kräftig gelacht - was so wohl nicht beabsichtigt war.
Sicher, dass das nicht beabsichtigt war? Die Szene ist so deutlich an Monty Python angelegt, jede andere Reaktion wäre doch überraschend gewesen. Aber überhaupt hat Javier Bardem merkwürdigerweise an einigen Stellen humoristische Szenen geschrieben bekommen, die irgendwie tonal gar nicht zum Rest des Films passen wollten.
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Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

336
00T hat geschrieben: 4. März 2024 00:44 Die Szene ist so deutlich an Monty Python angelegt, jede andere Reaktion wäre doch überraschend gewesen. Aber überhaupt hat Javier Bardem merkwürdigerweise an einigen Stellen humoristische Szenen geschrieben bekommen, die irgendwie tonal gar nicht zum Rest des Films passen wollten.
Ich schreib es echt ungerne, aber da zeigt sich - wie auch an anderen Stellen - der "Woke"-Zeitgeist. Der Fundamentalismus der Fremen (die schon im Buch überdeutlich als Islam-Parallele gemeint sind, siehe Begriffe wie Jihad und Scharia)-- wird für sich betrachtet nicht als erschreckend dargestellt, sondern eher durch Witze verharmlost. Erschreckend wird der blinde Glaube nur dann, wenn man betonen kann, dass er von Weißen erschaffen und ausgebeutet wird.
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Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

338
Hier noch mal eine etwas längere Einschätzung der zweiten Düne, und bei lieber Christopher, The Empire Strikes Back bleibt unerreicht, aber wahr ist, dass jede Generation den "Empire strikes Back" bekommt, den sie verdient.

Die Wüste bebt - Villeneuve bläst erneut zum Sandsturm

Deniz Villeneuve ist ein visueller Auteur. Im Erschaffen von Bilderwelten, die sich auch in jeder Gemäldegalerie vortrefflich machen würden, ist er ein Meister. Seine Filme bestechen zuvorderst durch eine sehr spezifische Optik, deren auffälligste Merkmale Symmetrie, Spielarten des Kubismus und eine panoramaartige Epik umfassen. Villeneuves Stil ist daher besonders für sperrige Science Fiction Stoffe geeignet, da das zugleich irritierend Fremdartige und hoch Technisierte sehr gut mit seinen eigenwilligen, aber dennoch formvollendeten Bilderwelten harmoniert. Wenig überraschend legt er nun mit „Dune: Part 2“ sein viertes Science Fiction Epos binnen 8 Jahren vor (nach „Arrival“, Blade Runner 2049“ und „Dune“).

All diese Filme muten aber nicht nur visuell, sondern auch thematisch anspruchsvoll an und verhandeln universelle Themen wie Identität, Humanität, Solidarität und Religion. Dieser intellektuelle Ansatz hat Villeneuve den Ruf eines Großmeisters des modernen Science Fiction Films eingebracht, zumal er es stets fertig brachte, die teilweise komplexen philosophischen Themen für ein Massenpublikum leicht verdaulich aufzubereiten. Und genau darin liegt schließlich auch das Problem beim Ansehen seiner Filme, zumindest wenn man den propagierten Anspruch Villeneuves ernst nimmt ...


https://www.ofdb.de/film/373438,919652, ... nok2wxQYyk
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

339
In einem komödiantisch gemeinten Video zu Star Wars: Revenge of the Sith hiess es mal: "Experience the best Star Wars prequel by default, simply because something occasionally happens."

Auch wenn es gemein klingt, das ist der erste Erklärungsansatz der mir in den Sinn kommt, warum mir die zweite Düne besser gefallen hat als die erste. Ich habe den zweiten Teil als action- und abwechslungsreicher wahrgenommen als den sperrigeren Erstling. Der audiovisuelle Bombast hat mich die meiste Zeit ziemlich gut bei der Stange gehalten, es knallt und fetzt und rummst und wirbelt eine Milliarde Tonnen Sand auf. Das tat es zwar schon im Erstling ganz ordentlich, aber der war mir (in der Erinnerung - was sind diese zweieinhalb Jahre wieder schnell verflogen!) zu verquast, zu aufgeblasen ernst und wichtig. Das ist der zweite Teil zwar auch, aber ich empfand es als besser ausbalanciert. Feyd-Rautha wird in einem ewig langen Akt so prollig eingeführt à la "Kuckt mal, Leute in der hintersten Reihe, hier kommt der Böse!", dass es der Schaufensterpuppen-Brigade, die hier als Haus Harkonnen auftritt, deutlich mehr Gravitas verleiht. Natürlich gibt es auch viele schwächere Figuren, was generell keine Stärke von Villeneuve in beiden Filmen ist. Da ist kaum Chemie oder Charisma zwischen Chalamet und Kuchenteiggesicht, da rennt Maddy Swann für drei Minuten verschleiert rum und da steht Christopher Walken etwas tattrig und verloren im Raum (und trägt eine Art Pyjama in all seinen Szenen). Die Story ist weiterhin bedeutungsschwanger aufgeladen und wird trotz der ewig langen Laufzeit und dem überlangen Prolog in Teil eins teilweise auch gehetzt und sprunghaft erzählt. Ich habe jetzt drei Dune-Filme gesehen und weiss immer noch nicht genau, was Bene Gesserit, Kwisatz Haderach und Spice Melange eigentlich sind. So walzt der Sandsturm wuchtig über einen hinweg und macht einen wenn, dann primär um eine physische Erfahrung reicher, weniger um eine emotionale.

