Re: Zuletzt gesehener Film

2401
MX87 hat geschrieben:Nur zur Info: Dass Coppola den Film vor allem wegen dem Geldanreiz gemacht hat, hatte er selber mehr oder weniger deutlich selber mal in einem späteren Interview angedeutet. Quasi ein offenes Geheimniss. Natürlich hat er dennoch versucht das beste zu machen und natürlich lag ihm die Serie "sein Baby" am Herzen. :wink:
Das ist mir bekannt, dennoch lässt sich davon nicht auf seine Motivation schliessen. Ich gehe ja auch wegen des Geldes jeden Tag zur Arbeit, deshalb mach ich trotzdem nicht Dienst-nach-Vorschrift (jedenfalls nicht immer :mrgreen: ). Übrigens hat Coppola Teil 1 auch nur des Geldes wegen gemacht, damit Zoetrope andere, "künstlerisch anspruchsvollere" Filme machen konnte - offen so von Coppola im Apocalypse Now-Making Of Ins Herz der Finsternis ausgesprochen - und Teil 1 wirft man gemeinhin ja auch nicht mangelnde Motivation von Seiten des Regisseurs vor. :wink:
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

2402
Wenn er Der Pate nur wegen des Geldes gemacht hätte, dann hätte er nicht so um seine Vision des Filmes gekämpft, dann hätte er den Film so gemacht wie das Studio ihn wollte. Das wäre dann aber ein ganz anderer Film geworden.

Ich habe gerade noch einmal seinen Dracula gesehen. Das ist in vielen Teilen noch einmal ein großer Film. Aber auch einer der eine andere Erzählerische Struktur haben müsste um etwas wirklich großes daraus zu machen. Und der auch manchmal rhythmische Probleme hat. Aber eben auch oft faszinierend. 8/10

Nach Dracula habe ich aufgehört mich für Coppola zu interessieren, und während ich alle alten Coppola Filme kenne, und auch alle mehrmals gesehen habe, kenne ich von seinen weiteren Filmen nur noch seine Grisham Verfilmung, und habe jetzt gerade festgestellt daß er gerade kürzlich 2 interessant aussehende Low Budget Filme gemacht hat, die anscheinend beide fast nicht gezeigt wurden.

Re: Zuletzt gesehener Film

2403
Maibaum hat geschrieben:Wenn er Der Pate nur wegen des Geldes gemacht hätte, dann hätte er nicht so um seine Vision des Filmes gekämpft, dann hätte er den Film so gemacht wie das Studio ihn wollte. Das wäre dann aber ein ganz anderer Film geworden.
Der Punkt ist aber: man kann etwas im ersten Moment durchaus aus monetären Überlegungen heraus machen UND trotzdem seinen künstlerischen Anspruch mit vollem Elan verwirklichen. Dass Geld der originäre Antrieb für Coppola war Teil 1 und 3 zu machen hat er ja selbst gesagt. Ich denke gerade bei Teil 3 interpretiert man gemeinhin zu viel rein weil der fertige Film aus welchen Gründen auch immer vielen Leuten einfach nicht so gut gefällt wie die beiden ersten Teilen. Es sei so - aber Rückschlüsse auf Coppolas Engagement sind hier kaum zielführend, die Gleichung guter Film = hohes Engagement, schwächerer Film = niedrigeres Engagement funktioniert halt nicht - nicht einmal bei Leuten wie Coppola.
Maibaum hat geschrieben:Ich habe gerade noch einmal seinen Dracula gesehen. Das ist in vielen Teilen noch einmal ein großer Film. Aber auch einer der eine andere Erzählerische Struktur haben müsste um etwas wirklich großes daraus zu machen. Und der auch manchmal rhythmische Probleme hat. Aber eben auch oft faszinierend. 8/10
Ich mag ihn auch, aber würde ihn deutlich schwächer einstufen als Pate 3. Die Rhythmik bemängle ich auch - und das extrem unterschiedliche Niveau der schauspielerischen Leistungen. Oldman ist klasse - Ryder ist furchtbar blass (Frost stiehlt ihr die Schau). Hopkins ist professionell und gut (wenngleich weit entfernt von seinen darstellerischen Highlights) - Reeves ist fehlbesetzt und ähnlich blass wie Ryder. Aber Tom Waits ist klasse. Ich würd in toto eine 7,5 geben.

