Ja, das beschreibt QOS sehr gut. Lustigerweise ist die Actioninszenierung des Films insgesamt das, womit ich am wenigsten ein Problem habe. Es ist etwas schade, dass 1-2 interessante Stunts etwas verpuffen aufgrund des Actionstils, aber grundsätzlich sind in QOS einige richtig starke Actionmomente. Die Autojagd zu Beginn ist vermutlich mein Highlight, die ist richtig flott, dynamisch, "zackig". Es ist aber sehr viel Action und ob gerade in der ersten halben Stunde gleich drei wirklich lange Verfolgungsjagden sein müssen, sei mal dahingestellt. Man kann das mögen, weil es den Film eben so rasant und pausenlos wirken lässt, aber das "atemlose" ist für mich nicht zwingend und generell hätten QOS ein paar ruhigere Momente gut getan.vodkamartini hat geschrieben: 5. Mai 2022 19:46 Ich finde auch, dass er so gut wie alles vermissen lässt, was Bond bis dato ausgemacht hatte. Mir gefällt auch die offensichtliche Bourne-Anbiederung nicht, das sollte Bond nicht nötig haben. (...) Der Film ist kurz, ja, aber auch kurzweilig. Er ist sehr schnell, aber er ist auch rhythmisch und wenn man sich darauf einlässt, dann ist es wie eine rasante Fahrt. (...) Der Film ist wie er ist und es passt irgendwie.
Beispielsweise finde ich die Mathis-Figur eher verschenkt. Der taucht eigentlich nur kurz auf, sagt ungefähr dreimal dasselbe über Vesper ("Sie hat Sie geliebt" - woher er das wissen will, bleibt unklar) und stirbt dann sofort wieder. Auch sind generell die Anbindungen an CR nicht gelungen. Alle, die hier gerne sagen, man solle CR und QOS am besten am Stück gucken, kann ich nicht verstehen. Für mich passen die Filme kaum zusammen. Der Bond, der in der CR-Schlussszene selbstsicher Mr. White besucht, ist ein Bond am Ende eines Prozesses, was in QOS für ein erneutes Aufgreifen der ganzen Vesper-Thematik geopfert wird.
QOS hat eine enorme Effizienz, die ich an dem Film schätze. Forster inszeniert sehr stilsicher und packend. Er schneidet teilweise Bewegungen, die nur wenige Sekunden Raum einnehmen würden, rigoros weg und zeigt nur das absolut Essentielle. Sowas gefällt mir, es signalisiert eine absolute gestalterische Kontrolle über das Material. Ihm gelingen durch recht simple Kniffe auch ganz tolle Momente, etwa die Parallelmontage in der Tosca-Oper. Die Szene (vor allem auch durch das Weglassen des Tons für einige Sekunden) macht Laune und Eindruck. Mein Highlight des ganzen Films ist aber der erste Auftritt von Fields. Gemma Arterton sieht in diesem langen Mantel super sexy aus, die Taxifahrer-Fahrt ist witzig und trifft das Ambiente, der Hotel-Gag ("Lehrer auf Urlaub - und haben im Lotto gewonnen") sitzt, die Sprüche sind cool, und Bond braucht keinen lahmen Spruch, um das Mäuschen ins Bett zu kriegen, sondern kann sagen was er will, weil die eh schon angetan ist. Top!
Diese Effizienz fordert aber auch ihren Tribut, denn so entstehen manchmal Dialoge, die aus der Expositionshölle kommen. Die erste Szenen mit Dominic Greene, als er in Haiti mit Camille spricht, ist der Horror. Da fallen wirklich Sätze wie: "Du hast nur mit mir geschlafen, um an General Medrano heranzukommen, dieser machthungrige Diktator" oder irgendwas in die Richtung. Solche Momente passieren häufiger und gehen eigentlich gar nicht. Es gibt auch Szenen in QOS, in denen das zentrale Motiv des Films auf uneleganteste Weise in Dialoge gezwungen wird, so wie Ms dummes "Ich muss wissen, ob ich Ihnen trauen kann, Bond" zu Beginn des Films, aber diese Kröte muss man schlucken, wenn Rhythmus und Tempo alles sind und ein Film nie pausieren darf. Ich kann insgesamt damit ganz gut leben, verstehe allerdings jeden, den das stört.