Wertung: 6 / 10
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Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

340
GoldenProjectile hat geschrieben: 5. März 2024 00:59 Ich habe jetzt drei Dune-Filme gesehen und weiss immer noch nicht genau, was Bene Gesserit, Kwisatz Haderach und Spice Melange eigentlich sind.
Guck nochmal den Film von Lynch und hör der Virginia Madsen am Anfang zu, statt dich auf ihre bezaubernde Schönheit zu konzentrieren - zumindest die Spice Melange wird in Lynchs Film recht vernünftig erklärt. :wink: Bei Villeneuve allerdings tatsächlich gar nicht oder zumindest sehr unzureichend.

Vereinfacht gesagt: Es gab über 10.000 Jahre vor Beginn von "Dune" einen verheerenden Krieg quer durch das ganze Universum zwischen Menschen und künstlichen Intelligenzen, den die Menschen u.a. mittels Atomwaffen gewannen. Seitdem sind sämtliche denkende Maschinen in der Galaxis verboten. Dummerweise kann man aber ohne solche Maschinen nicht mehr durch den Weltraum reisen, denn - wie wir aus Star Wars von Han Solo wissen - ohne Berechnung kannst du halt in sonst was reinkrachen, beispielsweise in ein Schwarzes Loch oder einen Mond, und beides wäre recht unangenehm.

Daher wurde damals die Raumfahrergilde gegründet, in der man mit verschiedenen Substanzen experimentierte, um den menschlichen Geist zu revolutionieren. Mittels des Spice (einer bewusstseinserweiternden Droge, die es nur auf einem einzigen Planeten im ganzen Universum gibt: Arrakis) ist es in einer Reihe von Experimenten gelungen, Menschen zu extrem leistungsfähigen Wesen zu machen, die kraft ihrer Gedanken die Berechnung für das Reisen durch den Hyperraum anstellen können. Aber um diese Mutantenwesen (am Anfang des Lynch Films siehst du so ein Viech, die seltsam deformierte Wal-Kreatur in diesem Tank) dauerhaft auf mentaler Höchstleistung laufen zu lassen, müssen sie rund um die Uhr mit Spice versorgt werden. Daher ist Arrakis der wichtigste Planet von allen, ohne ihn und das Spice geht nix.

Die Bene Gesserit sind ein Geheimorden, der ebenfalls nach dem Krieg gegen die künstlichen Intelligenzen gegründet wurden und sich ebenfalls durch Experimente darauf konzentrierte, das Fassungsvermögen des menschlichen Geists zu expandieren. Im Laufe der Jahrhunderte haben sie übersinnliche, hellseherische Kräfte entwickelt und wollen nun aus dem Schatten heraus das Universum lenken. Dazu arbeiten sie auf den Kwisatz Haderach hin, den kannst du dir als Übermenschen vorstellen, als jemanden, dessen mentale Kapazität so gewaltig ist, dass er das Universum nach seinen Vorstellungen verändern und umformen kann. Um den zu erzeugen, haben die Bene Gesserit über Jahrtausende Blutlinien gekreuzt und sozusagen die "besten Gene aller Galaxien" gebündelt. Man muss dazu wissen, dass die Bene Gesserit die Fähigkeit erlangt haben, selbst zu bestimmen, was für ein Geschlecht die Kinder in ihnen erlangen werden. Die Bene Gesserit züchten ausschließlich Frauen und es ist ihnen verboten, Männer zu zeugen, bis die Zeit für die Ankunft des Kwisatz Haderach (der ein Mann sein wird, wieso auch immer) gekommen ist.