Hab gestern mal wieder Vertigo gesehen - und was soll man sagen: ist halt absolut makellos. Was für ein Meisterwerk, ob es nun Hitchs bester ist darüber lässt sich streiten - immer in Abhängigkeit des persönlichen Geschmacks - aber mein Gott: was für ein Film! Was für eine Bildgewalt! Was für Symbolik! Welch großartige Darsteller! Was für fantastische Sets! Welch grandiose Musik! Makellos - eine 10 drückt nicht mal annähernd die Klasse dieses Films aus.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

2404
AnatolGogol hat geschrieben:
Der Punkt ist aber: man kann etwas im ersten Moment durchaus aus monetären Überlegungen heraus machen UND trotzdem seinen künstlerischen Anspruch mit vollem Elan verwirklichen. Dass Geld der originäre Antrieb für Coppola war Teil 1 und 3 zu machen hat er ja selbst gesagt. Ich denke gerade bei Teil 3 interpretiert man gemeinhin zu viel rein weil der fertige Film aus welchen Gründen auch immer vielen Leuten einfach nicht so gut gefällt wie die beiden ersten Teilen. Es sei so - aber Rückschlüsse auf Coppolas Engagement sind hier kaum zielführend, die Gleichung guter Film = hohes Engagement, schwächerer Film = niedrigeres Engagement funktioniert halt nicht -
Das wäre auch eine grobe Vereinfachung. Auch aus großem Engagement heraus entstehen teils miese Filme, wie es auch umgekehrt gute Filme geben kann bei denen sich keiner so richtig bemüht hat.

Letztendlich ist es im Nachhinein auch nicht immer leicht festzustellen wie ein Film und warum entstanden ist. Es wird auch von den Beteiligten viel gelogen, viel schöngeredet (oder auch schlechtgeredet), und auch das Gedächtnis interpretiert das was wirklich geschehen ist.
Will sagen, auch Aussagen von den Machern der Filme muß man immer mit viel Misstrauen begegnen.


Maibaum hat geschrieben:Ich habe gerade noch einmal seinen Dracula gesehen. Das ist in vielen Teilen noch einmal ein großer Film. Aber auch einer der eine andere Erzählerische Struktur haben müsste um etwas wirklich großes daraus zu machen. Und der auch manchmal rhythmische Probleme hat. Aber eben auch oft faszinierend. 8/10
Ich mag ihn auch, aber würde ihn deutlich schwächer einstufen als Pate 3. Die Rhythmik bemängle ich auch - und das extrem unterschiedliche Niveau der schauspielerischen Leistungen. Oldman ist klasse - Ryder ist furchtbar blass (Frost stiehlt ihr die Schau). Hopkins ist professionell und gut (wenngleich weit entfernt von seinen darstellerischen Highlights) - Reeves ist fehlbesetzt und ähnlich blass wie Ryder. Aber Tom Waits ist klasse. Ich würd in toto eine 7,5 geben.[/quote]
Ja Reeves ist wirklich schwach, und Ryder zumindest nicht durchweg gut. und Hopkins überzieht hemmungslos, was ich in vielen Filmen durchaus genießen kann, aber hier arbeitet es für mich oft gegen die Figur.
Interessant ist auch das Sex und Gewalt deutlicher gezeigt werden als ich es von dem durchästhetisierten Look des Filmes erwarten würde. Und als in einem Mainstream Hollywood Film üblich (was Dracula aber auch nicht ist).

Re: Zuletzt gesehener Film

2405
Wo nun auch die Gründe liegen. Der Pate III fällt für mich deutlich ab. Dramaturgie, Dialoge, Regie... alles kann nicht mit den beiden Vorgängern mithalten.

So nun mal gleich drei Reviews:

Sherlock Holmes - Spiel im Schatten
Im Vergleich zum Vorgänger ein viel besserer Film, der auch mehr vom typischen Guy Ritchie-Stil beinhaltet. Im Grunde ist die Fortsetzung eine Art Steampunk-Bondfilm: Man reißt durch ganz Europa, es gibt einen Bösewicht mit dem sich der Held ein (vorzügliches) Ego-Duell liefert usw. Dabei werden viele Gags des Vorgängers wieder aufgegriffen und zu Running Gags weiterentwickelt. Vor allem das Ego-Duell zwischen Holmes und Moriaty ist das Herz des Films, ähnlich wie bei GF.
Besser als der erste Teil.

