Endlich:
The Expendables 2
Rückblick: Der erste Teil war -insbesondere als Directors Cut - ein Fest für die Fans von Old-School-Action und die alten Action-Titanen. Als Selbstreferenz an dessen Hauptdarsteller diente vor allem die Kirchenszene, der Rest des Films verfolgte halbwegs ernst seine Handlung und Stallones Hauptcharakter.
Bei der Fortsetzung geht man andere Wege. Glücklicherweise muss man sagen, da eine weitere Handlung nach dem gleichen Prinzip wie Teil 1 wohl nur ein Aufguss gewesen wäre. In der Fortsetzung wird Selbstreferenz und das Sprengen der vierten Wand zu einer der Hauptmaxime ernannt. Im Grunde wirkt der Film in diesem Punkt mitunter wie die logische Fortführung der Anspielungen aufeinander die Stallone und Schwarzenegger in ihren Filmen hatten. Wer sich nicht erinnert sei an das Terminator-Plakat aus "Last Action Hero" erinnert, wo Stallone darauf zu sehen war. Die Handlung ist zwar vorhanden tritt aber mitunter dankbar in den Hintergrund, der Unterhaltungswert steigert sich nur immens dadurch. Der Film setzt im zeitgenössischen Kino Superlative in Sachen Ironie, Sarkasmus, Zynismus und wohl auch Boycount.
Das fängt schon am Anfang an. Schon wenn auf dem Kampfwagen Sprüche wie "Coming Soon", "Bad Attitude" oder auf dem Rambock "Knock Knock" stehen, weiss man woran man ist. Die Enthüllung wer so ganz "nebenbei" gerettet wird ist nicht so überraschend, aber macht klar warauf man sich gefasst machen kann: Mehr Arnie, mehr Willis usw. Liam Hemsworth wird schon von Anfang an als Opferlamm aufgebaut, allerdings so ehrlich plakativ, dass man es je nach Sichtweise positiv oder negativ sehen kann. Positiv deshalb weil es deutlich ein Antimoment zu dem derzeitigen Trend der plötzlichen Tode von Hauptcharakteren in Filmen ist. Wobei dies dann auch nicht er einzige Moment ist bei dem der Film den derzeitigen Trends und Konventionen ganz frech die Zunge rausstreckt. Hier wiederum ließe sich nennen, dass der Film sich über 95% der Zeit gar nicht mal selbst so ernst nimmt. Die ganzen Momente in denen die vierte Wand gesprengt wird, die Darsteller auf eigene Paraderollen anspielen oder ähnliches sind das Herz dieses Films. Ein paar Momente als Beispiel:
- Gunnars (Dolph Lundgren) akademischer Titel vom Massachusets Institute of Technology, kurz MIT. ROFL !!!
- "Who's next? Rambo?"
- "Yippee Yaah Yeah"
- "I'm back."
- Die ganzen aus dem ersten Teil wieder vorkommenden Running Gags, inklusive der neuen, die wohl wieder zum Selbstläufer-Insider-Gag werden.
- Ceasars Morgenkaffe und "Frischluftpause" bei der er die Bösen ankommen sieht. Geht schon fast in den Slapstick über.
- ALLE Szenen mit Chuck Norris, ob den Gerüchten (Schlange!) oder, dass er Einzelkämpfer ist und im alter "sanfter" geworden ist.
Die Liste ließe sich nahezu endlos fortsetzen. Die Oneliner die gerissen werden sind grandios und mitunter genauso abgehoben wie der Film selbst. Grandios auch Stallone und Statham die sich auch in Teil 2 wieder anpienzen wie ein altes Ehepaar. Allerdings hier NOCH mehr. Auch dies ist NOCH besser als im ersten Teil. Auch bei den restlichen Darstellern lässt sich ähnliches Sagen. Jean-Claude van Damme als Gegner trifft voll ins Schwarze und sein Jean Villian ist ein perfekter Bösewicht. Hoffentlich machen die Macher ihre idee wahr und van Damme kehrt als Zwillingsbruder Claude Villian für Expendables 3 zurück.
Im Grunde ist der Film gespickt mit kultverdächtigen Momenten. Der Humor ist natürlich schräg oder eher ziemlich derb.
Die Produktionswerte sind ähnlich wie beim ersten Teil gut und einzig einzelne CGI-Shots (Hubschrauber) kann man als wirklich billig bezeichnen, wobei dies auch den B-Movie Charakter nur unterstreicht. Der Soundtrack überrascht mit eindrucksvoller Untermalung, die Brutalität der Expendables wurde auch musikalisch überaus treffend untermalt. Ebenso fällt die wesentlich ruhigere Regie auf, da es hier wesentlich weniger eine wackelnde Kamera gibt als bei Teil 1.
Einen kleinen Kritikpunkt gibt es jedoch. In der Mitte nimmt der Film etwas Tempo heraus und widmet sich mehr seiner eigentlichen Story. Da dies aber derer zugutekommt und zumindest etwas mehr Fokus auf die Geschichte lenkt ist es ok. Nur geht die Unterhaltungskurve verglichen mit dem vorherigen Oneliner- und Action-Rausch runter.
Fazit: Den Film kann man je nach Sichtweise als Satire, Komödie oder als Trash bezeichnen. Ich bin selber unschlüssig, allerdings weis ich, dass der Film eine Riesen-Gaudi war. Das konnte man auch an der Stimmung im Kinosaal sehen. Wer hier normale Maßstäbe zur Filmbewertung ansetzt muss scheitern. Der einzige Zweck des Films ist das Feiern seiner Action-Ikonen und irrsinnige Unterhaltung zu bieten. Oder um an den Bondregisseur aus meiner Signatur anzuspielen: The Expendables 2 ist nicht Arthouse oder sonst irgendwas, der Streifen ist einfach nur kolossaler Spaß.
10/10 Punkte !!!!