Den Autorenstreik merkt man der löchrigen Handlung aber an (oder sagen wir lieber: man würde ihn der löchrigen Produktion anmerken, wenn spätere Bonds nicht ohne Streik sogar noch größere Löcher geschaffen hätten). Mein liebster "Hand klatscht an die Stirn"-Moment kommt nach der Bootsjagd, als Bond die gerettete Camille irgendeinem Dude in die Arme drückt und sie zurücklässt - eine Frau, von der er WEIß, dass sie Infos über die Männer hat, die er verfolgt. Das ist vollkommen absurd und für mich ein ähnlicher Klops wie der in TMWTGG fröhlich davon fahrende Lieutenant Hip (oder Hop? Wie hieß er?).
Mein größter Dorn im Auge bei QOS ist aber der zentrale Konflikt des Films zwischen Bond und M, weil er genau auf dem Klischee aufbaut, bei dem ich immer mit den Augen rolle - nämlich, wenn zwei Figuren nur deshalb mit einander im Clinch liegen, weil einer von beiden zu dumm ist, den Mund aufzumachen. Eigentlich ist die grundsätzliche Idee von QOS cool: Obwohl Bond sich nicht falsch benimmt und professionell an seiner Mission arbeitet, sieht es für den Rest der Welt so aus, als sei er auf einem rücksichtslosen Rachetrip - und so gerät er auf die Abschussliste seiner Verbündeten, und sogar M zweifelt an ihm. Aber das Problem ist, dass Bond in dem Fall nicht unabsichtlich in die Scheiße gleitet, sondern scheinbar einfach keine Lust hat, sich mal in einem einzigen Satz zu verteidigen.
Als M ihn blöd anmacht, weil er Mitchell getötet hat, sagt er nicht "Es war ein Kampf auf Leben und Tod und ich hatte in dem Moment keine andere Wahl", sondern er sagt: nix. Als sie anruft und ihn wegen Slate maßregelt, er möge doch bitte nicht jeden Verdächtigen sofort umbringen, sagt er nicht "Slate hat mich von hinten angegriffen und ist im Getümmel gestorben, es war keine gezielte Tötung", sondern er sagt: nix. Als sie Bond erneut anruft und auf die Ermordung des Wachmanns von Guy Haines anspricht, sagt er nicht "Moment mal: Ich hab den Mann nicht erschossen", sondern er sagt: nix. Als er im Hotel in Bolivien auf M trifft und die erneut sagt, dass sie ihm nicht trauen kann, sagt er nicht "M, es geht hier nicht um Öl. Eine Frau vom bolivianischen Geheimdienst, Camille Montez, und ich haben in Erfahrung gebracht, dass Greene unterirdisch einen Wasser-Damm angelegt hat - rufen sie die Bolivianer an, wir müssen sie warnen", sondern er sagt: nix.

QOS sehe ich daher als schrägen Bondfilm an, weil oft das große Ganze für mich nicht funktioniert, aber viele kleine Details exzellent sind, sehr viele gute Einfälle sich durch den ganzen Film ziehen, die Bildgestaltung durchweg auf höchstem Niveau ist. Die Szene, in der M beim Abschminken gezeigt wird, ist so ein richtig schöner Einfall. Alle Auftritte vom sau coolen Jeffrey Wright sind klasse, vor allem sein Dialog mit Beam über vollgepisste Pfützen und Pepperoni.

Und das Bedrohungsszenario wird um Welten besser altern als sehr viele andere Bonds: Die Kriege um Wasser als Ressource stehen uns bevor, haben teilweise schon begonnen. Man kann QOS ehrlich gesagt nicht gucken, ohne bei Quantum ein wenig an Nestlé zu denken. Obwohl QOS längst nicht so politisch oder komplex ist, wie das gerne mal unter Fans anklingt, und selbst seine Kritik an Institutionen und Geheimdiensten eher naiv daherkommt, er den Bourne-Filmen in ihrer Königsdisziplin also nicht das - jetzt kommts! - Wasser reichen kann - hahaha! -, ist der grundlegende Ansatz hinter Greenes Vorhaben eine sehr gute Idee und passt zum geerdeten Ansatz, den man bei Craigs ersten zwei Bonds probieren wollte.
Hab ich irgendwo kürzlich was von 8/10 geschrieben? 7/10 sind näher an der Wahrheit. QOS ist ein Film, der sehr viel besser ist, als die breite Masse ihn macht, der aber auch deutlich schwächer ist, als seine Bewunderer ihn finden.