8/10

X-Men - Erste Entscheidung
Mit Comicverfilmungen bei denen die Helden Superkräfte haben konnte ich bisher nie sonderlich groß etwas anfangen. Bisher sah ich aus dieser Reihe daher auch nur den ersten X-Men-Teil, den ich in Ordnung fand, aber mehr eben auch nicht.
Was Matthew Vaughn aber hier macht ist ein cineastisches Fest, bei dem die eigentlichen Kräfte gar nicht so exzessiv in den Vordergrund gestellt werden. Der Film stellt das Thema des anders seins und des (unfreiwilligen) Außenseitertums in den Vordergrund. Das ganze wiederum in der Zeitspanne zwischen 1944 und 1961. Allein die Idee, der Verwicklung von realen Geschehnissen und der Mutanten-fiktion ist blendend gestaltet und die Ansiedlung der Story in der Vergangenheit sorgt für ein unbeschreibliches Feeling und exorbitante Schauwerte. Das Production Design (in starker Anlehnung an die klassichen Bonds) ist sensationell. Im Grunde trägt dies - neben dem tollen Drehbuch - zum überaus epischen Feeling des Films bei. Die Darsteller sind ebenso gut ausgewählt und spielen ihre Rollen durch die Bank weg super. Michael Fassbender wäre hier als besonders bemerkenswert zu erwähnen. Sein Eric/Magneto glänzt durch Zerissenheit und darüber hinaus wirkt er - vor seinem Treffen mit Xavier - wie ein 60er Jahre Bond. Im übrigen kann sich der Soundtrack -überschanderweise - durchaus hören lassen.
Bin selber überrascht, dass mir ein "Superhelden mit Superkräften"-Film so sehr gefallen hat. Wahrscheinlich weil die eigentlichen Kräfte eher sparsam gezeigt wurden und man stattdessen das Drama in den Vordergrund rückte.

8,5 von 10


The Expendables 2 Review kommt dann bald,,,
"In a Bond film you aren't involved in cinema verite or avant-garde. One is involved in colossal fun."

Terence Young

Re: Zuletzt gesehener Film

2406
Endlich:

The Expendables 2
Rückblick: Der erste Teil war -insbesondere als Directors Cut - ein Fest für die Fans von Old-School-Action und die alten Action-Titanen. Als Selbstreferenz an dessen Hauptdarsteller diente vor allem die Kirchenszene, der Rest des Films verfolgte halbwegs ernst seine Handlung und Stallones Hauptcharakter.
Bei der Fortsetzung geht man andere Wege. Glücklicherweise muss man sagen, da eine weitere Handlung nach dem gleichen Prinzip wie Teil 1 wohl nur ein Aufguss gewesen wäre. In der Fortsetzung wird Selbstreferenz und das Sprengen der vierten Wand zu einer der Hauptmaxime ernannt. Im Grunde wirkt der Film in diesem Punkt mitunter wie die logische Fortführung der Anspielungen aufeinander die Stallone und Schwarzenegger in ihren Filmen hatten. Wer sich nicht erinnert sei an das Terminator-Plakat aus "Last Action Hero" erinnert, wo Stallone darauf zu sehen war. Die Handlung ist zwar vorhanden tritt aber mitunter dankbar in den Hintergrund, der Unterhaltungswert steigert sich nur immens dadurch. Der Film setzt im zeitgenössischen Kino Superlative in Sachen Ironie, Sarkasmus, Zynismus und wohl auch Boycount. :wink:
Das fängt schon am Anfang an. Schon wenn auf dem Kampfwagen Sprüche wie "Coming Soon", "Bad Attitude" oder auf dem Rambock "Knock Knock" stehen, weiss man woran man ist. Die Enthüllung wer so ganz "nebenbei" gerettet wird ist nicht so überraschend, aber macht klar warauf man sich gefasst machen kann: Mehr Arnie, mehr Willis usw. Liam Hemsworth wird schon von Anfang an als Opferlamm aufgebaut, allerdings so ehrlich plakativ, dass man es je nach Sichtweise positiv oder negativ sehen kann. Positiv deshalb weil es deutlich ein Antimoment zu dem derzeitigen Trend der plötzlichen Tode von Hauptcharakteren in Filmen ist. Wobei dies dann auch nicht er einzige Moment ist bei dem der Film den derzeitigen Trends und Konventionen ganz frech die Zunge rausstreckt. Hier wiederum ließe sich nennen, dass der Film sich über 95% der Zeit gar nicht mal selbst so ernst nimmt. Die ganzen Momente in denen die vierte Wand gesprengt wird, die Darsteller auf eigene Paraderollen anspielen oder ähnliches sind das Herz dieses Films. Ein paar Momente als Beispiel:

- Gunnars (Dolph Lundgren) akademischer Titel vom Massachusets Institute of Technology, kurz MIT. ROFL !!!
- "Who's next? Rambo?"
- "Yippee Yaah Yeah"
- "I'm back."
- Die ganzen aus dem ersten Teil wieder vorkommenden Running Gags, inklusive der neuen, die wohl wieder zum Selbstläufer-Insider-Gag werden.
- Ceasars Morgenkaffe und "Frischluftpause" bei der er die Bösen ankommen sieht. Geht schon fast in den Slapstick über.
- ALLE Szenen mit Chuck Norris, ob den Gerüchten (Schlange!) oder, dass er Einzelkämpfer ist und im alter "sanfter" geworden ist.

Die Liste ließe sich nahezu endlos fortsetzen. Die Oneliner die gerissen werden sind grandios und mitunter genauso abgehoben wie der Film selbst. Grandios auch Stallone und Statham die sich auch in Teil 2 wieder anpienzen wie ein altes Ehepaar. Allerdings hier NOCH mehr. Auch dies ist NOCH besser als im ersten Teil. Auch bei den restlichen Darstellern lässt sich ähnliches Sagen. Jean-Claude van Damme als Gegner trifft voll ins Schwarze und sein Jean Villian ist ein perfekter Bösewicht. Hoffentlich machen die Macher ihre idee wahr und van Damme kehrt als Zwillingsbruder Claude Villian für Expendables 3 zurück.
Im Grunde ist der Film gespickt mit kultverdächtigen Momenten. Der Humor ist natürlich schräg oder eher ziemlich derb.

Die Produktionswerte sind ähnlich wie beim ersten Teil gut und einzig einzelne CGI-Shots (Hubschrauber) kann man als wirklich billig bezeichnen, wobei dies auch den B-Movie Charakter nur unterstreicht. Der Soundtrack überrascht mit eindrucksvoller Untermalung, die Brutalität der Expendables wurde auch musikalisch überaus treffend untermalt. Ebenso fällt die wesentlich ruhigere Regie auf, da es hier wesentlich weniger eine wackelnde Kamera gibt als bei Teil 1.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es jedoch. In der Mitte nimmt der Film etwas Tempo heraus und widmet sich mehr seiner eigentlichen Story. Da dies aber derer zugutekommt und zumindest etwas mehr Fokus auf die Geschichte lenkt ist es ok. Nur geht die Unterhaltungskurve verglichen mit dem vorherigen Oneliner- und Action-Rausch runter.

Fazit: Den Film kann man je nach Sichtweise als Satire, Komödie oder als Trash bezeichnen. Ich bin selber unschlüssig, allerdings weis ich, dass der Film eine Riesen-Gaudi war. Das konnte man auch an der Stimmung im Kinosaal sehen. Wer hier normale Maßstäbe zur Filmbewertung ansetzt muss scheitern. Der einzige Zweck des Films ist das Feiern seiner Action-Ikonen und irrsinnige Unterhaltung zu bieten. Oder um an den Bondregisseur aus meiner Signatur anzuspielen: The Expendables 2 ist nicht Arthouse oder sonst irgendwas, der Streifen ist einfach nur kolossaler Spaß.

10/10 Punkte !!!!
"In a Bond film you aren't involved in cinema verite or avant-garde. One is involved in colossal fun."

