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von danielcc
00-Agent
so denn, der "höhepunkt" meines bond-marathons, DIe Another Day, es war nicht leicht für mich, daran erinnert zu werden aber "ein mann mus tun was...."
ich kann mir bis heute nicht erklären, was bei diesem film passiert ist. Ausgerechnet zum 40jährigen jubiläum, beim 20sten film waren wohl die erwartungen besonders hoch. vielleicht war das der größte fehler von allen.
Ich möchte behaupten, dass DAD wohl die beste erste stunde hat, die es jemals in einem bondfilm gab! ich habe dieses mal sogar genau auf die uhr geachtet, da ich wissen wollte ob mich meine erinnerung getäuscht hat aber es ist exakt eine stunde, bis der unsichtbare aston auftaucht und mit ihm die umso offensichtlicheren mängel des films.
bis dahin, kann sich brosnan zum ersten mal in der art von story und erzählung austoben, die er wohl immer wollte als bond (und auch danach): eine dreckige, derbe, erdige und härtere handlung. um es direkt zu sagen; brosnan spielt den ganzen film sehr gut in einem denkbar undanbaren szenario. nach einer PTS die im grunde versucht den action-overkill der TND PTS zu toppen, gerät bond in gefangenschaft und wird 14 monate gefoltert. auch zeigen sich hier die gelungenen künstlerischen ansprüche des films, wie etwa die folter übergeht in den vorspann und den song von madonna. david arnold leistet im film ganze arbeit mit teilweise unglaublich modernen arrangements, die den unortodoxen schnitt und kamerastil von tamahori in nichts nachsteht. ich möchte betonen, dass ich madonnas song nicht mag, aber zu dieser szenerie und dem vorspann passt er besser als etwa YKMN zu dem retro vorspann von CR.
auch nach dem vorspann - der erstmals die handlung weiter erzählt - folgen brillante szenen, wie die wirklich spannende austausch szene auf der nebeligen brücke, bonds auseinandersetzung mit M und seiner anschließenden flucht aus der "zweiten gefangenschaft". auch der dialog zwischen bond und M gehört zu dem besseren was für bond bisher geschrieben wurde. erstmals bekommt man ein gefühl dafür, dass bonds job ein harter und dreckiger ist, für den es wenig lob gibt, wenn er erfolg hat, und wenn er keinen hat, wird er vergessen. das ist sein leben und nie haben wir das in den filmen deutlicher gezeigt bekommen.
bonds anschließender "einzug im pyjama" ins luxus hotel spielt brosnan mit dem bis dato erworbenen selbsverständlichen sebstbewusstsein wie es connery nicht besser getan hätte. besonders schön, die unterhaltung mit dem hotelmanager (und chinesischen agenten): "just surviving!". bond hat überlebt, wie er es immer tut, und nach einer rasur ist er auch wieder ganz der alte und zum flirt mit der hübschn masseuse aufgelegt.
es folgt der ausflug nach havanna (gedreht in spanien). bond im freizeit hemd, das bond-thema im kubanisches stil, und jede menge exotischer atmospähre, da kommen erinnerungen an Dr. No auf. dass bond mal nicht auf leiter trifft sondern einen zur umgebung passenden agenten aufsucht, macht es noch realer.
die szenen auf havanna machen einfach nur spaß! bond im echten straßenkreuzer mit stilechter musik, bond beim zigarre rauchen und mojito trinken, der jetzt schon legendäre auftritt von halle berry und der folgende unglaublich freche und versaute dialog der beiden... und danach landen sie sofort im bett. was will der bondfan mehr???
und wer noch nicht genug hat vom echten alten bond, erlebt brosnan noch beim dreisten - aber stilvollen - eindringen auf die verbotene insel los organos. herrlich!
die thematisierte DNA umwandlung ist natürlich absurd und dass ausgerechnet darauf ein wesentliches story-elemt beruht, ist traurig und lässt schon erahnen was später noch kommen soll. dennoch ist die szene mit bond und zao spannend und ich gebe zu, wenn es jemals etwas bei bond gab, was bei mir ein gewisses unbehagen ausgelöst hat, so diese szene im sterilen raum mit dem befremdlichen zao. leider ist der kurze kampf der beiden eine der vielen verschenkten potenziale des films. und warum tötet jinx so mir nichts dir nichts den arzt? hätte sie nicht viel erfahren können? hat er einen solch kaltblütigen tod verdient? merkwürdig...
die flucht zaos ist gut inszeniert aber jjinxs flucht ist ein erster unnötiges CGI element. wäre es doch dabei geblieben.
doch es geht im grunde sehr schön weiter: der kurze einblick in bonds anreise nach london weckt bei mir fleming erinnerung und ist dank des modernen musikeinsatzes echt gelungen. wunderbar auch der übergang zur "anreise" von graves. nicht von ungfähr, ist die szene eine bewusste reminiszenz an typische bond-stunts. graves versucht der bessere bond zu sein!
