Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Man kann auch mit Anfang oder Mitte dreissig noch ein Studium abschliessen (und ich behaupte mal frech: als solches geht Stewy mit einem kleinen bisschen Fantasie bzw. Akzeptanz noch durch) und man kann mit Ende 40 noch Vera Miles anbaggern, auch wenn sie jünger ist. Was ihr sagt hat natürlich alles Hand und Fuss und deutet bei genauerer Betrachtung darauf hin, dass die Rollen jünger sein sollen als ihre Darsteller, aber es ist mir nicht auf eine Art aufgefallen die mich nach dem Film direkt sagen lassen würde: "Natürlich sind beide viel zu alt", wenn man versteht was ich meine. Es hat auf jeden Fall kein bisschen gestört, aber das tut es mich ja auch nicht in Pat Garrett & Billy the Kid.
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

287
Liberty habe ich hier auf 4K, gute Gelegenheit um den mal wieder zu schauen. Aus der Erinnerung kann ich die "Vorwürfe" des Theaterhaften und der seltsamen "Altersstruktur" teilen. Anders als Freund Anatol bin ich aber auch ein sehr großer Fan des Visuellen und deshalb rangiert Liberty mit seinem begrenzten Setting und seiner Studioatmosphäre bei mir auch nicht im Ford-Olymp. (Fast) Immer wenn John im Monument Valley unterwegs war, hat er mich gepackt. Mein Favorit ist "The Searchers", wie ich finde auch eine der besten Vorstellungen John Waynes. Vor allem aber der visuell schönste und inhaltlich interessanteste Film Fords.
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Liberty reicht mir auf DVD, von den vier genannten Fords habe ich mir nur The Searchers als Blu gekauft, weil ich wusste dass er visuell wohl am meisten davon profitiert.

Generell zu den Searchers: Ich kann schon erkennen, warum man von dem Film begeistert sein kann, aber ich finde die Screentime für den Nebenstrang um Hunters on-and-off-Geplänkel mit Vera Miles und Miles' drauf folgende Hochzeit mit dem Postboten (?) sowie was das alles mit sich zieht nicht ganz gerechtfertigt für die dramatische Suchgeschichte. Was mich auch immer wieder etwas irritiert ist das Verhalten der Natalie Wood Rolle. Als Hunter und der Duke sie endlich finden scheint sie voll und ganz zufrieden mit ihrem neuen Leben bei den Comanchen, als Hunter beim Sturm auf das Lager am Ende wieder auf sie trifft wird sie zur Damsel in Distress, die sich von ihm retten lassen will, als der Duke sie kurz darauf sieht rennt sie davon und ganz zum Schluss wird sie wieder wie ein armes Püppchen nach Hause getragen. Und der Sturm auf das Comanchen-Camp am Ende ist sowieso etwas enttäuschend, hier verpuffen die aufgestauten Erwartungen und Konflikte des Films etwas, die Action ist recht schnell vorüber und ist auch nicht eindrucksvoller inszeniert als der Indianerangriff in Stagecoach fast 20 Jahre zuvor, eher im Gegenteil.
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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GoldenProjectile hat geschrieben: 6. April 2024 09:40 Man kann auch mit Anfang oder Mitte dreissig noch ein Studium abschliessen (...) und man kann mit Ende 40 noch Vera Miles anbaggern, auch wenn sie jünger ist.
Im Kontext der Handlung passt das alles aber nicht. Natürlich war es seinerzeit (und ist es ja bis heute eigentlich noch) Usus in Hollywood, dass die Leading Men idR ein bis zwei Jahrzehnte älter als ihre Leading Ladies waren. Aber in Liberty reden wir ja von einem gerade ausstudierten, idealistischen und mittellosen Rechtsanwalt der sein Glück samt Gattin im Westen sucht. Hinzu kommt, dass auch die angeprochene Sitte der älteren Hauptdarsteller ja immer impliziert, die Jungs seien eigentlich viel jünger. Wenn man das alles in einen Topf wirft mitsamt dem ebenfalls alternden Wayne, dann passt das Altersmäßig halt einfach nicht zu den portraitierten Rollen. Gleichwohl: für mich ist das kein Makel, nicht mal ansatzweise. Wenn ich darüber nachdenke, dann finde ich das amüsant - aber es stört mich nicht im Geringsten.
GoldenProjectile hat geschrieben: 6. April 2024 09:40(und ich behaupte mal frech: als solches geht Stewy mit einem kleinen bisschen Fantasie bzw. Akzeptanz noch durch)
Also diese Fantasie fehlt mir dann tatsächlich. Steward nehme ich eigentlich bereits spätestens ab Ende der 1940er (also bereits im vergleichsweise zarten Alter von knapp 40) als älter als sein reales Alter ausschauend wahr. Das ist aber auch nichts ungewöhnliches in seiner Generation, die nicht zuletzt natürlich auch vom Krieg geprägt wurde und dadurch früher gealtert ist (Stewart war ja aktiver Soldat als Bomberpilot - sicherlich keine ganz stressfreier Job). Wenn wir jetzt vom Jimmy der frühen 60er sprechen, dann nehme ich ihn eigentlich in jedem Film als deutlich alternden Mann wahr. Bei Wayne übrigens das gleiche, spätestens ab der 2. Hälfte der 60er ist das für mich in der Wahrnehmung ein alter Mann, also jemand deutlich jenseits der 60. Das mit dem "alten Mann" ist natürlich etwas gemein, aber was ich eigentlich meine ist, wenn Darsteller dann Rollen spielen, denen sie eigentlich körperlich nicht mehr gewachsen sind (zB Wayne als Dirty Harry-Verschnitt oder Feuerwehrsupermann). Spätestens dann wird es auch zu einem Problem (im Gegensatz wie gesagt zu Liberty), wohingegen in altersgerechte(re)n Rollen wie zB True Grit oder Shootist das natürlich kein Problem ist, ganz im Gegenteil sogar. Aber ich schweife etwas ab :)
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