Terence Young

Re: Zuletzt gesehener Film

2407
MX87 hat geschrieben:Endlich:

The Expendables 2
Rückblick: Der erste Teil war -insbesondere als Directors Cut - ein Fest für die Fans von Old-School-Action und die alten Action-Titanen. Als Selbstreferenz an dessen Hauptdarsteller diente vor allem die Kirchenszene, der Rest des Films verfolgte halbwegs ernst seine Handlung und Stallones Hauptcharakter.
Bei der Fortsetzung geht man andere Wege. Glücklicherweise muss man sagen, da eine weitere Handlung nach dem gleichen Prinzip wie Teil 1 wohl nur ein Aufguss gewesen wäre. In der Fortsetzung wird Selbstreferenz und das Sprengen der vierten Wand zu einer der Hauptmaxime ernannt. Im Grunde wirkt der Film in diesem Punkt mitunter wie die logische Fortführung der Anspielungen aufeinander die Stallone und Schwarzenegger in ihren Filmen hatten. Wer sich nicht erinnert sei an das Terminator-Plakat aus "Last Action Hero" erinnert, wo Stallone darauf zu sehen war. Die Handlung ist zwar vorhanden tritt aber mitunter dankbar in den Hintergrund, der Unterhaltungswert steigert sich nur immens dadurch. Der Film setzt im zeitgenössischen Kino Superlative in Sachen Ironie, Sarkasmus, Zynismus und wohl auch Boycount. :wink:
Das fängt schon am Anfang an. Schon wenn auf dem Kampfwagen Sprüche wie "Coming Soon", "Bad Attitude" oder auf dem Rambock "Knock Knock" stehen, weiss man woran man ist. Die Enthüllung wer so ganz "nebenbei" gerettet wird ist nicht so überraschend, aber macht klar warauf man sich gefasst machen kann: Mehr Arnie, mehr Willis usw. Liam Hemsworth wird schon von Anfang an als Opferlamm aufgebaut, allerdings so ehrlich plakativ, dass man es je nach Sichtweise positiv oder negativ sehen kann. Positiv deshalb weil es deutlich ein Antimoment zu dem derzeitigen Trend der plötzlichen Tode von Hauptcharakteren in Filmen ist. Wobei dies dann auch nicht er einzige Moment ist bei dem der Film den derzeitigen Trends und Konventionen ganz frech die Zunge rausstreckt. Hier wiederum ließe sich nennen, dass der Film sich über 95% der Zeit gar nicht mal selbst so ernst nimmt. Die ganzen Momente in denen die vierte Wand gesprengt wird, die Darsteller auf eigene Paraderollen anspielen oder ähnliches sind das Herz dieses Films. Ein paar Momente als Beispiel:

- Gunnars (Dolph Lundgren) akademischer Titel vom Massachusets Institute of Technology, kurz MIT. ROFL !!!
- "Who's next? Rambo?"
- "Yippee Yaah Yeah"
- "I'm back."
- Die ganzen aus dem ersten Teil wieder vorkommenden Running Gags, inklusive der neuen, die wohl wieder zum Selbstläufer-Insider-Gag werden.
- Ceasars Morgenkaffe und "Frischluftpause" bei der er die Bösen ankommen sieht. Geht schon fast in den Slapstick über.
- ALLE Szenen mit Chuck Norris, ob den Gerüchten (Schlange!) oder, dass er Einzelkämpfer ist und im alter "sanfter" geworden ist.

Die Liste ließe sich nahezu endlos fortsetzen. Die Oneliner die gerissen werden sind grandios und mitunter genauso abgehoben wie der Film selbst. Grandios auch Stallone und Statham die sich auch in Teil 2 wieder anpienzen wie ein altes Ehepaar. Allerdings hier NOCH mehr. Auch dies ist NOCH besser als im ersten Teil. Auch bei den restlichen Darstellern lässt sich ähnliches Sagen. Jean-Claude van Damme als Gegner trifft voll ins Schwarze und sein Jean Villian ist ein perfekter Bösewicht. Hoffentlich machen die Macher ihre idee wahr und van Damme kehrt als Zwillingsbruder Claude Villian für Expendables 3 zurück.
Im Grunde ist der Film gespickt mit kultverdächtigen Momenten. Der Humor ist natürlich schräg oder eher ziemlich derb.

Die Produktionswerte sind ähnlich wie beim ersten Teil gut und einzig einzelne CGI-Shots (Hubschrauber) kann man als wirklich billig bezeichnen, wobei dies auch den B-Movie Charakter nur unterstreicht. Der Soundtrack überrascht mit eindrucksvoller Untermalung, die Brutalität der Expendables wurde auch musikalisch überaus treffend untermalt. Ebenso fällt die wesentlich ruhigere Regie auf, da es hier wesentlich weniger eine wackelnde Kamera gibt als bei Teil 1.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es jedoch. In der Mitte nimmt der Film etwas Tempo heraus und widmet sich mehr seiner eigentlichen Story. Da dies aber derer zugutekommt und zumindest etwas mehr Fokus auf die Geschichte lenkt ist es ok. Nur geht die Unterhaltungskurve verglichen mit dem vorherigen Oneliner- und Action-Rausch runter.

