AnatolGogol hat geschrieben: 15. April 2024 12:10
Hawks?
Wie der findige General schon herausgefunden hat, habe ich als nächstes einige Lücken beim anderen prominenten Regisseur von John Wayne-Western aufgearbeitet. Hier ist der obligatorische Abriss, was sich getan hat:
Red River (1948)
Starker und interessanter Western, der durch die Tragweite seiner Geschichte eine gewisse epische Grösse ausstrahlt. Die vielen Manöver mit der endlosen Rinderherde, die der Duke und Monty erst in Texas aufziehen und dann nach Missouri treiben wollen sind eindrucksvoll in Szene gesetzt, selten wirkte das Academy-Standardformat von nur 1.37:1 so gross, so episch, wie wenn das Rindviech den Cowboys ausser Kontrolle gerät und wie eine gewaltige Flutwelle davontreibt. Wayne liefert im Zentrum eine beachtliche Darbietung, die wenig von seinem üblichen Heldentypus hat. Seine Wandlung
vom Pro- zum Anatgonisten
ist absolut gelungen und lässt die Konflikte immer weiter wachsen. Skeptischer bin ich noch gegenüber dem Ende, das grosse Erwartungen schürt, dann aber sehr abrupt abläuft,
wenn sich Monty und der Duke innert kürzester Zeit wieder vertragen,
auch wenn der sich schliessende Kreis, also dass Monty sich nun bewährt hat und seinen Namen mit aufs Brandmal setzen darf, wiederum gut passt.
Wertung: 8,5 / 10
Rio Bravo (1959)
Der einzige Western von Hawks, den ich schon kannte, was aber keinesfalls dagegen sprach, ihn gleich nochmal zu schauen. Es ist schon etwas besonderes, mit was für einem lockeren und launigen "Plauderton" Rio Bravo durchkommt, von der sehr effektvollen Eröffnungsszene ohne Dialog an ist Vergnügen vorprogrammiert. Dabei latscht Wayne gefühlt den halben Film vom Knast zum Hotel und wieder zurück, um sich abwechselnd mit Walter Brennan und Angie Dickinson herumzuärgern. Dean Martin und Ricky Nelson finden die Zeit und Musse für eine total badassige Country-Session im Sheriffsbüro. Und der grosse Shootout am Ende scheint mindestens genauso sehr zum Amüsement der Helden stattzufinden wie zur Niederstreckung der Schurken. Nichtsdestotrotz stehen aber auch die Alkoholprobleme von Martin und seine Dynamik mit dem Duke im Zentrum und halten den Film auf interessante und charaktergetriebene Art zusammen. Das wäre auch das einzige Gemäkel, dass diese Dynamik sogar noch etwas mehr im Zentrum hätte stehen können, und dafür vielleicht ein bisschen weniger Stumpy, der sich mit fortschreitender Laufzeit doch gefährlich nahe an die Grenze zur Nervensäge bewegt.
Wertung: 9 / 10
El Dorado (1966)
El Dorado spielt seinen grössten Trumpf gleich zu Beginn aus: Ein Song für die Ewigkeit über der herrlich illustrierten Titelsequenz. Vom restlichen Film heisst es gerne, das er fast als Remake von Rio Bravo durchgeht. Und tatsächlich: El Dorado erfindet zwar fast eine Stunde an neuer Handlung und Hintergrundgeschichte, um überhaupt in die gleiche Ausgangslage zu kommen, aber dann macht Mitchum-Bobby als Slapstick-Säufer vom Dienst fünf Minuten lang das Kalb und muss mit einem von Jimmy Caan gebrauten Zaubertrank geheilt werden, von da an werden Figurenkonstellation und Handlungsbausteine von Rio Bravo erstaunlich "originalgetreu" nachgespielt und leicht modifiziert. Aber das geschieht auf launige Art und Weise ist oft fast - aber auch nur fast- genauso gut, wie im ersten Durchlauf.
Wertung: 8 / 10
Rio Lobo (1970)
Zur Vollständigkeit gabs heute noch Hawks' letzten Western, der noch viel mehr Handlung und Hintergrundgeschichte, bis zurück in den Bürgerkrieg erfindet, nur um im letzten Akt (aber immerhin erst dann) Elemente der Rio-Bravo-Geschichte zu recyceln. Und es ist klar der schwächste von Hawks' Western, und wirkt trotz der vielen Aussenszenen und der relativ grossangelegten Kriegsmission etwas weniger hochwertig, was vielleicht auch daran liegt dass neben dem deutlich gealterten Duke eine prominente Besetzung vom Kaliber eines Martin oder Mitchum fehlt (der um alle Ecken schielende Jack Elam kann da nicht mithalten). Und der erzählerische Aufwand wirkt etwas überladen, wenn man bedenkt wie wirkungsvoll Hawks eine ähnliche Prämisse Jahre zuvor schon etablieren konnte, indem er einfach ohne grosse Erklärung in medias res gestartet hat. Trotzdem ist auch Rio Lobo ganz unterhaltsam, Jennifer O'Neill (!) und Sherry Lansing (!!!) sorgen für den Erotikfaktor und von Jerry Goldsmith gibt es was Gutes auf die Ohren. Nicht zuletzt ist der grosse Action-Shootout vielleicht sogar der beste und variantenreichste der drei Bravo-Versionen.
Wertung: 6,5 / 10