290
Für mich ist Stewart zwischen 1946 und 1962 nicht übermässig gealtert. Wenn man genau hinschaut sieht man den Unterschied natürlich schon, aber es ist mir nie sehr ins Auge gesprungen. Da ist womöglich ein Sprung zwischen Wonderful Life und Rope, dann noch einer zwischen Rope und Rear Window, aber generell ist das für mich immer Stewart, der nicht gerade sehr jung aussieht, aber auch nicht wie ein Greis und sich in dieser Zwischenstufe nicht allzu sehr verändert. Vielleicht liegt es daran dass ich lange keinen Film mit ihm nach Vertigo gesehen hatte, aber irgendwann mal Bilder vom "alten" Stewart aus Liberty Valance aufgeschnappt hatte (mit dem der Film ja auch eröffnet), mir dachte "Hier kommt dann wohl der gealterte Stewart aus den 60ern" und nach zehn Minuten springt Ford in der Zeit zurück und man kriegt den "normalen" Jimmy, wie ich ihn schon immer kannte.

Ist natürlich aber auch nicht so wichtig. Leute altern unterschiedlich und tendenziell altert der Mensch heute wohl langsamer als vor 50 oder 100 Jahren. Gestern bin ich online gerade mal wieder auf die Info gestossen, dass Richard Vernon in GF und Hard Day's Night Ende 30 (!) war, obwohl er locker als Ende 60 durchgeht.

Wayne ist für mich in Stagecoach auch nicht gerade "The Kid", obwohl er logischerweise noch um Welten jünger aussieht als in den 50ern und 60ern. Den historischen Hintergrund mal ausgelassen ist das für mich bei dem Namen auch nicht "glaubwürdiger" als Peckinpahs Kid - Kristofferson war zwar 1973 noch wenige Jahre älter als Wayne 1939, macht aber einiges mit seinem jugendlichen Charme wett, während Wayne ja schon in jung eher den Typ "gestandener Kerl" verkörpert.
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

291
Wenn du mal einen wirklich jungen John Wayne sehen willst, dann ist The Big Trail von Raoul Walsh aus dem Jahr 1930 einen Bick wert:
https://www.brandeis.edu/magazine/2013/ ... yne265.jpg

Der wie ich finde sehr sehenswerte epische Western ist auch noch deshalb interessant, da er einen frühen Versuch Hollywoods im Breitwandformat (hier 2.20:1) darstellt.

Übrigens finde ich auch nicht, dass Stewart groß gealtert ist zwischen den späten 40ern und frühen 60ern: es sah aber halt von Anfang an vergleichsweise alt aus. :) (Im Gegensatz zum jungen Vor-Kriegs-Jimmy, der tatsächlich noch recht jung und frisch aussah - zB in Philadelphia Story).
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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GoldenProjectile hat geschrieben: 6. April 2024 11:16 Liberty reicht mir auf DVD, von den vier genannten Fords habe ich mir nur The Searchers als Blu gekauft, weil ich wusste dass er visuell wohl am meisten davon profitiert.