allerdings taucht graves erstmals nach 50min auf, das ist zu spät für einen bösewicht, zumindest wenn der film nicht durch eine story getragen wird. ich komme später zu dem übel.
nächster höhepunkt dieser besten bond-halbzeit spielt (endlich mal) im blades club in london. mehr oder weniger aus dem nichts entwickelt sich zwischen den kontrahenten ein gefecht, welches für mich im grunde der höhepunkt des films ist. leider ist die motivation für die intensität der szene nicht gut erklärt. bond wurde das einzige genommen was ihm etwas bedeutet: sein berufsehre und das vertrauen in seine unerschütterliche loyalität, wofür er graves mitverantwortlich wähnt. im grunde ist ja der film lange zeit eine sehr persönliche mission für bond! dies hätte besser herausgearbeitet werden können - die suche nach den hintermännern hätte vielleicht für eine wirklich spannende agentenstory herhalten können. noch spannender wäre es gewesen, wenn die fechtszene durch mehr dialog zwischen den kontrahenten unterbrochen worden wäre aber nun gut. zweifellos ist die inszenierung genial, die permanente temposteigerung und gleichzeitge intensitätssteigerung, das hat was. genauso wie die schöne, humorvolle auflockerung zum abschluss der sequenz.
mit dem treffen von bond und M im untergrund - und einem weiteren guten dialog - endet die erste hälfte und damit auch jede qualität die der film hat.was folgt spottet jeder beschreibung.
und was nun auch erstmals auffällt, ist dass der film in der ersten stunde von tollen szenen lebt, aber in keinster weise eine story entwickelt wird. graves diamanten background ist dumm und unnötig (warum um alles in der welt fällt keinem experten auf, was bond und raoul nach 10sekunden auffällt, was die herkunft der diamanten angeht?)
einige der no-gos der zweiten hälfte:
- die virtual reality szene (mein gott, wie spannend könnte ein echtes eindringen von terroristen ins HQ sein!?)
- der unsichtbare aston martin (besonders tragisch weil vollkommen unnötig für den film)
- der gesamte eispalast und die damit verbundenen tricks
- der icarus laserstrahl
- der peinlich schlecht inszenierte raketenangriff auf icarus
- graves raketenschlitten
- bonds flucht mit raketenschlitten
- die berüchtigte surf-szene (autsch! traurig, wie brosnan im audiokommentar versucht die szenen zu rechtfertigen)
- die epische musik bei icarus
- graves rüstung
- das transport flugzeug auf dem eis
das sind alles einzelne peinlichkeiten, wichtiger ist aber das vollkommene fehlen einer story und vor allem die traurige dramaturgie. mein persönliches "highlight der schwachsinnigkeit" ist wie bond aus dem eispalast flieht, um wieder dorthin zurückzukehren, um dann in einer unglaublich schlechten autoverfolgung wieder von dort weg gejagt zu werden, um anschließend wieder zum eispalast hinzufahren um jinx zu retten. muss man mehr sagen? DAS ist mieses storytelling. eine actionszene hat für mich nur eine berechtigung, wenn der ausgang einen charakter (bond) weiterbringt als er zuvor war. wenn die action aber die ganze schreit: "ich mache eigentlich keinen sinn aber es ist doch spektakulär, oder?" dann läuft was schief. mich erinnern die eispalast szenen in ihrem stumpfsinnigen aufwand an die seelenlose action von batman und robin. zaos tod ist dann gleichsam schwach.
alles nach dem eispalast ist sowieso indiskutabel. erst nach 110 min wird mal kurz erwähnt, was graves vorhat. dafür wird aber dann alles in die luft gejagt, was sich in bits und bytes darstellen ließ.
madsen ist mies in einer miesen rollen, halle berry ist unfreiwillig komisch in einer rolle, die zugegebenermaßen furchtbar geschrieben ist und der bösewicht im ego-shooter-fantasie-anzug ist einfach nur peinlich. erschreckend, dass der gesamte showdown praktisch nur noch ein CGI fest ist, wohlgemerkt mit schlechten effekten!
fazit:
DAD ist eine traurige mischung aus einer vielversprechenden ersten stunde, im echten, alten bond-stil, und einer zweiten häfte in der die fehlende story durch eine vielzahl von uninspirierten actionszenen und schlechten CGI effekten nicht kompensiert wird. der film wirkt, als habe man drehbuchautor und regisseur nach der hälfte ausgetauscht. DAD ist so in summe vermutlich der schlechteste bondfilm. traurig
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danielcc am 17. Januar 2009 17:34, insgesamt 1-mal geändert.
"It's been a long time - and finally, here we are"