Fazit: Den Film kann man je nach Sichtweise als Satire, Komödie oder als Trash bezeichnen. Ich bin selber unschlüssig, allerdings weis ich, dass der Film eine Riesen-Gaudi war. Das konnte man auch an der Stimmung im Kinosaal sehen. Wer hier normale Maßstäbe zur Filmbewertung ansetzt muss scheitern. Der einzige Zweck des Films ist das Feiern seiner Action-Ikonen und irrsinnige Unterhaltung zu bieten. Oder um an den Bondregisseur aus meiner Signatur anzuspielen: The Expendables 2 ist nicht Arthouse oder sonst irgendwas, der Streifen ist einfach nur kolossaler Spaß.

10/10 Punkte !!!!
Super Review, MX87! Stimme 100 Prozent mit überein! Wie du meinem eigenen Review entnehmen kannst scheinen wir vieles an dem Film genau gleich (positiv) zu sehen, z.B. dass es neben Verweisen auf die "alten" Filme auch viele auf den ersten "Expendable" bezogene Insider-Gags gibt, aber auch vieles mehr! Der Film bringt Selbstironie und Hardcore-Action auf derart simple wie brillante Art in ein Gleichgewicht, dass es einfach eine Freude ist. :D Boom-lay, Boom-lay Boom!
We'll always have Marburg

Let the sheep out, kid.

Re: Zuletzt gesehener Film

2408
Ja und der Film bietet etliche Szenen die wirklich Kultverdächtig sind, beispielsweise die Smart-Szene.

Den Endspruch den die Expendables am Ende aufsagen ist echt super. Hier wird bezug genommen auf zwei Songs aus dem ersten Teil.

- Das "Mambo Jambo" stammt aus dem Song "Sinner's Prayer" von Sully Erna. Er wurde für die komplett neue Credit-Szene des Extended Cuts verwendet. Hier mal der Song:


- Das "Boom Lay Boom" dürfte klar sein: Shinedown - Diamond Eyes:


Selbst nach fast 4 Tagen seit ich den Film gesehen habe bin ich noch davon geflasht.
"In a Bond film you aren't involved in cinema verite or avant-garde. One is involved in colossal fun."

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Re: Zuletzt gesehener Film

2409
Den Spruch haben sie ja im ersten Teil schon aufgesagt, während der Flugreise nach Vilena kurz vor dem Finale. Die Szene kommt aber genau wie die beiden Lieder Sinner's Prayer und Diamond Eyes (das ich in den letzten Monaten rauf und runter gehört habe) nur im Extended Director's Cut vor. Ich liebe das Verslein auf jeden Fall und sehe es als eine Art Schlachtruf oder Motto der Expendables (eher Schlachtruf, das Motto wäre dann We are the shadow and the smoke in your eyes, we are the ghosts that hide in the night :wink: ). Die Smart Szene ist natürlich ebenfalls einer von vielen starken Höhepunkten des Films. Ich liebe Bruce' Blick, als Arnold die Türe zerstört und daraufhin den Spruch ablässt. :D
Ich habe den Film bis jetzt zweimal im Kino gesehen (30. August und 2. September) und gehe vielleicht sogar noch ein drittes Mal.
We'll always have Marburg