Lady Jessica hat bei der Vermählung mit Leto Atreides geglaubt, sie könne die Mutter des Kwisatz Haderach werden und ihrem Mann daher unerlaubterweise einen Sohn geboren (Paule) und damit die ganze jahrtausendealte Unternehmung gewissermaßen torpediert.
GoldenProjectile hat geschrieben: 5. März 2024 00:59 So walzt der Sandsturm wuchtig über einen hinweg und macht einen wenn, dann primär um eine physische Erfahrung reicher, weniger um eine emotionale.
Ich habe sowas ähnliches bei Teil eins auch noch geschrieben und Vodka und 00T ja auch über Teil zwei, aber wenn ich ehrlich bin: Obwohl die "Dune"-Doublette schön laut wummert und kracht und zimmert und die Bilder konstant auf Überwältigung ausgelegt sind, finde ich beide Filme längst nicht so umwerfend wie zum Beispiel "Lawrence von Arabien", "Giganten" oder "Die sieben Samurai", um mal ein paar allgemein anerkannte Beispiele für epische Filme mit überlebensgroßen Bildern zu nennen. Gerade im zweiten Teil der Düne waren die Bilder für meinen Geschmack sogar recht flach aufgebaut, teilweise auch wenig interessant ausgeleuchtet. Da vermochte mich der erste Film (und Lynchs ebenso) gestalterisch mehr zu überzeugen.

Ja, der Vergleich ist fies, aber ich sehe in Villeneuves ganzem bisherigen Lebenswerk rein gar nichts, was ansatzweise an solche Wow-Momente heranreicht:

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Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

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Ein wenig unrecht tust du Villeneuve damit aber schon. Beim Vergleich mit Lean würden noch ganz andere abstinken. Und Lean kann erzählen, und wie. Zur Optik: er schafft elegische Bilder, die fließen. Villeneuve dagegen schafft kunstvolle Panoramen, die man ins Museum für moderne Kunst hängen kann. Dazu kommt noch das ausgefeilte Sounddesign, auch das sehr kunstvoll. Dadurch entsteht dieser ganz eigenwillige audiovisuelle Sog und das würde ich schon als eine lobenswerte Stärke Villeneuves sehen.
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Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

342
vodkamartini hat geschrieben: 5. März 2024 07:48 Ein wenig unrecht tust du Villeneuve damit aber schon. Beim Vergleich mit Lean würden noch ganz andere abstinken. Und Lean kann erzählen, und wie. Zur Optik: er schafft elegische Bilder, die fließen. Villeneuve dagegen schafft kunstvolle Panoramen, die man ins Museum für moderne Kunst hängen kann. Dazu kommt noch das ausgefeilte Sounddesign, auch das sehr kunstvoll. Dadurch entsteht dieser ganz eigenwillige audiovisuelle Sog und das würde ich schon als eine lobenswerte Stärke Villeneuves sehen.
Na gut, aber dann sag ich eben: Auch hinsichtlich Sounddesign und Überwältigungsoptik fand ich allein die letzten Jahre "Top Gun: Maverick", "The Batman", "Avatar: The Way of Water", Jordan Peeles "Nope", "Tenet", die letzten beiden "Mission: Impossible"-Filme, Mangolds "Ford v Ferrari" oder "The Green Knight" beeindruckender und übrigens auch den "Dune"-Vorgänger, der zumindest durchweg eine interessante und mehrschichtige Bildgestaltung hatte. Der zweite "Dune" hatte ein paar starke Momente, ich fand gerade Pauls ersten Wurmritt und den Gladiatorenkampf von Feyd-Presley schön zwingend gefilmt, aber es gibt auch genügend eher schwach inszenierte Momente. Gerade der große Showdown war eher gewöhnlich aufbereitet, sowohl das letzte Wurm-Intermezzo als auch der finale Zweikampf. Und die Anfangsszene, in der die ganze Wüste in dieses hässliche "Mexiko-Gelb" à la "Breaking Bad" und "Spectre" getunkt wurde, sah scheiße aus, und passte auch überhaupt nicht zu den sonstigen Landschaftsaufnahmen.

Ich will "Dune: Part Two" da auch gar nicht schlechter reden, als er ist. 5/10 Punkte würde ich ihm geben, was ja keine desaströse Wertung ist. Er ist kompetent inszeniert, er hat ein paar starke Szenen, und wirklich gelangweilt habe ich mich nicht, am Ende vielleicht dann irgendwann schon. Aber ein so richtig besonderer Film ist Villeneuve da in meinen Augen nicht gelungen, und wenn er durchweg für seine audiovisuelle Großartigkeit gelobt wird, muss es ja schon erlaubt sein, zum Vergleich mal andere diesbezügliche Großtaten (wie eben "Lawrence von Arabien" und "Giganten") heranzuziehen. Da stelle ich nüchtern fest: Diese gestalterische Klasse hat Villeneuve für mich nicht.
vodkamartini hat geschrieben: 4. März 2024 18:33 Diese ganze Geschichte rund um den "Fremen-Islamismus" ist einigermaßen deutlich misslungen. Eine kritische Haltung dazu ist nur mit viel Liebe heraus zu lesen
Da tust du Villeneuve unrecht. :wink: Auf Charakterebene ist das nicht wirklich gut erzählt, weil es mit dem Holzhammer kommt, aber natürlich ist Pauls Entwicklung eindeutig negativ und kritisch gemeint. Der Junge heult ja anderthalb Stunden, dass er es zu genau dieser Eskalation nicht kommen lassen will, während seine Mutter als Intrigantin gezeigt wird, die ihn auf die "dunkle Seite" locken möchte. Und sobald Paul seine Rolle als Führer annimmt, lässt Villeneuve die Zendaya-Rolle buchstäblich aufspringen und Richtung Kamera brüllen, wie furchtbar das doch alles ist. :)