Generell zu den Searchers: Ich kann schon erkennen, warum man von dem Film begeistert sein kann, aber ich finde die Screentime für den Nebenstrang um Hunters on-and-off-Geplänkel mit Vera Miles und Miles' drauf folgende Hochzeit mit dem Postboten (?) sowie was das alles mit sich zieht nicht ganz gerechtfertigt für die dramatische Suchgeschichte. Was mich auch immer wieder etwas irritiert ist das Verhalten der Natalie Wood Rolle. Als Hunter und der Duke sie endlich finden scheint sie voll und ganz zufrieden mit ihrem neuen Leben bei den Comanchen, als Hunter beim Sturm auf das Lager am Ende wieder auf sie trifft wird sie zur Damsel in Distress, die sich von ihm retten lassen will, als der Duke sie kurz darauf sieht rennt sie davon und ganz zum Schluss wird sie wieder wie ein armes Püppchen nach Hause getragen. Und der Sturm auf das Comanchen-Camp am Ende ist sowieso etwas enttäuschend, hier verpuffen die aufgestauten Erwartungen und Konflikte des Films etwas, die Action ist recht schnell vorüber und ist auch nicht eindrucksvoller inszeniert als der Indianerangriff in Stagecoach fast 20 Jahre zuvor, eher im Gegenteil.
Nun, auf dem DVD reicht mir gar nichts mehr, liegt aber an der TV-Größe. ;)

Was die Frauenrollen betrifft, wir befinden uns in den 1950er Jahren. Auch The Searchers sagt mindestens genauso viel über seine Entstehungszeit aus wie über die "wahren" Verhältnissen seines Settings.

Was mich an dem Film begeistert, ist seine visuelle Wucht sowie sein metaphorischer Plot. Wayne ist hier alles andere als ein sympathischer Westernheld - auf den er sonst abonniert war - , sondern ein von Vorurteilen, Brutalität und seelischen Wunden gezeichneter Aussenseiter, was den Film mindestens in seinem Oeuvre zu einem ganz besonderen macht. Obgleich großer Actionfan, hat mich das reduzierte Finale nie gestört, es ist mir nicht mal aufgefallen. Und für einen zuvor vehementen Verfechter des American Dream und einen der die US-Armee gerne glorifizierte (gemeint ist Regisseur Ford) ist das ein sehr bemerkenswerter Film.
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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AnatolGogol hat geschrieben: 6. April 2024 08:24

Zur Altersfrage: es ist ja nicht nur die Sache mit dem Studium, zudem haben wir Vera Miles als Anhaltspunkt, wie alt die Stewart- und Wayne-Figur eigentlich sein müssten. Und wir haben den Flashback-Rahmen, denn wenn sie bereits in der Kernhandlung ihr reales Alter hätten, dann wäre Stewart in der Rahmenhandlung fast 80, was ebenfalls nicht wirklich stimmig ist.
Genau, und da hatte Ford so eine wen-interessierts-Haltung.

Kürzlich lief Cheyenne Autumn auf Arte, und der handelt von, der Titel gibt es vor, einem cheyenne Stamm der die Reservation verlässt um in die Heimat zurück zu kehren, nahe der kanadischen Grenze. Müsste also im Mittelwesten spielen, in einer Gegend die eher von Gras geprägt ist.
aber Ford dreht das unverdrossen in der Arizona Wüste des Monument Valley, und das seine Cheyenne alle wie Apachen aussehen, liegt nicht nur daran daß diese von Navajos gespielt werden, sondern auch eher wie solche gekleidet sind. Und die Indianersprache die sie reden, ist ebenfalls Navajo. Wahrscheinlich ungefähr so als wenn ein Spanier von einem Norweger gespielt wird, und ein Fjord die Costa Brava doubeln soll.
Aber lustig:

Ford used Navajo people to portray the Cheyenne. Dialogue that is supposed to be in the "Cheyenne language" is actually Navajo. This made little difference to white audiences, but for Navajo communities the film became very popular because the Navajo actors were openly using ribald and crude language that had nothing to do with the film. For example, during the scene where the treaty is signed, the chief's solemn speech just pokes fun at the size of the colonel's penis. Some academics now consider this an important moment in the development of Native Americans' identity because they are able to mock Hollywood's historical interpretation of the American West.

Letzteres klingt allerdings auch eher wie ein Witz ...

Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Ich hatte am WE eine ganz fabelhafte Western-Erstsichtung: Barbarosa von Fred Schepisi (welcher u.a. auch das grandiose Russland-Haus mit Sean Connery inszenierte) aus dem Jahr 1982. Eigentlich ein eher kleiner Film mit einer Laufzeit von gerade mal knapp anderthalb Stunden, dem es aber auch durch das sehr stimmige Einfangen der tollen Landschaft gekonnt gelingt einen gewissen epischen Touch zu erzeugen. Das Herz des Films ist aber die wunderbare Beziehung des mythischen, im Mexiko des späten 19 Jahrhundert sein Unwesen treibenden Banditen Barbarosa (klasse verkörpert von Country-Ikone Willie Nelson) und einem etwas unbeholfenen, naiven Bauernjungen – gespielt von einem hier zur absoluten Höchstform auflaufenden Gary Busey. Wie der Film die Beziehung der beiden schildert, wie er durch die privaten Hintergründe der beiden Protagonisten sowohl die Figuren schärft, aber auch das Verständnis von richtig und falsch seziert das ist wirklich ganz herausragend. Trotz seiner wie schon erwähnt geringen Laufzeit ist das figürlich und thematisch erstaunlich reichhaltig und auch dramaturgisch sehr interessant aufgebaut, etwa wenn die beiden Protagonisten sich zwischenzeitlich trennen, jeder sein eigenes Leben lebt, nur um am Ende dann in einer schlüssigen Zusammenführung der Handlungsfäden auch den Film als Ganzes zu beenden. Der Schluss – auch wenn man ihn zugegebenermaßen bereits Anfangs des finalen Drittels kommen sehen kann – mit seiner Betonung des mythischen Westerns wie auch seiner rührenden Verneigung vor der ungewöhnlichen Freundschaft dieser so unterschiedlichen, sich in vielen Dingen aber auch sehr ähnlichen Protagonisten, das ist einfach grossartig.
Wertung: 8,5+ / 10

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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Ich hatte am WE eine ganz fabelhafte Western-Zweitsichtung, mehr dazu bald im Rahmen meiner zweiten Wildwest-Station...

Aber Gary Busey 1982 ein Junge? Der war doch schon fünf Jahre vorher in Big Wednesday der reifste der drei heranwachsenden Protagonisten. Oder bezeichnet der Behriff Bauernjunge nur seine Herkunft?
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

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Der alte Barbarosa nennt ihn halt immer Junge. Angesichts seines Backgrounds dürfte die Figur so um die Anfang 20 sein, gerade aufgrund seiner immer wieder thematisierten Naivität kann die nicht älter sein. Busey ist Baujahr 1944, war also beim Dreh ca. 37 - eigentlich zu alt für die Rolle und wenn man ihn sich genau anschaut - trotz Latzhose, Farmerhut und Bartflaum - dann geht er sicherlich nicht mehr als Anfang 20er durch. Aber auch hier gilt wieder: es spielt letztlich keine Rolle, weil Busey das darstellerisch und kraft seiner Ausstrahlung mehr als wett macht. Das ist ja dann am Ende auch das Magische am Schauspiel: dass dem Zuschauer etwas absolut glaubhaft vorgemacht wird. :)

Edit: btw: gerade mal 8 Jahre später spielte Busey in Bigelows Action-Meisterwerk Point Break dann den (mittel-)alten Mentor von Keanu Reeves - stilecht mit authentischer Plautze. :)
GoldenProjectile hat geschrieben: 15. April 2024 12:02 Ich hatte am WE eine ganz fabelhafte Western-Zweitsichtung, mehr dazu bald im Rahmen meiner zweiten Wildwest-Station...
Hawks?
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Re: Das Western-Genre: Tipps, Kritiken & Diskussionen

300
AnatolGogol hat geschrieben: 15. April 2024 12:10 Hawks?
Wie der findige General schon herausgefunden hat, habe ich als nächstes einige Lücken beim anderen prominenten Regisseur von John Wayne-Western aufgearbeitet. Hier ist der obligatorische Abriss, was sich getan hat:

Red River (1948)
Starker und interessanter Western, der durch die Tragweite seiner Geschichte eine gewisse epische Grösse ausstrahlt. Die vielen Manöver mit der endlosen Rinderherde, die der Duke und Monty erst in Texas aufziehen und dann nach Missouri treiben wollen sind eindrucksvoll in Szene gesetzt, selten wirkte das Academy-Standardformat von nur 1.37:1 so gross, so episch, wie wenn das Rindviech den Cowboys ausser Kontrolle gerät und wie eine gewaltige Flutwelle davontreibt. Wayne liefert im Zentrum eine beachtliche Darbietung, die wenig von seinem üblichen Heldentypus hat. Seine Wandlung
Spoiler
vom Pro- zum Anatgonisten
ist absolut gelungen und lässt die Konflikte immer weiter wachsen. Skeptischer bin ich noch gegenüber dem Ende, das grosse Erwartungen schürt, dann aber sehr abrupt abläuft,
Spoiler
wenn sich Monty und der Duke innert kürzester Zeit wieder vertragen,
auch wenn der sich schliessende Kreis, also dass Monty sich nun bewährt hat und seinen Namen mit aufs Brandmal setzen darf, wiederum gut passt.
Wertung: 8,5 / 10

Rio Bravo (1959)
Der einzige Western von Hawks, den ich schon kannte, was aber keinesfalls dagegen sprach, ihn gleich nochmal zu schauen. Es ist schon etwas besonderes, mit was für einem lockeren und launigen "Plauderton" Rio Bravo durchkommt, von der sehr effektvollen Eröffnungsszene ohne Dialog an ist Vergnügen vorprogrammiert. Dabei latscht Wayne gefühlt den halben Film vom Knast zum Hotel und wieder zurück, um sich abwechselnd mit Walter Brennan und Angie Dickinson herumzuärgern. Dean Martin und Ricky Nelson finden die Zeit und Musse für eine total badassige Country-Session im Sheriffsbüro. Und der grosse Shootout am Ende scheint mindestens genauso sehr zum Amüsement der Helden stattzufinden wie zur Niederstreckung der Schurken. Nichtsdestotrotz stehen aber auch die Alkoholprobleme von Martin und seine Dynamik mit dem Duke im Zentrum und halten den Film auf interessante und charaktergetriebene Art zusammen. Das wäre auch das einzige Gemäkel, dass diese Dynamik sogar noch etwas mehr im Zentrum hätte stehen können, und dafür vielleicht ein bisschen weniger Stumpy, der sich mit fortschreitender Laufzeit doch gefährlich nahe an die Grenze zur Nervensäge bewegt.
Wertung: 9 / 10

El Dorado (1966)
El Dorado spielt seinen grössten Trumpf gleich zu Beginn aus: Ein Song für die Ewigkeit über der herrlich illustrierten Titelsequenz. Vom restlichen Film heisst es gerne, das er fast als Remake von Rio Bravo durchgeht. Und tatsächlich: El Dorado erfindet zwar fast eine Stunde an neuer Handlung und Hintergrundgeschichte, um überhaupt in die gleiche Ausgangslage zu kommen, aber dann macht Mitchum-Bobby als Slapstick-Säufer vom Dienst fünf Minuten lang das Kalb und muss mit einem von Jimmy Caan gebrauten Zaubertrank geheilt werden, von da an werden Figurenkonstellation und Handlungsbausteine von Rio Bravo erstaunlich "originalgetreu" nachgespielt und leicht modifiziert. Aber das geschieht auf launige Art und Weise ist oft fast - aber auch nur fast- genauso gut, wie im ersten Durchlauf.
Wertung: 8 / 10

Rio Lobo (1970)
Zur Vollständigkeit gabs heute noch Hawks' letzten Western, der noch viel mehr Handlung und Hintergrundgeschichte, bis zurück in den Bürgerkrieg erfindet, nur um im letzten Akt (aber immerhin erst dann) Elemente der Rio-Bravo-Geschichte zu recyceln. Und es ist klar der schwächste von Hawks' Western, und wirkt trotz der vielen Aussenszenen und der relativ grossangelegten Kriegsmission etwas weniger hochwertig, was vielleicht auch daran liegt dass neben dem deutlich gealterten Duke eine prominente Besetzung vom Kaliber eines Martin oder Mitchum fehlt (der um alle Ecken schielende Jack Elam kann da nicht mithalten). Und der erzählerische Aufwand wirkt etwas überladen, wenn man bedenkt wie wirkungsvoll Hawks eine ähnliche Prämisse Jahre zuvor schon etablieren konnte, indem er einfach ohne grosse Erklärung in medias res gestartet hat. Trotzdem ist auch Rio Lobo ganz unterhaltsam, Jennifer O'Neill (!) und Sherry Lansing (!!!) sorgen für den Erotikfaktor und von Jerry Goldsmith gibt es was Gutes auf die Ohren. Nicht zuletzt ist der grosse Action-Shootout vielleicht sogar der beste und variantenreichste der drei Bravo-Versionen.
Wertung: 6,5 / 10
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