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Re: Zuletzt gesehener Film

2414
The Expendables 2, Simon West, 2012

Erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit schon über die Involvierung von noch weiteren Ex-/B-Stars für einen dritten Teil geredet wird, wo doch ein Blick auf das eher enttäuschende Einspielergebnis entgültig klar machen müsste, dass selbst der größte Action-Nostaligiker etwas mehr möchte als eine pure Ansammlung von Action-Prominenz. Schon der erste Teil von Stallones Klassentreffen glänzte nicht grade mit einer ausgefeilten Story auf oder einer geschliffenen Dramaturgie. Doch immerhin nahmen sich die Stars ernst und in Summe wohl Stallone als Regisseur auch den Film in gewissem Umfang. Zudem brachte Mickey Rourke sogar etwas schauspielerischen Tiefgang ins Popkorn Filmchen. Dieses mal ist alles anders. Unter der Regie von Simon West wird die Action aufwendiger und zudem deutlich souveräner inszeniert und gefilmt. Doch leider verkommt der Film auch zu einer Anhäufung von Selbst-Ironie die leider zu oft die Grenze überschreitet und zur Parodie wird. Wenn Willis, Schwarzenegger und Co. sich die eigenen One-Liner aus ihrer Filmhistorie um die Ohren hauen oder wenn Chuck Norris in einem absurden Cameo Auftritt einen Chuck Norris Witz zum Besten gibt, dann wird leider all zu deutlich die "vierte Wand" durchbrochen. Zudem ist auch dieses mal die Handlung wieder ein Witz und eher noch durch Zufälle und Absurditäten geprägt. Schlimmer aber ist, dass wie schon in Teil 1 kaum ein Spruch zündet, ständig wundert man sich, warum man nicht lachen kann. Kann es denn so schwer sein, diesen für ihre Sprüche bekannten Ikonen würdige Sätze in den Mund zu legen? Herje, selbst wenn sich Arnie, Bruce, Sly und Co. ohne Drehbuch unterhalten hätten, es wäre sicher eher auf den Punkt gewesen. Schade! Als Lichtblick bleibt eigentlich nur Jean Claude van Damme, der als Bösewicht nach viel zu langer Zeit wieder mal auf der großen Leinwand glänzen kann. Er macht eine ausgezeichnete Figur, nur um dann im Showdown in einem zu kurzen Kampf verheizt zu werden.

So wird das leider nichts mit einem durchschlagenden Erfolg der Prügelknaben. Wenn es denn doch dazu kommen sollte, dann sollte in Teil 3 jemand die Regie übernehmen, der sich wirklich etwas traut, der überraschende Wege geht. Ein deutlich besseres Script von jemandem der diese Art von Dialoge beherrscht, ist sowieso Grundvoraussetzung.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Zuletzt gesehener Film

2415
danielcc hat geschrieben: Erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit schon über die Involvierung von noch weiteren Ex-/B-Stars für einen dritten Teil geredet wird, wo doch ein Blick auf das eher enttäuschende Einspielergebnis entgültig klar machen müsste...
Stand Expendables 2 in den Staaten nicht deutlich an der Spitze der Kinocharts? Läuft der Film denn nicht immer noch?! :?
...dass selbst der größte Action-Nostaligiker etwas mehr möchte als eine pure Ansammlung von Action-Prominenz... dann wird leider all zu deutlich die "vierte Wand" durchbrochen.
Interessant, denn wenn ich mir die allgemeinen Erwartungen zum Film in Form von Kritiken, Youtube-Kommentaren und Kommentaren zu Presseberichten so ansehe (und das habe ich!) sind genau das die Erwartungen der Zielgruppe und wurden von dem Film auch erreicht, bzw. übertroffen - zumindest bei einem relativ hogen Prozentsatz der Zielgruppe (Zielgruppe! nicht Publikum!).
...glänzte nicht grade mit einer ausgefeilten Story auf oder einer geschliffenen Dramaturgie.
Auch hier gilt: sich noch einmal vor Augen führen, was die Fans/die Zielgruppe überhaupt von dem Film erwarten! Warum sich Leute diesen Film ansehen sollten, ohne genau zu wissen was sie erwartet ist mir ziemlich schleierhaft :roll:
Chuck Norris in einem absurden Cameo ... Schlimmer aber ist, dass wie schon in Teil 1 kaum ein Spruch zündet, ständig wundert man sich, warum man nicht lachen kann.
Jetzt reflektierst du deine eigene Meinung aber ziemlich stark auf die Allgemeinheit! Wenn ich daran denke wie unser verhältnismässig stark gefüllter Kinosaal bei Sprüchen und Dialogen immer wieder lachen musste und wie bei der Norris-Szene gegrölt und geklatscht wurde, dann fehlt es diesem Kommentar von deiner Seite aus meiner Sicht arg an Glaubwürdigkeit.
Kann es denn so schwer sein, diesen für ihre Sprüche bekannten Ikonen würdige Sätze in den Mund zu legen?
Wie jetzt... die Ikonen sind für Sprüche berühmt, die wenn sie in einem neuen Film rezitiert werden unwürdig sind?
We'll always have Marburg

Let the sheep out, kid.