Es ist allerdings irritierend, dass Villeneuve den religiösen Fundamentalismus nicht als solchen kritisch beäugt (sondern eben eher Witze zur Auflockerung darüber macht) und ihn nur dadurch als schlecht ansieht, dass er a) nicht organisch von den Fremen selbst kam, sondern ihnen auf indoktriniert wurde, und er b) dann von den beiden Außenseitern Paul und Jessica ausgenutzt wird.

Aber ich denke, niemand kommt da aus dem Kino und denkt, Villeneuve hätte eine Heldenreise erzählt. Viel deutlicher kann man die Moral von der Geschicht' nicht wirklich aufs Publikum eindreschen, außer, Paule hätte mit schwarzem Umhang und Lichtschwert noch ein paar Kinder, äh, Jünglinge gemeuchelt.
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Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

343
David Lean ist doch ein überschätzter Regisseur, seine handwerklichen Stärken verdecken meist seine konzeptionellen Schwächen. Lawrence ist zwar ein teils sehr starker Film, aber er enthält auch genügend der langweilig üblichen Hollywood Klischees, und zum Schluß hin wird nur noch geredet.
Doch, Leans Filme gefallen mir heute deutlich mehr als früher, aber sie sind keine persönlichen Favoriten. Von den 7 Samurai bin ich übrigens auch nicht komplett überzeugt, und Giganten hat noch mehr Schwächen.
Also im direkten Vergleich zu diesen 3 Filmen schneidet Dune bei mir momentan eher gut ab, jedoch mit sehr viel Vorbehalt, da ich bislang nur Teil 1 ein einziges Mal gesehen habe, aber der hat mir weitaus mehr Spaß gemacht als erwartet, denn den Stoff an sich finde ich ja wenig interessant.

Aber auch sonst mag ich Villeneuve mehr als Lean, Kurosawa und Stevens sowieso. Villeneuve gehört immer noch zu den außergewöhnlichsten Regisseuren der letzten 15 Jahre, da bin ich gespannt auf die 2. Düne.

Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

344
Casino Hille hat geschrieben: Und sobald Paul seine Rolle als Führer annimmt, lässt Villeneuve die Zendaya-Rolle buchstäblich aufspringen und Richtung Kamera brüllen, wie furchtbar das doch alles ist. :)
Villeneuve hat ja in einem Interview mehr oder weniger gesagt, dass er die Chani-Figur deshalb so umgeschrieben hat, damit jeder im Kinosaal erkennt, dass das, was Paul dort macht, nicht so dolle ist. Das ist wirklich dieser Trend in vielen modernen Filmen, den Zuschauern keine eigene Denkleistung zuzutrauen, sondern ihnen die Moral von der Geschicht möglichst auf dem Silbertalett zu servieren. Wir wollen ja nicht, dass hier irgendjemand irgendetwas möglicherweise falsch versteht.

Andererseits habe ich in einem Kommentar zum Film davon gelesen, dass hier eine "patriarchalische Männerphantasie" gefeiert werden soll, also scheint Villeneuve für manche noch nicht offensichtlich genug gewesen zu sein. :mrgreen:
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Re: Going across borders - Die Filme des Denis Villeneuve

345
00T hat geschrieben: 5. März 2024 13:00 Villeneuve hat ja in einem Interview mehr oder weniger gesagt, dass er die Chani-Figur deshalb so umgeschrieben hat, damit jeder im Kinosaal erkennt, dass das, was Paul dort macht, nicht so dolle ist. Das ist wirklich dieser Trend in vielen modernen Filmen, den Zuschauern keine eigene Denkleistung zuzutrauen, sondern ihnen die Moral von der Geschicht möglichst auf dem Silbertalett zu servieren.
Ich glaube noch mehr, dass es in unserer heutigen Zeit in so einem Stoff unbedingt eine Frauenrolle geben muss, die auf der moralisch korrekten Seite ist und den bösen Kerl stellvertretend für uns verurteilen kann. Immerhin hat Chani den Paul (noch) nicht als weißen Cis-Mann beschimpft, aber es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit ...
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